Wachs wieder einschmelzen

  • Hallo,

    auch ich werde langsam damit konfrontiert das ich Reste an Wachsbau übrig habe und sicher auch mal komplette Waben dazu kommen.

    Wie gehe ich am besten damit um, sollte ich mir die irgendwie einschmelzen z.B. mit einem SoWa (SonnenwachsSchmelzer) ? Oder kann ich die kleineren Mengen auch anderst einschmelzen?

    Wie genau funktioniert das eigentlich mit solch einem SoWa, bleiben dann nur die gedrahteten Rähmchen übrig?


    Habe es jetzt mal gesammelt und wollte mich am Einschmelzen mal versuchen. ;)

    Kann ich das in einem Kunststofftopf in den Ofen stellen? Was passiert mit dem bisschen Honig und den paar Brutzellen?


    Wie macht ihr das so?


    Gruß

    Chris

  • Die kleinen Wachsreste von den Durchsichten, ja sogar das Gemüll kann man separat bspw. in einem ausrangierten Kochtopf sammeln, mit kochendem Wasser aufgießen, kurz aufkochen lassen, durch einen Damenstrumpf abgießen + ausdrücken mit behandschuhter Hand -> wärmeisoliert langsam erkalten lassen und eine Wachsscheibe von 300g und mehr gewinnen. Dabei lernt man viel über Wachs und seine Materialeigenschaften und kann "ein Gefühl" dafür entwickeln.

    Wenn man täglich das Gemüll von der Windel kehrt, lernt man es zu lesen, ohne jedesmal die Völker durchsehen zu müssen. Glaronius hat dazu ein sehr anschauliches PDF erstellt (#38):

    Gemülldiagnose: Wassertropfen um Bienensitz (Gemüllstreifen)

  • was passiert dann eigentlich mit allem anderen, was kein Wachs ist ?

    Wird doch sicherlich auch runtertropfen und dann? Wenn es nur um das schmelzen Ansicht gehen würde, wäre da ja alles drin, auch die Kokons, die restlichen Maden etc. und das wäre echt ein buntes Allerlei.

  • Bei wird alles Wachs, ob aus Sonnenwachsschmelzer, Dampfwachsschmelzer oder auch die Wachsreste, nach der von Ribes beschriebenen Prozedur behandelt.

    durch einen Damenstrumpf abgießen

    Der Damenstrumpf soll nicht wärmen oder andere Sinne anregen, sondern er fungiert hier als Sieb.


    Wichtig ist dann das flüssige Wachs ohne weitere Erschütterungen langsam erkalren zu lassen. Dann setzt sich das, was an Verunreinigungen durch den Damenstrumpf ist, unten am Wachskuchen ab und kann nach Erklaten abgekratzt werden.

    Wenn Du tot bist, weißt Du nicht, daß Du tot bist. Aber für Dein Umfeld ist es hart.

    Genauso ist es, wenn Du blöd bist.


    Ich halte die Erkenntnis für einleuchtend, dass alle Menschen frei geboren sind und nicht alle das überhaupt wollen.

  • Ahhh, OK, dann werde ich das Püppchen mal aufsetzen und durch einen "unbenutzten" Damenstrumpf tropfen lassen. Mal sehen was da so rauskommt. :)

    Und drin bleibt. ;)

  • Nicht tropfenlassen, sondern: Das kochende Süppchen zügig in einem Schwung durch das Strumpfsieb in einen Eimer mit ebenfalls kochend heißem Wasser ausgießen, aus dem Trester im Strumpfsieb schnell noch Wachsreste ausdrücken, Eimer zudeckeln und auch oben gut isolieren und 24 h nicht erschüttern. Erst wenn alles erkaltet ist: Nachsehen, was rauskam.


    Die Tresterreste geben - gut getrocknet - angeblich Lockstoff für Schwarmlockkästen ab bzw. gute Hitze im Kamin.

  • Wie genau funktioniert das eigentlich mit solch einem SoWa, bleiben dann nur die gedrahteten Rähmchen übrig?

    Bei bebrüteten Waben bleibt die Zellstruktur erhalten, durch die Puppenhäute der darin erbrüteten Bienen. Ziemlich nervige Sache, weil darin auch relativ Wachs bleibt. Für wirklich gründliche Wachsgewinnung müsste man die Reste aus dem Sonnenwachsschmelzer nochmal in einer Wachspresse heiß auspressen. Macht aber kaum jemand. Fürs erste müsste dir das reichen, was im Sonnenwachsschmelzer aus den Waben rausläuft. Auch unbebrütete Waben verflüssigen sich nicht restlos, es bleiben Propolis- und manchmal auch Pollenreste.

    Die Rähmchen muss man danach noch etwas sauber kratzen. Probier es einfach aus.


    Ich habe auch einen Edelstahltopf, in dem ich öfter Wachs umschmelze (auch die rohen Blöcke aus dem improvisierten Dampfwachsschmelzer. Ich habe in dem Topf sicherheitshalber meist ein paar Tonscherben, als Siedesteinchen, um einem möglichen Siedeverzug vorzubeugen.

    Das aufgeschmolze Wachs gieße ich nicht durch einen Damenstrumpf, sondern durch ein Honigseihtuch (ist ein recht feines und sehr festes Nylongewebe, glaube ich).


    Zum Abkühlen stelle ich einen Eimer in einen Karton, stopfe drumherum Zeitungspapier, lege oben auf den Deckel auch Zeitungspapier. Bei einem großen Eimer (10l) dauert es zwei Tage, bis er kühl genug ist um das Wachs rauszuholen. Bei einem kleineren schon nach 24 Stunden.


    Ich habe nicht genug destilliertes Wasser für die Wachsaufschmelzaktionen, und das Wasser aus unserer Regentonne ist nicht sauber genug. Deshalb nehme ich Leitungswasser, gebe etwas Oxalsäure dazu, in der Hoffnung, dass damit das Kalzium ausgefällt wird. Das sind aber Feinheiten, muss dich am Anfang nicht kümmern.


    Viele Grüße,

    Robert

  • N'Abend


    Mann, macht Ihr ne Wissenschaft da draus.


    Wachs schmelzen im Sonnenwachsschmelzer oder Dampfschmelzer oder ausrangiertem Kochtopf, in Eimer (egal ob Emaille, Edelstahl oder Kunststoff) oder Tupperwareschüssel giessen, abkühlen lassen, Dreck unten abkratzen. Fertig.

    Zum Sieben reicht auch ein ausrangiertes Küchensieb, zumal man das für gewöhnlich und im Gegensatz zu einem Nylonstrumpf auf den Eimer auflegen kann. Den Dreck noch ein bisschen hin- und herschwenken und abschütteln.

    Erschütterungen vermeiden ? Da passiert nix, wenn man da anstösst oder das ein bisschen hin- und herträgt.

    Isolieren ? Ich habe das (oberflächliche abgekühlte) Ganze sogar schon in meine Regentonne geschmissen, damit es schneller abkühlt und ich die Tupperwaredose für nächste Runde schmelzen nutzen konnte. Sobald sich da die wesentlichen Teile abgetrennt haben, vermischt sich das nicht mehr. Auf mikroskopisch kleine Schwebeteilchen kommts da nicht an.

    Weiches Regenwasser ? Extra Oxalsäure rein ? Ich arbeite hier zu 90% mit Leitungswasser aus nem kalkhaltigen Gebirge, das funktioniert genauso.


    vereinfachte Grüsse, Robert

  • Hallo,

    Im Internet findet man viele Anleitungen


    auch bei youtube gibt es viele interessante Videos :thumbup:


    Viel Erfolg!


    zu 1.

    ... das imkerliche Internet ist hier ....;)


    zu 2.

    Soapp:

    Wenn Du nach YouTube imkerst ....=O


    ... na dann ...


    ... mindestens 1/3 der mir dort bekannten Bienenvideos sind falsch bis gefährlich, ;(

    mind. ein weiteres 1/3 ist Zweifelhaft :/....


    Meine MEINUNG.:!:



    Pinky69

    Auch meine Meinung:


    Kleinmengen schmelzen von Wachs, geht im Obstentsafter recht ordentlich.

    Als Sieb verwenden wir Fliegengaze, die kann man schön auspressen.

    Das Wachs ist bei nicht all zu raschem abkühlen und Boden abkratzen sauber genug fürs MW gießen.



    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

    2 Mal editiert, zuletzt von Bienenknecht ()

  • Also ich hab das mit dem Wachs einschmelzen am Wochenende mal versucht, man war das eine Sauerei. OK, war der erste Versuch, aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Bis ich den Topf wieder sauber hatte, boahhh. Schwitz. :)

    Auch hat mich gewundert dass das Wachs oben als eine Art Kahmhaut geschwommen ist, die war natürlich recht dünn. Am Boden der Brühe war etwas undefinierbares was mit dem Wasser dazwischen als eine Art Sud abgegossen wurde.

    Also ich weiß nicht ob ich jemals wieder einen Versuch unternehme Wachsreste einzuschmelzen. Mal sehen ob es in der Umgebung jemand gibt mit mehr Erfahrung. ;)


    Gruß

    Chris

  • Pinky69 Was Du zum Wachsschmelzen verwendest, sollte anschliessend nur noch zum Wachsschmelzen verwendet werden. ;) Ich habe mir für Kleinmengen einen Edelstahl-Dampfentsafter gekauft. Diesen betreibe ich nicht in der Küche, sondern auf einem Camping-Gaskochfeld. Meine Frau dankt’s. Die damit gefertigten Wachsblöcke sind schon recht ansehnlich. Sie werden gesammelt und im Winter dann nochmals verflüssigt und gefiltert. Ich gehöre auch zur Damenstrumpffraktion. :) Für Kleinimker finde ich das eine recht schlanke Lösung.

  • ...eine Sauerei...Bis ich den Topf wieder sauber hatte...

    Auch hat mich gewundert dass das Wachs oben als eine Art Kahmhaut geschwommen ist, die war natürlich recht dünn. Am Boden der Brühe war etwas undefinierbares was mit dem Wasser dazwischen als eine Art Sud abgegossen wurde.

    1. Ein ausrangierter Topf sollte es sein. Den muß man nicht säubern, den füllt man einfach neu mit Wachsresten nach. Außen sollte man ihn - v.a. die Kontaktfläche zum Küchenherd - sauber halten. Noch heiß mit Küchenpapier abgewischt, notfalls mit Natronlauge nachgewaschen ist kurz und schnell erledigt - wenn man die ersten Erfahrungen hinter sich gebracht hat.. Ätznatron sollte ein Imker zur Desinfektion ohnehin immer vorrätig haben.


    2. Die Eigenschaft des Wachses (es ist ja eine Art von Fett), in Wasser obenauf zu schwimmen einerseits und die der Verunreinigungen, in flüssigem Wachs nach unten zu sinken macht man sich bei der Wachsklärung zu nutze. Deshalb soll das Wachs möglichst lange flüssig bleiben, damit auch sehr kleine und leichte Fremdstoffe wie z.B. Pollen genügend Zeit haben abzusinken. Bevor das Jemand versucht: Erwärmen im Abkühlungsprozeß stört dieses Absinken und verschlechtert die Klärung, weil die Fremdstoffe durch die Heizthermik wieder aufgewirbelt werden. Bei guter Isolation und geduldigem Abwarten, bis die Wachsschicht wirklich ausgekühlt und durchgehärtet ist, löst sich das Wachs problemlos vom Gefäßrand und auch die Fremdstoffreste vom Wachsblock. Eine zweite Klärung ist bei mir nicht nötig.

    Das "Undefinierbare" ist eben das Fremdstoffsammelsurium. Ich gieße das im Garten dorthin, wo ich organischen Dünger für nützlich halte.