Weiterverarbeitung Honig

  • Liebe Landpomeranze,


    das von Ralph Gesagte kann ich nur unterstreichen. Ich fürchte, daß es jetzt zum Abfüllen zu spät sein wird = Wie sollen Abfüll-Luftbläschen in einem Glas von nur 7cm Füllhöhe den Aufstieg schaffen, wenn es große Luftblasen im Hobbock nicht mal aus 15 cm Tiefe schaffen?

    Es ist zu befürchten, daß solcher Honig eine nochmalige Erwärmung durchlaufen muß, um zur feinchremigigen Konsistenz gerührt und blasenfrei abgefüllt werden zu können.

    Seit ich einmal trotz Abfüll-Nachtschicht die Kristallisation nicht mehr einholen konnte, rate ich, den Abschäumhonig oder ein anderes Probeglas täglich - ggf. mehrmals - genau ins Blickfeld zu nehmen und so früh wie möglich mit dem Rühren, resp. bereits nach dem ersten Abschäumen zu beginnen bzw. die Kristallisation gezielt mit Impfung zu starten. Ganz praktisch: Bei mir steht nach dem Schleudern jeden Tag ein weiteres Probeglas direkt vor meinen Augen Diese Probereihe hebe ich auch nach dem Abfüllen längere Zeit (dann kühl, trocken + dunkel) auf und teste später das Endergebnis. So habe ich den täglichen Trübungszuwachs im Blick bzw. im Schnell-Kurs glasweise negative Erfahrungen sammeln können, ohne die gesamte Ernte aufs Spiel zu setzen.


    110 kg mit Auf +Ab-Rührer - alle Achtung! Mglw. fällt die Entscheidung zu rühren leichter, wenn maschinelle Hilfe nahe ist (z.B. Mörtelrührer mit Edelstahlrührstab M 14) bzw. Blasen an den Händen nicht zu befürchten sind.


    Mit leiderfahrenen Grüßen (Thüringer Weihnachtsbaumquirlstiel...) - Gottfried

  • Anschlußfrage: Meine zweite Schleuderung hat einen relativ hohen Wassergehalt (so 18 %). Bei der feuchten Wetterlage habe ich nun etwas Angst, daß ich den Wassergehalt noch verschlechtere, wenn ich jetzt die Eimer öffne und rühre, was meint ihr ?

    Hallo,


    rühr doch in einem trockenen Raum ;) Im Ernst, jetzt bei den höheren Temperaturen ist auch die Luftfeuchtigkeit in Gebäuden etwas höher, aber sofern du nicht in der laufenden Dampfsauna den halben Tag rührst (ok auch hier: ich übertreibe) solltest du keine Probleme kriegen. Ein paar Tage lang morgens und abends wenige Minuten rühren sollte den Wassergehalt nicht merklich steigen lassen.


    Wenn der Honig in DIB-Gläser soll ist es natürlich etwas unentspannter, aber dann hat das Rühren darauf auch kaum noch Einfluss.


    Beste Grüße


    Peter, der nicht in DIB-Gläser abfüllt

  • Ach, Ihr Lieben!!!

    Danke erst einmal für die professionelle Einschätzung...obwohl mir das jetzt doch etwas Angst macht.

    Gut ist: ich hab seit heute Urlaub und könnte, wenn ich wollte, ganztägig rühren. Spart auch den Gang ins Fitness-Studio. Bizeps und Trizepstraining.

    Schlecht ist derzeit aber leider all das "Drumherum".

    Ich verkleinere mich grad extremst, auch in Richtung ganz, ganz wenige Völker, weil die Infrastruktur seit meinem Umzug vor 4 Jahren in eine winzig kleine Wohnung nicht mehr stimmt.

    Die letzten Schleuderungen, so auch diese, hat ein entfernter Imker für mich übernommen. Aber rühren und abfüllen mach ich schon noch selbst.

    Also, lieber ribes, nix mit Maschinenpark, Schleuderraum, Wärmeschrank ect. Kann ich nur von träumen. Ich will aber nicht jammern, ich werds irgendwie hinbekommen.

    Ach, und ich füll auch nicht im DIB Glas ab:-))).

    Euch allen eine wirklich gute, problemlose Frühtrachternte, nich wie ich...

    Muss noch zufügen, dass die Ernte in MEHREREN Eimern abgefüllt ist.

    Ich hatte schonmal den Albtraum, der leider auch wahr wurde, noch mehr per Hand zu rühren. Allein, wie immer. Über 200kg, Sommertracht, da stand ich echt heulend nach meiner Nachtschicht und musste aufpassen, den Honig nicht mit Tränen doch noch auf über 20% Wassergehalt zu bringen.

    So, jetzt aber genug auf der Mitleidstour rumgeritten.

  • Also den Mörtelrührer würde ich an Deiner Stelle versuchen, irgendwo herzubekommen. Ich will ja nicht gerade Henrys wohl nicht ganz ernst gemeinten Rat vom "Ausleih" im Baumarkt wiederholen (ihm ging es damals um das Schwarmfangrohr), aber da gibt es doch Möglichkeiten ggf. bei Kollegen, genauso mit dem Wärmeschrank. Ein richtiger Geizimker würde den sogar in seinem Kühlschrank realisieren, den er (tunlichst im Winter) dafür einige Tage lang ohne Kühlung, dafür mit Glühlampe betriebe...

  • Ich hänge mich mal an dieses Thema ran und hoffe, wer findet noch Lust zu antworten:

    Habe dieses Jahr den ersten Honig geerntet. Anfang/Mitte Mai den Frühlingsblütenhonig und gestern die ersten Honigräume mit Sommerblütenhonig abgeschleudert.


    Der Erstere zeigt auch nach knapp 6 Wochen keinerlei Kristallisationsbildung- impfen kann ich, aus Ermangelung an eigenem Impfhonig, nicht.


    Nun kam der Sommerblütenhonig, mit einem Großanteil an Linde (Raps gibt es bei uns nicht). Sowohl der Honig vom Frühjahr, als auch der Sommerhonig, sind sehr flüssig.


    Nun zu meinen Fragen:


    - Soll ich jetzt warten bis Herbst/Winter, bis der Vorgang startet, oder jetzt schon rühren? Macht das dann Sinn?


    - Wird so flüssiger Honig in gerührtem Zustand wirklich cremiger oder geht es hier nur darum, dass die Kunden nach 8 Monaten immer noch flüssigen Honig haben?


    - Einige haben geschrieben, sie rühren den Honig bis zur gewünschten Konsistenz und füllen ab. Andere machen das auch so, ABER, sie füllen nicht ab, sondern lassen ihn durchhärten, erwärmen ihn und füllen ihn dann in die Gläser ab. Was nun?


    Freue ich mich über Antworten, denn so richtig habe ich im Netz und bei U-tube leider nichts gefunden, was meine Frage beantwortet.


    PS: Habe keine DIB Gläser & Honigkurs habe ich schon gemacht.

  • - Soll ich jetzt warten bis Herbst/Winter, bis der Vorgang startet, oder jetzt schon rühren? Macht das dann Sinn?

    Solange der Honig nicht anfängt zu kristallieren (Eintrübung), macht Rühren keinen Sinn.

    Wird so flüssiger Honig in gerührtem Zustand wirklich cremiger oder geht es hier nur darum, dass die Kunden nach 8 Monaten immer noch flüssigen Honig haben?

    Der Honig bleibt wegen des Rührens nicht flüssig. Das Rühren verhindert, dass er hart auskristallisiert. Je nach Sorte kann das bedeuten, dass ein harter Block entsteht oder der Honig "sandig" wird.


    Einige haben geschrieben, sie rühren den Honig bis zur gewünschten Konsistenz und füllen ab. Andere machen das auch so, ABER, sie füllen nicht ab, sondern lassen ihn durchhärten, erwärmen ihn und füllen ihn dann in die Gläser ab. Was nun?

    Letzteres wird teils gemacht, damit man im Saisonstress nicht abfüllen muss, teils weil der Honig dann nicht ausblüht.

    Erwärmen verschlechert die Qualität, deswegen ist direkt ins Glas abfüllen die für die Honigqualität bessere Option.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Wolfgang : Vielen dank für Deine Antworten.

    In der Praxis heißt das letztlich, dass ich warten muss, bis der Honig „startet“ und kann dann mit dem Rühren beginnen.

    Hat er, die für mich passende Konsistenz, dann fülle ich ihn ab.

    Nur nachgehakt: wenn er im Eimer dann bockelhart durchkristallisiert, macht er das nicht auch im Glas?

  • Nur nachgehakt: wenn er im Eimer dann bockelhart durchkristallisiert, macht er das nicht auch im Glas?

    Der richtig gerührte Honig wird nicht mehr hart, höchstens steifcremig - im Glas wie im Eimer.

    Wird er nicht gerührt, wird er eben hart - auch im Glas.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Solange der Honig nicht anfängt zu kristallieren (Eintrübung), macht Rühren keinen Sinn.

    Die Kristallisation beginnt an den Gefäßwänden, das bleibt unsichtbar. Durch das Rühren werden die Keime von den Gefäßwänden ins Volumen befördert. Der vor dem Rühren klare Honig trübt sich dann gut sichtbar ein.

    Wenn man erst rührt, wenn der Honig sich im Volumen getrübt hat, sind die Keime an den Gefäßwänden bereits gewachsen. Dadurch wird das Ergebnis suboptimal.

    Meine Empfehlung: Den klaren Honig ab und zu für 1min maschinell rühren, dabei den Rührer an den Gefäßwänden entlang führen und schauen, ob der Honig sich dabei eintrübt. Wenn das der Fall ist, 2x pro Tag für 2min gründlich weiterrühren.

    Honig erst fest werden zu lassen, antauen und dann cremig rühren, ist keine gute Lösung. Die Kristalle verlieren dann ihre Fähigkeit, ein Gerüst zu bilden, und der Honig wird breiig statt feinsteif. Außerdem spürt man bei Verzehr die Kristalle.

    Gruß Ralph

  • Von Hand rühren mit einem langen Teigschaber oder einem Kochlöffel mit gerader Seite geht in den 10-Liter-Eimern auch prima, da braucht man anfangs keine Maschine. An allen Wänden und am Boden entlang fahren und Honig von unten nach oben heben, bis keine Schlieren mehr sichtbar sind. Das ist für mich eher ein Kriterium als eine bestimmte Zeit. Am nächsten Tag wieder.

  • Wenn man erst rührt, wenn der Honig sich im Volumen getrübt hat, sind die Keime an den Gefäßwänden bereits gewachsen.

    Das scheint stark mit dem verwendeten Gefäßmaterial zu tun zu haben. Bei Edelstahl kenne ich das gar nicht.


    Wolfgang

    Unfähigkeit nimmt, aus der Ferne betrachtet, gern die Gestalt des Verhängnisses an (G. Haefs)

  • Von Hand rühren mit einem langen Teigschaber oder einem Kochlöffel mit gerader Seite geht in den 10-Liter-Eimern auch prima, da braucht man anfangs keine Maschine. An allen Wänden und am Boden entlang fahren und Honig von unten nach oben heben, bis keine Schlieren mehr sichtbar sind. Das ist für mich eher ein Kriterium als eine bestimmte Zeit. Am nächsten Tag wieder.

    Besser 4kant-Buchenstab, 1m lang, ca. 1,5x1,5cm oder rechteckig aus dem Baumarkt, geht am besten an geraden Eimerwänden entlang. Kann man vorher mit kochendem Wasser desinfizieren (natürlich wieder trocknen lassen) und nach Benutzung ebenfalls mit heissem Wasser abspülen, trocknen lassen, am nächsten Tag wieder benutzen. 2-3min täglich. Wenn es immer schwergängiger wird und sich mein 10x20mm-Holz im vollen 10kg Eimer beim (Hand)Rühren biegt, wird es Zeit zur Abfüllung.

    Und vielleicht mal ein paar Euro in ein Glas Impfhonig vom Nachbarimker oder Paten investieren. 500gr auf 10 oder 20kg verfälschen da ja nicht den Charakter des eigenen Honigs.


    Grüsse, Robert

  • Hallo ihr Lieben,

    Ich imkere erst seit diesem Jahr und habe nun angefangen meinen Frühtrachthonig zu rühren.

    Er war nie klar... Ich hatte ihn in Eimern im Keller stehen und als er anfing fest zu werden habe ich heute das erste mal den Rührer rein. Nun meine Fragen:

    1. Er schmeckt gut aber mega krisselig auf der Zunge. Geht das durch kontinuierliches Rühren weg?

    2. Reicht auch einmal am Tag rühren, dafür länger?

    3. Was ist schlimm daran, wenn doch wieder Luftblasen rein kommen? Geht es da nur um die Optik?


    Gruß,

    Linda