reiner Honigtauhonig von der Linde

  • Ich habe dieses Jahr erstmals reinen Honigtauhonig von der Linde geerntet. Das ist nicht zuletzt deswegen spannend, weil es bei uns sonst keinen Waldhonig gibt.

    Die Farbe ist dunkel wie bei Nadelwaldhonig, der Geschmack ähnlich aber milder mit kräftigen Karamelltönen und es fehlen trotz einer gewissen Schärfe die typischen Noten der ätherischen Öle aus den Nadelbäumen; auch ist der Honig weniger herb.

    Hat jemand Erfahrung, wie lange dieser Honig flüssig bleibt? Kann man den bedenkenlos gleich abfüllen?

    Der Wassergehalt liegt bei 15%.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo,


    da ist diese Schweizer PDF vielleicht hilfreich.


    Wenn Du den so hast, wie Du schreibst, dann hast Du doch bestimmt auch mehr als nur die passende Zahl für die Leitfähigkeit. Es kommt aufs Zuckerverhältnis Glucose zu Wasser an. Dort ist die Rede bei Lindenhonigen von Kristallisation innerhalb von 6-12 Monaten.

    Und Honigtauhonige sind ja generell weniger süß.

    Wenn es einer ist, dürfte das lange flüssig bleiben kein Thema sein.


    Selbst hab ich mit Honigtau der Linde keine Erfahrungen - bis auf Verkostungen.


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Meiner ist auch sehr flüssig bei geringem Wassergehalt. Ich habe den jetzt so abgefüllt. Sollte bestimmt 6 Monate flüssig bleiben bzw. ist dann aufgegessen. Ist ein verrücktes Jahr und hier in Mecklenburg sehr ertragreich. Hätte man bei Schnee zu Ostern nicht so erwartet.

    Gruß von der Ostsee

    Wiebke

  • Vielen Dank für die Hinweise.

    Ja, wirklich ein verrücktes Jahr. Während sich für die Landwirtschaft ein Katastrophenjahr abzeichnet, scheint die Imkerei zu profitieren. Bei mir wird das ein Rekordjahr: Mindestens eine Tonne Honig von 13 Wirtschaftsvölkern.


    Ein Frage noch: Ist die Bezeichnung "Lindenblatthonig" nach HonigVO zuässig? Ich will diesen Spezialhonig ja von der vorherigen Lindenernte abheben. "Honigtauhonig von der Linde" finde ich ein bisschen sperrig.


    Schnell aufgegessen wird der bei mir nicht sein. Ich habe erst mal nur, weil ich sehr neugierig, war 25 kg abgerntet. Das dürften aber jetzt schon an die 200 kg sein und die Linde klebt weiter wie verrückt.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Wir verkaufen ihn unter dem Begriff Waldhonig.

    Ist das nicht eine Irreführung? Aus dem Wald kommt er ja nicht.

    In den "Leitsätzen für Honig" steht:

    "Waldhonig ist Honigtauhonig, der vollständig aus Pflanzen von Wäldern stammt. Parkanlagen in städtischen Umgebungen gelten nicht als Wald".

    Das dürfte auch für Dorfplätze und Alleen gelten.


    In der HonigVO kommt der Begriff "Waldhonig" gar nicht vor.

    Das wäre nicht anders, als würde man Honig als "Stadthonig" deklarieren; was ja zulässig wäre, weil er ledliglich auf die regionale Herkunft verweist, nicht auf bestimmte Eigenschaften.


    Auch der Begriff "Blatthonig" für Honigtauhonige von Laubbäumen ist gesetzlich nicht normiert, müsste aber m.E. zulässig sein, weil er eine (wenn auch nicht näher bestimmte) botanische Herkunft benennt - ähnlich wie "Blütenhonig".


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Wolfgang,


    ein altes Sprichwort:


    Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht.

    Auch ein Wäldchen ist ein Wald, oder gibts da Hektarangaben?


    Gruss

    Ulrich

  • Wolfgang,


    wie willst Du den denn verkaufen, im DIB-Glas oder im Neutralglas?

    Der DIB ist da eindeutig. Hier zu finden.


    Waldhonig gibt es sehr wohl: steht dort z.B. zu lesen


    "Waldhonig ist Honigtauhonig, der vollständig von Pflanzen aus Wäldern stammt. Parkanlagen in

    städtischen Umgebungen gelten nicht als Wald. Der Honigtauanteil muss überwiegen. "


    Also ist eine Bezeichnung dieses Honigs als Waldhonig nicht zulässig für das DIB-Glas!


    Es ist eindeutig ein Lindenhonig laut deren Kriterien. Ich finde aber, das wird Deinem Honig jetzt nicht gerecht, weil so häufig ist es in dieser Reinheit ja nun auch nicht, um ihn in eine Reihe mit dem Blütenhonig zu stellen.


    Im "Das Große Honigbuch" heißt es:


    10.2.2.4.


    " Waldhonige

    Andere Honigtauhonige werden als Waldhonige eingeordnet.

    Der Geruch und Geschmack der Deutschen Waldhonige unterschiedet sich mehr oder weniger von denjenigen aus anderen, insbesondere nichteuropäischen Ländern. Anzumerken ist, daß Waldhonige nicht aus Wäldern stammen müssen. Honig von Bäumen, die Wälder ausbilden "können", dürfen auch als Waldhonig bezeichnet werden.

    Gerade in jüngster Zeit ist zu beobachten, daß in Deutschen Städten häufig Laubwaldhonige geerntet werden. Diese Honige stammen meistens von der Linde, dem Ahorn oder der Eiche...."


    Also: Im Neutralglas darf wiederum sehr wohl "Waldhonig" drauf stehen.


    Hinsichtlich der Deklaration sagt selbiges Buch, dass es die allgemeine, nicht sortenspezifische Honigbezeichnung "Waldhonig oder Honigtauhonig" gibt.


    Ich täte da nun ein hübsches Neutralgls mit einem Etikett nehmen wo drauf stünde:


    "Honigtauhonig als Lindenhonig

    ein besonderer Waldhonig nur von Lindenblättern gesammelt"


    Schönes Bild drauf mit sonnendurchfluteten Lindenblättern usw. :daumen:

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Wieder mal typisch.... warum einfach, wenn es auch kompliziert gehen kann. :roll:


    Ich liebe meine Neutralgläser mit Eigenfolienetikett, in denen trotzdem nur Honig zu liegen kommt, der auch dib-Kriterien genüge täte.

    Mirissaszulangweilig einheitsbreiig und zu reglement-gebührlastig

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ich habe auch Neutralgläser mit eigenem Etikett (und den Ehrgeiz höhere Qualität zu produzieren als der DIB es verlangt).

    Die Waldhonigdefinition gibt es aber so nicht nur beim DIB, sondern auch in den "Leitsätzen" des BMEL.

    "Honigtauhonig als Lindenhonig ein besonderer Waldhonig nur von Lindenblättern gesammelt"

    ... trifft die Sache zwar gut, ist aber etwas lang.

    "Lindenblatthonig" gefällt mir eigentlich gut.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Schreibt doch "Echter deutscher Honig" und fertig ist.

    Ich verkaufe viel an der Haustür bzw. halt im direkten Kundenkontakt, da kann man dann aufklären.

    Der Rest ist so eine deutsche Manie nach korrekt und vorschriftsmäßig...

  • Ich verkaufe viel an der Haustür bzw. halt im direkten Kundenkontakt,

    Ich verkaufe überwiegend via Internet und da bin etwas vorsichtiger. Auch die Lebensmittelüberwachung hat bei uns in letzter Zeit ein genaueres Auge auf die Imkereien. Laboruntersuchungen sind angekündigt.

    Es gab hier im Kreis sogar eine Betrugsanzeige wegen Falschdeklaration. Die kam allerdings von dritter Seite und wurde vom Amt nur weitergeleitet. Der Kontrolleur sah das wohl nicht so ernst, wollte sich aber, wie er mir erläuterte, nicht dem Verdacht der Strafvereitelung im Amt aussetzen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Das vergessen die Leute oft schon auf dem Weg nach Hause wieder.

    Ich hab da so meine Erfahrungen, was an Aufklärung und Anweisung übrig bleibt...leider erschreckend wenig.


    Hier ging es dem Erntenden wohl auch darum, etwas Feines zu haben und das dann auch draufzuschreiben.

    Beim Kaffeeschlürfen am Frühstückstisch ohne Smartphone liest sich das ein oder andere Etikett nochmal genauer,

    und meiner Erfahrung nach wird ein besonderes Glas mit hübschem Etikett gerne verschenkt oder geht als Mitbringsel mit.


    "Deutscher Honig" - den haben wir doch alle

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    Hans Kasper