Wie machen eigentlich Berufsimker die Schwarmkontrolle?

  • Hallo zusammen,

    ich habe ja ein paar Dinge begriffen, die eine schnelle Schwarmkontrolle möglich machen:

    Ein großer Brutraum, wenige (große) Brutwaben, folglich weniger Waben, die gezogen werden müssen.

    Was ich mich frage, welche Strategie/welche Arbeitsschritte man sonst noch als Berufsimker macht, um seine 100+ Völker in einer akzeptablen Zeit durchzusehen.


    Schauen Berufsimker überhaupt alle 7-9 Tage in ihre Völker? Oder erkennen sie schon am Flugloch, was da Sache ist? Kann man auch beim einräumigen Brutraum eine Kippkontrolle machen?


    Anders gesagt: Ich benutze zwar auch nur einen BR DNM 1.0 (reicht scheinbar), aber schon bei der Durchsicht denke ich mir immer, dass das jetzt a.) zu lange dauert, bzw. der Kasten zu lange offen ist und b.) das auch Stress für die Bienen ist. Und so kommt zwangsläufig die Frage auf: Wie kann man das für sich selbst und vor allem für die Bienen auf ein Minimum an Rumgefrickel im Volk reduzieren.

    Und da müssen die Berufsimker ja schon alleine deswegen Ansätze haben, weil die ja zeitlich schon nicht in der Lage sind, die Völker handzumassieren.


    Herzlichen Dank und viele Grüße

    Ralf

  • Zeit für Fluglochbeobachtungen haben Berufsimker sicher am wenigsten.

    Es hat schon einen Grund, warum die zu Großraumbeuten tendieren. Dazu kommen schwarmdämpfende Maßnahmen (vor allem genug Raum geben) und die richtige Genetik.


    Wie man mit der Kippkontrolle Schwarmzellen finden soll, ist mir seit jeher ein Rätsel. Dass die Bienen die Schwarmzellen an den Unterträger bauen, ist bei mir die seltene Ausnahme, bei den großen Wabenformaten machen sie das schon gar nicht.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Habe mich in das Thema auch ein wenig eingearbeitet.

    Wenn Schwarmstimmung da ist ist es zu spät.


    Der Frank Osterloh macht ja Konsequent bei der Rapsernte schon von allen Völkern Kunstschwärme, zum Beispiel, da entsteht erst garkeine Schwarmstimmung.


    Ich kann das Youtube Video von Bernhard Heuvel empfehlen:


    Ansonsten kann rase dazu vermutlich nich was sagen.


    Dann gibt es ja mitterweile auch Zuchten bei denen der Schwarmtrieb schon fast vollständig weggezüchtet ist.


    Ich kann aus der mickrigen Erfahrung mit meinen Dadant Völker sagen, dass man die Waben eigentlich auch manchmal nicht mehr rausnehmen muss. Bei den Großformatigen Waben sind die Zellen wie Wolfgang schon sagt zum Großteil nich an der Unterkante. Da Reicht es teilweise auch die Waben nur außeinander zu schieben und rein zu gucken. Voraussetzung hierfür ist natürlich dass die Bienen Genug Platz haben und im BR nicht merhrschichtig Sitzen.


    Sobald einmal geschröpft wurde und nochmal Schwarmstimmung entsteht sollen sie halt schwärmen, dann passt die Genetik eh nicht. Dann wird ne Zelle mit besserer Genetik reingedrückt.

    Ein Berufsimker wird nach dem Schröpfen nicht alle 100 - x Völker wöchentlich durchsehen, um dann 3 davon am schwärmen zu hindern. Das ist nicht wirtschaftlich.


    Im Endeffekt hat vermutlich jeder Berufsimker seine eigene der Zucht und der regionalen Gegebenheiten angepasste Betriebsweise. Ein Patentrezept gibt es hier, wie bei allem Anderen in der Imkerei, nicht.


    Just my 2 cents.

    Korriegiert mich, sollte ich etwas gravierend falsches beigetragen haben.

    Grüße

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • Imker_luis Vielen Dank für das Video!

    Lediglich die zentrale Wabe auf Schwarmzellen zu prüfen, plus nebenliegende Waben ohne Entnahme, würde bei mir ein ungutes Gefühl hinterlassen, etwas zu übersehen - aber das ist auch auf mangelnde Erfahrung zurückzuführen.


    Ich bin gerade dabei, meine Hoffmannrähmchen gegen Rähmchen mit Polsternägel zu tauschen - so wie Bernhard das in einem seiner Videos zeigt. Alleine das Gefummel, die Hoffmänner wieder zurecht zu rücken, ohne Bienen zu quetschen, kostet einfach viele Nerven und manchmal auch Bienen (und Zeit).

  • Wenn ich mich nicht täusche, schreibt Werner Gerdes in seinem Buckfast-Buch, dass er gar keine Kontrollen macht, da seine Bienen zu 90% sowieso nicht schwärmen und sich der Aufwand daher nicht lohnt.

  • Bin zwar kein Berufsimker möchte aber auch meinen Senf dazu geben.

    Da dem Frank Osterloh sein sein Name hier gefallen ist kann ich mir das nicht verkneifen.

    Ich habe jetzt das zweite Jahr unbegattete Königinnen von Ihm und seitdem spar ich mir die Schwarmkontrolle völlig.

    Ich kann mich erinnern das er mal selbst in einem Forum geschrieben das er keine macht.

    Ich selbst enge im zeitigen Frühjahr ein und erweitere dann bis Juni auf maximal 7 Rahmen.

    Bei der Ernte werden die Bienen von den Honigwaben zu Kunstschwärmen weiter verarbeitet oder auch für die Kieler genutzt.


    Also ich meine wer eine schwarmträge Genetik, junge Kös und das Brutnest von übermäßig Pollen und Futter frei hält kann sich den Aufwand sparen.

  • Bin zwar kein Berufsimker möchte aber auch meinen Senf dazu geben.

    Da dem Frank Osterloh sein sein Name hier gefallen ist kann ich mir das nicht verkneifen.

    Ich habe jetzt das zweite Jahr unbegattete Königinnen von Ihm und seitdem spar ich mir die Schwarmkontrolle völlig.

    Ich kann mich erinnern das er mal selbst in einem Forum geschrieben das er keine macht.

    Jap, siehe dieser Faden hier, ab #34 auf den folgenden Seiten packt er ziemlich aus. Wertvolle Informationen. Bienengebläse Laubgebläse

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • N'Abend


    Ich habe ja letztes JAhr ein bisschen bei einem Berufsimker mit ca. 280 Völkern mitgeholfen. Da haben wir eigentlich auch ganz normal wöchentliche Kontrolle gemacht. 10er Dadant-Blattkisten und CH-Hinterbehandler. Eigene Zucht der Mellifera, aber nicht Hauptaugenmerk auf Schwarmträgheit. Die DD-Kisten waren nur minimalst eingeengt, also mussten wir tlw. 8-9 Waben schieben und ziehen. Also Waben mit Stockmeisel lösen, einzeln ziehen, abstossen, je ein Blick vorn und hinten, evtl. SZ ausbrechen, Wabe wieder rein, nächste. Mein Chef hat ca. 5-7min gebraucht, ich eher 10-12min, später bin ich dann auch schneller geworden. Wenn zuviele SZ (und vor allem auch in der Vorwoche schon welche und gedeckelte), dann wurde ein Zwischenbodenableger gemacht. Das war gerade bei den Kisten mit 2-3 verhonigten RAndwaben ne echte Mühe. Woche drauf wieder auseinanderbasteln. Hat als Schwarmverhinderung funktioniert, auch wenn wir das bei einigen Völkern 2x machen mussten.

    Die Schnelligkeit kommt dann einfach über die geübten Handgriffe. Mühsam waren ca. 20 Völker auf Naturbau, die haben an allen möglichen und unmöglichen Stellen die SZ gebaut und haben entsprechend länger in der Durchsicht gebraucht. Die eine oder andere geplättete Biene gehört aber auch dazu.


    Grüsse, Robert

  • Ansonsten kann rase dazu vermutlich noch was sagen.

    Alles was man machen muß ist Murks, weil kostet Zeit, Kraft und Nerven. Gute Genetik, genug Platz und etwas Glück helfen sehr. Das Durchschauen ist/wäre nicht das Problem, aber immer vorher die Kisten runter und nachher wieder drauf bringen einen um. Und ich bin ja wirklich nur der aller-allerkleinste Berufsimker, es gibt hier sicherlich etliche 'Hobby'imker mit deutlich mehr Völkern. Ich schau bei ein paar Völkern rein, hoffe oft einfach das es gut geht, investier viel in gute und junge Königinnen, Genetik, hab im Idealfall immer (vor allem zum Saisonstart!) genug ausgebaute Waben, und übe mich ansonsten in Gelassenheit.


    Lager ist voll, könnte bestimmt voller sein, aber irgendwas ist ja immer.


    Beste Grüße,

    Ralf


    PS: es wird auch wahnsinnig viel erzählt.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ohne Berufsimker zu sein mit meinem kleinen Bestand lässt sich aber erkennen, dass es eine gewisse Rangordnung bezüglich Einflüssen gibt: Genetik - Genetik > Betriebsweise > externe Einflüsse wie Tracht / Wetter etc. und Raumverfügbarkeit.


    Die Selektion der "richtigen Linie" mit ausgewogenen Eigenschaften - je nach Betriebsweise - dürfte der "Lösung" am nächsten kommen. Es gibt ja auch Betriebsweise mit gewollter Schwärmerei....

  • Lager ist voll

    voll was? Gefangener Schwärme? Oder bereitgestellte Kisten, die Schwärme hätten beherbergen können?


    Ich würde die Betriebsweise vor die Genetik stellen. Konnte ich dieses Jahr eindrucksvoll bei einem Kollegen miterleben, der sich nach einer Umstellung über die fehlende Schwarmstimmung wunderte. Die Bienen waren die gleichen, wie in den Jahren zuvor, zumindest die Linie.

    Der Neid hängt am Stacheldraht in des Imkers Hosentasche!

  • Lager ist voll

    voll was? Gefangener Schwärme? Oder bereitgestellte Kisten, die Schwärme hätten beherbergen können?


    Ich würde die Betriebsweise vor die Genetik stellen. Konnte ich dieses Jahr eindrucksvoll bei einem Kollegen miterleben, der sich nach einer Umstellung über die fehlende Schwarmstimmung wunderte. Die Bienen waren die gleichen, wie in den Jahren zuvor, zumindest die Linie.

    Hallo, ich stimm dem mal zu: heuer alle Völker auf ZaDant 1 Brutraum umgestellt und keinen Schwarm gehabt! Gleiche Bienen wie im Vorjahr und da hing jedes Volk 1x im Baum. Mir fehlt zwar noch die Erfahrung, aber heuer ging alles wie von selbst.

    LG Andrea