Ablegerkiste als Begattungskästchen?

  • Hallo zusammen, kurze Frage:


    Ich möchte gerne Weiselzellen nutzen um zu vermehren.


    Eine der Waben samt Bienen und einer Weiselzelle würde ich gerne in eine Ablegerkiste packen, mit MW, nasser Leerwaabe, FW. Scheint klar.


    Ich habe aber noch eine weitere Ablegerkiste in einem anderen Rahmenformat, die ich gerne besiedeln möchte. Kann ich also einfach ein Leerrahmen (mit Anfangsstreifen) in die Ablegerkiste hängen und die ausgeschnittene Weiselzelle unter den Oberträger kleben? Dann dahinter sofort das Trennschied, auf die andere Seite 1:1 Lösung anbieten, Bienen von einer Wabe abstoßen und dann 1-3 (wie lange?) in Kellerhaft und wieder aufstellen?


    Also im Grunde die gleiche Vorgehensweise wie mit einem Begattungskästchen nur in einer auf eine Wabe eingeengte Ablegerkiste...


    Vielen Dank!!

  • Das ist m.E. zu knapp bemessen. Kö. sollen im Überfluß herangezogen sein. Auch wenn die WZ bereits verdeckelt sind, bestimmt die Temperaturführung für die Larve/Puppe innerhalb der nächsten 8 Tage die künftigen Eigenschaften der Kö. und zwar - nach Prof. Tautz - stärker noch als die Genetik. Wenn Dein Sparplan dennoch durchgeführt werden soll, dann:


    zu 1. Noch eine voll bienenbesetzte BrW mit schlüpfenden Bienen dazu statt MW (wer sollte die jetzt ausbauen? Priorität muß die Brut- und WZ-Pflege haben, keine unnötigen zusätzlichen Notbaustellen).


    zu 2. Das wird nix Ordentliches, insbesondere weil:

    - Bienen nur von 1 Wabe sind zuwenig

    - keine benachbarte Brut, die ebenfalls gewärmt wird und so eine entsprechend temperaturhaltige Umgebung für die WZ ergeben würde

    - Futter nicht direkt daneben, muß erst hinter dem Schied auf Umwegen herangeschafft, umgearbeitet werden, ehe es die Tankbienen den erschöpften Heizerbienen reichen können

    - kalte Kellerhaft (zu welchem Zweck, wenn die Pflegebienen aus einem Volk stammen, sich also kennen und nicht erst "zusammenfinden" müssen?)

    - WZ sind nur an 3 von 16 Tagen relativ unempfindlich gegen Erschütterungen. Kennst Du diese Tage bzw. weißt Du exakt, wie alt Deine WZ sind?

    Ein Begattungskasten ist für den namensgebenden Zweck gedacht, also für die Brautjungfern zur Begleitung der Prinzessin auf dem Hochzeitsflug + Verpflegungsmannschaft für den Imbiß zwischen den Vergnügungen und fürs tägliche Auftanken. Die Endpflege der WZ ist eine ungleich kompliziertere Aufgabe, die einen ganz anderen Personalaufwand erfordert. Das eine ist heiterer Ausflug zum Picknick im Grünen, das andere Frühgeborenen-Intensivstation.

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  • Ribes, danke für die Erläuterungen!


    Generell meine ich eher schlupffertige WZ. Die WZ, die ich jetzt habe sind am Tag 13 nach der Erstellung (Tag 0).


    Also im Grunde würde ich gerne so vorgehen wie die, die schlupffertige WZ ins Begattungskästchen füllen. Ändert das etwas?


    Zu deinen anderen Punkten:

    - Futter könnte ich auch in einer flachen Wanne direkt unter den Rahmen stellen;

    - Dann eher von 2 Waben Bienen (auch wenn schlupffertig?)? Sonst liest man ja immer von den Suppenlöffeln.

  • Tag 13 wäre mir zu früh. Wie eine Königinnenvorpuppe an diesem Tag aussieht (vor der letzten Häutung) kann man sich unschwer aus einer PDF ableiten, die ich leider nicht verlinken kann (zu groß): Suchbegriffe sind Brutentwicklung + Honigbiene + Uni Hohenheim

    Hier gibt es im Link #1 auch Anhaltspunkte, die man sogar zur einem handlichen Zuchtkalender zusammenheften kann:

    Zuchtkalender

  • Hallo,

    Sonst liest man ja immer von den Suppenlöffeln.

    Nein, man spricht nicht von einem Schöpflöffel, sondern von einer Schöpfkelle - so ein richtige alte Schöpfkelle, nicht die modernenen kleinen. Die Schöpfkelle sollte mindestens 250 ml fassen...

    Wie viele Schöpfkellen, das hängt vpon der Größe der Begattungseinheit ab. Bei einer richtigen Beute sollte das ein richtiger Kunstschwarm sein von mindestens 1,5kg - später im Jahr größer wählen...


    Verschulen sollte man schupfreife Weiselzellen, das heißt am Tag 15.... - Tag 13 ist für mich nicht schlupfreif...



    Gruß

    Franz

  • Nein, man spricht nicht von einem Schöpflöffel, sondern von einer Schöpfkelle - so ein richtige alte Schöpfkelle, nicht die modernenen kleinen. Die Schöpfkelle sollte mindestens 250 ml fassen...

    Ja genau, Schöpfkelle ... mir fiel das Wort nicht ein. :)


    Ok, danke euch beiden, dann warte ich noch 2 Tage.

  • Hallo,

    Sonst liest man ja immer von den Suppenlöffeln.

    Nein, man spricht nicht von einem Schöpflöffel, sondern von einer Schöpfkelle - so ein richtige alte Schöpfkelle, nicht die modernenen kleinen. Die Schöpfkelle sollte mindestens 250 ml fassen...

    Wie viele Schöpfkellen, das hängt vpon der Größe der Begattungseinheit ab. Bei einer richtigen Beute sollte das ein richtiger Kunstschwarm sein von mindestens 1,5kg - später im Jahr größer wählen...

    Wobei ja da eine unbegattete Königin dazukommt und keine schlupfreife Zelle.

    Oder sehe ich das falsch?

  • Bei einer Begattungseinheit kannst Du beides machen - ob geschlüpfte Königin oder schlupfreife Zelle ist bei der Erstebesiedelung im Prinzip egal - viele bevorzugen eine schlupfreife Zelle damit die Königin im Schlaraffenland auf die Welt kommt (nach Bruder Adam - der war der Meinung das dies essentiell ist - kann man nachlesen). Nach der Erstbesidelung (also bei der Zweit- oder Drittbesiedelung) gehen nur noch schlupfreife Zellen!
    Bei einem richtigen Kunstschwarm, für eine richtige Beute, habe ich noch nie eine Zelle genommen, sollte theoretisch aber auch irgendwie gehen.
    Allerdings sollte Zellen schon schlupfreif sein und dann in den ersten 12-24 Stunden schlüpfen...

  • Schlupfreife Zellen, d.h., nahezu 1 Tag oder weniger vor dem Schlupf, hänge ich in übliche Ablegerkästen mit vorher vorbereiteten 1-Wabenableger, aus denen die angesetzten WZ ca. 1Stunde vorher entfernt wurden. Die warten auf eine Jungkönigin - freuen sich auf die Prinzessin.


    Einheiten, die "kurz vorher" mit und ohne Brutwabe und Kellerhaft vorbereitet werden, sind m.E. weniger geeignet; denn sie könnten die schlüpfende Kö' ablehnen und die eigene Genetik bevorzugen.

  • Wieder mal viele Details hier, die man sich ohne Forum mühsam zusammensuchen müsste oder auf die man selbst gar nicht kommen würde! Danke! :thumbup:

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Einheiten, die "kurz vorher" mit und ohne Brutwabe und Kellerhaft vorbereitet werden, sind m.E. weniger geeignet; denn sie könnten die schlüpfende Kö' ablehnen und die eigene Genetik bevorzugen.

    Kann ich jetzt so nicht bestätigen. Meine Miniplus baue ich wirklich erst eine Stunde vorher zusammen, mit Brut in allen Stadien, ohne vorherige Kellerhaft. Schlupfreife Zelle rein, pro forma zwei Tage und Nächte in den Verschlag unter der Treppe und gut ist es. Die Prinzessin schlüpft und wird erst mal gehätschelt.


    Vielleicht kommt es auch auf die Größe der Einheit an. Ein starkes Volk kann es sich leisten, eine neue Prinzessin abzulehnen und eigene Zellen hochzuziehen. Ein kleiner Ableger eher nicht, der braucht bald neue Bienen.


    Außerdem kann ich kaum glauben, dass die Bienen "eigene" und "fremde" Genetik auseinanderhalten können. So groß sind die Unterschiede nicht. Daher dürfte eine Ablehnung eher auf andere Defizite oder auch akute Unlaune zurückzuführen sein.

    Coronataugliches Freiluft-Imkerforumstreffen am 3.-5.9.2021 an der Lahn.

  • Moin,


    oh doch, auseinanderhalten können die das sogar sehr gut.

    In so einer kleinen Einheit herrscht aber eher die Not, schnell was zu benötigen, da sollte die Verwandschaftsfrage zweitrangig sein aus diesem Grunde.

    siehe Eusozialität

    Arbeiterinnen bevorzugen sogar ihre echten genetischen Schwestern mit einem höheren Verwandschaftsgrad bei der Brutpflege (Abstammung vom gleichen Drohn)


    Gruß


    Marion

    "Wer die Leidenschaft als Jugendsünde abtut, degradiert die Vernunft zur Alterserscheinung".
    Hans Kasper

  • Moin,


    oh doch, auseinanderhalten können die das sogar sehr gut.

    In so einer kleinen Einheit herrscht aber eher die Not, schnell was zu benötigen...

    So die Theorie und meist auch die Praxis. Ich hatte aber auch schon kleine "Einheiten", die partout keine fremde WZ wollten; wurden lieber drohnenbrütig.

    Also - Starrsinn gibt's auch bei Bienen ;).

  • Hattest du auch

    ...Schlupfreife Zelle rein, pro forma zwei Tage und Nächte in den Verschlag unter der Treppe und gut ist es. ..