Detailfrage zur TBE mit Fangwabe - speziell Brutscheune und Varroabehandlung

  • Hallo zusammen,

    ich möchte dieses Jahr eine TBE mit Fangwabe nach Büchler machen.


    Randbedingungen:

    * DNM 1,0

    * Zweiter Standort für die Brutscheunen (BS) vorhanden

    * Eine BS soll aus 2 Zargen á 12 Rähmchen bestehen, davon jeweils 2 Rähmchen mit Futter/und oder Pollen pro Zarge


    Die Frage stellt sich zum Thema Varroabehandlung der BS.


    Grundsätzlich ist das mit den BS ja einfach: 3 Wochen nach Bildung ist alle Brut ausgelaufen und dann OSX Sprühbehandlung und gut ist.


    Ich kann aber nicht ausschließen, dass es um den Standort herum, an welchen die BS verbracht werden, andere Imker samt Bienen gibt.

    Denen will ich nicht monströse Varroaschleudern vor die Nase setzen.


    Jetzt schlüpfen aus den BS Unmengen an Bienen, die Varroen werden freigesetzt, und machen sich dann möglicherweise mit den in den Flugbetrieb übergehenden Bienen auf den Weg in andere Völker.

    Nicht gut.


    Ich habe daher recherchiert und bin bei folgenden Überlegungen hängen geblieben:


    * Zeitig nach Bildung der BS gegen die Varroa behandeln, und nicht das Auslaufen der Brut abwarten. So weit, so gut. Aber wie?

    * Mit Ameisensäure? Es gibt anfänglich aber relativ wenige Bienen in der BS, Ventilation ist also schwierig. Außerdem sollen Stifte/Maden nicht verätzt werden, weil Nachschaffung.

    * Intervallbehandlung mit MS oder OSX (gesprüht) alle 4-5 Tage?

    * Dann eher MS (aber man sagt, der Wirkungsgrad sei schlecht?!), oder doch eher OSX (aber mehr als ein Mal? Das ist doch viel zu heftig?)

    * Oder doch mit AS im Nassenheider, aber dann erst nach ein paar Tagen, wenn mehr Bienen geschlüpft sind, und Nachschaffungszellen verdeckelt? Macht das Sinn?


    Jetzt mag einer mit dem Vorschlag kommen, "TBE mit weiselrichtigem Brutsammler" nach Kleingartendrohn, aber ich gebe unumwunden zu, dass mich das überfordert: Ich habe das PDF zwei Mal gelesen und stehe echt auf dem Schlauch - das ist mir erst mal eine Nummer zu groß.


    Anregungen, Hinweise sind herzlich willkommen.

    Herzlichen Dank und viele Grüße

    Ralf

  • Hallo Ralf,
    es gibt ja verschiedene Methoden der TBE zur Varroabekämpfung.

    Ich werde es am Samstag, im Zuge der anschließenden Honigschleuderung so praktizieren wie in angehängter PDF - Datei dargestellt.

    Gleichzeitig kann ich über die Brutscheunen meine Ablegerbildung gestalten, oder die ausgelaufenen Bienen aus der Brutscheune zur Verstärkung schwacher Völker nutzen.


    Ich behandle mit dem Oxamaten, nachdem ich im letztem Jahr mit dem Nassenheider Professional und Ameisensäure herbe Verluste hinnehmen mußte.


    Ich wünsche Dir bei Deinem Vorhaben viel Glück!

    Bernhard


    Schema totale Brutentnahme mit Ablegerbildung.pdf

    Negative Handlungen werden erst dann zu Fehlern, wenn man sie wiederholt, - bis dahin sind es Lernprozesse die einen weiterbringen sollten.;)

  • ..."TBE mit weiselrichtigem Brutsammler" nach Kleingartendrohn,... - das ist mir erst mal eine Nummer zu groß.

    Das verstehe ich nicht. Dein Konzept ist doch aufwändiger und komplizierter als das von Kleingartendrohn. Nach seinem Konzept bestünde bspw. folgende Option:


    Wenn Du unbedingt TAM einsetzen willst: Das könntest Du am Tag 28 (Kunstschwarmbildung mit dem BrSa) ebenso machen und damit die letzten beiden Fangwabenschritte (Tag 35 + 42) einsparen. Da gäbe es dann nur 3 Eingriffe: am Tag 0 = Bildung des BrSa.; Tag 14 = Entfernung der Fangwaben aus dem BrR des BrSa; Tag 28 = Kunstschwarmbildung mit direkt angeschlossener Behandlung (OX bspw.). Dabei sparst Du Dir sogar das Verstellen auf den zweiten Standort und minderst die Reinvasionsgefahr.


    Freilich opferst Du die Fangwaben von Tag 14 aus den BrSa und die von Tag 17 aus den BrSpendern. Ich setze die bienenleer in eine verschlossene leere Beute mit Fu/PollenW + wassergefüllte Wabe etwas abseits von den übrigen Völkern (ca. 20 m). -> nach ca. 10 Tagen Flugloch auf (geschädigte und verkrüppelte Bienen krabbeln heraus und verenden) -> Brechen aller evtl. Weiselzellen + Zugabe einer Weiselzelle mit gewünschter Genetik bzw. nachschaffungswürdiger Brut -> Nachschaffen lassen + Behandeln bei Brutfreiheit (z.B. OX).

  • Die sublimierte OXS Behandlung, wie von Cuximker vorgeschlagen, ist m.E. sehr wirksam und die Jungbienen werden nicht geschädigt. Wenn Du zum rechten Zeitpunkt - Tage nach der Eilage im Altvolk - behandelst, kannst Du Dir die Fangwabe sparen.


    Ich habe sehr gute Erfahrungen mit BS, die blockbehandelt wurden (5 * 4 Tg.), inklusive Königinnennachschaffung. Jede BS ergibt dann eine Kö' des Volkes Deiner Wahl, je nach Verteilung der Brutwaben. Und nein, sind nicht von schlechter Qualität - ist ja fast wie ein Pflegevolk....


    Beste Grüße


    Rainer

  • Wenn ich Kleingartendrohns TBE Konzept richtig verstehe (habe es gerade noch mal gelesen - langsam wird es klarer), dann findet hier aber keine Nachschaffung (sprich: späte Völkervermehrung) statt.

    Klar, man kann am Ende aus den Brutsammlern dann Kunstschwärme machen und denen Königinnen zusetzen, aber dazu müsste ich mir dann erst mal Königinnen besorgen, und zwar exakt zu Termin X.

    Außerdem benötige ich noch mal N zusätzliche Schwarmkisten/Beuten für die KS - oder denke ich da zu kompliziert?


    Auch das man die Kisten teilweise 10 Tage zu macht, erscheint mir (als Neuling) etwas beunruhigend, aber ich vermute, das geht schon ok so - sonst würde es da ja nicht stehen (wie siehts da eigentlich mit der Wasser- und Futterversorgung aus?)


    Aber den Gedankengang, die Reinvasion mit der Weiselrichtigkeit zu unterbinden, finde ich genial.

    Aber ich möchte gerne im Zuge der TBE auch vermehren.

    Aber, aber, aber.


    Das ist das Problem: Es führen so viele Wege nach Rom.

    Welchen nimmt man nun :-)

    Aber herzlichen Dank für die Anregungen!


    Grüße

    Ralf


  • Ich habe sehr gute Erfahrungen mit BS, die blockbehandelt wurden (5 * 4 Tg.), inklusive Königinnennachschaffung. Jede BS ergibt dann eine Kö' des Volkes Deiner Wahl, je nach Verteilung der Brutwaben. Und nein, sind nicht von schlechter Qualität - ist ja fast wie ein Pflegevolk....


    Beste Grüße


    Rainer

    Hallo Rainer,

    folgende Fragen dazu:

    * Wenn mehrere Nachschaffungszellen gebaut werden, brichst du welche?

    * Wenn du alle 4 Tage behandelst, womit? Und besteht dabei nicht die Gefahr, verbaute Nachschaffungszellen zu beschädigen?

    * Da entsteht ja richtig Bienenmasse. Schwärmen die nicht auch ab, wenn mehrere Zellen?


    Danke!

    Grüße

    Ralf

  • Hallo Ralf,


    Blockbehandlung meinte hier Oxalsäure sublimiert, sprich: Verdampfen.

    Ist offiziell nicht offiziell erlaubt, das bedeutet aber nich vollautomatisch verboten.:wink:

    Auch das musst Du Dir als Anfänger noch überlegen, außerdem hättest Du dann noch etwas anzuschaffen zum Verdampfen... da kommt dann evtl. also noch ein kleiner Rattenschwanz auf Dich zu :cool:


    Alles in allem machst Du jetzt nicht den Eindruck, als hättest Du zu wenig Hirnschmalz zum Imkern. Eher ein bisschen zuviel :liebe002:

    Keep ist (erstmal) simple. Einen Schritt zurücktreten, nicht sofort alles zu Anfang oberperfekt machen. Du findest viel beim Stöbern, hast das dann auch noch wieder neu sowohl nachvollzogen als auch abgespeichert und möchtest alles perfekt machen. Das ist löblich aber von den Wegen nach Rom sollte man sich am Anfang vielleicht erst einmal einen schnörkellosen geradlinigen und etwas kürzeren aussuchen.

    Da kann ich den Anfänger hinter der PDF auch verstehen. Mach erstmal "normal", die Erfahrung mit der Pflicht, dann die Kür.


    Zum Thema Verdampfen:

    Deine Gedankengänge zum Schlüpfen der Bienen mitsamt Milbeninhalt ist richtig. Die erste Zeit bedeutet das auch noch, die dort noch offene Brut wird als einzig vorhandene Möglichkeit sehr stark belastet mit dort hineinsteigenden Milben, wo sollen sie sonst hin.

    Das könnte dazu führen, dass Du in einer verkürzten Form der Brutscheune zB. eine Woche vor Schlupftermin diesen echt verseuchten, kranken Reste entnimmst, Bienen davon abstößt/ fegst und die einfach einschmilzt oder in den Restmüll gibt verschlossen.

    Dieses Abtauchen und "sammeln" der geschlüpften unterbindet man durch sofortiges und frühes Verdampfen von OX alle 4 Tage:u_idea_bulb02: die sublimierte OX ist bienenschonend, wirkt nach, die Belastung der offenen Brut ist mit dieser Reduktion der Milbenlast geringer, es verbleiben nicht so viele die Bienen schließlich anstechende und saugende und infizierende Milben in der Scheune.


    Du kannst Das Thema zum Überdenken auf Halde legen und alternativ auch Thymolpräparate in die Brutscheune legen.

    Alternativ MS sprühen, sch... auf die Wirkungsgradstory. Du machst ja was!


    Aber mach erstmal in Ruhe


    Toi toi


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ganz allgemein zur Verwertung von Brutsammlern bei Ablauf der Trachtsaison: Es darf keine massive Vartoabelastung vorliegen.


    Das ist bei meinen Völkern i.d.R. der Fall, so dass die schlüpfende Brut nicht geschädigt ist.


    Zu Deinen Fragen :


    1. Wenn ich über Brutsammler vermehren möchte, setze ich gezielt Brutwaben von nachzuchtwürdigen Völkern in verschiedene Sammler ein und markiere diese. WZ an anderen Brutwaben breche ich aus, die auf den markierten Waben belasse ich komplett. Die Bienen wissen es besser....


    2. Behandlung erfolgt mit sublimierter OXS (Oxamat) - ist m. E. eines der besten Verfahren, da optimale Verteilung der OXS in der Beute erfolgt und keine Schädigung der Bienenmasse.


    3. Schwärmen tut da nix - anderer Modus (Nachschaffung).


    Beste Grüße


    Rainer

  • Das ist bei meinen Völkern i.d.R. der Fall, so dass die schlüpfende Brut nicht geschädigt ist.

    Der Illusion geb ich mich nicht mehr hin.


    Gesunde Nicht-Belastete Bienen entstehen in den sanierten TBE-Anteilen.


    Die Brutscheune ist im Prinzip leider "Dreck". Bereits "normaler" Befall heißt nun mal um diese Zeit: 80% der Milben eines Vollvolkes sitzen da drin.

    Wenn man bereits Viruslast hat, was man nie genau wissen kann, ist die auch dort.

    Selbst mit regelmäßigem Verdampfen finde ich es beachtlich, wie wenig Bienenmasse letztlich von so einer Brutscheune übrig bleibt. Rechnet Euch das mal mittels der Brutflächen aus... man staunt.

    Das ist dann nur noch Schadensbegrenzung, was frisches, sauberes ist es irgendwie nicht.


    Immer wieder lässt man sich hinreißen, diese schöne Brut noch weiter laufen zu lassen.


    Radikaler Schnellarbeitsgang ohne Erweiterungswille bei TBE ist:

    Tabula rasa mit Einschmelzen aller entnommenen Brutwaben!


    Aber, aber, aber .... ich weiß.

    Trotzdem: Milben sicher schlagartig alle weg. Viruslast weg, Krüppelbienen weg. Geschädigte noch Schlüpfende Jungbienen weg.

    Das hat was.

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Das kenne ich gar nicht so.

    Ich benutze die Brutscheunen wie Ableger zur Völkervermehrung. Aus den Brutwaben zweier Stammvölker wird ein Ableger. Die gehen i.d.R stärker in den Winter als die Stammvölker und sind die Basis für die Frühtrachtnutzung.

    Ich schaffe es aber bei fast allen Völkern, den Milbenfall im Winter unter eine pro Woche zu kriegen. Bei vielen fällt in zwei Wochen nicht eine Milbe.

    Die Brutscheunen werden einmal bedampft, wenn die Brut ausgelaufen ist und zu einem Zeitpunkt mit schlupfreifen Weiselzellen oder unbegatteten Königinnen beweiselt, der dafür noch ein ausreichendes Zeitfenster lässt.

    Das hat sich bisher gut bewährt.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • zu einem Zeitpunkt mit schlupfreifen Weiselzellen oder unbegatteten Königinnen beweiselt, der dafür noch ein ausreichendes Zeitfenster lässt.

    Das hat sich bisher gut bewährt.


    Wolfgang

    Ich muss jetzt einfach fragen, weil ich es im Kopf nicht hinbekomme: Wieviele Tage nach Bildung ist denn ein gutes Zeitfenster.


    Ich habe die Möglichkeit, noch 2 begattete Königinnen zu bekommen.
    Ich überlege, wie ich die gut und sicher in die Brutscheunen bekommen könnte..


    Grüße

    Ralf

  • Also erst mal herzlichen Dank für die ganzen hilfreichen Antworten!


    beetic hat mich noch mal etwas zurecht gerückt:

    Ich werde im Wesentlichen bei meinem ursprünglichen Plan bleiben und TBE mit Fangwabe machen.

    Das habe ich jetzt von der Vorgehensweise durchgespielt, das entsprechende Material beschafft und einen dazu passenden Zeitplan gemacht.


    Damit die Nachbarschaft der Brutscheunen nicht belastet wird, werde ich alle 4 Tage mit MS behandeln und nach 16 Tagen alle (noch) verdeckelte Brut entnehmen (da wird dann vermutlich eh nichts Vernünftiges mehr bei rauskommen - und das ist dann unmittelbar vor meiner Urlaubsreise), und eine letzte Behandlung mit OSX (gesprüht) vornehmen.

    Das hält die Milben hoffentlich in Schach, führt zu neuem Wabenmaterial und letztlich hoffentlich zu nachgeschafften Königinnen.


    Ich habe ein CO2 Zählrohr zu Hause, das kann dann endlich mal einer sinnvollen Anwendung zugeführt werden, um zu schauen, wie hoch nach der ganzen Prozedur noch die Varroalast in den Völkern ist.


    Ich werde berichten.
    Herzliche Grüße

    Ralf

  • Damit die Nachbarschaft der Brutscheunen nicht belastet wird, werde ich alle 4 Tage mit MS behandeln und nach 16 Tagen alle (noch) verdeckelte Brut entnehmen (da wird dann vermutlich eh nichts Vernünftiges mehr bei rauskommen - und das ist dann unmittelbar vor meiner Urlaubsreise), und eine letzte Behandlung mit OSX (gesprüht) vornehmen.

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    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Ich muss jetzt einfach fragen, weil ich es im Kopf nicht hinbekomme: Wieviele Tage nach Bildung ist denn ein gutes Zeitfenster.

    Bei einer schlupfreifen Weiselzelle rechne ich mindestens 10 Tage bis zur Begattung. Dann noch mal 9 Tage bis die erste Brut verdeckelt ist.

    Damit ein paar Tage mehr als 24 Tage (Entwicklungszeit der Drohnen) bleiben für das Behandlungszeitfenster, dürfen die Weiselzellen also nicht früher als 7 Tage nach Bildung in die Brutscheune.


    Wobei das schon großzügig gerechnet ist, weil um die Jahreszeit meist keine Drohnenbrut mehr angelegt wird.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)