Völker möglichst schnell vermehren

  • Guten Tag zusammen!


    Dies ist mein erster Beitrag. Ich habe erst heuer mit der Imkerei angefangen, d. h. theoretisches Wissen und praktische Erfahrung stehen in krassem Gegensatz zueinander. Ich arbeite mit 12er Dadant modifiziert. Momentan besitze ich vier Völker: einen Buckfastschwarm mit Königin unklarer Genese und drei sehr kräftige Carnica-Völker, zwei davon tendenzielle Stecher. Entweder wurden sie mir verkauft, weil der Vorbesitzer sie loswerden wollte, oder ich hab mich als Anfänger zu dusslig angestellt und die Mädel narrisch gemacht. Vor allem der Umzug von einer Zanderbeute in die Dadant war etwas harzig und mit viel Beunruhigung verbunden; aber mittlerweile sind alle Zanderrähmchen draußen.


    Meine Ziele: Ich möchte a) die Stecher loswerden, b) nur noch Buckfastvölker haben, c) mit mindestens 20 überlebensfähigen Völkern in den Winter gehen und d) möglichst bald Königinnen selbst züchten. Langfristig könnte ich mir einen Völkerbestand von 60 bis 100 vorstellen. Das Umweiseln der Carnicavölker werde ich im August/September vornehmen, oder ginge es via Kunstschwarm auch jetzt schon? Was die Buckfastzucht betrifft, plane ich, mir umgehend eine belegstellenbegattete Königin zu kaufen, von ihren Nachkommen 32 umzularven und die Jungköniginnen auf der Belegstelle begatten zu lassen. Dazu schwanke ich noch zwischen MiniPlus und Kieler Begattungskasten. Ist das alles sinnvoll oder Quatsch? Was würdet ihr mir raten? Ich bin für jeden Tip dankbar.


    Zum MiniPlus: Was ich an diesem System nicht verstehe: Ich höre und lese immer wieder, dass man Bienen in MiniPlus sehr gut überwintern kann, aber was hat das für einen Vorteil gegenüber der kompakten Kugel in einer 12er Dadantbeute? Habe ich nicht, wenn ich drei MiniPlus übereinanderstelle, die Nachteile des geteilten Brutraums wie bei Zander? Ist die Überwinterung im Kieler Kasten genauso gut möglich?


    Vielen Dank für eure Bemühungen!

    Euer Reischbeira Greenhorn

  • Hauerha, das sind ja ehrgeizige Pläne...

    Die Antwort zu a) (umweiseln) sowie c) und d) (kauf halt nur Buckfast-Völker...) hast du dir ja selbst schon gegeben. Aber - und ich möchte dir nichts absprechen - dein Turboboost auf mindestens 20 Völker bis zum Herbst ist schon krass... Hast du denn schon mal eine Saison mit Bienen durch? Honigernte, Varroa-Konzept, Einwinterung, ... Das alles ist mit 4 Völkern wesentlich einfacher zu erlernen und bewerkstelligen, als mit > 20. Und schonender für die Bienen und dich.

  • Hallo,


    deine Motivation in allen Ehren, jedoch habe ich letztes Jahr schon bei 2 befreundeten Imkern gesehen wie schnell so ein Wachstum in Überforderung ausarten kann. Der eine hat gleich mit 12 Völkern gestartet und auf 20 vermehrt. Wenn dann über die hälfte im ersten Winter über den Jordan geht bringt das dich und die Bienen auch nicht viel weiter.


    Für das erste Jahr hast du dir in meinen Augen ein paar Ziele zu viel gesetzt.


    a) Stecher loswerden ist kein Problem, am einfachsten nach der Saison umweiseln und gut ist.


    b) siehe a), schau bei der gdeb.eu oder peedigreeapis.org nach einem Züchter in deiner Nähe oder nach Material was dir gefällt.


    c) von 4 auf 20 ist schon ne Nummer. Auch hier suchst du dir am besten jemand der dir begattete Königinnen liefern kann und bildest Ableger, Ableger, Ablerger. Denk aber dran dass du dann mit diesen Völkern dieses Jahr keinen Honig mehr machst.

    Wenn du viele Ableger machen möchstest schau mal nach Ablegerbildung nach Jos Guth, ist aber eigentlich nix für Anfänger.


    d) würd ich erst mal ganz hinten anschieben, genau wie jetzt auf Biegen und Brechen noch 32 Königinnen auf die Belegstelle zu schicken. Dafür brauchst du Bienen mit denen du die BGK füllst und hier beißt sich dein Plan mit der Ablegerbildung, weil du diese Bienen dann nicht in deinem Ableger hast. Wir haben jetzt schon fast Ende Mai und einen Ableger sollstest du jetzt auch nicht mit nur einer Brutwabe bilden. Mini-Plus oder Kieler ist geschmackssache bzw. die Frage was deine Belegstelle annimmt. Gerade das Thema Zucht ist eigentlich eine Klasse für sich die man nicht einfach mal so nebenher angeht. Dafür sollte das "Tagesgeschäft" sitzen.


    Zu Mini-Plus: Mini-Plus wird gern mal verwendet um Reserveköniginnen in kleineren Einheiten zu überwintern. Das ist nichts für Ableger oder Wirtschaftsvölker und eine kleine Imkerei neben den 12er Dadant.


    Mein Tip/Rat: Mach ein Schritt nach dem anderen und erfreue dich an deinen Bienen. Ableger kann man ja ruhig machen um den Bestand zu vergrößern, aber ich würde erst mal schauen alle Völker in und aus dem Winter rauszubekommen.


    Gruß Chris


  • Ich habe erst heuer mit der Imkerei angefangen, d. h. theoretisches Wissen und praktische Erfahrung stehen in krassem Gegensatz zueinander.


    Hm, ich würde dringend dazu raten, erstmal ein, besser zwei Jahre mit überschaubarem Bestand zu arbeiten, dann kannst auch viel besser abschätzen, wie die Beanspruchung durch die Imkerei ausschaut. Letztendlich geht es hier um die Verantwortung für Lebewesen, für deren Wohlergehen der Imker zuständig ist.


    Mein Vorschlag: setz dir für jedes Jahr ein Hauptziel, und im ersten Jahr sollte das erst einmal die unfallfreie Führung der Völker durch das Jahr sein. Stark vermehren kannst du durch starkes Schröpfen auch 2018, so dass du vermutlich schon an die acht Völker einwintern kannst. Wenn du meinst, dass das zu einfach war kannst du 2019 von da immer noch auf 20 Völker aufstocken.


    Was deine Stecher angeht: Im ersten Jahr hatte ich auch "welche". Ich setze die Anführungszeichen, da ich mir mittlerweile ziemlich sicher bin, dass der Imker (ich!) die Bienen vergrätzt hat, denn im Folgejahr waren die Bienen lammfromm. Was will ich damit sagen ? Vorsicht mit der Bezeichnung Stecher. Kannst du neben der Beute ohne Schleier hocken und das Flugloch betrachten ? Hängen dir Bienen im Schleier nachdem du die Beute geöffnet hast ?


    Gib Ihnen Zeit, über das Knie gebrochene Entscheidungen und Aktionismus sind in der Imkerei oft schädlich.


    Viel Erfolg und beste Grüße


    Peter

  • Meine Ziele: Ich möchte ...

    mit mindestens 20 überlebensfähigen Völkern in den Winter gehen und ...

    könnte ich mir einen Völkerbestand von 60 bis 100 vorstellen.

    Hüstel....

    Bevor du diese leicht größenwahnsinnigen Pläne verwirklichst solltest du erst mal deine 4 Völker in den Griff und schließlich über den Winter bringen....

    :)


    Im Ernst: 100 Völker. Willst du nebenbei auch noch Arbeiten oder hast Familie? Hast du noch andere Hobbies? Mit 100 Völkern hast du für NICHTS mehr Zeit.


    In meiner Spitzenzeit hatte ich 49 und war kurz vor dem Durchdrehen.

    Bei so vielen Völkern kannst du KEINES mehr GUT betreuen. Zumal dir die praktische Erfahrung fehlt, wie du ja schon selbst richtigerweise erkannt hast.


    Paß auf daß die Imkerei nicht zu einem Stohfeuer wird, das wäre sehr schade. Lieber mit wenigen Völkern viel Freude als mit vielen Völkern wenig Freude (weils nur noch Arbeit ist)...


    Alex

  • Ich mag da jetzt garnicht groß auf die Sinnhaftigkeit und die Machbarkeit des Planes eingehen, als Anfänger von 4 Auf 80 Völker zu erweitern, aber mal kurz auf den finanziellen Aspekt aufmerksam machen...


    Hast du gerade 50.000€+ auf der hohen Kante liegen für so einen Plan?


    Man nehme nur mal 100 Beuten + Honigräume + Rähmchen (weil man ja Puffer braucht) und Zack sind 25.000 Euro weg.

    Dann hast du aber noch keine 4.000 Mittelwände für deine HRs, die du bei dem Wachstum nicht auf eigenwachs bekommen kannst? Zack 4.000 Euro

    Equipment zum Entdeckeln? Zack 1.500 Euro

    Schleuder? Zack 5.000 Euro

    Klärtanks, Pumpen, Lagertanks, Abfüllmaschine? Zack 15.000 Euro

    Kleinzeug? Zack 5.000 Euro

    Hast du eine Halle/LKw-Garage um Equipment zu lagern?

    Hast du einen Honigraum der zur Lebensmittel-Verarbeitung taugt?


    Ich möchte dich hier nicht angreifen o.Ä., nur klarstellen, dass so ein Wachstum mit großen finanziellen Aufwänden verbunden ist.

    Stecke zur Zeit in der Marterie nämlich auch ein bisschen drin: Praxiserfahrung mit Verarbeitung großer Honigmengen


    Nur Mut.


    Beste Grüße,

    Luis

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


  • Mein Tipp: Eins nach dem anderen!


    Der Anfangspost erinnert mich gerade an ein Gespräch bei mir im Imkerverein. Da wollte ein Neuling auch von 4 auf 20+ aufstocken. Mein Einwand: Was bringen dir so viele kleine Ableger im Frühjahr 2019? Diese machen bis zur Honigernte mehr Arbeit als vernünftige Wirtschaftsvölker. Zur Ernte machen die dann so gut wie keine Arbeit und eine große Vermehrung wird mit kleinen Völkern auch schwierig.


    Meine Empfehlung wäre ein organisches Wachstum (grob jährliche Verdopplung der Völkerzahl) und Konzentration auf gute Überwinterungsquoten.


    Bedenke auch, dass die Arbeitsabläufe und Gerätschaften bei 4, 20, 50 und 100 Völkern grundsätzlich anders sind!


    Grüße vom Apidät

  • Hi,

    so viele Antworten in kurzer Zeit, ich bin begeistert. Dass meine Pläne ehrgeizig sind, ist mir klar. Aber ich bin jetzt Rentner und jeden Tag mehr begeistert von der Imkerei. Glücklicherweise macht auch meine Frau voll mit. Was die Investitionen angeht, ja ich wäre bereit, das Geld auszugeben, möchte es aber nicht in den Sand setzen. 80 Völker sind nur eine Langfristidee, die ich mir irgendwann vorstellen könnte, vor allem, weil mich der Zuchtgedanke fasziniert. Konkret im Sinn habe ich erst mal 20 Völker, die zu betreuen ich mir schon zutraue, zudem ich einen sehr erfahrenen Imkervater zu Rate ziehen kann, den ich aber nicht überstrapazieren möchte. Zwei schöne, 5 km auseinanderliegende Standplätze habe ich auf eigenem Grund und einen weiteren bei einem befreundeten Ziegenbauern, der sich über die Bienen freut. Dass ich gleich wieder aufgebe, glaube ich nicht. Dazu bin ich von der Buckfastidee zu sehr begeistert. Und sorgfältiges Arbeiten und Dokumentieren bin ich gewohnt.

  • Was die Buckfastzucht betrifft, plane ich, mir umgehend eine belegstellenbegattete Königin zu kaufen, von ihren Nachkommen 32 umzularven und die Jungköniginnen auf der Belegstelle begatten zu lassen.

    Es bringt nix mal eine Königin zu kaufen und die muss dann die neue Zuchtmutter sein. Dazu legt man erstmal Geld hin um mehrere potentielle Zuchtmütter zu kaufen, davon dann zu selektieren um 1-2 Jahre später zu wissen welche das hat was man sucht.

    Man kann da schnell irgendwo rein rennen und hat dann aus heiterem Himmel 50 Völker mit Kalkbrut an der Backe.

    Gruß Markus


    Ubi apis, ibi salus 
    Wo Bienen sind, dort ist Gesundheit

  • Was die Buckfastzucht betrifft, plane ich, mir umgehend eine belegstellenbegattete Königin zu kaufen, von ihren Nachkommen 32 umzularven und die Jungköniginnen auf der Belegstelle begatten zu lassen.

    Wäre mir ein zu großes Wagnis eine "ungeprüfte" Königin direkt zum umlarven zu nutzen. Du weißt doch gar nicht, wie die Königin überwintert oder welcher Honigertrag erwirtschaftet wird. Wenn du eine Zuchtmutter suchst, mit welcher du deine Imkerei erweitern willst, empfehle ich Dir im Spätsommer bei Vermehrern oder Züchtern nach Belegstellen begatteten Königinnen aus dem letzten Jahr zu fragen. Hier fallen immer Königinnen an, welche für den Zuchtbetrieb nicht geeignet sind, aber aufgrund der Eigenschaft überdurchschnittlich sind und sich daher hervorragend für die Vermehrung eignen. Hier kannst du dann direkt über Kunstschwarm auch direkt einen Start für den M+ Betrieb setzen. Bienen können optimal zum Start des neuen Volkes behandelt werden, mit entsprechender Fütterung und Größe des KS erzielst du ein starkes M+ Volk, sodass du im nächsten Jahr aus dem überwintereten Volk im Mai 8 - 10 weitere M+ Ableger für deine Königinvermehrung erstellen kannst.


    Bei den Plänen empfehle ich Honig, Ableger und Königin Betrieb zu trennen und jeweils als Imkerei in der Imkerei anzusehen.


    Grüße,

    Marco


    And that's the way it is (Walter Cronkite)