Was hilft, Völker in ihrer Überlebenskraft zu unterstützen?

  • Hallo zusammen,

    vor Jahren wurde sich viel mit der Selektion auf Gesundheit aus der Kraft des Biens heraus beschäftigt.

    Daneben sehe ich in der Eignung der Beute, in der Tracht / im Winterfutter wichtige Kriterien für eine Behandlungsarme Bienenhaltung.

    In den vergangenen Jahren habt ihr genügend Erfahrungen angehäuft, die einer Bewertung bedürfen und anderen als Anregung dienen könnten.


    Bei mir ist der Stand:

    1. Beute mit Innenmass 300 x 30mm, 50mm Massivholzwand, geschlossenener Boden, Deckel 100mm Massivholz mit hinterlüftem Dach / Kissen mit Spänefüllung 150mm dick und hinterlüftetem Dach, Flugloch rund 40mm.

    2. Möglichst wenig Eingriffe (Schwarmverhinterung, Erweiterung, sonstige Kontrollen)

    3. Ableger aus den stärksten Völkern mit mehr als zwei Brut- und Honigwaben nur bis Mitte Mal .

    4. Überwinterung auf eigenem Honig.

    Fütterung nur in Ausnahmesituationen.

    5. Einzelaufstellung mit einem möglichst großen Abstand (>200m) im Gebüsch, unter großen Bäumen,mind. 20m im Wald.


    Gruß

    Harald

  • Ich hab Popcorn und Cola zur Hand, hoffentlich genug. Ist zwar etwas ungesund, aber lecker. Und gut für die Nerven. Denn:


    Ist der Imker gesund, freut sich der Bien.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Beuteninnenmass:


    300 x 30mm ?! Sicher nicht verschrieben?


    Gruss

    Ulrich


    Sicher kein Imker

  • Um mal den Günter Friedmann frei zu zitieren (erzählt auf den Berliner Imkertagen im Februar 2018):

    Er und seine Mitstreiter sind Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre voller Tatendrang und Enthusiasmus daran gegangen, die bienengerechte, naturgemäße Imkerei aufbauen zu wollen. Die Varroa war gerade voll durchgeschlagen, extensive Landwirtschaft, pipapo, der Bien war krank! Es bräuchte aber nur bienengemäße Beuten, weniger extensive Imkerei - kurz gesagt: mehr wesensgemäße Bienenhaltung, und der Bien würde dadurch stärker werden und gesunden.

    So die damalige unschuldige Vorstellung davon, wie man Dinge besser machen könnte.


    40 Jahre später - Friedmann hat die größte Demeterimkerei der Welt - sagt er offen: Man ist mit dem Vorhaben "Gesunder Bien durch wesensgemäße Bienehaltung" insofern gescheitert, als dass eine Gesundung mit "natürlichen Maßnahmen" alleine nicht möglich ist.

    Die Beuten spielen eine nachgeordnete Rolle, das Wesensgemäße ansich unterstützt zwar hier und da und ist aus tierethischen Gründen sicherlich begrüßenswert und richtig, aber: Den wichtigsten Faktor kann der Imker nur sehr bedingt beeinflussen, nämlich die Umwelt, in welcher der Bien sich behaupten muss.


    Jetzt tauchen also die Behandlungsfreien in den Facebookgruppen und Foren auf und erzählen genau die Dinge, die der Friedmann mit seinen Mitstreitern viele Jahre lang ausprobiert hat und verkaufen den Leuten das als neuen Weg in eine bessere Imkerwelt - obwohl klar ist, dass das alles (wenn überhaupt) nur in sehr engen Grenzen unter sehr speziellen Bedingungen funktionieren kann.

    Damit einher gehen geplante Bücher über behandlungsfreie Imkerei, eigene Beutendeckel für die behandlungsfreie Imkerei, eigene Beutensysteme, Konferenzen etc. und man ist vermutlich ein Schelm, wenn man Böses dabei denkt.


    Was ich jetzt rauslese, wenn mal einer der Behandlungsfreien etwas konkreter wird:

    Man behandelt doch - allerdings nur im äußersten Notfall, man begutachtet die Befallsgrade und die Varroaentwicklung in den Völkern und will gezielt von jenen Völkern nachziehen, die mit der Varroa zurecht kommen - also im Grunde Selektion, wenn ich das richtig verstehe.

    Klingt ja erstmal gut.

    Ich bin nur überrascht, dass die Bieneninstitute noch gar nicht auf diese Idee gekommen sind, das ebenfalls zu machen, oder andere Imker. Man könnte das ja vielleicht "Varroatoleranzzucht" oder so nennen... Oh, Moment mal.


    Lange rede, kurzer Sinn:

    Ich bin skeptisch.

  • Du hast die Milben ausser Acht gelassen. Ich würde die Bienen gerne fragen wie sie sich am wohlsten fühlen. Aber bis jetzt haben meine Völker auch in Reihe und Glied stehend in Dadant Beuten lebend, mit Zuckersirup überwinternd eine gute Bilanz gezeigt.

  • Oh je, wieder so ein Thread, der eine Lösung sucht, wo kein Problem ist:

    Ich kenne vor allem ein entscheidendes Kriterium für eine gute Entwicklung der Völker: den Standort. Alles andere machen die Bienen schon.

    Meine Beutenwände sind nur 22 mm stark, ich benutze diese für Bienen absolut tödliche Plastikfolie, überwintere auf raffiniertem Zucker, stelle die Beuten in Reihe auf und was soll ich sagen: Die Viecher wollen einfach nicht verrecken (in den letzten 4 Jahren nur ein Winterverlust), liefern Honig wie blöd (so 60 Kilo im langjährigen Mittel) und lassen sich auf alle möglichen Arten problemlos vermehren (Ableger, Teilen im Juli, Kunstschwärme).

    Was mache ich nur falsch?


    Ich habe aber einen sehr guten Standort: Ringsum überwiegend Bioflächen, keinen Trachtlücke von April bis Anfang August, meist gute Pollenversorgung im Spätsommer - that' s it.


    Ach ja: Eine Selektion auf Gesundheit und Kraft, mache ich ganz nebenbei: Ich führe nur Völker, die meine Brutalimkerei überleben.


    Bei den Bienen ist es wie bei den Immobilien. Dort gibt es bekanntlich drei Kriterien für den Ertrag:

    1. Lage

    2. Lage

    3. Lage


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

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  • Also ich finde eine bienenverträgliche und erfolgreiche Varroabehandlung entscheidend für gesunde und starke Völker. Wenn ich überlege wie sie früher die Puppen ausgeräumt haben...

    Da ist die Oxalsäure ein entscheidender Fortschritt, und für mich einer der Hauptfaktoren für gesunde Völker.

  • Varroatoleranzzucht ist doch bereits Realität!

    Ich glaub dass ist die einzige sinnvolle Forschung. Die Bienen sollen lernen selber mit Varroa zurecht zu kommen. Und in ein paar Jahren haben wir die resistenten Bienen :)

  • Varroatoleranzzucht ist doch bereits Realität!

    Dass du nicht in der Lage bist, Ironie zu erkennen: geschenkt.


    Dass du nicht in der Lage bist, zu erkennen, dass deine Beiträge keiner lesen will, so lange du nicht mitteilst, was mit dem Volk ist und was du unternommen hast: :cursing:

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Ich kann meine Bienen nicht fragen, ob sie sich wohl fühlen und ich habe auch keine feinstoffliche Verbindung zu ihnen. Für mich zählt Vitalität, Varroa Toleranz, Überwinterung und Honigertrag als Indikatoren für die Volksgesundheit.

    Mit meinen Zander Beuten, 22 mm Wandstärke und handelsüblichen Boden und Deckeln sowie Sirup Fütterung und Reihenaufstellung bin ich bisher gut gefahren. Meine Versuche mit Klotzbeuten in Einzelaufstellung haben nur mehr Arbeit gebracht. Sie überwintern auf eigenem Honig auch nicht besser.

    Hast du Völker und diesbezügliche Versuche gemacht? Oder stimmt dein Name keinimker ?

    Du musst nicht alle deine Völker behandeln, nur die die du behalten möchtest.