Frage zu Bienenstichen!

  • Hallo Imkerkollegen!


    Ich hab da mal eine Frage an die etwas erfahrenen Imkerkollegen. Ich habe ein kleines Problem mit Bienenstichen.
    Die Geschichte fing so an: Letztes Jahr habe ich mit der Imkerei begonnen, was schon immer mein Traum war. Anfangs hatte ich mit Bienenstichen überhaupt keine Probleme. Die Stiche entsprachen weniger als einen Mückenstich.
    Leider hat sich das geändert. Eines Tages war ich mit Imkermeister Länger im Wald ein paar Völker auflösen von einem älteren Imker, der mit diesen Völkern nicht mehr so recht klarkam. Bald wusste ich auch warum... Kaum hatten wir mit der Bearbeitung angefangen, quollen die Bienen förmlich aus den Beuten und stürzten sich auf alles was auch nur zuckte.
    Hierbei habe ich richtig „Senge“ bekommen, was mir aber in gewohnter Weise keinerlei Probleme bereitete.


    Zwei Tage später hatte ich an einem meiner Völker zu tun und bekam einen Stich ins Gesicht, dem ich keinerlei Beachtung schenkte.
    Am nächsten Morgen sah ich aus wie nach einem Boxkampf mit Klitschko!!


    Ich wusste gar nicht so recht wie mir geschah und bin überhaupt erst später darauf gekommen, dass das am Bienenstich liegen könnte. Bei nächster Gelegenheit bestätigte sich aber der Verdacht. Es hat sich bei mir folgende Reaktion auf einen Bienenstich eingestellt:


    Der Stich selber ist nicht besonders schmerzhaft, es stellen sich auch keinerlei Zeichen wie Kurzatmigkeit, Schweißausbruch etc., was auf eine Allergie schließen lassen könnte ein.
    Die eigentliche Wirkung zeigt sich erst am nächsten Tag: Um die Einstichstelle herum tritt eine massive Rötung und Schwellung ein, die dann allmählich richtig hart wird. Ich habe z.B. am 2 und 3 Tag nach dem Stich teilweise Probleme die Finger zu beugen.
    Die Stichwirkung lässt erst so ab dem 4 Tag langsam nach.


    Die Imkerkollegen mit den ich hier zu tun habe, kennen das Problem überhaupt nicht und sagen nur: Das gibt sich.
    Inzwischen war ich auch schon mal bei einem Allergologen: Von diesem Arzt habe ich das dämlichste und unqualifizierteste Gequatsche seit langem gehört, über das ich mich hier nicht weiter auslassen möchte sonst rege ich mich nur wieder auf (O-Ton: Warum geben Sie sich denn überhaupt mit so einem Viehzeuch ab, wenn Sie das nicht vertragen, etc.)


    Meine Frage nun: Wie soll ich mich verhalten??
    Macht es Sinn mich möglichst of stechen zu lassen? Wenn ja in welchen Abständen?
    Wie lange hat es bei euch gedauert bis eine Gewöhnung eingetreten ist? (Eine Immunisierung dauert ja bis zu 3 Jahren)
    Hatte oder hat vielleicht jemand ein ähnliches Problem und/oder Erfahrung?


    Vielen Dank für eure Antworten!

  • Hallo Obstbrenner,
    wenn ich einen Stich abbekomme, entferne ich schnellstens den Stachel. Dann nehme ich das nächste greifbare Spitz- oder Breitwegerich-Blatt, zerreibe es flüssig zwischen den Fingern und reibe mit dem Saft die Stichstelle ein. So läßt sich die Reaktion, bei mir zumindest recht gut in Grenzen halten.
    Vor drei Jahren erging es mir als Anfänger ähnlich mit einem Stich über der linken Augenbraue. Da hatte ich auch das Problem, daß das Auge über Nacht sehr zugeschwollen war. Seitdem habe ich einen Eisbeutel parat. Das Rezept mit dem Spitzwegerichsaft kannte ich damals noch nicht.
    Gruß Harald


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Harald Feinauer am 2002-04-21 13:43 ]</font>

    Freundliche Imkergrüße
    Harald Feinauer

  • Sehr geehrter Herr Obstbrenner,


    die von Ihnen beschriebenen Erscheinungen nach einem Bienstich sind mir sehr wohl bekannt, auch dass mit den Fingern und dem angeschwollenen Gesicht.
    Ich habe diese Probleme seit Anfang an und nach nun auch schon 4 Jahren Imkerei stellte sich keine Besserung ein.
    Ich habe es mir abgewöhnt am Bienenstand den Helden zu spielen. Schleier und Handschuhe liegen immer griffbereit, und wenn ich merke, dass die Bienen nicht gut drauf sind, werfe ich mich Stück für Stück in meine Rüstung.
    Erwischt mich trotzdem mal eine, verwende ich Zahnpasta, ein Tipp eines Imkers. Meistens hilft es, warum weiß ich allerdings auch nicht.


    Trotzdem viel Spass mit den Bienen.


    Werner Egger

  • Vielen Dank ersteinmal für die schnellen Antworten! Sehr interessant zu wissen, das es auch noch andere gibt, denen es ähnlich ergeht! Ich dachte schon ich sei sowas wie ein Aussätziger!
    Natürlich habe ich meine Arbeitsweise auch schon etwas umgestellt, eine ernsthafte Bearbeitung führe ich nur noch mit Schleier durch, ich kann ja nicht wie Quasimodo ins Büro kommen!
    Das Problem ist nur: Wenn man an die Bienen in voller Rüstung wie zum Einsatz nach Tschernobyl geht, bekommt man natürlich auch kaum noch Stiche. Dementsprechend kann sich das Immunsystem auch weniger schnell auf das Bienengift einstellen?!? Oder liege ich da falsch? Ich hatte schon mal überlegt, ob ich es wirklich auf die ganz harte Tour versuche und mir wirklich jeden Tag einen Stich (z.B. auf den Unterarm wo es nicht so stört) setze. Oder mit Bienengiftsalbe arbeite.
    Wie sind eure Erfahrungen???


    Gruß


    Andreas

  • Hallo Andreas,
    Kurz bevor ich mein erstes Volk bekam machte ich mir auch Sorgen wegen der vielen Stiche, die man als Imker abbekommt :wink:


    Da ich bis dahin das letzte mal als kleines Kind von Bienen gestochen wurde, konnte ich mich nur wage daran erinnern, das es sehr Schmerzhaft war. Aber die Erinnerung war doch schon sehr verblaßt.


    Also, wie ist es von einer Biene gestochen zu werden? Es war zeitiges Frühjahr und die Weide blühte, also waren auch ein paar Bienen da. Ich fing mir drei mit einem Aquarienkescher, sperrte sie in ein Wasserglas und setzte es mir todesverachtend auf den Arm und harrte der schrecklichen Dinge die da kommen sollten. :smile:


    Nach einer Viertelstunde ängstlichem Zähnezusammenbeißen und Literweise Angstschweiß mußte ich feststellen, das es lediglich kitzelte, weil die Mädels verzweifelt versuchten ihrer Gefangenschaft durch Kreiselaufen zu entkommen. Mich zu stechen war wohl das letzte woran sie dachten. Also habe ich sie wieder freigelassen, mir dafür die Haut mit einer Rasierklinge geritzt und die Wohlbekannte Rheumasalbe mit Bienengift einmassiert.
    Es brannte höllisch und im Nachhinein wünschte ich mir, eine der Bienen hätte mich wirklich gestochen :smile:


    Als meine ersten Völker dann da waren, legte ich also meine Rüstung an und mußte feststellen das sie eigentlich nur dann stechen wenn man sie ungeschickt behandelt, vorzugsweise mit Handschuhen. Also war dies das erste Teil meiner Rüstung das ich aufgab.
    Heute benutze ich nur noch gelegentlich einen Schleier, da ich Brillenträger bin und sich schon mal eine zwischen Brille und Augen verirrt.


    Wenn ich pro Jahr 3-5 Stiche erhalte, dann ist das schon sehr viel. Ich hatte auch schon Jahre gänzlich ohne Stich. Von einer Immunisierung gleich welcher Art kann also nicht die Rede sein und ich trage die zweitägige Schwellung mit Gelassenheit.
    Der Stich als solcher ist immer Schmerzhaft und dagegen wird man auch nicht Immun, manche verdrängen den Schmerz eben oder ertragen ihn einfach. Gegen das Gift kann man Immun werden, aber man muß es nicht. Du kannst dich jeden Tag von Deinen Bienen stechen lassen und Du wirst wahrscheinlich niemals an Rheuma erkranken aber ob Du gegen das Gift Immun wirst ist nicht sicher.
    Wenn Du Deine Bienen richtig behandelst und nicht Grob mit Ihnen umgehst (Handschuhe) werden sie dich auch nicht stechen und wenn es doch einmal passiert? .... Das ist nun mal der geringe Preis, den wir für unser schönes Hobby und den Honig bezahlen müssen.


    In diesem Sinne - Volle Honigtöpfe und gehe es locker an :smile:
    --- Harry ---


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Harry am 2002-04-23 01:29 ]</font>

  • Hallo,
    vor ein paar Tagen erfuhr ich von einem über 81-jährigen Imker, der seiner Aussage zufolge immer ungeschützt und ohne Rauch an seine Bienen ging, daß man gegen Bienenstiche immun würde, wenn man ab und zu mal eine Giftblase (natürlich ohne Stachel!) schlucken würde.
    Eine Reizung der Speiseröhre würde dadurch nicht stattfinden, eine Schwellung sei daher nicht zu befürchten. Er habe einmal versehentlich eine Biene verschluckt, es sei aber nichts passiert.
    Das ist bestimmt keine Story, sicher interessant, um auf diesem Wege eine natürliche Immunisierung zu erhalten.

    Freundliche Imkergrüße
    Harald Feinauer

  • Also liebe Imkerkollegen ich muß euch ein Kompliment machen. Gerade habe ich unter die Rubrik "Bienengiftallergie" einen langen, sorgenvollen und ernsten Beitrag geschrieben - ihr könnt dort ja mal nachlesen- und dann las ich hier Eure Beiträge. Also Ihr netten Obstbrenners, Haralds, Werners und Harrys: Ich konnte trotz aller Ernstheit des Themas so richtig lachen und mich freuen, wie ihr mit der Sache umgeht. Danke!
    Was bei mir half:
    Schnell handeln
    Sofort ein Zwiebelröhrchen aufschneiden und auflegen.
    Umschläge mit Obstessig pur bis die Schwellung nachläßt.
    Das Problem dabei ist die Angst vor einem Schock. Ich will ja nicht leichtsinnig sein. Bin schließlich Mutter und hab auch sonst noch einiges vor. Stimmt es eigentlich, daß wenn ein Schock eintritt, daß dieser dann sehr schnell nach dem Stich kommt? Also, wenn ich eine Stunde danach noch klar bin kommt keiner mehr, selbst wenn ich unter Schwindel und Schwellung und dergleichen leide?
    Mit so einem Gefühl von Damoklesschwert das über mir schwebt konnte ich noch nie gut umgehen.


    Liebe Grüße von Christa