Rückstände im Rapshonig

  • Werbung

    Hallo Forum,


    Raps und die Pestizide, das ist ja ein Dauerthema mit viel Meinung und wenig Fakten. Wir machen Bestäubung von Saatgut, dafür fahr ich ein paar Kilometer und weil dieses Jahr um uns herum gute 300ha Ertrags-Raps angebaut werden, hatte wir letztendlich insgesamt 2/3 der Völker mitten im Raps stehen. Weil mich das Thema naturgemäß interessiert und die gemunkelten Wahrheiten nicht zu meinen gemachten Beobachtungen passen, haben wir uns heuer entschieden, in die Kasse zu greifen und analysieren zu lassen. Mit allen Risiken, z.B. die Ernte nachher nicht verkaufen zu können. Pollen-Analyse ist lustig, Rückstandsanalyse eher nicht. Auf Grund der Bedenken hier im Forum erwartete ich ein Grundrauschen aller möglichen Helferlein plus ein Peak bei den Klassikern wie Thiacloprid (Biscaya) u.ä.


    Pollen-Analyse war klar Raps mit >85%, hätte ich nicht noch zusätzlich die Zucker abgefragt, könnte ich jetzt Raps auf die Gläser kleben, aber 39,8/34% Fruktose/Glukose ist nicht sehr typisch. Tja, wer viel fragt....


    Was die Rückstände angeht.....Wir haben zusätzlich zur Pollen- auch die Zuckeranalyse und das Rückstandsanalyse-Paket von FoodQS gebucht plus den Test auf die gängigen Neonics (Bestimmungsgrenze 10µg/kg).


    Ergebnis: ALLE getesteten PSM unter der Nachweisgrenze. Thiacloprid

    (max. erlaubt 200µg/kg) mit 10µg genau auf der Nachweisgrenze. Wohlgemerkt, alles konventioneller Anbau, viele unterschiedliche Landwirte, demzufolge keine besonderen Absprachen, Fluglöcher vor der Ausbringung verschließen etc, nichts. Ich finde das Ergebniss schon ziemlich beachtlich, bin gleichermaßen überrascht wie erleichtert und stelle das Resultat hiermit zur Diskussion.


    Beste Grüße,

    Ralf


    PS: Kann ich den getesteten Honig jetzt eigentlich als rückstandsarm, pestizidarm etc. bewerben? :/:saint:

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich wandere zwar keinen Raps an, habe aber leider ungewollt Raps im Flugradius. Eine Analyse bei FoodQS von einem diesjährigen Honig mit etwa 80% Rapspollen ergab lediglich Spuren des häufig eingesetzten Fungizids Boscalid zwischen Nachweis- und Bestimmungs- bzw. Berichtsgrenze, keine Neonics. 2017 ermittelte Hohenheim bei einem ähnlichen Honig zwei andere Fungizide nahe dem Grenzwert 50 Microgramm/kg. Ich vermute, dass 2017 wegen nasserem Wetter mehr Fungizide (wohl legal!) als 2018 in die Rapsblüte gespritzt wurden.


    Auch an zwei urbanen Standorten, wo ich in 3km Umkreis keinen Raps gefunden habe, ergab eine Pollenanalyse übrigens etwa 20% Raps oder ähnliche. Ich weiß nicht ob meine Bienen da noch weiter geflogen sind oder es sich um Pollen verwandter Pflanzen handelt. Kennt jemand entsprechende im April /Mai blühende Arten, deren Pollen mit Raps zu verwechseln ist ?


    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Das geht leider aus rechtlichen Gründen nicht.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von hartmut () aus folgendem Grund: Auch nicht auszugsweise....

  • Das mit dem Bewerben finde ich kritisch. Das weckt beim Verbraucher, der sehr wohl davon ausgeht, dass Honig gesund ist und keine Rückstände hat, ein Unwohlsein und weitere Nachfragen. Es gibt Daten, die sind für uns wichtig, um mit gutem Gefühl vermarkten zu können. Aber ich weiß nicht, wie ich mich fühlen würde, wenn Tchibo mir sagt, in dem Kaffee ist übrigens kein Gift, sonst immer, aber hier nicht.... das sind doch eigentlich Selbstverständlichkeiten, die auf Nachfrage oder im Gespräch anzumerken sind, aber nicht als Bewerbung..

  • Naja, Stiftung Warentest sagte was anderes, Manne & Co ja auch. Da würde man sich schon gerne abgrenzen. Ich hab's ja jetzt schriftlich!


    :)

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Alles richtig. Und gut so. Aber: deine Käufer sind nie von etwas anderem ausgegangen. Und du weckst damit fragen im nächsten Jahr, zu anderen honigen etc.

    Ich finde es richtig und wichtig, dass WIR wissen, dass wir etwas Gutes verkaufen. Und im Gespräch würde ich die Testung auch erwähnen. Mehr würde ich nicht machen.

  • Ich sehe das so, für mich gesprochen: wir verkaufen regionalen, guten Honig. Ich hier kleinregional kann sagen, da ist bestimmt auch was aus Ihrem Garten dabei. Und damit verkaufen wir auch ein gutes Gefühl ( und Mitverantwortung). Wir sollten nur dafür sorgen, dass das gute Gefühl nicht trügt, wir niemanden beschubsen. Aber warum dieses gute Gefühl nehmen???

  • Das ist eh nur 'ne theoretische Frage, ich will nur wissen, ob ich's dürfte.

    Dürfen und Sinn machen ist ein Unterschied!

    Warum sollst Du nicht auf die guten Analyseergebnisse hinweisen dürfen!?!

    Aber wenn da einer was von einem Stoff hört den er nicht aussprechen kann hat er Angst davor!

    Auch wenn der gerade so nachweisbar und weit unter der Schadschwelle liegt.

    Das ist das (gut funktionierende) Geschäftsprinzip der Umweltspendenbettelindustrie...

  • Hallo Ralf!


    Gratuliere zu deinem rückstandsarmen Honig.

    Werben würde ich damit nicht. Rückstandsarm ist nicht rückstandsfrei!

    Aber mach es wie du meinst.

    :wink:

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Ich denke, dass Du das könntest.


    Kleiner Zusatzaufkleber z.B. wäre denkbar

    "geprüft und nachweisbar sehr rückstandsarm" würde sich positiv anhören


    Es handelt sich um eine beweisbare Tatsache. Und es ist ein Extra-Bonus, Zusatzkosten und ein Risiko für die Verkaufsfähigkeit.

    Da kann man ruhig mal mit strunzen!


    Ob man das jetzt auch z.B. auf ein DIB-Glas noch aufbringen dürfte oder die dann aus dem Hemd springen, weiß ich grad nicht so genau.

    Die werben ja eh schon mit geprüfter Qualität, wobei das ja mehr theoretisch herumgaukelt, als Tatsachen entspricht.


    Aber das ist eine andere Manege.


    Warum soll man so ein positives Ergebnis weglassen? Weil es den Verbraucher darauf bringt, dass eine solche Untersuchung nicht die Norm ist und in anderen Chargen etwas drin sein könnte? Hm...

    dasliest sich hier mit einem "Geschmäckle"


    Wo ist der Unterschied, wenn man mündlich bei Verkauf strunzt oder schriftlich auf dem Glas?

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper