Was hilft, Völker in ihrer Überlebenskraft zu unterstützen?

  • Entschuldigung, es war das JKI und nicht das BfR. Das BfR hatte aber Studien des JKI für eine Bewertung genutzt. Darum die Verwechselung.

    Damals stand es deutlicher in einer Veröffentlichung. Heute habe ich, auf die Schnelle, das dazu gefunden:

    Zitat

    Die Dosierungen werden so gewählt, dass bei der niedrigsten möglichst keine und bei der höchsten alle Bienen einer Versuchsgruppe sterben. Die Dosis, bei der genau 50 von 100 Bienen sterben (= LD50), wird errechnet.


  • ...ich kann dir versichern, dass zumindest alle Studien an denen ich beteiligt war diesen Standards genügen.

    Das zweifle ich gar nicht an, im Gegenteil - im Detail sehr akribisch, in der Zielsetzung klare Strategie.

    Und dennoch wird die Aussagekraft der Hypothese höher bewertet und die Studien angezweifelt, weil nicht 20 Werte auf dem Tisch liegen.

    Es ist eben sichtbar für Imker, die etwas länger dabei sind und genau hinschauen. Nicht ständig, aber doch immer wieder findet man in praxi diese Hypothese bestätigt. Und darin liegt ja meine Kritik: Bei verlängerter Studiendauer und intoxikationsfreien Kontrollvölkern könnte man diese Hypothese widerlegen oder bestätigen. Warum wird's nicht gemacht ?

    Auf dieser Grundlage ist die Diskussion tatsächlich postfaktisch und rase hat gar nicht mal so unrecht mit der Trumpisierung dieser Diskussion.

    Wir hatten bisher einen sachlichen Austausch - das ist aber unter Deinem Niveau. Nur weil sich in der Praxis etwas zeigt, was viele Imker nicht verstanden haben und einer hypothetisch etwas konstruiert, was den praktischen Abläufen ziemlich gut entspricht, kann man dem das "Prädikat Faktum" nicht absprechen. Der Nachweis dessen, wäre von Bieneninstituten oder gar von der Agrarindustrie zu führen. Erstere haben gar nicht das Geld dafür, Letztere lehnen es wg. des Risikos negativer Ergebnisse ab.

    Ich möchte nicht weiter auf einzelne Punkte eingehen, da wir langsam anfangen uns im Kreise zu drehen und ich hier nicht überzeugen, sondern nur erklären möchte.

    Akzeptiert, das ist auch meine Absicht - ich fasse zusammen:


    1. Studien sind nach GLP Gesichtspunkten angelegt und werden im Detail nachvollziehbar durchgeführt.

    2. Die Zielsetzung (Strategie) der Studien ist, nur Stoffe zuzulassen, die binnen einer Saison nicht messbar bienenschädlich sind.

    3. LD50-Bestimmungen werden im Labor an wenigen adulten Bienen vorgenommen.

    4. Kontrollvölker stehen an nicht mit der jew. Substanz gespritzten Feldern in mind. 4 km Entfernung.


    Meine Kritik dazu:


    1. Studien sind zu kurz ausgelegt, um auch subletale, langfristige Schädigungen zu finden.

    2. Kontrollvölker sind zwar auf Abwesenheit des eingesetzten Studien-PSM geprüft, jedoch nicht auf andere im Umkreis eingesetzte. Das macht die Kontrolle zweifelhaft.

    3. Langzeiteffekte wie Kumulation von toxischen PSM im Pollen und im Wachs infolge der beigemischten Lösungsvermittler werden nicht kontrolliert

    4. Synergismen von unterschiedlichen PSM, die parallel angewendet werden, sind noch gar nicht erfasst worden.


    Die Ausgangsfrage, ob ein Volk ursächlich ausschließlich am Varroabefall stirbt oder ob es vorher wesentliche negative Einflüsse auf die Resilienz durch PSM gibt, ist aus meiner Sicht nicht zu beantworten, solange man das Studiendesign nicht entsprechend auslegt.


    Es gibt da keine Gewinner. Zumindest nicht langfristig.

    Das ist die traurige Essenz und wir werden damit zurechtkommen müssen.


    Besten Dank für die Diskussion


    Rainer

  • Hallo Llecter,

    so ich es nicht übersah, vergaßest Du es zu erwähnen, für wen Du arbeitest.

    Gruß
    Manne

    Hallo Manne,


    das habe ich sicher nicht vergessen. Ich verkaufe keine PSM und habe kein persönliches und/oder kommerzielles Interesse an der Zulassung von PSM. Ich habe ein wenig Einblick ins Thema und nutze das, um ein paar Informationen dazu zu teilen, da den allermeisten kaum etwas über die tatsächlichen Abläufe in der Zulassung bekannt ist. Wie auch, ist ein komplexes und nicht allzu spannendes Thema. Mehr als das eben und das hier gesagte

    Zitat

    Und nein, ich stand nicht auf der dunklen Seite, gehörte und gehöre nicht zu den Bösen 8)

    wirst du dazu auch nicht hören. Quellenkritik ist wichtig und mehr als diese möchte ich dir keinesfalls unterstellen, dennoch gruselt es mich ein wenig bei deiner Frage. Denn:


    Das ist ein hochsensibles Thema und meine vertretenen Positionen sind nicht unbedingt mehrheitsfähig in der Imkerschaft, auch wenn die Diskussion hier (angesichts des emotionalen Themas) angenehm sachlich geführt wurde. Daher werde ich mich sicher nicht weiter exponieren und (weitere) persönliche Details offenbaren. Keine Lust, dass mein Arbeitgeber morgen eine Mail von irgendeinem Fundi bekommt der sich über mich auslässt oder ich demnächst meine Beuten und Bienen in Einzelteilen finde.

  • Hallo Harry,

    .... Wollte 2018 den Rapshonig in Waben für die Heidevölker zurückstellen und diese nach der Heide darauf abfegen, damit sich die Winterbienen nicht abarbeiten müssen, ....

    Donnerwetter, ... man lernt eben nie aus;) !

    Man kann ohne Bienen leben, ... aber es lohnt sich nicht.

  • Besteht in den Augen des Verfassers möglicherweise ein Bezug jener faktenfreien Diskussion und Sauenspaziergänge zu folgendem Medienbericht zu Monsanto-Prozessen?


    Gruß Manne


    Ich weiß, dass ich nicht weiß. (Sokrates)

  • Ach Manne :-)


    Ich weiß zwar nicht ob ich dir hier in meiner Funktion als Biber, Reh, Wolf oder Umweltwissenschaftler antworte, aber was solls... Ja, das ist in der Tat ein perfektes Beispiel für faktenfreie Diskussionen und Sautreibereien. Schön, dass du das auch erkannt hast, geht doch :)


    Diese Urteile folgen keinen wissenschaftlichen Untersuchungen. Wenn da 12 Mannes in den Jury sitzen, hätte Bayer denen nicht mal beweisen können, das Wasser nass ist. Zudem ist das schon ein seltsamer Zufall, dass die Klagewelle just dann losbrach, als Monsanto von amerikanischen in deutsche Hände überging.... Da fängt selbst mein Aluhut an zu klingen.

    Krebserregend oder nicht krebserregend?

    Behörden weltweit haben die Risiken von Glyphosat für die Bevölkerung bei sachgemäßer Anwendung geprüft. Zu einem Ergebnis, dass der Stoff nicht krebserregend sei, kommen unter anderem:

    • das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
    • die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa)
    • die US-amerikanische Umweltbehörde EPA
    • die kanadische Bewertungsbehörde Pest Management Regulatory Agency (PMRA)
    • die australische Bewertungsbehörde Australian Pesticides and Veterinary Medicines Authority (APVMA)
    • die japanische Food Safety Commission
    • die neuseeländische Umweltbehörde EPA
    • das Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und
    • die Europäische Chemikalienagentur (ECHA)

    Die Krebsagentur IARC der WHO kam 2015 dagegen zu dem Schluss, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend" sei. Die Institution untersucht allerdings nur, ob ein Stoff grundsätzlich in der Lage ist, Krebs auszulösen. Sie bewertet nicht, wie groß diese Gefahr ist und ob ein konkretes Risiko für die Bevölkerung besteht. So stuft die IARC auch den Friseurberuf und den Konsum heißer Getränke als "wahrscheinlich krebserregend" ein, Sonnenstrahlen und Alkohol als "sicher krebserregend".

    Glyphosat ist im Übrigen ein Top-Mittel, hinsichtlich Wirksamkeit und Nebenwirkungen. Man sollte nicht das Werkzeug verbieten, sondern den Einsatz des Werkzeugs reglementieren (etwa Sikkationsspritzungen verbieten). Wenn dann künftig andere Mittel zum Einsatz kommen haben die mit Sicherheit größere Nebenwirkungen. Kommt stattdessen der Pflug zum Einsatz, leidet die Bodenfauna massiv - ist schon erstaunlich, wie viel mehr auf pfluglos bearbeiteten Feldern lebt...


    ...und wieder springe ich über ein Stöckchen ;(

  • Soviel ich weiß ist für "Round Up" / Glyphosat das Patent abgelaufen. Das dürfte der Grund sein, dass niemand das Mittel verteidigt. Es gibt nichts mehr daran zu verdienen. Ich gehe davon aus, dass bereits andere Mittel mit Patentschutz und anderen Nebenwirkungen verfügbar sind. Deshalb werden wir uns hier voraussichtlich demnächst an einem anderen Herbizid und seinen Nebenwirkungen abarbeiten.

    Gruß Bernd http://www.hommel-blechtechnik.de

    "Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel."

    (Bertrand Russel, englischer Philosoph und Mathematiker 1872 - 1970, Nobelpreis für Literatur 1950)