Waben mit Bienen zwischen Völkern umhängen - geht das?

  • Hallo Ihr erfahrenen Bienenflüsterer,


    unter welchen Umständen kann man Waben – mit oder ohne ansitzende Bienen – zwischen Bienenvölkern umhängen? Wann kann man Bienen aus verschiedenen Völkern zusammenbringen? Was ist dabei zu beachten? Wann bekämpfen sich Bienen aus unterschiedlichen Völkern, wann nicht?


    Ich versuche gerade mein angelesenes (Halb-)Wissen und meine eigene bescheidene 5-jährige Erfahrung zu diesem Thema zu sortieren. Würde es gerne noch besser verstehen und habe auch hier im IF keine Zusammenfassung dazu gefunden. Ganz besonders interessiert mich zu verstehen, WARUM das in den einzelnen Fällen klappt oder auch nicht.


    Könnte mir vorstellen, dass so eine Abhandlung vielen Lesern hier helfen würde. Deshalb die Bitte bzw. Einladung, mein im Folgenden geschildertes "Weltbild" zu ergänzen bzw. zu korrigieren falls ich falsch liegen sollte.

    Alte Waben

    Waben mit Verdacht auf Bienenkrankheiten (z.B. mit Kotspritzern) niemals umhängen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich gesunde Völker an den umgehängten Waben infizieren. Solche Waben müssen vernichtet werden.

    Brutwaben ohne ansitzende Bienen

    Brutwaben ohne ansitzende Bienen können problemlos in andere Völker gehängt werden, z.B. zur Verstärkung von schwächeren Völkern oder zum Schröpfen von starken Völkern. Zusammenhängen von Brutwaben bei der Bildung von Brutsammlern ist ebenso problemlos möglich und gängige Praxis.

    Brutwaben mit ansitzenden Bienen

    Brutwaben mit ansitzende Bienen können zur Bildung eines Ablegers, Sammelbrutablegers oder Pflegevolkes, zusammengehängt werden. [Warum bekämpfen die sich nicht? Weil sie jeweils auf "ihrer" Wabe sitzen bleiben solange bi eine neue Königin im Volk ist?]


    Waben mit ansitzenden Bienen in ein anderes weiselrichtiges Volk zu hängen gibt „Mord und Totschlag“. [Warum?]


    Kritisch ist auch, wenn Flugbienen in ein anderes Volk gehängt werden. Diese nehmen die Futtervorräte in dem fremden Volk als Futterquelle wahr, fliegen zurück in „ihr“ Volk und informieren dort die Bienen über die neu entdeckte Futterquelle. Das kann eine Räuberei auslösen, v.a. wenn das Volk noch schwach ist und sich nicht wirkungsvoll verteidigen kann.

    Ableger mit Honigraumbienen verstärken

    Honigraumbienen können nicht direkt in ein anderes Volk gegeben werden, können sich aber einbetteln: Nach einer Rauchgabe werden die Bienen aus einem oder verschiedenen Honigräumen in einen Schwarmfangkorb (oder Honigeimer) abgestoßen und mit Wasser besprüht, damit sie nicht so sehr auffliegen. Vor dem Ableger den Eimer schräg legen oder die Bienen auf eine Einlaufhilfe schütten. Sie werden im Fußmarsch karawanenartig ins Flugloch einmarschieren und das Volk verstärken.


    Siehe Beitrag von Marion

    Honigräume mit Bienen auf anderes Volk aufsetzen

    Geht, ohne Keilereien[Warum bekämpfen die sich nicht?]


    Siehe Beitrag von ribes

    Kunstschwarmbildung

    Bienen (ideal von mehreren Völkern) werden ohne Königin z.B. in eine Kunstschwarmkiste gestoßen oder gefegt. Bienen aus dem Honigraum sind für Kunstschwärme ideal, da eine gleichmäßigere Altersverteilung vorliegt. [Warum bekämpfen die sich nicht?]


    Siehe z.B. hier

    Völker vereinigen / 2-Völker-Betriebsweise

    2 Völker (jeweils im Einzarger) können übereinander gestellt werden, dazwischen Absperrgitter und Folie, die am Eck umschlagen wird (nur kleine Öffnung ca. 5 cm Schenkellänge). Das obere Volk braucht ein separates Flugloch (z.B. 15mm Loch in der Zargenvorderwand).


    Wenn eine der Königinnen entnommen wird (weil so woanders gebraucht oder verkauft wird), dann wird nur das ASG und die Folie entfernt. Die Bienen bekämpfen sich nicht, weil es einen gemeinsamen "Volksgeruch" gibt und die Bienen sich als „ein Volk“ fühlen.

  • Zu dem Thema bin ich mir auch teilweise unsicher, darum habe ich diesen älteren Beitrag nochmal rausgesucht.


    Die Frage stellt sich mir eigentlich nur bei "Umhängen von Brutwaben mit ansitzenden Bienen". Bzw. auch bei "Einhängen eines (zu kleinen) Volkes in ein anderes Volk".


    Ich habe neulich von einem kleinen Stecher-Volk die Königin abgedrückt, gut 20 Minuten gewartet, und dieses Stecher-Volk dann mit einem anderen nicht besonders starken weiselrichtigen Volk zusammengehängt. Dazwischen waren ein paar MW-Leer-Rähmchen, dass sie sich aneinander gewöhnen. Hier sah ich zu meinem Erstaunen ein wenig Stecherei, die aber zum Glück schnell nachließ, dann war Ruhe und alles schien ok zu sein.


    Bekämpfen sie sich immer dann, wenn es eine Chance gibt, die eigene Genetik durchzubekommen? Demnach müsste das Umhängen "hoffnungslos weiselloser Brut-Rähmchen" mit ansitzenden Bienen gehen oder? Mit oder ohne offene Brut dabei?


    Und dann gibt es wohl noch dieses "innerhalb zwei-Stunden-Fenster" beim Einweiseln, welches demnach (Pheromone, Auswahl einer Nachfolgerinnen-Larve) auch beim Brutwaben mit ansitzenden Bienen gelten müsste oder? Wobei ich schon Stecherei erlebt habe, als ich in der Absicht verstärken zu wollen, eine Brutwabe aus einem weiselrichtigen Volk mit ansitzenden Bienen unter zwei Stunden Abstand in ein anderes weiselrichtiges Völkchen umhing.


    Und wie sieht es aus, wenn man Brutwaben aus einem nicht weiselrichtigen Volk auf weiselrichtige Völker verteilt? Mit und ohne offene Brut mit ansitzenden Bienen?


    Das Thema "Honigraumbienen direkt in ein anderes Volk zukippen" (s.o.), warum geht das nicht? Oder generell "Bienen umkippen in andere Völker" Müsste doch eigentlich funktionieren oder? Wenn "ganzer Honigraum umstellen" funktioniert? (geht das HR-Umstellen nur im Frühjahr oder auch später noch?).


    Ich bin da jedenfalls etwas unsicher, wann was geht und wann nicht. Und ob das vielleicht auch jahreszeitenabhängig ist (Nach dem Motto "Im Oktober verträgt sich jeder mit jedem"). Habt ihr dazu Erfahrungswerte, wann was geht und wann nicht? Und pardon, falls ich in der Forensuche den entsprechenden Thread übersehen habe.


    Schöne Grüße - Matthias

    "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht." Afrikanisches Sprichwort

  • Inzwischen hänge ich Brutwaben mitsamt ansitzenden Bienen einfach so um. Wenn ich aus irgendeinem Grund Bedenken habe, kommt erst mal ein Schied oder eine ggf. gefüllte Futtertasche dazwischen. Solange man hinterher nicht zwei Königinnen auf einmal in der Kiste hat, funktioniert das so gut, dass ich vergessen habe, worin in meinen ersten zwei Imkerjahren das Problem dabei bestand.

    Ein Sammelbrutableger ist auch nichts anderes.


    Honigräume woanders draufsetzen, funktioniert nach meinem Eindruck auch immer, vertragen tun die sich.


    Nackte Bienenmasse irgendwo zukippen halte ich noch für die bedenklichste Variante, das klappt oft, aber nicht immer.


    Vielleicht ist es einfach besser, wenn jede erst mal da sitzen bleiben kann, wo sie sitzt, und dann bei Gelegenheit die neue Nachbarschaft erkunden. Ohne Stress und Aufruhr.

    Imkerforumstreffen am 11-13.3.2022 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda.

    2 Mal editiert, zuletzt von Kikibee ()

  • Was bei mir (!) bisher immer ohne Probleme funktioniert hat:


    HR-Bienen über BF zu gekäfigter Königin (begattet, unbegattet im FJ), Ablegern oder schwächeren Völkern mit jew. Königin.


    Brutwaben oder ganzes BN - 2 bis 3 Brutwaben - mit Bienen und legender Königin mittig in ein existentes BN, wo die Alte vorher entfernt wurde (ab August mgl.).


    Aus Begattungskästchen Bienen mit Königin über eine Barriere, z.B. Adamfütterer ohne Abdeckung des Zugangs, einlaufen lassen in ein weiselloses Volk ohne Afterweiseln. So habe ich auch schon Versandköniginnen inkl. Begleitbienen zugesetzt.


    M.E. kommt es sehr darauf an, dass die "Empfänger" auch empfangsbereit sind, d.h. entweder mind. 9 Tage weisellos sind oder ganz fix die Alte raus und die Neue, legende Königin rein.


    Allerdings geht das dann schon mal schief, wenn es gaaanz wichtig ist. Da bediene ich mich der Brutnestmethode; das klappte immer.

  • Probleme gibt es, wenn der Volksteil der zu einem anderen Volk dazugehängt wird, danach wieder nach Hause fliegen und dort erzählen kann wie anderswo die Speisekammer aussieht. D.h. auflösen durch zuhängen geht jetzt, aber keine Wabe mit Bienen irgendwo raus und zum Verstärken am selben Stand woanders mit rein. Das gibt Räuberei.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Oder weitgenug weg mit den zuzuhängenden.

    Ich bevorzuge die Distanz von 3-4km. Alles gut!

    Bienenhaltung in modifizierten Warre-Beuten, BR und HR unterschiedliches Wabenmaß, Naturbau im BR und in einzelnen Völkern auch Stabilbau, Einzelaufstellung mit mehreren hundert Meter Abstand an zwei Aufstellungsorten.

  • Bei Tracht, wie jetzt bei mir in der Heide tausche ich Honigwaben mit aufsitzenden Bienen um auszugleichen damit ich am Ende nur volle und verdeckelte Waben ernten kann. Am Heimatstand tausche ich so nur bis Ende Juni.

  • Probleme gibt es, wenn der Volksteil der zu einem anderen Volk dazugehängt wird, danach wieder nach Hause fliegen und dort erzählen kann wie anderswo die Speisekammer aussieht. D.h. auflösen durch zuhängen geht jetzt, aber keine Wabe mit Bienen irgendwo raus und zum Verstärken am selben Stand woanders mit rein. Das gibt Räuberei.

    Stille Räuberei. Kann ich aus aktueller Erfahrung bestätigen. :|

  • swissmix wie hast du die entdeckt und was tust du dagegen?

    Da muss ich etwas ausholen. :)


    Am Stand habe ich Mitte Juli bei allen Völkern eine TBE durchgeführt. Die Völker stehen je zu zweit auf Beutenböcken. Eine Woche später bei der Fangwabenentnahme war bei einem Volk etwas sichtbar nicht in Ordnung; nochmals eine Woche später war klar, dass es weisellos war, weshalb ich es aufgelöst habe (vgl. Stifte und Nachschaffungszellen 6 Tage nach TBE). Und da geschah die Eselei: Ich habe alle Zellen gebrochen und je die Hälfte der Waben samt Bienen dem Nachbarvolk (auf demselben Beutenbock) und einem andern Volk zugehängt.


    Die Völker habe ich dann drei Wochen in Ruhe gelassen, nur fleissig gefüttert. Bei der Durchsicht fünf Wochen nach der TBE zeigte sich, dass das Nachbarvolk vom aufgelösten Volk, das logischerweise alle Flugbienen abbekommen hat, richtig schön stark ist und von allen Völkern mit Abstand am meisten Futtervorräte hat, während das andere Volk schwächer als je zuvor ist und kaum Futter eingelagert hat. Da habe ich eins plus eins zusammengezählt …


    Nach Liebig/Aumeier würde das geschwächte Volk den Winter durchaus noch überstehen, aber ich wollte ja eh grosszügig vereinigen und dann im nächsten Jahr möglichst mit Kanonen auf Spatzen schiessen. ;) Daher wird es aufgelöst werden.

  • also ich habe selbst im Oktober Mord und Totstich, wenn ichbzwei Minis übereinanderstelle.

    Auch mit viel Rauch, auch mit sehr viel Rauch und selbst mit Zeitungspapier.


    Wenn ich zu einer beliebigen Jahreszeit die Zarge ausschüttle, aufsetze und alle fremden Bienen die Beute von außen belagern, ist nach 15 Minuten die Welt wieder in Ordnung, ohne Giftvergießen...


    Keine Ahnung was ich da falsch mache.