Neue Chemie - wir freuen uns schon?

  • Wie dem IT-Technik-Magazin zu entnehmen ist (Ausgabe 4/2001) dürfen wir auf neue Probleme durch Chemieprodukte hoffen. Die Firma Bayer setzt den Wirkstoff "IMIDACLOPRID" im neuen Produkt "CHINOOK" ein. Dabei handelt es sich um den gleichen Wirkstoff wie im "GAUCHO" verwendet. Gaucho wurde in Frankreich für die Sonnenblumenbeize verwendet. Derzeit ist das Produkt vom franz. Landwirtschaftsministerium aus dem Vekehr genommen worden.
    Nachdem wir uns wohl in den meisten Flächen Deutschlands nicht aus dem Raps zurückziehen können stellt sich für mich die Frage, wie ich reagiere, wenn etwas auffällig wird?
    Zuerst wäre aber zu klären, wie sich die Sache äußert?
    Angeblich sitzen die Bienen auf den Waben und vor den Beuten und zittern. Kann hier ein Leser bessere Angaben liefern?
    Danke!

    Herzliche Grüße aus Abenberg
    von Klaus Bäuerlein

  • Hallo Klaus,


    mehr Infos gibts auf der kanadischen Seite:
    http://www.internode.net/HoneyBee/Imidacloprid/index.html
    (leider englisch)


    Wenn Dir etwas auffällig wird, so musst Du meines Wissens eine bestimmte Menge toter Bienen (mindestens 1000) zur Analyse bei einem Institut einschicken. (falls diese nicht schon auf dem Wege vom gespritzten Acker zum Bienenstock verendet sind)
    (Bitte beim Landwirtschaftsamt erfragen - Fachberater für Spritzmittel)
    Die Untersuchung ist meines Wissens kostenlos.


    Wir hatten in unserem Verein selbst schon einen Vortrag vom Spritzmittelberater.
    Leider geschehen solche Spritzmittel - "Probleme" oft aus Unwissenheit oder aus Zeitdruck der Landwirte. Es steht eben auf der Gebrauchsanweisung "Bienenungefährlich".
    Doch wieviele Bienen im Sprühnebel wohl verenden... wieviele Bienen von einer vergifteten Wasserpfütze trinken - in die Spritzmittelrückstände geflossen sind...


    Selbst wenn Du weisst - wer welches Pflanzenschutzmittel oder Insektizid gespritzt hat - die Bienen sind tot - und werden nicht mehr lebendig.
    Der Ärger mit dem Landwirt bleibt unter Umständen lange erhalten.


    Man kann nur apellieren
    mehr Bioprodukte zu kaufen.
    Gesunde Nahrung und lebenswerte Natur sollten es uns wert sein.

  • Die Seite http://www.pesticide.org/imidacloprid.pdf
    ist noch interessanter. (leider englisch)
    Es wird der Aufbau und über die Wirkungsweise des Insektizids beschrieben.


    Auf Seite 5 von 7 ist dort zu lesen:
    "Auswirkungen auf Nutzinsekten:
    Weil Imidacloporid ein Insektizid ist. überrascht es nicht,dass es auch für Nützlinge giftig ist, welche eigentlich eine Hilfe für die Landwirtschaft sind.
    - Imidacloporid ist hochgiftig für Honigbienen. Nützlinge wie Marienkäfer und Spinnen werden gleichermaßen vergiftet.
    usw...
    Da helfen auch beschönigende Texte auf der Bayer Homepage nicht mehr.
    Da werden französische Imker für dumm hingestellt und der Zusammenbruch der Völker auf die Varroa-Milbe geschoben.


    Und für die welche es immer noch nicht kapiert haben - empfehle ich das Buch:
    "Agrarwende jetzt" von Franz Alt

  • Ich finde es höchst erstaunlich, daß sich mit diesem hochbrisanten Thema hier nur 3 Leute beschäftigt haben!
    In der Presse ist dazu außer im it-Magazin auch nichts zu finden, und wäre ich nicht per Zufall drauf gestoßen, wüßte ich auch von nichts.
    Die Problematik ist doch schon seit 5 oder 6 Jahren bekannt, wieso gibt es da keine Reaktion von Seiten des D.I.B.? Oder von sonst irgendeiner Profi-Interessenvertretung der Imker?
    Bei jedem anderen Berufsverband wäre schon die Presse mobilisiert worden, um das Thema aktuell und "heiß" zu machen, bevor hierzulande was passiert. Wieso nicht bei uns???
    Ich befürchte fast, daß 90 % der Imker, die Raps in der Nähe haben oder sogar hinwandern, gar nicht wissen, was da dieses Jahr kommen kann, eben weil dieses Thema nicht richtig öffentlich gemacht wird.
    Gibt es denn da niemand, der mal Dampf machen kann?
    Sorgenvolle Grüße aus dem Sauerland
    Sabi(e)ne

    "Meet me in a land of hope and dreams"
    Bruce Springsteen

  • Hallo zusammen,
    Zu der ganzen Geschichte um Imidacloprid (Gaucho/Chinook) ist unter http://www.imkerei.com sehr viel Info. Leider meist in französisch oder englisch. Nach meinen Informationen sind über 98% der Winterrapsflächen dieses Jahr mit Chinook gebeizt worden. Es ist also nahezu unmöglich Rapshonig ohne Kontakt mit Imidacloprid zu ernten! Wer auffälliges Verhalten der Bienenvölker dieses Jahr feststellt, sollte nicht nur tote Bienen sammeln, sonder auch Pollen. Rätselhaftes verschwinden von Bienenbärten; gestörtes Abwehrverhalten (große Agresivität) schlechte Sammelleistung; Brutschäden; untätige Bienen auf der Blüte; usw. werden lauf Franzosen in Zusammenhang mit Imidacloprid gebracht. Es können aber auch andere Gifte welche zusätzlich in die Blüte ausgebracht wurden Auslöser von solchen Reaktionen Verantwortlich sein, deshalb auch den Landwirt nach eventuell ausgebrachten (auch Bienen ungefährlichen) Spritzmitteln fragen, wenn Schäden auftreten. Es ist nicht auszuschließen, daß erst die Kombination verschiedener Mittel zu Schäden führen. Auch kann erst nach der Rapsblüte, wenn die Bienen auf die gesammelten Pollenvorräte zurück greifen, Schäden entstehen! Also sehr aufmerksam beobachten kann ich hier nur raten! und eventuell ein Bieneninstitut hinzu ziehen.

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Am Wochenende habe ich mich mit einem Berufsimker unterhalten, der auch Völker in Mecklenburg im Raps stehen hat. Seine Meldung vom Sonnabend: Der Raps blühte vor ein paar Tagen auf und drei oder vier Tage später waren seine Völker ohne Flugbienen. Tote Bienen sind nicht zu finden. Seiner Meinung nach soll Imidacloprid mit einem Fungizid zusammen diese verheerende Wirkung haben.
    Wer hat seine Völker im Raps stehen? Wo geht es gut, wo schlecht?
    Sehr besorgt, obwohl selten mit Raps "beschenkt", Thomas

  • Fortsetzung des Gespräches mit dem Berufsimker:
    1. Nicht alle Völker in Mecklenburg waren ohne Flugbienen, sondern nur der größte Teil. Der Verlust der Haupternte ist bei über hundert Völkern aber schon schlimm genug.
    2. Um Jena herum wurde jetzt auch gespritzt. Er hätte soviel Rabbatz gemacht, daß ein verantwortlicher Vertreter für Pflanzenschutz (welches Ministeriums oder Amtes blieb unklar) eintraf und die Sache mit Vertretern des Landwirtschaftsbetriebes durchgesprochen wurde. Das gespritze Fungizid sei wirklich bienenungefährlich. Jedoch hat die Applikation einen Haken. Das Mittel wird von Hubschraubern aus in sehr geringer Flughöhe gespritzt und zwar mit solcher Wucht, daß auch die untersten Blätter im dicht stehenden Raps benetzt werden. Was mit den dort befindlichen Bienen passiert ist klar. Die Felder werden dicht an dicht und über den gesamten Tag, also auch zu bester Bienenflugzeit, gespritzt. Von den dort befindlichen Bienen wird also kaum eine nach Hause kommen.
    Den Landwirten ist auch kein Vorwurf zu machen: in der Applikationsvorschrift steht kein Verbot, während der Bienenflugzeit zu spritzen. Ein gemieteter Hubschrauber muß den ganzen Tag fliegen, sonst rentiert er sich nicht und von Traktoren aus sei die Fläche in der nötigen kurzen Zeit nicht zu schaffen. Die Fungizidspritzung soll Ertragssteigerungen von etwa 20% bringen - also keine Aussicht, aus diesem Dilemma rauszukommen.
    Des Imkers letzter Satz: "Früher wanderten wir den Raps an, heute flüchten wir aus ihm."
    Thomas

  • Liebe Imkerfreundinnen und Imkerfreunde,


    könntet Ihr mal herausbekommen, was wirklich gespritzt wurde?


    Zwischen Hubschrauber und Feldspritze ist aber fachlich kein Unterschied, der Hubschrauber schneidet meistens sogar besser ab!


    Gruss FB

  • Hallo Friedhelm,
    ich werde versuchen, genaueres zu erfahren.
    In dem oben geschilderten liegt aber ein deutlicher Unterschied: Bei einer kleinen Spritze mit wenig Druck können die Bienen abhauen, beim Hubschrauber mit einem Druck, der bis an die untersten Blätter spritzt, sind alle Bienen verklammt. Da ist das Mittel egal.
    Grüße, Thomas

  • Lieber Thomas,


    mit den neuen Feldspritzen kann man auch luftunterstützt spritzen!


    Gruss Friedhelm

  • Hallo Friedhelm,


    der Hubschrauber macht schon deutlich mehr Wind. In den 80ern hatte ich selbst mal das Vergnügen als ich an meinen Bienen arbeitete und der Spritzhubschrauber auch. Das bläst die ganzen Flugbienen auf den Boden und dann das Pflanzenschutzmittel darüber die kommen nicht mehr hoch. Das gleich passiert zuwar auch mit der Feldspritze, nur ein Teil der Flugbienen kann da noch eher fliehen. Sogesehen hat der Kollege schon recht das es da mehr schadet. Seither zieht es mich nicht mehr in die riesen Rapsflächen. Da gibts interresantere Trachten!


    _________________
    to bee or not to bee!


    <font size=-1>[ Diese Nachricht wurde geändert von: Toyotafan am 2002-05-22 09:05 ]</font>

    geht´s den Bienen gut, geht´s der Umwelt gut!

  • Lieber Toyotafan,


    ich weiss schon von was ich rede, nicht von den alten Feldspritzen, sondern von denen die heute auf dem Mart sind und die haben alle Luftunterstützung, wie Turbulatorspritze und Hubschrauber!


    Gruss Friedhelm

  • Hallo Friedhelm,
    könntest Du die Spritzentypen und die Luftunterstützung vielleicht erklären? "Spritzenkundig" sind nicht so viele, wir würden dann mehr verstehen.
    Grüße, Thomas