Honig kristallisiert nicht

  • Hallo liebe Imker,


    vor 1.5 Wochen habe ich meinen ersten Honig geschleudert. Der Wassergehalt nach dem Schleudern betrug 18.4%.

    Nach 4 Tagen waren die ersten Schlieren zu sehen, so dass ich den Honig jeden Abend für 5 Minuten gerührt habe, allerdings ist bis jetzt noch keine Veränderung erkennbar. Er ist genauso flüssig wie am ersten Tag.

    Was kann ich tuen?

    Vielen Dank schon einmal vorab für Eure Hilfe!!

    Gruss

    Jessica

  • Da hilft nur abwarten. Abhängig von der Tracht kann das auch mal länger dauern. Wenn es so langsam vorangeht mit dem Kristallisieren, muss man auch nicht jeden Tag rühren.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Hallo,



    Warum hast Du vor 1,5 Wochen schon geschleudert ?

    Dein Wassergehalt ist etwas hoch, das deutet darauf hin das die Bienen keine Zeit hatten den Honig zu verarbeiten. Die schlägt sich auch in den Enzymwerten nieder, welche bei einer Frühtracht meist ehe nicht so hoch sind und bei so schlechter Verarbeitung noch geringer.


    Wie ist der Rapsanteil bei Dir ?

    Rapsnektar hat viel Glykose welche eine Kristallation fördert.


    Ein hoher Wasseranteil wie bei Dir läst im Honig die Zuckerkonzentration sinken,

    dies läst die Kiristallationsneigung eines Honigs ebenfalls sinken.


    Was kannst Du tun ? ... fragst Du ....

    - Weiter rühren, Honig beobachten und lernen ...

    - Impfen und rühren ....


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Laß Dich nicht verunsichern von #3. Der Wassergehalt genügt den gesetzlichen Anforderungen bei weitem (max. 20% Wassergehalt), nur die strengeren DIB-Vorgaben (18%) überschreitet er etwas.

    Was Du tun kannst, um die Kristallisation zu beschleunigen? Lagern bei ca. 14 Grad. Impfen mit einem sauberen, feinchremigen Honig Deines Vertrauens (bspw. vom Imkerpaten). Das funktioniert, ganz sicher und einfach. Vor und nach dem Rühren Wassergehalt messen (Honig zieht aus der Umgebung Feuchtigkeit an), ggf. vor dem Rühren oberste (wasserreiche) Schicht abschäumen/-schöpfen.

    Abfüllen dann rechtzeitig (noch flüssig), damit evtl. Luftbläschen im Glas noch rechtzeitig aufsteigen können, bevor er zu zähfließend wird. Du schaffst das, das ist kein Hexenwerk oder Geheimwissenschaft. Und die unersetzlichen eigenen Erfahrungen kommen von ganz allein, mit den Jahren. Um diesen Weg zu beschleunigen/zu bereichern, kannst Du ja jetzt schon proTag je 1 - 2 Probegläser abfüllen und diese Versuchsreihe dann später auswerten, wenn die Kristallisation abgeschlossen ist. Wenn Du die Gläser dieser Versuchsreihe sichtbar aufstellst, kannst Du in den Gläsern besser als in Hobbocks täglich beobachten, wie die Kristallisation (Eintrübung) voranschreitet.

  • Ergänzung:

    Diese Charge würde ich mit einem MHD von 0,5 bis 1 Jahr auszeichnen (siehe Bienenjournal Ausgabe aus 1. Quartal 2018).

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Vielen Dank für die schnellen und hilfreichen Antworten!!!!!

    Ich habe leider keinen Raum, der eine Temperatur unter 20 und über 10 Grad hat. ich habe mir zur honiglagerung extra einen Kühlschrank gekauft. ist es sinnvoller den Honig jetzt schon bei 4 Grad zu lagern und zwischendurch zu rühren?

  • Bei 4° wird er sich kaum bzw. gar nicht verändern und der Kristallisationseffekt bleibt aus.

    Impfen wäre hier angesagt!

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo Jessi,

    nur Geduld.

    Ich habe auch zu Pfingsten geschleudert.

    Bisher habe ich nur einen Hobbock abgefüllt. Den hatte ich nachts immer raus gestellt.

    Der Rest ist auch noch im Eimer.

    Der Honig hatte einen Wassergehalt zwischen 17,2% und 17,5%.

    Bei den Temperaturen dauert es halt länger, aber es wird.

  • Hallo,


    Laß Dich nicht verunsichern von #3. Der Wassergehalt genügt den gesetzlichen Anforderungen bei weitem (max. 20% Wassergehalt), nur die strengeren DIB-Vorgaben (18%) überschreitet er etwas.


    ribes

    Du hast mich hier falsch verstanden, ich verunsichere Niemanden, ich erläutere nur das mit zunehmenden Wassergehalt die Kristalisierungsneigung von Honigen sinkt.

    Unabhänig von DIB vorgaben oder Honigverordnung ...


    GdBK

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Ein hoher Wasseranteil wie bei Dir läst im Honig die Zuckerkonzentration sinken,

    dies läst die Kiristallationsneigung eines Honigs ebenfalls sinken.

    Da habe ich andere Erfahrungen. Ein (mäßig erhöhter) Wassergehalt beschleunigt die Kristallisation eher.

    Theoretisch kann man das damit erklären, dass in die Zuckerkristalle auch Wasser eingelagert ist.

    Praktisch konnte ich das letztes Jahr sehr schön beobachten. Da hatte ich drei Hobbocks mit 17, 16 und 15 Prozent Wasseranteil. Sie begannen genau in der Reihenfolge zu kristallisieren.

    Das ist natürlich immer ceteris paribus - also wenn die anderen Faktoren (v.a. Zuckerspektrum und Temperatur) gleich sind.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

    Dieser Beitrag wurde bereits 5 Mal editiert, zuletzt von WFLP ()

  • LAVES (van der Ohe, 2005) schreibt (Vergleich Wassergehalt und Kristallisierung):

    14-18 starke Neigung

    18-20 abnehmende Tendenz

    > 20 wenig Neigung, abnehmende Übersättigung


    Aber wie Du schon schreibst, spielen andere Faktoren (Temperatur, Zuckermischung) auch eine Rolle.

    Kevin Pfeiffer - Übersetzer, Betreiber der Kleinimkerei zu Gunsten Familie und Freunden

  • Hallo ALL,


    ich bleibe einmal bei dem Thema. Auch wenn es etwas über die Eingangfrage hinaus geht.


    Hallo Jessica, Jessi8879  


    Entschuldige das wir hier ein wenig über Deine Frage hinaus Disskutieren,

    aber Deine Frage war wohl ein Aufhänger für dieses Thema.

    Vielleicht kannst Du hier auch etwas mitnehmen, wenn Du weitergehende oder vertiefende Fragen hast, dann nur zu.


    Hallo Wolfgang, WFLP

    Unsere Erfahrung hier ist hingegen eine Andere, Honig mit viel Wasser kristalisiert später.

    Anscheinend haben auch Andere eine eher geringere Kristallisationneigung bei höherem Wassergehalt


    z.B.:


    Hallo Kevin, KMP  

    Okay, danke für Deinen Hinweis.

    Du zitierst die Dokumentation von Dr. v.d.Ohe, dieser beschreib dort,

    ebenso wie in seinem Buch "Honig" (Kosmos, 2014):

    .... eine abnehmende Tendenz zur Kristallisation des Honig bei einem Wassergehalt größer 18%.


    Gleichartiges schreibt Horn/Lüllmann auch in "Das große Honigbuch".


    Zum nachlesen (da frei verfügbar & bei ausreichend Zeit), wie der Wassergehalt und Anderes Einfluss auf den Kristallisationsprozess des Honigs nimmt:


    Die Doktorarbeit von Klaus Beckmann (2008):

    NEUE ANSÄTZE IN DER QUALITÄTSSICHERUNG VON HONIG

    "Einen wichtigen Einflussfaktor auf das Kristallisationsverhalten stellt weiterhin der Wasseranteil dar. Die Kristallisationsneigung des Honigs sinkt mit zunehmendem Wassergehalt infolge der abfallenden Zuckerkonzentration. Bei einem Glucosegehaltvon unter 30 % findet keine Kristallbildung mehr statt [SCHLEY & BÜSKES-SCHULZ(1987)]" [LINK]


    Die Doktorarbeit von Jamila Smanalieva (2007):

    ERMITTLUNG FUNKTIONELLER UND MATERIALWISSENSCHAFTLICHER KENNWERTE VON

    AUSGEWÄHLTEN HONIGSORTEN

    Hierdrin kann man über das Glykose/Wasser Verhältnis zur Kristallisation von Honig nachlesen.[LINK]


    Leider alles nicht ganz aktuell, aber die Zeit in der ich mich intensiver mit dem Produkt "Honig" beschäftigt habe sind ein paar Tage her. Aber es sollte sich hierbei nicht wirklich etwas in den letzten 10 Jahren getan haben.



    Gruß

    der Bienen

    Knecht

    Aus der Übertreibung der Warnungen,
    ist die Unterschätzung der Realität geworden.

  • Hallo ich möchte mich der Thema hier mal anschließen.

    Ich habe mein letztes Glas vom Vorjahr nun aus dem Keller geholt und sehe nun die ersten Kristalle am Boden. Also fängt meiner so zirka nach nach 10 Monaten an zu kristalisieren. Somit macht es doch wenig bis null Sinn diesen nach der Schleuderung zu rühren oder?

    Ich bin auch froh das er nicht so schnell kristalisiert, da ich den cremigen nicht so gerne mag auch wenn es nur ein anderer Zustand des Honigs ist.


    Gruß

    Martin

  • Bei mir kristallisiert die Frühtracht auch nicht so schnell (oder ich bin zu ungeduldig...):


    Habe am 27. Mai geschleudert, also vor gut einer Woche (das erste Mal). So sieht das Testglas heute aus:


    20180603_211801aqs8i.jpg


    Ist schon sehr klar alles noch - ich dachte der wird schneller trüber.


    Bin in der Stadt, also gibt es keinen Raps.


    Aber vielleicht ist am Ende noch recht viel Akazie zugekommen, so dass er jetzt so klar und flüssig ist_?


    Wassergehalt liegt bei 16.5%