Von den traurigeren Dingen der Bienen...

  • Salut zusammen

    Ursprünglich habe ich bei einem Züchter 4 potentielle Zuchtmütter bestellt, um nächstes Jahr mal selbst nachziehen zu können.

    Dieses Wochenende dann der Anruf:

    Pustekuchen.... Auf der Belegstelle ist Sauerbrut ausgebrochen. Wird alles abgeschwefelt. Scheinbar um die 300 Königinnen + Drohnenvölker.


    mfg Vivajohn

  • Oh nein!

    Sowas ist richtig ärgerlich...


    Aber siehs positiv!

    Besser jetzt, als nächstes Jahr wenn du mit mühevoll und zeitintensiv erstellten 50 Begattungseinheiten oben stehst, und dir der Anruf dann vermittelt dass deine investierten 60 Stunden Arbeit jetzt umsonst waren.

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • Heftig! =O Aber Du selbst bist ja gerade nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen … :|

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Aber siehs positiv!

    Besser jetzt, als nächstes Jahr wenn du mit mühevoll und zeitintensiv erstellten 50 Begattungseinheiten oben stehst, und dir der Anruf dann vermittelt dass deine investierten 60 Stunden Arbeit jetzt umsonst waren.

    Stimmt schon... das wär dann um den Faktor x noch mal schlimmer. Mir tun so schon die 300 Kö's und ihre Züchter leid...

    Ich krieg dann schon noch 4, aber halt "lediglich" ab einer B-Belegstation und nicht A. Für den Anfang wirds auch das tun!


    Aber Du selbst bist ja gerade nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen …

    Hab ich mir auch gedacht. Dümmer, als das, wäre nur noch, dass man das erst erfahren hätte, wenn die Kö's schon längst eingeweiselt sind...

  • Definitiv!

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Es geht ja vor allem auch um die Drohnenvölker.

    Unbegatte Königinnen zu retten, lohnt sich wohl nicht, aber die Begattungsvölkchen könnte man ja mühelos zu größeren Kunstschwärmen zusammenfegen, Tote Bienen rausfegen macht auch Arbeit.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ist das bei Euch üblich. Selbst bei AFB ist hierzulande die Sanierung gängig.

    Die hier auftretende EFB, Sauerbrut, ist seit ca. 1999 deutlich virulenter. Die steht der AFB in nichts nach, weshalb auch entsprechend drastische Massnahmen gewählt werden. Die Teilsanierung über Kunstschwärme kommt nur bei einem engeren Auswahlverfahren zum Zug.

    Hier war scheinbar eine Woche noch etwas ungewiss, ob evtl. die Züchter einfach die Kö's aus den Kästchen holen dürfen. Daraus wurde aber nichts.

    Ich stells mir auch schwer vor. Bei so einem Haufen erst gerade gebildeter Miniatur-Völkchen muss doch ein recht hoher Verflug (und damit Verteilung) angenommen werden.

  • N'Abend


    Hmmh, im Kt. Bern sind die Amtsvet. mittlerweile etwas weiter. Da wird nicht gleich alles abgeschwefelt, sondern viel über Kunstschwärme gerettet. Gut, die Minivölker auf so einer Belegstelle sind nicht soooo wichtig, eher die Drohnenvölker, die ja auch Erblinien sind. Die hätte ich wenigstens verkunstschwarmt.

    Hatte letztes Jahr das Vergnügen, mit dem obersten bern. Bieneninspektor nen Tag lang gemeinsam ne Durchsicht zu machen und er hat ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Er meinte wirklich, das er im Vergleich zu seinen Kollegen in anderen Kantonen (leider) einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung hat und dabei ist, über Konferenzen, Erfahrungsaustausche etc. auch seine Kollegen in anderen Kantonen davon zu überzeugen, nicht gleich alles abzuschwefeln. Wir haben letztes Jahr mehrere Stände über KS saniert und dieses Jahr ist zumindest auf diesen Ständen alles wieder ok. Dafür hab ich nen Sperrgebiet 200m (Sperrkreis bei ESB 1km) vor der Nase und im Garten hinter dem Haus ist auch seid 2 Wochen Sperrgebiet, dabei wollte ich doch hier die Ableger und Kunstschwärme aufstellen. Grrr.


    Grüsse, Robert

  • Hallo Robiwahn


    Na, hier wird auch nicht alles gleich abgeschwefelt. Das kommt halt auf den Fall an.

    Die offiziellen, technischen Weisungen gibts hier.


    Bei mir in direkter Umgebung ist es zum Glück ruhig... keine AFB und keine EFB.

  • Krankheitsresistenz ist ja ein Zuchtziel.

    Wird in dieser Hinsicht schon an diesem Problem züchterisch in der Schweiz gearbeitet?

    Gibt es speziell bei den Unterarten (Carnika, Nigra, Buckfast, Ligustika...) Unterschiede?

    Für mich erschliesst sich die offensichtliche nicht mit Deutschland vergleichbare Brisanz der Sauerbrut in der Schweiz nicht.

    Gibt es da genauere Untersuchungen von schweizer Instituten, wieso das so ist?

    Grüße Luffi


    Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer. :u_idea_bulb02:

    (Lucius Annaeus Seneca - römischer Politiker, Dichter und Philosoph - * 4 v.Chr, † 65)

  • Krankheitsresistenz ist ja ein Zuchtziel.

    Wird in dieser Hinsicht schon an diesem Problem züchterisch in der Schweiz gearbeitet?

    Natürlich... Sauerbrut soll über das Hygiene- Ausräumverhalten der zu einem kleinen Grad vorgebeugt werden können. Da wird aber in der Züchterkreisen aller Unterarten nicht erst seit vorgestern drauf geschaut. Problematischer sind da die Stände der Imker, welche in der x-ten Genaration der einfachen Vermehrung stehen und Mühe damit haben, Serbel aufzulösen.

    Gibt es speziell bei den Unterarten (Carnika, Nigra, Buckfast, Ligustika...) Unterschiede?

    Meines Wissens: Nein...



    Für mich erschliesst sich die offensichtliche nicht mit Deutschland vergleichbare Brisanz der Sauerbrut in der Schweiz nicht.

    Gibt es da genauere Untersuchungen von schweizer Instituten, wieso das so ist?

    Vielleicht etwas geschichtlich diese Graphik zur Erläuterung der Brisanz:


    sauerbrut_d.png

    Jahrelang war die Sauerbrut hier auch kaum ein Problem. Um 1999 kam der Wendepunkt. Da tauchte sie endemisch deutlich gehäuft auf, ausgehend im Kanton Bern und dem Emmental. Forschungen gibts zuhauf, es scheint eben unterschiedliche Stämme von M. Plutonius zu geben, welche sich in der Virulenz deutlich unterscheiden. Solche virulenteren Stämme sollen hier eben am Werk sein. Die Thematik hat übrigens nicht nur Brisanz in der Schweiz, solche endemischen Auftreten gibts auch anderswo, in England beispielsweise. Das es diese virulenteren Stämme noch nicht bis nach DE geschafft haben, mag Glück sein, andererseits besteht natürlich das Potential, dass die längst da sind und noch unbemerkt wüten...