Imkern ohne Absperrgitter

  • Liebe Stammtischler,
    ich möchte dieses Jahr erstmals ohne Absperrgitter imkern und habe die Frage, ob die Honigwaben zum Schleudertermin der Frühtracht wieder brutfrei sind.


    Alles Gute,
    Ralf

  • Hallo Ralf !


    Alle Waben des Honigraumes werden zum Frühtrachtende sicherlich nicht brutfrei sein, deswegen gilt es ein paar grundsätzliche Überlegungen im vorhinein anzustellen:
    - habe ich Rapsschläge im Flugbereich meiner Bienen (Rapshonig beginnt zeitig mit der Kristillation in den Waben, es ist daher wichtig ihn zügig nach der Tracht zu ernten, dann wäre es besser ein Absperrgitter mind. 3 Wochen vor der Ernte, also knapp eine Woche nach Blühbeginn des Rapses gelegt zu haben)
    - Wie gut ist das Trachtgebiet ? Bei starkem Frühtrachtgebiet und guten Völkern verhonigt der Honigraum rasch, aber auch ein paar kleine Brutecken können dann lästig sein (man muß dann ggf. solche Waben auf einem Volk als Honigschäune über Absperrgitter sammeln um die Brut auslaufen zu lassen, bedeutet aber einen höheren Arbeitsaufwand)
    - Man kann verhonigte Brutwaben aus dem Brutraumbereich bit bebrüteten Hoigraumwaben tauschen (Achtung ggf. Rückstandsproblematik bzw. noch Winterfutter in den Honigkränzen)


    Ich mache es so, das ich die ersten Tage den Honigraum ohne Absperrgitter aufsetze, dieses aber bei der nächsten Völkerkontrolle gebe. Trotzdem würde ich Dir raten es mal ohne Absperrgitter zu versuchen und Deine eigenen Erfahrungen zu sammeln (halte ich für wichtig). Meiner Erfahrung nach sind diese Völker ohne Absperrgitter dann etwas schwarmträger und das Brutnest verhonigt nicht so leicht bei andauernder starker Tracht. So hat alles sein für und wieder...schaue mal was am besten bei Dir reinpaßt.


    Frank



    http://www.imkerei-osterloh.de



    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Frank Osterloh am 2002-04-22 18:48 ]</font>


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Frank Osterloh am 2002-04-22 18:48 ]</font>

  • Hallo zusammen,


    ich gebe Dir unumschränkt recht, Frank.
    Ich bin ein absoluter Verfechter des absperrgitterlosen Imkerns, aber als ich noch den Raps anwanderte, habe ich das Gitter dennoch benutzt.
    Die Bienen haben in der Massentracht Raps des öfteren bis in den 4. Raum hinauf gebrütet, mindestens die Mittelwabe war oft gestiftet.
    Aber nach dem Raps: raus mit dem Ding.
    Ich habe über mehrere Jahre vergleichende "Studien" gemacht und mich bei meinem Wabenmaß (DNM) gegen ein Gitter entschieden.


    Grüsse


    Michael

    Grüße an alle


    Michael



    -Denken ist wie googeln. Nur krasser-

  • Zur Absperrgitter-Losigkeit noch ein paar Beobachtungen und Gedanken:
    Den Honigraum von Brut frei zu halten geht nur, wenn in der Beute ausreichend Platz ist. (Übrigens ist die Trennung in Brut- und Honigraum der Wunsch des Imkers, der nie mit den Bienen abgestimmt wurde.) Man kann das Stiften etwas lenken, indem über das Brutnest Waben gehängt werden, die schon Nektar oder Honig enthalten. Hängt man dort Leerwaben oder Mittelwände ein, wird dort nach meiner Erfahrung gern gestiftet. In den Brutzargen sollte, wenn nicht ausreichend vorhanden, Platz geschaffen werden, indem Honigwaben (Randwaben) in den Honigraum gehängt werden (bitte nur, wenn diese noch keine Varroazide erhielten). Das geht aber nur in beschränktem Maße, da die Völker ohne Absperrgitter i.d.R. nur etwa sechs bis acht Waben breite Brutnester anlegen.
    Ohne Absperrgitter muß den Völkern mehr Futter gelassen werden, es fehlt eben die scharfe Trennung durch das Gitter. Ich halte dies aber für gut - der Honig ist nicht verloren und die Immen haben reichliche Reserven.
    Wer Bienenfluchten verwendet, sollte sehr darauf achten, daß in den Honigzargen keine Brut ist, sonst wirkt die Flucht nicht (die Bienen verlassen ihre Brut nicht).
    Viele Grüße, Thomas


    Nachtrag vom 24.4.:
    Auch scheint mir ein starker Rähmchen-Trageleiste die Weisel zu veranlassen, lange darunter zu bleiben und bei Überschreiten dann länger darüber zu stiften. So schmale Streifen Brut wie auf DNM mit seiner dünnen Leiste konnte ich bei den dicken Langstroth-Rähmchen nie finden.
    Die Flachzarge hat einen weiteren Vorteil: 10cm hoch bebrütet ist sie fast voll (ein Bruträhmchen mit gutem Honigkranz), 10cm auf der DNM-Wabe ist eben eine bebrütete Honigwabe.
    Fazit: flache Zargen mit starken Trägern machen das Imkern ohne Absperrgitter leichter.


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: thomas hädrich am 2002-04-24 17:41 ]</font>

  • Hallo zusammen,
    ich bin eigentlich kein großer Freund des Absperrgitters.
    Ich hänge lieber Honigwaben in die Mitte des oberen Magazins hoch.Wenn ich da einen Kern von meinetwegen 4 Honigwaben habe,hat die Königin meistens keine große Lust nach oben zum Stiften zu gehen.Natürlich können das auch "gut angetragene" Waben sein.Werden die Mittelwände außerhalb des Wabenkerns ausgebaut,so werden diese bei guter Tracht sowieso gleich mit Honig angetragen.
    Mit imkerlichem Gruß
    Dieter

  • Hallo zusammen,


    kann mir mal jemand den Grund erlüutern warum ihr ohne Abspergitter imkert? und welchen Vorteil hat diese Methode?

  • Hallo Olaf,
    lt. Untersuchung führender Experten z.B, Dr. Liebig, HR. Wallner, hat das Imkern mit Absperrgitter, besonders mit der umlaufenden Holzleiste, wie es der Steudte Harry vorgestellt, keine Nachteile, sondern nur Vorteile. Manche Imker meinen, die Bienen würden durch das Gitter in ihrer natürlichen Lebensweise eingeschränkt, was ich persönlich, besonders, nachdem man selbst sieht, wie schnell sie durch das Absperrgitter durchlaufen, nicht annehmen kann.


    _________________
    MfG
    Franz Xaver
    www.honigmayerhofer.de


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: honigmayerhofer am 2002-05-04 15:44 ]</font>

  • Hallo Franz
    ich kann deine Beobachtungen bezüglich des durchquerens des Absperrgitters nur bestätigen. Möchte aber trotz allem mal von einem Kollegen erfahren warum er das Abspergitter weg läßt.
    Bei einem wirklich gutem Grund würde gerne mal ein Volk zur Probe nach der Frühtracht ohne Gitter weiter laufen lassen.Muß man auf wichtige Dinge achten??


    Gruss Olaf

  • Ich imkere ohne Absperrgitter weil:


    1. Honig ist auf weniger Waben konzentriert wird und meistens darauf voll verdeckelt ist!


    2. Der Reifungsprozess des Honigs durch die Anwesendheit von Brut beschleunigt wird.


    3. Ende Mai, Anfang Juni schleudere ich, da habe ich nur noch gedeckelte Honigwaben im Honigraum


    PS: mit 9 Rahmenzargen funktionierts am besten. Mit 10 Rahmenzargen gehts nicht so gut mit der absperrgitterfreien Imkerei...


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: thomas am 2002-05-05 11:22 ]</font>

  • Vorneweg: Man nimmt lieber das wahr, was die eigenen Meinung bestätigt. So auch beim Absperrgitter. Ich selbst bin auch nicht frei davon.
    Zum Absperrgitter mit Rahmen, um den Bienenabstand zu wahren: Hinsichtlich der Verbauung ist es hilfreich, hinsichtlich keiner weiteren Nachteile hätte ich gern die Literaturstelle gesehen, wo ist sie Xaver? Und welche Vorteile bietet das Abspergitter außer der Abtrennung des Honigs? Sein Sinn bei der Ablegerbildung ist unbetritten und wird von mir genutzt.
    Die verschiedenen Ausführungsformen (Rundstäbe, in Blech gestanzte Schlitze) führen natürlich zu verschieden starker Behinderung. Günstig sollen die Rundstäbe sein.
    Was mich bewogen hat, auf das Absperrgitter im Normalfall zu verzichten, waren die Beobachtungen, daß sich die Arbeitsbienen doch durch das Gitter mühen müssen (ist es zu weit, kommt Mutti auch durch) und daß viele Drohnen darin steckten und krepierten. Das Argument des verschlechterten Austausches im Volk, der fast ausschließlich über stofflichen Austausch (Futter, Hormone, ...) vonstatten geht, ist nachvollziehbar.
    Die erste Beobachtung nach Entfernen des Gitters war, daß manche Völker viel mehr Brutraum belegen als gedacht. Hier kann die Weisel in die Vollen gehen.
    Auch wird nach Literatur und meinen Beobachtungen der Honigraum ohne Absperrgitter schneller angenommen.
    Ich weiß nicht, ob die Anwesenheit von Brut die Reifung des Honigs beschleunigt. Die Brut sollte eigentlich mit und ohne Gitter gleich weit weg sein. Wenn man sich aber die Luftzirkulation anschaut, die ja zur Verarbeitung des Nektars nötig ist, so ist klar, daß das Gitter ziemlich bremst.


    Thomas aus Weisendorf,
    welche Unterschiede hast Du an neun- und zehnrahmigen Beuten gefunden? Nur reichlich Randwaben mit Honig oder anderes?


    Viele Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas, Hallo Miteinander,
    wenn wir vom Imkern mit oder ohne Absperrgitter reden, dürfen wir nicht aneinander vorbeireden. Ich meine Imkern so richtig mir allem was dazugehört und du meinst warscheinlich Imkern mit ein paar Völker, eher was zum Spielen oder Zeitvertreib, wo ich auch dann das Absperrgitter weglassen kann. Wenn ich dich auf ein paar Bücher hinweisen darf, die ein Absperrgitter unbedingt als Vorteil sehen, z.B. Dr. Liebig "Einfach Imkern" s. Seite 96 und 97, der Mann betreut einige hundert Völker und wenn man sein Buch liest, weiß man, wenn man selber schon Erfahrung hat, dass der wirklich viel Praxis hat und nicht ein "Imkerschreibtischtäter" ist. Auch W. Wallner in seinem Buch "Imker- Praxis" tendiert zu einem Absperrgitter. Ich meine, dass einer, der Zeit zum Spielen hat auch ohne Absperrgitter imkern kann, aber Profiimkereien oder solche die ökonomisch imkern, nicht auf das Absperrgitter verzichten können. Ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren!

  • Hallo Franz Xaver,
    einverstanden - mit Absperrgitter wird das Imkern in mancher Hinsicht leichter. Man ist vor Überraschungen (wie Brutnest oben) sicherer und die Völker sind einheitlicher (das Gitter setzt der Brut eine Schranke).
    Wogegen ich mich wehre ist, daß ohne Absperrgitter deutlich mehr Zeit pro Volk benötigt wird. Ich meine sogar, daß es garnicht mehr Aufwand ist. Man muß nur anders imkern, individueller auf die Vöker eingehen. (Wenn die Völker vor der Tracht vereinheitlicht werden, der Imker also jeden Stand einheitlich bearbeiten will - nun, dann mag das Absperrgitter angeraten sein). Ich selbst versuche so extensiv wie möglich zu imkern, am Wochende habe ich nur sehr wenig Zeit für sie und in der Woche garkeine.


    Nun freue ich mich auf Himmelfahrt - gute Wetter und mal schauen, ob Nektar da ist.
    Grüße, Thomas

  • Hallo Thomas,
    leider kann ich das nicht ganz so stehen lassen, dass Imkern ohne Absperrgitter genauso so wenig Zeit in Anspruch nimmt, wie mit Absperrgitter. Wennn ich als mit "Absperrgitter" arbeitender Imker, wie jetzt Schwarmkontrolle mache, ist es weniger Arbeit, wenn ich den Honigraum nicht mitkontrollieren muss, da er ohnehin brutfrei ist. Bei der Honigernte lege ich im Honigraum Bienenfluchten ein, der Honigraum ist nächsten Tag nicht bienenfrei, wenn da Brut oder sogar die Königin oben ist, ist auch schon wieder mehr Arbeit. Dann muss ich die Waben nicht gesondert auf schleuderbar und nicht schleuderbar wegen Brutflächen unterscheíden, ist auch wieder mit Mehrarbeit verbinden. Wenn ich keine Bienenflucht verwende und doch ein Absperrgitter brauche ich beim Abfegen der Bienen bei der Schleuderung nicht auf eine evtl. im Honigraum sitzende Königin achten.
    Bei Verwendung eines Absperrgitters kann leichter Sortenhonig geerntet werden, ich kann meinen ganzen Blütenhonig aus der Honigzarge schleudern und muss nicht Waben drinnen belassen oder wenn noch Platz in den Brutraum umhängen, weil sie mit Brut bekleckert sind und dann ernte ich anschließend reinen Waldhonig und nicht irgendein "Gemisch".
    Lies mal das Buch vom Liebig, da stehen noch viel mehr Punkte, die ein Absperrgitter sinnvoll machen, obwohl ich es jedem selber überlassen würde, wenn ihn das Imkern ohne Absperrgitter befriedigt, dann soll er eben machen, wenn er meint er tut sich und seinen Bienen was "Gutes" damit.

  • Hallo!
    Ich kann mich Franz Xaver nur anschließen.
    Die punkte die er aufgeführt hat entsprechen der realität,alles andere ist völlig unnötige
    zeitverschwendung.
    Mit imkerlichem gruß
    Andreas