Flugschule?

  • Hallo!


    Ich habe am Wochenende etwas beobachtet, was ich mir nicht ganz erklären kann. Ich war am Freitag früher Zuhause und sah gegen 15:30 so 50-100 Bienen an der Beute herumschwirren oder drauf sitzen. Sie flogen immer in Kreisen hoch und gingen dann runter. Ab und an flog auch was rein, aber das waren eher Bienen, die mit Pollen zurück kamen. Kurze Zeit später machte das auch der andere Ableger. Zuerst habe ich Räuberei befürchtet, aber ich konnte keinen Kampf erkennen. Gegen 16:30/17h war alles vorbei. Das ganze hat sich aber am Samstag und Sonntag etwa zur gleichen Zeit wiederholt.


    Die Ableger stehen seit einem Monat bei mir, ab 14 Uhr stehen die Styroporbeuten im Schatten, daher kann es eigentlich nicht zu warm sein. Bei der Durchsicht gestern habe ich auch keine Schwarmzellen gesehen, daher kann ich das auch ausschließen.


    Kann mir jemand sagen, was da los ist? Ist das eine Art Flugschule, wo sich die neuen Bienen den Standort einprägen? Mich wundert, dass das immer zur gleichen Zeit passiert ist.


    Beste Grüße

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • Moin, moin,


    einfliegen nennt man das, und wenn Du genau beobachtest, wirst Du am Flugloch bei der Gelegenheit sterzelnde erfahrene Bienen sehen, die Orientierungshilfe geben.

    Dazu gehört ein erster Toilettengang.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Hi Clas, Danke für Deine Antwort!


    Passiert das echt täglich?

    Sind das die frisch geschlüpften Bienen, oder die die bald Flugbienen werden?

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • Moin noch mal,

    50 sich einfliegende Jungbienen werfen die Frage auf nach Größe und Entwicklungszustand der Ableger, nach praktizierter Fütterung, Wabenmaß und Anzahl der ausgebauten und besetzten, sowie nach der Größe des Brutnestes...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin, moin,


    wenn's Wetter passt, ja. Wenn das Volk größer ist, sind das deutlich mehr. Sie tun das, wenn sie mit dem Innendienst weitgehend durch sind. Deswegen die Anschlussfragen eben oben.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Es sind also die geschlüpften Jungbienen von vor, na, sagen wir 1 bis 3 Wochen. Hängt ab von der Zusammensetzung des Volkes, dem Futterstatus, der Fütterung, dem Brutstatus und mithin der Prioritätenliste, nach der sie arbeiten... guter, regelmäßiger, aber nicht übermäßiger dünner Futterstrom ermöglicht viel Brut, die erfordert viel Pflegepersonal, und sammeln muss man nur Pollen und Wasser. Also können mehr drinnen bleiben und das Volk wachsen...


    Wenig Futter und keine Fütterung erfordert viel fliegendes Personal bei jetzt keiner Tracht mehr und führt dann im Frühjahr spätestens zu zwei üblen Auswinterungsergebnissen.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Moin Clas!


    Ich hatte dazu auch schon einen Fragethread zum Füttern offen.

    Also ich Imkere auf DNM. Die Ableger kamen auf 5 Rähmchen (2 x Futter), waren aber zu wenige Bienen, daher haben sie schwach angefangen.


    Ich füttere regelmäßig, zuerst Zuckerwasser, bin jetzt auf Sirup umgestiegen. Anfangs auch zu wenig. Bei der Durchsicht gestern habe ich freudig festgestellt, dass auch mein schwächerer Ableger die Mittelwände ausbaut und dort einen Futterkranz einlagert. Brut und Stifte habe ich dort auf 3 Rähmchen.


    Der stärkere Ableger hat (endlich) auch auf dem 4. Rähmchen (ausgebaute MW) Stifte und auch sonst sieht das Brutnest ganz gut aus. Es sind auch mehr Bienen da.


    Ich habe gestern jeweils eine MW vor die 2 Futterwaben gehängt, und den Rest hinter den Futterwaben mit MW aufgefüllt. Jetzt habe ich eine leere Zarge oben auf gesetzt, Folie leicht umgeschlagen und einen Behälter mit Sirup aufgesetzt (ca. 2kg).

    Das Füttern hat echt einen Schub gegeben, zwischenzeitlich hatte ich bissl Angst, dass die Königin im schwächeren Volk zu wenig stiftet.

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • Danke für die Ausführliche Antwort!


    Du gehst tiefer auf den Inhalt meiner Beuten ein, als ich es mit meiner Frage beabsichtigt hatte.

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • Moin, moin,


    ich möchte ja helfen und Verständnis aufbauen, wenn ich antworte...


    Futterkranz ist gut, aber 2 kg Sirup auf einmal scheint mir eigentlich zu viel, für das, was Du beschreibst... Ein gutes Maß ergibt die Menge, die sie über Nacht wegputzen. Das siehst Du morgens durch die Folie. Die würde ich in einer Futtertasche hinter der letzten ausgebauten Wabe abends geben. Dann gammelt nichts, und nichts ruft Räuber herbei, und die Bienen können sich entwickeln.


    Und: verdünnt, oder Zuckerwasser 1:1 dickstenfalls. Die Trocknung triggert die Brutanlage und die Brutpflege gibt die Wärme dazu. Fertiger Sirup wird zugemacht, und dann ist da Futter, aber kein Platz mehr für weitere Brut. Was sie jetzt haben, haben sie, aber sie müssen noch wachsen. Das braucht auch Platz. Deswegen ein dynamisches Gleichgewicht anstreben und die Ration nach den Beobachtungen bei der wöchentlichen Durchsicht anpassen. Die kann sich ruhig auf die Futtertaschenseitige, neu gegebenen Wände/Waben beschränken, wenn das Wetter wenig freundlich sein sollte. Und mach Dir Notizen.


    Gruß Clas



    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Ich habe 1:1 gefüttert, und das hat nicht viel gebracht. Seit ich mit Sirup füttere, passiert merklich etwas.

    Ich hatte gestern auch die Futterwaben in der Hand und die waren recht leicht, daher habe ich mich entschlossen denen mehr zu geben. Platz ist da, daher fürchte ich nicht, dass die Königin aus dem Stiften rausgehen.


    Ich hatte während der Lindenblüte gedacht, dass die Bienen mit der Linde genug zum Essen sammeln und dass die 500g Zucker die ich 1:1 aufgelöst habe den Bautrieb anheizen, das hat aber nichts gebracht. Es war anscheinend zu wenig Futter im Volk.

    Jetzt mit dem Sirup passiert was. Ich wollte mit den 2 kg deren Reserven auffüllen und werde das bis Freitag so lassen, dann werde ich wieder in kleinen Mengen füttern.

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • ... ich könnte mir vorstellen, dass es Clas Lehmann nicht um eine Anleitung zum "Auffüllen" von Reserven", sondern um das Herbeiführen einer "Draußen ist Tracht, wir brüten mal ordentlich"-Einstellung bei den Bienen geht.


    Und wenig Bienen bauen wenig und nicht viel - die Bienen sind für die Jahreszeit nicht übermäßig stark geliefert worden.


    Er wird das schon erläutern.

  • Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ich fand die ausführliche Antwort von Clas gut, und wollte nur erläutern, warum ich gestern so viel gefüttert habe.

    Ja, die Völker waren recht dünn, das kann ich nicht mehr ändern, muss jetzt nur Bedingungen schaffen, damit die Bienen es jetzt aufholen.

    4 Völker Carnica in Segeberger (eine rote, drei grüne Königinen), Ziel für dieses Jahr: mit 6 Völkern in den Winter gehen.

  • Die Bienen verputzen über Nacht etwa 200 ml Zuckerwasser. Wenn man jeden Abend soviel gibt, simuliert das fortlaufende Tracht und verhindert Räuberei. Ich nehme auch Zuckerwasser 1:1

    Willst du Gottes Wunder sehen, musst du zu den Bienen gehen.