Fragen zu zwei Dadant-Völkern.

  • Hallo zusammen, leider ist mein Imkerpate momentan nicht verfügbar, daher stelle ich meine Frage hier:
    Ich habe vor etwa einem Monat ein Volk von einem anderen Imker übernommen, der gerade seine Betriebsweise umstellt. Es handelt sich um ein sehr starkes Volk in einer 12-er Dadant-US-Brutzarge. Alle 12 Waben sind belegt, außen jeweils eine prall gefüllte Futterwabe, dazwischen zehn Brutwaben, die von der Königin eifrig bestiftet werden. Die jeweils äußersten Brutwaben bestanden bei der letzten Durchsicht je zur Hälfte aus weitgehend verdeckelter Arbeiterinnen- (oben) und Drohnenbrut (unten). Letztere habe ich geschnitten. Insgesamt sind extrem viele Bienen unterwegs und es besteht offenbar auch eine gewisse Schwarmstimmung. Jedenfalls habe ich bei der vorletzten Durchsicht eine und bei der letzten zwei unverdeckelte Weiselzellen entfernt. Nach Angaben des Imkers hat er in der Frühtracht zwei Honigräume geerntet. Ich habe aktuell zwei Honigräume aufgesetzt, den zweiten am letzten Wochenende, nachdem der erste fast voll war.

    Mein zweites Volk ist ein Ableger mit 7 Rähmchen, davon eine Futterwabe. Ich habe dort bei der letzten Durchsicht eine weitere Wabe mit Mittelwand hinzugefügt.

    Ist es sinnvoll, dem starken Volk eine Brutwabe zu entnehmen und dem Ableger zuzugeben, um einerseits schnell eine größere Volksstärke aufzubauen und andererseits jetzt schon mit dem Einengen zu beginnen?

    Danke im voraus für alle Antworten.

    Krishan

  • Was hast du denn vor mit den Völkern?
    Was willst du denn Einengen? Schau mal in den Kalender.
    Erwartest du noch grössere Trachten? Schreib mal was ins Profil zum "Wo"!

    Denkst du nicht auch, die Welt - und ich meine - natürlich die eine - dreht sich längst von alleine....


    "Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel."

  • Wenn dir der Ableger zu schwach erscheint, hänge eine oder zwei Brutwaben vom anderen Volk zu. Obwohl 7 Dadant Waben ok sind. Die Sache mit dem einengen verstehe ich eh nicht so recht. Habe 10 er Dadant und alle überwintern super mit 10 Waben. Mache doch einfach die Kiste mit Mittelwaenden voll. Die bauen aus und tragen noch je nach Tracht Situation ein und haben dann noch gut Futter im Brutraum. Ich persönlich habe pro Volk nur noch eine Halbzarge drauf einen neuen hätte ich nicht aufgesetzt. Sie tragen sonst alles nach oben und unten im BR sieht es kahl aus,falls aufeinmal nichts mehr reinkommt.

  • ProfiIangaben wären schon zwingend; denn in Norddeutschland beginnt jetzt die Lindenblüte...


    Da könnte man den Ableger mit einer Brutwabe des starken Volkes verstärken, um bspw. Lindentracht zu ernten. Dann darf der aber nur 6 bis 7 DD-BW haben.


    Zu wieviel % sind denn die 10 DD-Waben bebrütet ? Zu 80 - 100 % (Brut von Holz zu Holz) oder ist auf jeder Wabe ein stattlicher Futterkranz um das BN ?


    Ein paar mehr Details, bitte!


    Beste Grüße


    Rainer

  • Guten Morgen!

    Beim Lesen diverser Fragen fällt mir immer wieder auf, wie superschwer es für Anfänger sein muss, die momentane Situation ihrer Völker zu beschreiben.

    Man weiss nicht so genau, was da jetzt wichtig ist und was nicht, wie war das nochmal im Kurs?

    Und was sehe ich da jetzt? Was soll ich denn bloss daraus schliessen??? Oh, Mist, jetzt hab ich da Durcheinander... mh, welche Wabe wohin, und wierum.

    Und zuhause fällt einem ein, vielleicht bekomme ich Hilfe im Forum, kratz den Kopf, was hatte ich da nochmal?

    Die erfahrenen Ratgeber fragen dann immer das gleiche ab, vielleicht augenrollend und seufzend.

    Nur mal so als Anregung, wäre es für die Anfänger hilfreich, sich eine Stichpunktliste/Fragenkatalog mit an den Stand zu nehmen? Und, wer hat (ich nicht...), Kamera bereitlegen?

    Fragenkatalog soll jetzt nicht heissen, dass man 10 Seiten Roman abarbeiten muss.

    Aber stichpunktartig z.B. wieviel Brut in welchen Stadien auf wievielen Waben, Kö gesichtet, Weiselzellen wenn ja, wieviele, wo, wie sahen die aus, Futtermengen, wo, usw usf.

    Macht es Sinn, so einen Grundkatalog hier ins Forum zu stellen bzw den für Anfängerfragen zu erarbeiten/zum Download?

    Oder gibt es sowas schon und ich habs verpennt?

    Natürlich soll jeder nach wie vor den eigenen Kopf benutzen und sich weiter entwickeln, ich will nicht "Stur nach Plan imkern" forcieren.

    Ist halt schon was anderes, vorher alles zusammen im Kurs gemacht zu haben, und da war auch alles irgendwie anders und sooo einfach. Und dann steht man da vor seinem Volk und kriegts nicht hin.

    Ich für meinen Teil halte es immer noch so ( und weiss, dass die meisten es ähnlich handhaben ), dass ich nach jedem Standbesuch in Notizenform das Wichtigste festhalte. Vor dem nächsten Aufbruch weiss ich dann, was ich mitnehmen sollte und manchmal sogar, was dann zu tun ist ;)

  • Ja, dem stimme ich zu!

    Ich würd jetzt aber mal gern wissen, ob die Jungimker das auch als hilfreich empfinden.

    Ob die Stockkarte für diejenigen soviel Information hergibt, dass sie anschliessend in der Lage sind, das Gesehene in Worte zu fassen. Und dem Forum erschöpfend über "Probleme" am Stand zu berichten.

    Wie gesagt, Romane in 12 Bänden sind ja nicht erforderlich, aber manches Mal kommen die Infos eben unvollständig und erst nach vielmaligem Rückfragen ans Licht.

    Mh, oder: als kleine Anregung für die Kursleiter: den Jungimkern nach jedem Arbeiten an den Völkern die Aufgabe erteilen, das in Worte zu fassen, was sie da gesehen haben. Anschliessend natürlich, ohne Volk vor Augen. Zum üben.

  • Ich finde diesen Ansatz für Anfänger echt gut und könnte mir vorstellen, dass eine derartige Aufstellung etwas für die Sammlung Best of Imkerforum wäre.

    Auf diese Aufstellung könnten Anfänger die Probleme bei der Sachverhaltsbeschreibung oder Problemfindung haben, hingewiesen werden.

  • Ich bezweifle das das Fragen mit dem Titel "Hilfe....!!!" verhindert.

    Der Anfänger, der einen solchen Fragenkatalog liest und abarbeitet, kommt alleine zu möglichen passenden Fäden - er weiß quasi was los ist.

    Alle anderen, die die aus Mangel an Grundkenntnissen die Lage nicht einschätzen können, fragen munter drauf los, weil sie auch den Katalog nicht beantworten könnten.

  • Zunächst einmal herzlichen Dank für die Anregungen. Das ist auf jeden Fall schonmal sehr guter Input, mit dem ich etwas anfangen kann.

    Zum Thema Anfänger/Imkerkurs noch einige Anmerkungen: Ich bin da nach zwei Vorstellungen (es hatte weitaus mehr von einer Bühnenshow vor einem relativ großen Publikum als von einem Hands-on-Lehrgang) raus gewesen. Sehr dogmatisch („meine Beutengröße und Betriebsweise ist die einzig richtige“). So etwas fordert per se meinen Widerstand heraus. Warum soll diese Betriebsweise die einzig seligmachende sein, wenn sie im weltweiten und selbst im europäischen Maßstab kaum eine Rolle spielt? Beim Besuch im Imkerverein war es auch nicht besser. Viel Ideologie, wenig Antworten. Das hört sich für einen Anfänger vielleicht besserwisserisch an, aber wenn ich Fragen habe, dann will ich schlüssige Antworten mit Begründungen und nicht „das ist eben so“ oder „das macht man so“.

    Ich habe dann ziemlich viel gelesen und fand englischsprachige Bücher weitaus informativer als die deutschen. Bloß - und das ist das Problem - es hängt eben sehr viel vom Grundklima, dem Wetter und der Vegetationsentwicklung ab. Und natürlich von der Situation im jeweiligen Volk. Abgesehen davon, dass die Praxis etwas völlig Anderes ist als die angelesene Theorie.

    Aber Ihr habt Recht, ich habe natürlich viele Informationen vorenthalten. Zum einen, dass die Brutwaben aktuell nur kleine Honigkränze haben. Der wesentliche Futtervorrat im Brutraum mit geschätzt 6 kg befindet sich beim großen Volk ganz außen und wird keinesfalls genügen. Abgesehen von der Strecke. Beide Völker sind weiselrichtig mit sehr produktiven Königinnen.

    Zum zweiten habe ich nur sehr wenig Interesse an Honig. Ich selbst mag ihn überhaupt nicht, und die Völker können dieses Jahr gern auf ihren eigenen Vorräten überwintern (mit den Honigräumen sollte das locker reichen). Da muss ich auch noch keine Honigschleuder kaufen...

    Die Imkerliteratur ist sehr ertragsorientiert, daher finde ich auf meine Fragen auch kaum Antworten. Nicht einmal bei meinem Imkerpaten, der mich nur fassungslos anguckt, wenn ich ihn frage, ob ich statt des Einfütterns nach Trachtende nicht einfach die Honigräume bis zum Frühjahr stehen lassen kann.

    Ach so, der Standort ist in einem Landschaftsschutzgebiet am Stadtrand im Ruhrgebiet. Viele Gärten, ein sehr großer bewaldeter Park, etwas Landwirtschaft. Vom natürlichen Futterangebot her bisher sehr vielfältig.

    Ich bin gespannt auf Eure Antworten...

  • Um jetzt keinen Zunahe treten zu wollen, aber wieso hält man Honigbienen, wenn man keinen Honig ernten möchte?Bitte nicht persönlich nehmen. Die HonigBiene ist in meinen Augen ein Landwirtschaftliches Nutztier. Soll jetzt nicht mit Schweinen oder Rindern verglichen werden ^^^^. Sie ist längst nicht vom aussterben bedroht,falls das dein Grund, Anliegen, Anreiz zur Haltung sein sollte. Eher problematisch ist es bei der Wildbienen und Co. Population.

  • Nettisrb Das habe ich mich auch gefragt. ;)


    Krishan Auch wenn Du keinen Honig ernten möchtest, enthält die «ertragsorientierte» Literatur viele nützliche Hinweise für Dich, denn nur gesunde, vitale Völker bringen viel Honig. Klar, man kann auch im Frühjahr zwei Kunstschwärme aus Italien kaufen, eine Königin killen und mit beiden zusammen eine Kiste füllen, warten, bis man viel Honig hat, und die Völker dann wieder abtöten. Darüber muss man dann aber kein Buch schreiben. Bücher schreiben jene, die es schaffen, ihre Völker auf dem Leistungsmaximum zu führen – und das bedingt nun mal Gesundheit und Vitalität. Zum Überwintern auf eigenem Honig: Nicht jeder Honig ist dafür geeignet. Bei Waldhonig besteht beispielsweise eine erhöhte Gefahr, dass die Völker im Winter an Nosema erkranken.


    Zu den Eingangsfragen: Einengen ist nicht sinnvoll, wenn Du sowieso keinen Honig mehr ernten willst (wie schon von andern hier erwähnt); zur Minderung der Schwarmstimmung des grösseren Volks und zur Verstärkung des Ablegers kannst Du eine verdeckelte Brutwabe des grösseren Volks gegen eine frisch bestiftete Brutwabe des Ablegers tauschen. Ich würde allerdings nicht allzu viel im Brutnest rumwühlen.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ich betreue Bienenvölker, die bei Kunden stehen, die an Bestäubung und dem Erlebnis interessiert sind, aber nicht an Honig. Das Zuviel an Honig nehme ich raus und ausreichend Honig für die Überwinterung bleibt drin. Ich sehe hier überhaupt kein Problem.