Keine Schwarmstimmung trotz verdeckelter Schwarmzelle?

  • Werte Mitimkerinnen und Mitimker,


    da dies mein erster Beitrag ist, muss ich mich zunächst kurz vorstellen: Mein Name ist Patrick, ich bin 30 Jahre alt und lebe in Oberbayern. Ich habe derzeit zwei Völker auf Bayrischmaß/kl. Hofmannmaß. Eines davon ist ein Ableger aus 2017. Die Königin wurde schon 2017 wegen Verlust (Der Fehler stand wohl hinter der Beute) durch eine (2017er) standbegattete Carnica F1 ersetzt. Das Volk wurde einzargig überwintert und besteht derzeit aus zwei Brutraumzargen und zwei (halben) Honigräumen. Der erste HR ist ca. 3/4 gefüllt. Die mittleren 4 Waben sind schon ca. Zur Hälfte verdeckelt. Der zweite HR ist ca. Zur Hälfte gefüllt. hier ist daher auch noch nichts verdeckelt. Platz zum bestiften ist in den beiden BRZ noch vorhanden.


    Nun hab ich bei der Kontrolle am 25.05. Überraschend zwei verdeckelte Weiselzellen am unteren Rand der oberen BRZ festgestellt. Da ich das Volk gerne per Naturschwarm vermehren wollte, habe ich beide Zellen stehengelassen und wollte die Kontrollintervalle verkürzen. Mit den WZ habe ich überhapt nicht gerechnet, da ich zuvor überhaupt keine Schwarmstimmung erkannt hatte. Der Polleneintrag in den letzten Tagen war super. Nektareintrag auch i.O. Ich habe weder "rumlungernde" Bienen festgestellt, noch glänzenden Pollen. Daher hatte ich bei der vorangegangenen Kontroll auch nicht ganz so gründlich geschaut. Einen schon abgegangenen Schwarm kann ich ausschließen, da Brut in allen Stadien (inkl. Stifte) vorhanden war und die Beute bei dem super Wetter in unserem Garten zudem fast den ganzen Tag von meiner Gattin und von meinem 1,5 jährigen Sohn beaufsichtigt wird;)

    Am 28.05. habe ich eine weitere verdeckelte und eine offene SZ festgestellt. Da ich ja die letzten zwei stehengelassen habe, habe ich die neuen Zellen ausgebrochen. Erst danach habe ich gesehen, dass ich die beiden "alten" SZ wohl beim aufsetzen oder abstellen der Zargen beschädigt habe. Daher habe ich die Beiden auch entfernt und den Schwarm "nach hinten verschoben". An diesem Tag habe ich nur eine Kippkontrolle gemacht und das Brutnest nicht auseinandergerupft. Ich kann also nich ausschließen, dass es im Brutnest noch weitere SZ gab.

    Heute erneute Nachschau. Im Bereich in dem die letzten SZ waren, sind keine Neuen dazugekommen. Daher im Brutnest nachgeschaut. Wieder Brut und Stifte vorhanden. Pollen stumpf. Am unteren Ende des Baurahmens eine verdeckelte Schwarmzelle festgestellt. Heute haben sich die Bienen beim Ziehen der Rähmchen etwas aneinandergekettet. Das ist aber auch das Einzige, was man auch nur etwas in Richtung Schwarmstimmung interpretieren könnte. Sonst immernoch guter Nektar- und Polleneintrag.


    Nun meine Fragen:

    Kann sich dieses Verhalten jemand erklären? Wie lange dauert es i.d.R. nach der Verdeckelung der SZ bis der Schwarm abgeht? Ich dachte bisher, dass dies meistens direkt nach dem Verdeckeln der SZ geschieht. Feinstes Flugwetter wäre momentan jeden Tag. Wie kurz vor dem Abgang des Schwarms wird denn der Sammeltrieb eingestellt und der Pollen versiegelt? Erst am Schwarmtag, oder schon vorher?

    Kann dies denn auch eine stille Umweiselung sein, oder kann man sich darauf verlassen, dass derartige Weiselzellen mitten auf dem Brutnest zu finden sind? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, da die Königin wirklich ein super Brutbild abgibt. Die Legeleistung ist top. Beide Zargen sind randvoll mit Bienen.

    Bin langsam mit meinem Latein am Ende.


    Für eure Einschätzung wäre ich euch sehr dankbar.


    Liebe Grüße

    Patrick

  • Ich hatte auch schon verdeckelte Schwarmzellen und trotz besten Wetters war der Schwarm noch nicht abgegangen.

    Die Regel lautet eben: Der Schwarm geht nicht ab, bevor die Weiselzellen verdeckelt sind, Auch davon gibt es aber Ausnahmen.


    Die Frage wäre aber auch, ob hier nicht eine stille Umweiselung passiert.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hi Wolfgang,

    ich hoffe nicht, dass sie umweiseln. Ich bin mit der Kö zufrieden (was dem Bien ja leider Wurscht ist). Könnte es also sein, dass die Weiselzellen für eine stille Umweiselung genau da sind, wo man eigentlich Schwarmzellen vermutet? Man liest überall, dass stille Umweiselungszellen mitten im Brutnest sind - ähnlich wie bei Nachschaffungszellen.

    Ab wann würde man denn einen abgehenden Schwarm durch fehlenden Eintrag, gelangweilt abhängende Arbeiterinnen, Bienenbart und versiegelten Pollen erkennen? Erst am Schwarmtag, oder schon vorher?

  • ...Da ich das Volk gerne per Naturschwarm vermehren wollte, habe ich beide Zellen stehengelassen...

    Steht Deine Gattin den ganzen Tag mit Schwarmfangsack neben der Beute wie weiland die Heideimker? Wenn nicht, ist Dein Kalkül reine Glückssache. "Schwärmen lassen ohne Einzufangen ist Umweltverschmutzung" sagt unser Zuchtobmann im Grundkurs immer.

    Am 28.05. habe ich eine weitere verdeckelte und eine offene SZ festgestellt...nur eine Kippkontrolle gemacht und das Brutnest nicht auseinandergerupft. Ich kann also nich ausschließen, dass es im Brutnest noch weitere SZ gab...

    Heute erneute Nachschau. Im Bereich in dem die letzten SZ waren, sind keine Neuen dazugekommen. Daher im Brutnest nachgeschaut. Wieder Brut und Stifte vorhanden. Pollen stumpf. Am unteren Ende des Baurahmens eine verdeckelte Schwarmzelle festgestellt.

    Du siehst daran, wieviel Glück Du bislang hattest.

    a) Warum nimmst Du nicht den Schwarm vorweg und bildest Ableger mit den SZ?

    b) Wie willst Du künftig Deine Königinnen erneuern - planmäßig oder wenn es dem Bien auffällt, daß die Vorräte in der Spermathek zur Neige gingen? Wenn das im Herbst ist, bekommt Dein Bien ein Problem, weil für die Umweiselung keine/zuwenige Drohnen umherfliegen. Daß dieses Volk drohnenbrütig wird, ist dann die natürliche und wesensgemäße Folge davon, daß der Bien diese ausweglose Situation nicht vorhersehen konnte - Du aber schon.


    Und schließlich: Den Standort Deiner Völker kennen wir nicht. Dennoch erscheinen mir 2 x 0,5 HoRe zum jetzigen Zeitpunkt (noch nicht geschleudert?) als sehr wenig. Deshalb vermute ich deutliche nachgelassene Sammellust Deines Volkes. Nur in der Schwarmbetriebsweise sehr erfahrene Imker erkennen Schwarmaktivitäten so rechtzeitig, daß sie den Schwarm abpassen können. Dafür sitzen sie dann aber tagelang vor den Beuten und überwachen die Flugaktivitäten ununterbrochen:

    https://av.tib.eu/media/9325

    Und wenn ein Imker glaubt, nach dem Vorschwarm sei alles vorbei:

    https://av.tib.eu/media/9349

  • Die Honigmenge erscheint mir allerdings auch etwas wenig. Ein dreiviertel- und ein halbvoller Honigraum bei ca. 30 Prozent mehr Wabenfläche als bei Dadant, entspricht also ganz grob 1,5 bis max. 2 gefüllten Dadant-Honigzargen. Stehen deine Beuten schon sehr hoch üNN? Denn selbst hier im Norden, wo wir phänologisch mind. 2-3 Wochen hinter dem Süden hinterherhink(t)en, sind jetzt bei allen Völkern wenigstens 3-4 volle HR zusammengekommen.

  • Ribes,


    danke für den link, den zweiten!!!

    Der ist ja NUR PHANTASTISCH!!!

    Eigentlich wollte ich völlig übermüdet endlich ins Bett, und dann sowas...nä, die Bilder möchte ich gerne heute Nacht in meinen Träumen haben, glücklich seufz....

  • Die Zellen für die stille Umweiselung können auch am Rand sitzen und wie Schwarmzellen aussehen. Das steht aber nicht in den üblichen Büchern, wie ich auch schon lernen musste. Im Nachhinein dämmert einem unter Umständen, dass irgendwie das ganze restliche Schwarmgedöns fehlte. Schwarmzellen sind meist mehr als ein oder zwei und die Schwärmerei macht sich schon vorher bemerkbar. Das sieht man aber erst mit der Zeit. Ich frage mich schon länger, wieviele Völker jedes Frühjahr an der stillen Umweiselung gehindert werden, weil der Mensch hinter der Kiste von Schwarmzellen ausgeht und diese bricht.

    Nächstes Imkerforumstreffen am 26-28.3.2021 im Jagdhof Kleinheiligkreuz bei Fulda!

  • Hallo nochmal,

    einen Ableger kann ich nicht machen, da die Bienen eine selbstgebaute Warre'-Beute (Stabilbau) besiedeln sollen. Die hab ich mir im Winter gebaut, um einen Vergleich zwischen Stabil-/Mobilbau und den dazugehörigen Betriebsweisen ziehen zu können. Daher wäre auch der VVS nur meine zweite Wahl. Denke ein Naturschwarm kommt mit dem dafür notwendigen Naturbau besser zurecht, als ein zusammengewürfelter Haufen, der erst durch die Kellerhaft zum "Schwarm" wird.

    Im Garten sind genug niedrige Obstbäume vorhanden, Frau und/oder Nachbarn sind eigentlich (zumindest bei Flugwetter) immer irgendwo in Freien unterwegs und ich arbeite ganz in der Nähe. Daher bin ich ganz zuversichtlich, dass mir der Schwarm nicht durch die Lappen geht.


    Zum Honigeintrag muss ich gestehen, dass ich einen nicht unerheblichen Teil der Frühtracht verpasst habe. Das Volk wurde wie gesagt 2017 aufgestellt und hatte gleich im ersten Jahr die Kö verloren. Daher ist das Volk recht schwach in den Winter gegangen. Die neue Kö hat zwar eisern bis in den Dezember hinein gelegt, konnte damit aber offenbar die fehlende Bienenmasse nicht ganz ausgleichen.

    Dazu kam der explosive April, in dem es hier kein einziges Mal geregnet hat. Daher wenig Bienen, trockene Pflanzen. Der erste anständige Regen und dazu die passende Volksstärke kam mit dem Raps. Daher blicke ich zwar neidisch auf eure Erträge, bin seit dem Raps aber zufrieden mit dem Eintrag. In ein paar Tagen sind die Linden soweit, dass wieder ordentlich was rein kommt.

    Ach ja: Die Bienen stehen auch nur auf 650 Meter üNN, also noch ein Stück weg von der Baumgrenze;)


    Ich werde die Entwicklung mal die nächsten 2-3 Tage beobachten (habe grad frei) und wenn sich dann nichts tut, einen VVS machen. Sollte es tatsächlich eine stille Umweiselung sein, bekommt das Volk seine neue Kö, und die Alte noch eine zweite Chance.

  • Na wenn das Volk wirklich sehr schwach eingewintert wurde, dann wird kaum Schwarmstimung aufkommen, dazu fehlt evtl. die Volksstärke. Wann hat den letzten Jahr das Volk umgeweiselt, könnte es sein das es zu spät war oder zu wenig Drohnen vorhanden waren, dann wäre eine Umweiselung am wahrscheinlichsten. Umweiselungszellen werden dort angelegt wo es die passende Brut gibt, das kann überall sein - und wenn eine Umweiselung ansteht, wird garantiert nicht geschwärmt ;-) ... - Für eine Naturschwarm aus dem eigenen Volk musst Du evtl. noch ein Jahr warten ;-(

  • Das dachte ich eben auch. Daher waren die Schwarmkontrollen leider auch etwas nachlässig... Zumal die Königin ja erst ein Jahr alt ist. Die Königin habe ich schon begattet gekauft. Der Händler wirbt damit, dass er haufenweise (über 60?) reinrassige Carnica-Drohnenspendervölker am Stand hat und die Königinnen daher sehr rein C-begattet werden. Von der Legeleistung her wirkt es auch so, als wäre sie gut begattet worden. Die Arbeiterinnen sind auch alle absolut einheitlich Carnica-gefärbt. Bei meinem zweiten Volk erkennt man bei de Kö klar die "Straßenköterbegattung". Da sind die Arbeiterinnen in allen erdenklichen Carnica-Buckfast/Ligustica Farbvarianten gefärbt.

  • Kikibee ,


    ich glaube, dass in den Büchern immer nur der Fall beschrieben wird, wo im Spätsommer oder sogar Herbst umgeweiselt wird.

    Da macht es für den Bien natürlich Sinn, wabenmittig die U-Zellen anzulegen, da die Nächte schon kühl werden und i.d.R. die Volksmasse bereits abnimmt. So, zentral gelegen, kann die Made noch optimal gepflegt werden. All das ist im aufsteigenden Frühjahr zu vernachlässigen, und Du hast Recht, dass die Umweiselungszellen von der Lage und Beschaffenheit her von den Schwarmzellen kaum zu unterscheiden sind.

    Allenfalls die Häufigkeit kann ein Indiz sein, Umweiselung mit nur wenigen Zellen, Schwarm mit üppig bemessenen Zahlen.

  • ich glaube, dass in den Büchern immer nur der Fall beschrieben wird, wo im Spätsommer oder sogar Herbst umgeweiselt wird.

    Aber um diese Jahreszeit macht eine stille Umweiselung für die Bienen keinen Sinn, weil keine Drohnen mehr da sind.

    Es müsste also typischweise die Umweiselung zeitig im Jahr erfolgen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)