Standortfrage

  • Hallo zusammen,

    ich bin neu hier und mache (leider erst) im nächstes Jahr einen Imkerkurs.

    Ich komme aus dem Raum Heidelberg und bin derzeit auf der Suche nach einem Garten / Acker, welcher nicht nur für die Bienen gedacht ist, sondern wo auch Obst und Gemüse angebaut werden soll.

    Nun habe ich mich hier bei uns ein bisschen umgeschaut und sollte ich hier einen Garten bekommen, sind eigentlich immer entweder Weinreben oder Apfel- / Zwetschgenplantagen in unmittelbarer nähe. Es gibt zwar immer mal wieder Streuobstwiesen oder auch Privatgärten, aber die Region wird schon vom gewerblichen Anbau dominiert. Ich mache mir hier jetzt Gedanken wegen dem spritzen der Pflanzen. Was ist hier schlimmer? Wein oder Äpfel? Natürlich kann mir keiner Sagen mit was hier gespritzt wird, aber vielleicht gibt es ja ein paar Erfahrungen dahingehend. Ich habe bereits schon einiges im Forum gesucht, aber hierauf nicht so wirklich eine Antwort finden können. Ich freue mich auf eure Tips und hinweise für die ich mich bereits jetzt bedanken möchte.


    Liebe Grüße von der Bergstraße

    Roland

  • Was ist hier schlimmer? Wein oder Äpfel?

    Im letzten Honig Kurs, den ich besucht habe hieß es : Wein absolutes NO GO !

    Äpfel machen, soweit ich mich erinnere, 20 Spritzungen bis zur Ernte durchschnittlich mit .

    Zu bedenken ist dass nicht nur die unmittelbare Nähe eine Rolle spielt. Der Flugkreis der Bienen

    beträgt 3-5 km , in Summe soll man mit 27 Quadratkilometern Einzugsgebiet grob rechnen . An Deiner Stelle würde ich den Imkerverein Heidelberg kontaktieren. Im Frühjahr war ich auf einem von

    ihnen veranstalteten Vortrag. Kann mir gut vorstellen, dass Du dort Ansprechpartner findest zu diesem

    Thema.

  • Eine weitere Möglichkeit wäre auch gezielt nach Bio Betrieben im internet zu suchen , etwa nach

    "Bioland, demeter etc. Betriebe in meiner Region" suchen . Vielleicht ergibt sich da ein guter Kontakt.

    Generell wurde uns im erwähnten Honigkurs als Anfänger ( und meist Kleinimker ) als Tip mitgegeben, dahin zu gehen, wo es für alle anderen unattraktiv ist, wegen z. B. der geringeren Honigerträge . Es

    soll nicht wirklich lustig sein mit 5 Völkern neben dem 500 Völker Profi zu stehen. Der Krankheitsdruck

    sei auch nicht zu unterschätzen in den Gebieten, in die alle bevorzugt streben.

  • In unseren Verein ist kürzlich der Vorstand eines Obst- und Gartenbau Vereins eingetreten, der

    für eine Bienen freundliche und Spritzmittel freie Bewirtschaftung des Vereinsgeländes sorgen und

    die Bienenhaltung für die Kleingärtner ermöglichen will . Vielleicht gibt´s ja dergleichen im Raum Heidelberg? Selber mit Interessierten gründen ?

  • Also: meine Bienen stehen direkt an der industriellen Landwirtschaft: 1500 ha Getreide, Raps, Mais im Wechsel mit Lupine, Phacelia oder Buchweizen als Zwichenfrucht. Dazwischen liegen eine Lindenallee und eine Kastanienallee.


    Der Bauer spritzt regelmäßig die Halme kurz, den Raps vor der Blüte, den Stoppelacker vor der Neueinsaat etc.. So läuft das halt in der Landwirtschaft.


    Finde ich nicht gut, aber: wir kennen uns, er hält alle Vorschriften ein und würde auch richtig Probleme bekommen, sollte er meine Völker schädigen. So geht es den Obstbauern auch.

    Die wissen, wofür Bienen gut sind.


    Man kann also, kurz gesagt, auch Bienen in der konventionellen Landwirtschaft halten. Nur Bio kann ich natürlich nicht dran schreiben, aber das geht in Segeberger ja ohnehin nicht.


    Bei der Standortwahl würde ich daher eher Kriterien wie sonnig, windstill, mit dem Auto anfahrbar, keine sich gestört fühlenden Nachbarn etc.. beachten.

    Viele Grüsse und viel Freude am neuen Hobby.

    Wiebke

  • Konventionelle Landwirtschaft ist doch zu 90% in Deutschland. Es kann immer mal zu Spritz Schäden kommen, aber ob das nun jeder Imker mitbekommt, vorallem wenn er nicht immer vor Ort ist? Spritz Schäden erkennen ist nicht einfach, vorallem wenn man noch keine Erfahrungen oder ein Auge dafür hat. Wenn natürlich alle tot in oder vor der Kiste liegen, liegt es ja auf der Hand, dies ist aber sehr selten. Indem Fall, hat man als Imker natürlich eine Handhabe gegen die Verursacher. Gehen nur die Flugbienen verloren, Pech gehabt. Ich würde an deiner Stelle nichtgerade einen Standort genau neben einer konventionellen Obst Plantage wählen. Aber Raps, Mais und Getreide Felder sind nunmal überall, das muss man halt in Kauf nehmen und es muss auch nicht zwangsläufig zu Schaden führen.

  • Falls Du noch begleitende Literatur zu dieser Thematik suchst, kann ich Dir das Buch " Gute imker-

    liche Praxis" / artgerecht, rückstandsfrei und nachhaltig von Wolfgang Ritter empfehlen . Unter dem Punkt " Schadstoffen und Störungen ausweichen ", wird explizit genannt : das Fernbleiben von Flächen mit industrieller Landwirtschaft , insbesondere von Kulturen wie Erdbeere, Kartoffel, Spargel und Wein.

  • Beitrag von Lavender ()

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  • Beitrag von Imker_luis ()

    Dieser Beitrag wurde von hartmut aus folgendem Grund gelöscht: Der Beitrag auf den sich Dein Posting bezog, wurde gelöscht. ().
  • ...was mich bei dem Thema umtreibt. Wir wollen für unsere Bienen nur das Beste inmitten ökologischer Landwirtschaft und die meisten Imker schütten rauhe Mengen Zucker (oder den Sirup davon) aus konventioneller Landwirtschaft in ihr Beuten. Passt das zusammen?


    Herzliche Grüße,

    Thanaidh

  • Generell wurde uns im erwähnten Honigkurs als Anfänger ( und meist Kleinimker ) als Tip mitgegeben, dahin zu gehen, wo es für alle anderen unattraktiv ist, wegen z. B. der geringeren Honigerträge . Ess soll nicht wirklich lustig sein mit 5 Völkern neben dem 500 Völker Profi zu stehen. Der Krankheitsdrucks seiauch nicht zu unterschätzen

    Selten so ein Blödsinn gelesen. Wenn da jemand 100 Völker wirtschaftlich führen kann, ist da auch Platz für fünf weitere. Das ist quasi der Top Indikator dafür, daß es da 'geht'. Und wer eher Krankheiten verbreitet, jemand der da von Leben muß und den ganzen Tag nix anderes macht als Imkern, oder der Anfänger, der seine drei Völker mit Kamillentee und Esoterik gegen die Varroen beschützt, das sei Mal dahingestellt. Wenn der Rest in dem Honigkurs auf dem gleichen Niveau war, würde ich mein Geld zurück verlangen.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Hass auf Groß- oder Berufsimker ist doch unter mehreren ‚normalen‘ oder Kleinimkern der Trend.

    Habe schon öfter vernommen dass da Hass geschürt wird.

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • Guten Morgen,

    ich werde hier leider wenig Optionen haben, da Grundstücke bei uns sehr rar sind. Wenn überhaupt habe ich am Ende vielleicht 2 oder 3 Optionen von welchen ich mir dann eine raussuchen kann. Zur Zeit z.B. hätte ich die Möglichkeit ein Stück Land zu bekommen welches aber in rund 150m umkreis überall Rebsn hat. Ein anderes Grundstück welches vielleicht eine Option werden könnte grenzt unmittelbar an ein Apfelfeld mit ca. 20.000 m².

    Dass das Fluggebiet der Bienen natürlich um einiges größer ist weiss ich, aber ich könnte mir natürlich vorstellen, dass die Bienen eher die (gespritzten) angrenzenden Bäume als die (ungespritzten) vereinzelt vorkommenden Streuobstbäume in der Umgebung anfliegen, oder?

    Klar, egal wo ich in unserer Region Bienen aufstelle, überall sind Obstbauern im Umkreis, aber ich hätte ein besseres Gefühl wenn diese 800 Meter weg sind, als direkt neben mir, oder ist das unbegründet.


    Auf jeden Fall schonmal Danke für die ganzen Hinweise!