Neue EG-Honigrichtlinie

  • Mit der nachstehenden, etwas langen Adresse kann die neue „Richtlinie 2001/110/EG des Rates vom 20. Dezember 2001 über Honig“ abgerufen werden. Sehr interessant!
    http://europa.eu.int/servlet/portail/RenderServlet?search=Query&lg=de&nb_docs=25&domain=Legislation&coll=&in_force=YES&title=&party=&year_from=2002&month_from=1&day_from=12&year_to=&month_to=&day_to=&text=2001%2F110%2FEG&inforce=on&from=12%2F1%2F2002&to=
    Herzliche Imkergrüße

    Fachberater für Imkerei
    ALLB Freiburg

  • Diese Honigverordnung ist der entscheidende Sargnagel für die Imkerei und eine Freude für Zuckerfabrikanten.
    De facto wird der Honigverfälschung Tür und Tor geöffnet. Da wo Honig drauf steht, ist keiner mehr drin, sondern Zuckermischungen aus der großtechnischen Produktion. Was die Damen und Herren der EU-Bürokratie nicht begriffen haben, ist, daß Honig mehr als Zucker und Wasser enthält (oder wollten sie es nicht begreifen?).
    Die Auswirkungen auf die breite Imkerschaft werden verheerend sein. Bereits jetzt lohnt sich unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten die Imkerei nicht. Durch "gefilterten Honig" werden die Preise für Honig kräftig in den Keller gehen. Den Verbraucher wird's freuen, er weiß ja nicht, was er da konsumiert.
    Ich denke, eine flächendeckende Imkerei wird es in näherer Zukunft in EU-Europa nicht mehr geben. Honigproduktion lohnt nicht mehr, nur noch "Honig"handel.


    Die deutsche Honigverordnung wurde geschaffen, um den Honigverfälschern das Handwerk zu legen, die EU-Verordnung fördert die Honigverfälschung.


    PS: ich rege mich nicht auf, weil Zuckerlösungen ("gefilterter Honig") in der EU verkauft werden können, sondern darüber, daß dieses Zeug als "Honig" deklariert werden darf.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Lieber Herr Wustmann,
    vielleicht sollten Sie die Richtlinien doch noch einmal lesen. Gefilterter Honig darf demnach nicht als „Honig“ verkauft werden, sondern muss als „gefilterter Honig“ deklariert werden (Artikel 2, Abs. 2). Das ist eine wesentliche Entschärfung gegenüber allen Befürchtungen. Inwieweit Mischungen mit gefiltertem Honig, die übrigens ebenfalls deklariert werden müssen, unerkannt bleiben, mag noch ungeklärt sein. Dafür können wir aber für unseren Honig mit weiteren Pluspunkten werden.
    Besonders positiv erscheint mir die Deklarierung des Ursprungslandes. Das ist doch das, was sich die Imker schon lange gewünscht haben: Dass Auslandshonig auch als solcher kenntlich gemacht werden muss (Artikel 4).
    Also bitte nicht allzu schwarz sehen und die neue Honigverordnung (bis spätestens 1.8.2003) abwarten, die sich aber wenig von den vorliegenden Richtlinien unterscheiden dürfte.

    Fachberater für Imkerei
    ALLB Freiburg

  • Sehr geehrter Herr Spürgin,


    durch die Zulassung von gefilterten Honig ist doch m. E. der Manipulation Tür und Tor geöffnet. Wer hindert einen Honigabfüller seinen Honig mit Zuckermischungen aus der chemischen Fabrik zu strecken und ihn als gefilterter Honig zu deklarieren? Wer kann soetwas nachweisen?
    Kennzeichnungspflicht für "gefilterten Honig" klingt gut, nur wie wird die aussehen? Als Beispiel sollte man sich die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel aus gentechnischer Produktion ansehen: überall wo Soja drin ist, ist auch "Gentechnik" drin. Ich habe noch nie Margarine mit der Aufschrift "gentechnisch verändert" gesehen.
    Wenn man die Veröffentlichungen über die Honigqualität in den letzten Jahren anschaut, so wurde bisher doch schon kräftig getrickst.
    Für mich ist Pollen intergraler Bestandteil des Honigs, wenn man ihn herausfiltert, so ist das kein vollwertiger Honig mehr.


    Warum bedarf es "gefilterten Honig"? Die Filterung kostet Energie und Zeit. Einen Zuwachs an Lebensmittelsicherheit gibt es auch nicht, denn Bakteriensporen und Viren können auch durch Filterung nicht vom Honig getrennt werden.


    MfG
    G. Wustmann

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal sogar gefährlich"

  • Hallo Herr Spürgin, hallo Herr Wustmann,
    zunächst herzlichen Dank an Herrn Spürgin für die Angabe der Adresse der EU Honigverordnung.
    Ich hab sie sogleich gedruckt und bin nun nicht auf kommentierte Angaben angewiesen. Wenn man
    die Quelle hat, ist es doch besser.
    Mit der EU-Honigverordnung sehe ich nicht so schwarz wie Herr Wustmann. Natürlich bin ich über
    die Zulassung von gefilterten Honig auch nicht erfreut, wir Imker sollten dies jedoch als Chance
    sehen und nun unseren Honig als "nicht gefiltert und mit allen natürlichen Bestandteilen" verkaufen.
    Das Filtern des Honigs sollten wir im Verkaufsgespräch als einen Mangel herausstellen.
    Gefilterter Honig darf nicht als "Honig" verkauft werden (Artikel 2 Absatz 2)
    Gut finde ich, daß regionale Herkunftsangaben zugelassen sind und das Herkunftsland angegeben
    werden muss.
    Grössere Probleme sehe ich in der Festlegung, daß die Länder keine eigenen Vorschriften erlassen
    sollen (Artikel 5). Damit ist die Deutsche Honigverordnung aus. Und ob sie der D.I.B. über diese
    EU-Richtlinie hinwegsetzen kann ???
    Wir werden sehen.
    Die Vorschriften über die chemische Zusammensetzung weichen nur unbeudeutend von der
    Deutsche HV ab. Die Festlegung, daß keine fremden anorganischen und organische Bestandteile
    enthalten sein dürfen, verstehe ich so, daß keine Antibiotika im Honig , auch nicht im gefilterterten
    Honig ,enthalten sein dürfen. Das bringt den Großimporteuren doch mehr Probleme als uns
    Kleinimker.

    Viele Grüße
    Gerhard
    vom Strand der Elbe