Honigbienen vs. Wildbienen

  • Hallo zusammen,


    Ich wohne derzeit in Brüssel und hier gibt es häufiger verbale oder mediale "Angriffe" auf Imker von Tierschützern, die sich um den Bestand der Wildbienen in der Stadt sorgen. Das Argument ist dass die Nahrungsmenge nicht für alle reichen würde bei einigen hundert Honigbienenvölkern in der Stadt.


    1. Was meint ihr? Ist da was dran? Habe ein wenig recherchiert aber nichts eindeutiges gefunden.


    2. Gibt es die Diskussion auch in deutschen Städten? Also spezifisch Honigbiene vs. Wildbienen (nicht allgemein die schlechte Lage der Wildbienen).


    LG

  • Hallo Tabatniz,

    dazu hatte vor einiger Zeit das LAVES in Celle den Sachstand zusammengefasst "Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen" (Otto Boecking). In dem Text sind auch Quellen von wissenschaftlichen Untersuchungen genannt. Prinzipiell gilt: Solange es eine gute Tracht gibt (Linde, etc.), die die Honigbienen beschäftigt, ist das kein Thema. Sobald es an die Läppertracht geht, können Honigbienen aufgrund Ihrer Masse spezialisierten Wildbienen das Futter, in dem Falle v.a. den Pollen ihrer ausgesuchten Blütenpflanzen wegnehmen.

    So, jetzt müsste man wissen, welche spezialisierten Wildbienenarten es in den Städten gibt, was deren bevorzugten Blüten sind und ob es zeitgleich mit deren Blühtermin eine andere Massentracht gibt oder nicht. Klingt für mich nach Thema einer neuen Doktorarbeit.

    Von Vornherein ausschließen kann man einen Verdrängungseffekt meiner Ansicht nach jedenfalls nicht.


    Viele Grüße

    schritte

  • Im Deutschen Bienenjournal stand jetzt eine Zusammenfassung von allen Studien die dazu zu finden waren. War sehr interessant. Entweder in der Mai oder Juni - Ausgabe.

    Falls es dich interessiert und du es nicht hast, gib mir Bescheid.

  • Es gibt dazu Untersuchungen, u.a. von einem Wissenschaftler der Universität Würzburg, nach deren Ergebnisse die vermeintliche Konkurrenz differenzierter zu verstehen ist. Bspw. besuchen Bienen und Wildbienen sowohl zeitlich als auch örtlich gestaffelt die gleichen Blütenpflanzen: z. B. Honigbiene vormittags im oberen Bereich der Pflanze; Wildbienen nachmittags im unteren Bereich. Daraus entsteht weniger Konkurrenz als derzeit pauschalisiert veröffentlicht wird.


    Leider habe ich die Publikation nicht mehr parat - werde suchen... und mitteilen.


    Mich stören diese pauschalen Gegensätze ohne Differenzierung in der Diskussion. Und - über das wesentliche Problem der Blütenverarmung der Landschaft allgemein infolge politischer Fehlentscheidungen wird nicht berichtet. Das ist das Kernproblem, nicht die vermeintliche Konkurrenz zwischen verschiedenen Insektenarten.


    Meine Meinung


    Rainer