Honig kristallisiert nicht

  • Es scheint zu sein, wie beim Wein: Lage u. Jahrgang prägen das Produkt!
    Das zu demolieren erscheint mir als Realitätsleugnung und Kundenbeschiss.

    Es gibt schon Kunden, die Cuvée trinken, sonst würde der nicht gemacht. Ist halt eine Frage, was man will, schätz ich.


    Viele Leute wollen gerne eine gleichbleibende Qualität (im Sinne von Eigenschaften eines Produktes, nicht bewertet), da hilft halt nur feiner Geschmackssinn und mischen.

    Sicherlich hast Du es so nicht gemeint, aber das klingt genau wie die Begründungen der industriellen Abfüller.

    Honig ist ein Abbild der Landschaft, in der er gesammelt wurde und ein Abbild von Wetter und Volkszustand. Das durch Abmischen zu verändern ist möglich, sollte aber nicht unser Ziel sein. Vielmehr gilt es, den Kunden die Zusammenhänge klarzumachen.

    Mit einem Cuvee´ ist der Industriehonig aus EU- und NichtEU-Ländern nicht vergleichbar. Beim Wein käme niemand auf die Idee, Sorten aus aller Welt zusammenzukippen und das ganze noch als Besonderheit zu bewerben. So ein Honiggemisch hat vergleichsweise soviel Charme wie ein Stück Beton-Landebahn auf dem Flughafen im Vergleich zu einem Honig, der das Abbild seiner Landschaft noch in sich trägt.

  • Sicherlich hast Du es so nicht gemeint, aber das klingt genau wie die Begründungen der industriellen Abfüller.

    Gemeint habe ich es schon so, das ist nüchterne Betrachtung. Diese Art Kunden sind bei mir allerdings fehl am Platz ;)

    Honig ist ein Abbild der Landschaft, in der er gesammelt wurde und ein Abbild von Wetter und Volkszustand. Das durch Abmischen zu verändern ist möglich, sollte aber nicht unser Ziel sein. Vielmehr gilt es, den Kunden die Zusammenhänge klarzumachen.

    Da bin ich voll bei Dir. Ich hab's auch nicht so mit Cuvée, btw.

    Beim Wein käme niemand auf die Idee, Sorten aus aller Welt zusammenzukippen und das ganze noch als Besonderheit zu bewerben.

    Da bin ich mir gar nicht so sicher. Ich könnt Dir jetzt kein Beispiel nennen, wie gesagt, ich hab's nicht so damit, aber ich mein, ich hätt schon was gesehen.

    So ein Honiggemisch hat vergleichsweise soviel Charme wie ein Stück Beton-Landebahn auf dem Flughafen im Vergleich zu einem Honig, der das Abbild seiner Landschaft noch in sich trägt.

    :thumbup: Ungefähr so schmeckt er auch.


    Es gibt noch viele Beispiele, wo das Unnatürliche bevorzugt wird. Ich kenne eine Trachtenschneiderin, die verkauft auch Hirschfänger, oder geh mal auf dem Handwerkermarkt zum Knopfmacher (ja, gibt es noch). Da wird immer drauf hingewiesen, dass das Unikate sind. Zum einen natürlich als Marketing, aber zum anderen leider auch wegen entsprechender Erfahrungen in der Vergangenheit.

  • Honig ist ein Abbild der Landschaft, in der er gesammelt wurde und ein Abbild von Wetter und Volkszustand. Das durch Abmischen zu verändern ist möglich, sollte aber nicht unser Ziel sein. Vielmehr gilt es, den Kunden die Zusammenhänge klarzumachen.

    Ah, guter Ratschlag. Stehst du dann neben dem Supermarktregal? Neben allen gleichzeitig?

    Die meisten Kunden entscheiden sich zunächst nach dem Etikett für einen Honig. Weil regional, bio, eine (schon bekannte) Sorte... draufsteht. Manche (viele) auch nach dem Preis.

    Wenn sie dann ein Glas erstanden haben, das außergewöhnlich lecker ist, möchten sie dieses Geschmackserlebnis gerne wiederholen. Entweder man hat einen relativ gut reproduzierbaren Honig gekauft, wie zum Beispiel auch ein Gemisch sein kann, oder man steht vor dem Regal und bekommt saison- oder jahrgangsbedingt, jetzt etwas vollkommen anderes im selben Glas.

    An der Haustür oder auf dem Markt, wo der Imker hinter dem Honig steht (diesmal nicht als Problem) kann man noch Referate halten zu dieser Geschmacksbreite; an vielen Verkaufsstellen nicht.

  • Wenn man nicht wirklich reinen Sortenhonig ernten kann, hat man immer einen Verschnitt.

    Teilweise schmeckt der Honig aus zwei nebeneinanderstehenden Beuten unterschiedlich, teilweise gibt es innerhalb derselben Beute Bereiche mit deutlich unterschiedlich schmeckendem Honig. Sobald man das aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit zusammenwirft, hat man einen Cuvee.

    Bei mir gibt es dieses Jahr mangels Masse nur den einen, exclusiven "Jahrgangshonig". Da ist dann sämtliches Geläpper von 2019 drin vermischt. Schmeckt auch.

  • Wenn man nicht wirklich reinen Sortenhonig ernten kann, hat man immer einen Verschnitt.

    So gesehen - touché :)


    Das Thema ist übrigens hochspannend, wenn man Wiki dazu so durchliest.

    Sobald man das aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit zusammenwirft, hat man einen Cuvee.

    Bei mir gibt es dieses Jahr mangels Masse nur den einen, exclusiven "Jahrgangshonig".

    Es muss nicht immer Bequemlichkeit sein, schreibst Du ja selber :)


    Ich kenne es eh nur so, dass es eben immer "hellen" und "dunklen" Honig gab. Und vielleicht noch was dazwischen. Die Sortenhonige gab es im Supermarkt, früher :) Bei unseren Imkern ist es jetzt immer noch so, dass da nicht groß nach Sorten geschleudert wird.


    Ich finde es spannend, wenn es immer wieder anders schmeckt, aber ich bin auch mit selber gekochtem Essen erzogen worden.

  • Stehst du dann neben dem Supermarktregal? Neben allen gleichzeitig?

    Die meisten Kunden...

    Ideen muß jeder für sich selbst entwickeln. Ich meinte das auch nicht als platten Ratschlag, vielmehr als Richtungsangabe zunächst einmal für unser eigenes Denken. Das äußert sich dann von ganz allein und es verbreitet sich von selbst - nachhaltiger, als wenn vor jedem Supermarktregal ein dozierender Imker hingestellt würde.

    Wie sehr es an eigener Überzeugung in der Imkerschaft selbst mangelt, sieht man spätestens bei den Diskussionen über den Honigpreis im Verein...

  • Ein wenig Sonne muss schon sein, oder sagen wir mal "Halbschatten". Bei 30°C außen hat es etwa 2 Tage gedauert, bis mein Honig flüssig war - langsam und schonend. Im Winter würde ich es auf dem Kachelofen in passender Höhe versuchen und mal schauen, wie lang es dauert.

  • Moin,

    mal wieder eine lustige Diskussion, bei dem man am liebsten zu den Chips greifen will;-))))

    Was der Imker macht und was die großen (Industrie-)Abfüller machen, sind doch zwei paar Schuhe.

    Langnese (als Beispiel) möchte eine gleichbleibende Qualität einschließlich Geschmack haben. Der Bergblütenhonig solle in einer Charge nicht nach Sonnenblume und in der anderen Charge nach Linde schmecken. Daher wird bei denen darauf geachtet, dass die verschiedenen Honige so zusammen gemischt werden, dass der Geschmack immer der gleiche ist. (Beim Wiskey wird es auch so gemacht, heißt dann Blend).

    Und es wird viel gepumpt, daher glaube ich auch nicht, dass die ganz ohne Erwärmung über 40°C auskommen, zumindest punktuell.

    Was der kleine Hobbyimker macht, reicht von bis. Da gibt es bestimmt auch genügend Kollegen, die weder auf den Wassergehalt noch auf "Güte" ihrer Ware achten. Beispiele hatten wir hier genug.

    Wie man mit dem Honig umgeht, wie er verarbeitet wird, bleibt doch aber jedem selbst überlassen. Hauptsache der Kunde ist glücklich! Und wenn meine Kunde mit mir maulen, wenn sich in dem Honig Kristalle befinden, dann werde ich versuchen, den Honig feincremig hinzubekommen. btw: Ich mag meinen Honig auch lieber Feincremig mit wenig Kristallen als so grobkristallin. Auch das hat eine Auswirkung darauf, wie ich meinen Honig verarbeite.

    Ich wünschte, ich könnte mir viel Arbeit ersparen, wenn ich den Honig nach 2x Rühren einfach so ins Glas kippen könnte, aber gerade der Sommerhonig (Linde) wird dann schön grobkristallin (was ICH nicht mag).

    Daher mein Vorgehen:

    Frühjahrshonig (üblicherweise mit hohem Rapsanteil) wird nach etwa 5-7 Tagen (1-2x 3-5 Minuten rühren pro Tag) abgefüllt. Auskristallisieren tut er im Glas.

    Sommerhonig (üblicherweise mit Robinie und Linde) wird mit 1kg Frühjahrshonig auf 20-25kg Honig geimpft und 7 Tage gerührt (1x 3 Minuten rühren pro Tag reicht hier), dann ins Glas gefüllt. Auch hier kristallisiert er final im Glas (kann auch mal länger dauern).

    Dieses Vorgehen hat mich etwa 2 Jahre gekostet, weil ich für meinen Honig probieren musste, wie es am besten für mich und meinen Honig ist.

    Daher kann ich allen Neulingen auch nur raten: Schaut über den Tellerrand, wie machen es andere, was hab ich wahrscheinlich bei mir im Honig drin, und welche Anforderungen haben meine "Kunden" (können ja auch Freunde und Familie sein) und ich an den Honig.

    Das (auch ich) schafft man aber nur, wenn man nur wenige Hundert Kilo Honig im Jahr verarbeiten muss.

    Mein Imkerkollege muss jedes Jahr mehrere Zentner bis Tonnen Honig verarbeiten, und das neben dem "normalen" imkern wie züchten, vermehren, behandeln, etc.

    Er hat für sich folgendes Vorgehen erarbeitet, da er keine Lust mehr hat, nach einer Woche rühren bis tief in die Nacht den Honig in die Gläser zu bringen, weil sonst der Honig hart wird (siehe Raps, etc.):

    Der Honig wird nach dem Schleudern Abgeschäumt und am 2. Tag gerührt.

    Dann läßt er ihn im Hobbock fest werden, bzw. rührt und füllt nur das ab, was er aktuell schafft und verkaufen kann.

    Später taut er den Honig im Wärmeschrank schonend auf (unter 40°C über 24h), rührt ihn noch 2x und füllt dann ab. Er bleibt zum Abfüllen flüssig und kristallisiert im Glas nach.

    Und ich hab seinen Honig gesehen und getestet und bin begeistert!

    Wenn ich mal mehr Honig habe, werde ich wohl auch in einen Wärmeschrank investieren (müssen), um das ähnlich zu handhaben. Und auch hier werde ich wohl einige Zeit brauchen, um herauszufinden, wie es mit dem Honig dann am besten klappt.

    Zum Melitherm kann ich nichts sagen. Aber auch hier kann ich ja die Wärme regulieren. Ich muss die Heizspirale ja nicht auf 70°C einstellen. Dann könnte der Honig Lokal auch auf über 40°C erwärmt werden. Muss aber nicht, schon gar nicht der ganze Eimer...

    Grüße aus HH Andreas


    Man kann sich den ganzen Tag aufregen :evil: ------- Ist aber nicht verpflichtet dazu :cool: