Besonnung an meinem Bienenstandort

  • Hallo in die Runde,


    da dies mein erster Beitrag ist, erst mal eine kurze Vorstellung - ich wohne in Monschau / Eifel, am Hohen Venn auf 600müNN. Das ist in der Nähe von Aachen, direkt an der belgischen Grenze. Wir haben eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8,5 Grad, es ist feucht und windig (aus Westen).

    Ich imkere erst im 3. Jahr, habe zu Beginn eine Schulung gemacht über ein dreiviertel Jahr, an den Wochenenden und habe Gott sei Dank immer noch einen tollen Imkerpaten zur Seite. Eigentlich fühlte ich mich vergleichsweise gut vorbereitet, aber es kommen bei jedem Besuch bei meinen Damen immer neue Fragen auf, das wird wohl auch noch einige Zeit so bleiben..

    Hier wird leider sehr intensive Landwirtschaft betrieben, wir haben eine phantastische Frühjahrsblüte, aber aktuell sind die Bienen kurz vor dem Verhungern. Eine zweite Ernte ist ganz schwierig.

    Wir nähern uns langsam meiner Frage :)

    Meine Bienen stehen im Garten, bzw. einem dazugepachteten Abschnitt, der nicht einsehbar ist und wo meine Bienen niemanden belästigen. Und ich keine Angst haben muss, dass sie mir geklaut werden. Aber der Garten bietet kaum Sonne und ist im hinteren Bereich auch recht feucht. Ich habe einen Ordner angelegt "Bienenstandort, in dem 3 Bilder sind, der Dateiname ist die Uhreit der Aufnahme. Ich hoffe, dass ich das richtig gemacht habe....

    Osten ist nach links, also die 3 Völker, die zu sehen sind, haben das Flugloch nach Osten. Von dort kommt aber wegen der hohen Bäume keine Sonne.

    Ich habe (Segeberger 1,5er mit 0,5er Honigräumchen) pro Volk etwa 10 Kilo geerntet, mein Imkerpate, dessen Bienen in der Nähe, aber in der Sonne stehen, 30 Kilo. Er hat aber auch 20 Jahre Erfahrung....

    Ich möchte meine Volksanzahl in den nächsten Jahren auf 15 erhöhen, vielleicht sogar auf 20. Die würden in den Garten locker passen. Die Bäume links kann ich nicht kappen (Außerdem sind das hauptsächlich Weiden und Wildkirschen, wäre zu schade). Die Büsche rechts könnte ich mächtig reduzieren, dann käme ab mittags etwas mehr Sonne rein, allerdings halten sie auch den Westwind und den Schnee ab, also würde ich doch einiges zum Schutz stehen lassen.


    Jetzt ist mir auch ein anderes Grundstück angeboten worden... trocken, Sonne von früh morgens bis spät mittags, dann Schatten durch Bäume, perfekt - aber, einsehbar, Wanderer, anfahrbar (die Grenze ist nicht weit...), Bebauung inkl. Kleinkind gegenüber...


    Ich weiß, dass jetzt so viele Meinungen kommen werden wie Antworten, aber vielleicht hilft mir das bei einer Entscheidungsfindung, ich drehe mich nämlich im Kreis.

    - Wie wichtig ist die Sonne am Morgen.

    - WENN ich die Bienen stehen lassen würde, würdet Ihr sie mit dem Flugloch drehen, in die Mittags/Nachmittagssonne?

    - Oder würdet Ihr die andere Wiese nehmen?

    - Oder ist das alles Firlefanz und ich mache mir zuviel Gedanken und meine Ernte wird schon kommen, wenn ich mehr Erfahrung habe? Ich mein, hier kann ich machen, was ich will, störe keinen, hab mein Werkzeug immer am Ort...


    Ich freue mich auf Eure Antworten, Danke und schönen Gruß Birgit

    Machen ist wie Wollen. Nur krasser.

  • Es gibt da so eine "Imkerweisheit" ... "Bienen wollen im Schatten stehen und in die Sonne fliegen".


    Meine Völker stehen zum Teil komplett im Schatten und komplett in der Sonne, fast den ganzen Tag lang. Ich erkenne keine Unterschiede. Freilich heizt sich so eine Magazinbeute in der prallen Sonne ordentlich auf. Da müssen die Bienchen mehr kühlen.


    Im Klostergarten in Buckfast standen die Beuten in 4-er Einheiten, alle in einer anderen Himmelsrichtung zugewandt - auch in der Sonne. Bruder Adam sah dies als perfekte Aufstellung an, da man an jedem Kasten stehen konnte, ohne vor einem Flugloch des anderen Kastens zu stehen.


    Also mach dir nicht so viele Gedanken. Wenn du auf 20 Völker gehen willst, sollte der Standort gut erreichbar sein. Volle Honigzargen zu schleppen (auch mit der Schubkarre) ist schon anstrengend. Auch die Nachbarn sollten informiert sein, nicht dass mal das Ordnungsamt bei dir klingelt und es Ärger gibt.


    Grüße


    Falk

    "Die Zukunft der Honigbiene liegt in den Kreuzungen!" - Bruder Adam

  • Nimm das "sonnige" Angebot doch als 2. Standort, dann kannst Du Dich doch gut entscheiden.

    Wichtig ist in diesem seltsamen Jahr nicht, was jetzt zu holen ist, sondern wie kalt -wie lange Frost/Schnee liegen bleibt- und feucht der sonnige Standort im Winter ist.

    Wie weit sind die beiden Standorte von einander entfernt? Bei 20 Völkern wäre ein zweiter Stützpunkt bestimmt nicht schlecht.

    Heckengewächse zur Beschattung sind schnell gepflanzt.

    Das Flugloch muss ja nicht Richtung Kleinkind zeigen...

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Jelle, die Völker wären Luftlinie nur 200/300 Meter auseinander, also leider nicht ausserhalb des Flugradius, das wäre natürlich chic und würde noch andere Perpektiven öffnen.

    Wenn ich Euch beide richtig verstehe, vor allem Falk, seht Ihr die Sonneneinstrahlung ( am Morgen ) aber beide nicht als so wichtig an, oder?

    D.h. auch Drehen Richtung Westen wäre kein eine Idee?????

    Wäre schön, wenn noch einige mehr ihren Senf dazugeben

    Machen ist wie Wollen. Nur krasser.

  • Ich kann nur wiedergeben, was ich so gelesen habe: Die Ausrichtung des Fluglochs hat bei Magazinbeuten keine entscheidende Bedeutung. Wichtige Faktoren für einen Standort sind vor allem Windstille und Trockenheit. Mittagssonne sollte im Sommer jedoch möglichst vermieden werden.


    Eine gewisse positive Wirkung dürften Morgen- und Abendsonne haben; ich persönlich glaube aber nicht, dass die Morgensonne 20kg Mehrertrag pro Volk bringt.


    Wie sieht es denn im Winter aus? Wenn der Schnee am Standort der Beuten länger als überall sonst liegen bleibt, ist der Standort eher ungeeignet. Das ist so ein Anhaltspunkt für die Abwägung des Standortes.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Nimm das "sonnige" Angebot doch als 2. Standort, dann kannst Du Dich doch gut entscheiden.

    Wichtig ist in diesem seltsamen Jahr nicht, was jetzt zu holen ist, sondern wie kalt -wie lange Frost/Schnee liegen bleibt- und feucht der sonnige Standort im Winter ist.

    Wie weit sind die beiden Standorte von einander entfernt? Bei 20 Völkern wäre ein zweiter Stützpunkt bestimmt nicht schlecht.

    Heckengewächse zur Beschattung sind schnell gepflanzt.

    Das Flugloch muss ja nicht Richtung Kleinkind zeigen...

    Was sollte die Sonne am Morgen bringen? Die Pflanzen fangen erst ab einer bestimmten Temperatur, Luftfeuchte etc. an zu honigen. Das kann ich anhand der Stockwaagenaufzeichnungen exakt bestimmen. Deshalb ist es (meiner Meinung) nach egal, ob meine Völker Morgensonne bekommen oder nicht. In einem Kälteloch sollten die Bienchen trotzdem nicht stehen... bisschen erwärmen sollte sich der Standort schon.

    "Die Zukunft der Honigbiene liegt in den Kreuzungen!" - Bruder Adam

  • Swissmix, wir haben hier leider tatsächlich bis zu 7 Monaten Winter, aber ich meine, der Schnee bleibt nicht wesentlich länger liegen als anderswo, da im frühen Frühjahr ja noch kein Laub die Sonne abhält. Windstille ist gegeben durch die Büsche gen Westen, die Nässe ist durchaus ein Thema! Kann man das abmindern durch höhere Böcke? Ohne auf Leitern steigen zu müssen?


    Falk, Kälteloch ist es nicht. Ist alles relativ hier :-)


    Ich habe mich vertippt in meinem letzten Beitrag... Die Frage soll natürlich sein, ob ein Drehen des Flugloches gen Westen Sinn macht.

    Machen ist wie Wollen. Nur krasser.

  • Dann ist ja alles bestens, Bee*rgit Nein, das Drehen der Fluglöcher wird keinen Einfluss haben.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Hallo Birgit,


    die Ausrichtung des Fluglochs sollte so sein, dass die Bienen ins helle, offene Gelände ausfliegen können. Welche Himmelsrichtung das ist, ist nebensächlich. Einige meiner Fluglöcher zeigen zum Bsp. nach Norden, weil sich das so anbietet. Absolut kein Problem.


    Der Bienenstand selbst sollte eher sonnig als schattig, eher trocken als nass sein. Stell doch einfach ein paar Probevölker auf den neuen Standort und schau wie sich die Sache dort entwickelt. Den Bienen wirds gefallen. Es sind Sonnentiere.


    Gruß

  • Ich denke, lieber etwas schattig als in der Vollsonne und 14 Tage später nicht mehr da, weil geklaut. Anfahrbar und einsehbar sind keine gute Kombination, wenn man seine Völker nicht verschenken will.

  • Was sollte die Sonne am Morgen bringen?

    ICH habe nichts von Morgensonne gesagt!


    Wenn der Schnee am Standort der Beuten länger als überall sonst liegen bleibt, ist der Standort eher ungeeignet.

    Sehe ich auch so.

    die Nässe ist durchaus ein Thema! Kann man das abmindern durch höhere Böcke? Ohne auf Leitern steigen zu müssen?

    Höhere Böcke verändern das Kleinklima nicht ;)

    Auch ich habe mal einen Stand abgelehnt, weil die Bodenfeuchte, länger anhaltende Nebelschwaden im Vergleich zu 150m weiter entfernt und der Bodenfrost sich dort länger als im Vergleich zum andren Standort hielt.

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Wie schon einer meiner Vorredner schrieb. Entscheidend ist ein trockener und windgeschützter Standort (Stichwort Mikroklima)

    Sonne brauchen die im Sommer nicht unbedingt, im Frühjahr und Herbst schadet es aber keinesfalls.

    Aus Imkersicht sollte man gut mit dem Auto anfahren können, vor allem, wenn Dein Zielwert bei 15 Völkern liegt. Honigräume, Winterfutter usw. sind schwer.

  • Danke für Eure Kommentare, ich habe mich jetzt zu einer Entscheidung durchgerungen. Die Bienen bleiben erst mal in meinem Garten, da aber die Ausrichtung anscheinend keine so große Rolle spielt, werden sie jetzt mit dem Flugloch in die Länge des Gartens gerichtet (Süd-Westen). Master Toms Hinweis auf das "helle offene Gelände" erscheint mir plausibel, so haben sie Anlauf. Die Büsche an der westlichen Grenze werden mächtig gestutzt, so haben sie von Mittags bis abends Sonne. Diese wird aber erstens immer noch abgemindert durch die Bäume, außerdem ist in unserem Klima die Gefahr von Überhitzung, selbst im heißensten Sommer, nicht relevant. Kommen die Damen auch nächstes Jahr nicht besser in die Puschen verglichen mit meinen Imkerkollegen im Dorf - trotz mehr Erfahrung, kann ich immer noch auf die andere Wiese zurückgreifen.

    Sonnige Grüße Birgit

    Machen ist wie Wollen. Nur krasser.

  • Super Birgit

    Genau dazu wollte ich Dir raten, und das macht den zukünftigen Praktiker aus:

    Beobachten ...Schlüsse ziehen ...evtl. nachfragen ... noch einmal Schlüsse ziehen ...selbst aktiv werden ...beobachten ...

    Nur so gehts. Heinz aus Dresden, Michael aus Mettlach oder Hubsi aus Starnberg können Dir Tipps geben, haben aber immer nur ihre eigenen Bilder vor Augen. Du aber siehst deine Situation vor Ort, im hellen Julilicht, aber auch im nebligen Dezember