Weiselzellen waagerecht oder stehend ausbrüten?

  • Hallo zusammen,

    dieses Jahr habe ich angefangen mich mit der Königinnenzucht zu befassen - erstmal nur für den privaten Einsatz und demnach auch nicht hochprofessionell.

    Kritische Tage sind ja zwischen Verdecklung und kurz vorm Schlupf, gerade was Erschütterungen angeht. Da ich einen Brutschrank (Lucky Reptile Herp Nursery 2) zur Verfügung habe, stellt sich mir nun die Frage: Kann ich die verdeckelten Zellen aus dem Pflegevolk in dem Brutschrank nicht auch waagerecht oder gar stehend (Weiselnapfhalter auf dem Boden) ausbrüten lassen? Zumindest dürfte dann der befürchtete Futterabriss wohl nicht auftreten, oder?


    Hat jemand schon Erfahrungen damit oder triftige Argumente dagegen?


    Gruß

    Matthias

  • Wenn du mehr als eine Weiselzelle im Brutschrank hast, dann musst du einen "Lockenwickler" (Schutzhülle) über die Zelle machen. Und damit hat die Zelle auch kopfüber einen sicheren Stand.

  • Mein lieber Matze,

    du scheinst mir ja ein ganz pfiffiger ...

    Grüße an alle


    Michael




    -Das größte Geheimnis ist, ein Genie zu sein, aber niemand außer einem selbst weiß es-

    (Mark Twain) Donald Duck

  • Die braucht es nicht unbedingt.

    Die Schwerkraft arbeitet ständig.


    Zur Art und Form und Entwicklungsgeschichte der Weiselzelleund der Differenzierung der Honigbiene zu dieser Lebensform und Staatenbildung hatte ich mal recherchiert und zusammengefasst.


    Sehr faszinierend, wie das Wabenwerk, die Aufteilung im Volk und die Entwicklungsstadien miteinander zusammenhängen.


    Zitat des Beitrages:

    "

    zur Relikatartigkeit der Weiselzelle und deren Ausrichtung bzw. Form:


    Dass die sechseckige Form der Zellen im Wabenwerk von den Bienen konkret so gebaut wird, ist ja hinlänglich widerlegt, diese entsteht durch das Aneinander"schmelzen" der Zellen, deren eigentlich rundliche Form sich dann so ausformt. Trotzdem erscheint die rundliche Form der Weiselzelle ganz anders, diese archaische Art legte den Gedankengang nah, dass es sich um eine Wiederausprägung vergangener Instinkte handeln könnte; dies mit Blick auf den Wabenbau anderer, z.B. Solitärbienen oder Hummeln, die so ähnliche Becherformen bauen.

    Es wurde überlegt, dass Apis-Arten früher vielleicht auch die Brutzellen nach einmaliger Nutzung wieder abbauten. Dieses Verhalten und die o.g. Ausprägungen sieht man ja heute noch bei "primitiveren" Staatenbildungen anderer Arten.


    Gedanklich weiter gespielt bedeutet dies, dass hier die Spezialisierung der Königin gleichzeitig mit deren Wachstum und deren Fähigkeiten in Entwicklung ging, ebenso mit der Vorratshaltung und Wabenbauveränderung und vielem mehr.

    Soll heißen, kleinere Arbeiterinnen bei strengerer Aufgabentrennungen. Die Königin nur noch und ganz spezialisiert als nicht mehr fliegende Ovarienträgerin, legend, legend, legend und sonst nichts, kein Sammeln, keine Pflege etc., dafür langlebig, den Winter mit Staatenteil überdauernd. Das bedeutet, die Arbeiterinnen haben den Speicher für Nahrung und Energie nach außen verlegt in der Sommerzeit: Honig in größerer Menge, kein Speicher mehr im Tier, dafür kurze Lebenszeit. Im Winter wird wieder eine andere Form hinzugenommen: Speicher im Tier, lange Lebensform.


    Die Königin ist somit ein hochentwickeltes Individuum geworden, deren Pheromone hemmen Ausprägungen von Fähigkeiten bei den Arbeiterinnen, die ebenfalls in anderen staatenbildenden Verwandten noch zu beobachten sind, wie z.B. die Beteiligung an der Drohnenherstellung, das Anlegen von Drohnenbrut durch Afterweiseln. uvm. In weisellosen Völkern hat man ohnehin den Endruck, sie fallen in ihrer Entwicklungsstufe einige Schritte ins Rückwärts.

    Das führt hier zu weit, ist in Großteilen auch spekulativ, veranschaulicht aber die verhaltensbiologisch fortschreitende Entwicklung, die meist nicht ohne auch äußere Veränderungen verläuft. Der Bien spiegelt nicht nur am Einzeltier, sondern auch am Wabenwerk solche Zusammenhänge.



    Letztlich benötigt ein solch riesiges Einzeltier nicht nur diese einzelne Zelle, die dann frei gebaut angelegt wird, um den Platz zu gewährleisten. Diese Zelle wird außerdem nie nochmals genutzt, sie wird immer nur einmalig bestiftet und oft rückgebaut. Anders als im sonstigen Wabenwerk und wiederum so, wie bei in der Artentwicklung noch "primitiver" stehenden Nest- und Bauformen (z.B. Hummeln).


    Sie Entsteht eher in den Endzonen des Wabenbaus unten, dort kann man zum einen diesem "altertümlichen" Bau am besten nachkommen.


    Zusätzlich ermöglicht es einen freien Zugang von allen Seiten an die Zelle durch die Pflegerinnen, ein regelrechtes Einpacken durch kleine Bienentrauben ist hier möglich. Freier Schlupf und keine Notwendigkeit, den gegenüberliegenden Wabenbau erst noch abzuschroten oder umzubauen.

    Entwicklungsgeschichtlich könnte man wieder sagen: diese Zellenform kannte noch keine Wabengassen.

    Drohnenbau ist nochmal ein bisschen speziell: auch mehr Biene, auch größere Zellen, Randzone bevorzugt, sonst auch durch die Länge der Zellen/Deckel Auswirkung auf die Wabengegenseite.



    Die Larve bzw Puppe der Königin hängt an einem Faden ja. Auch eine Besonderheit passend zur Zellenmorphologie.


    Aber im Umkehrschluß zu sagen, die Zelle ist vertikal, weil die Königinnenlarve so aufgehängt ist, wäre wohl genau verkehrt herum bzw einseitig gedacht.

    Die Larve hat den Faden eher wegen der Besonderheiten der Zelle, sie würde sonst abrutschen und mit der Wand verkleben.

    Man beobachtet das bei diesen ellenlangen Flötengebilden bei abgerutschen Larven, die werden eigentlich nix, auch wenn der Imker den Wow-Effekt sieht. Auch die von Afterweiseln bestifteten Verzweiflungszellen werden so lang, die Drohnenmade da drin rutscht abwärts und die Arbeiterinnen registrieren diese unten sitzende Larve und verlängern und verlängern.

    Das nur am Rande.


    Die Metamorphose an sich ist schon hochdiffizil und störanfällig. Bei der Königin ist sie auf wenige Tage reduziert im Vergleich zu Drohn und Arbeiterin, beinhaltet aber trotzdem noch die sehr wichtige Anlage und Ausreifung der Fortpflanzungsorgane. In dieser Phase entsteht eine sehr lange Bienenform, austariert und aufgehängt abgesichert ohne Gefahr der Verklebung mit der Wand.


    Soviel teils durchaus Gedankenspiele.


    Diese wurden bereits Anfang des letzten Jahrhunderts von Herrn Buttel-Reepen aufgebracht.


    "


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Hallo noch mal,

    Dass „das so muss“ ist mir durchaus bewusst. Dennoch interessiert mich, ob es da Erfahrungen zu gibt, die Zellen waagerecht auszubrüten. Oder eben begründetes Abraten, nicht à la „man macht es einfach nicht“...

    Marion , danke für die ausführlichen Worte

  • Wenn es egal wäre, warum findet man dann nur diese eine Ausrichtung auf den Waben?


    Silikonöl rein in die Zelle, und es funzt, dann kann die Larve nicht mit der Zellwand verkleben.

    Muss man alles, was gedanklich aufblitzt auch in der Realität versuchen?


    Gruss

    Ulrich

  • Kritische Tage sind ja zwischen Verdecklung und kurz vorm Schlupf, gerade was Erschütterungen angeht.

    Viele alte Ammenmärchen halten sich bis heute. Kurz vor dem Schlupf ist die Puppe sehr stabil, da passiert der gar nix mehr,

    Kritisch würde ich nur den/die Tage direkt nach der Verdeckelung sehen, da richtet sich die Larve in der Zelle aus und spinnt sich ein, dabei sind Erschütterungen nicht positiv zu betrachten.


    Ansonsten hab ich schon Zellen in jedem Alter transportiert und egal wie es im Auto rumpelt oder selbst wenn mal was abstürzt... die rohen Eier hat man nur direkt nach der Verpuppung. Da kommt dann Begeisterung auf wenn der Zuchtrahmen (weshalb auch immer) kurzzeitig auf dem Kopf gelagert wurde und dann zum Schluftermin über 50% der Larven verkehrt herum in den Zellen steckten.

    Daher bleiben meine Zellen am Verdeckelungstag und noch meist 2-3 Tage danach wo sie sind und kommen dann erst in den Brutapparat.


    PS.: Versuch die Natur nicht neu zu erfinden und schau dir einfach ab wie es dort passiert. Es wird schon seine Gründe haben -auch wenn es mit waagerechter Zellenlagerung funktioniert sofern die ersten 2-3 Tage der Verdeckelung vorbei sind und die Larve sicher in der Zelle ausgerichtet ist.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • 2-3 Tage danach wo sie sind und kommen dann erst in den Brutapparat.

    Na ja.....hin und wieder werden die verbaut:( besonders gerne bei Tracht. (füttern)

    Den Stein der Weisen hab ich da auch nach viel probieren noch nicht gefunden.

    Markus, du weißst bestimmt was du tust! Ich vermeide Abstände größer als um die Ecke vom Finisher zum Brüter, ich bin da nicht so zuversichtlich. Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste.


    Also ich habe schon öfters Zellen fast waagerecht liegend zwischen Wachsende und Unterträger eingequetscht gefunden, hab die zwar...... aber ich vermute die wären tadellos geschlüpft.

    Über Kopf würd ich mich nicht Trauen, und eher als dummen Gedanken abtun.