Beutenform DN1,5 vs. Dadant

  • Liebe Imker*innen,


    vor zwei Jahren hatten wir hier eine Diskussion zu Betriebsweisen - speziell Dadant versus DN1,5 (finde es leider nicht mehr). Es ging u.a. darum, dass die Völker in gut isolierten Styropor DN1,5 Kästen schnellere Entwicklung zeigen als in vergleichbaren Holzkästen, was ja auf der Hand liegt. Der Nachteil dieser Entwicklung ist dann aber gleichzeitig die frühere Schwarmstimmung. Seinerzeit wurde von Bernhard H. darauf hingewiesen, dass die Geometrie der Waben ein wesentlicher Faktor im Schwarmgeschehen darstellt, dass eine "Breitwabe" wie z.B. Dadant eher schwarmdämpfenden Einfluss hat gegenüber einer nahezu quadratischen Wabe wie bei DN1,5.


    Ich wollte das ausprobieren; denn wenn man über die Beuten/Wabenform Einfluss nehmen kann, sollte man es unbedingt tun. Somit habe ich folgende Vergleichsanordnung zurechtgestellt:


    Vier Völker wurden per TBE letztes Jahr von DN1,5 auf DD-Beuten (12er) transferiert. Zwei der Völker waren 2017 nicht schwarmlustig (Bf- und El-Kö' von 2016), die zwei anderen - ebenfalls Bf und El - sehr wohl. Als Vergleichsvölker blieben Schwesterkö' auf DN1,5 Styro-Beuten, neben weiteren Völkern.


    Bei der Überwinterung gab es keine Verluste - alle überlebten unauffällig den Winter. Schied wurde im frühen Februar gesetzt - bei den DD-Völkern in Holzbeuten je ein Isolierschied (Wagner) an die Beutenwand und nach 4 bis 5 Waben; bei den DN1,5 Styro-Beuten ein einfaches Sperrholzbrett nach gleichem Prinzip.


    Die Durchlenzung verlief erwartungsgemäß - die Völker in den DN1,5 Styro-Beuten entwickelten sich deutlich schneller als die in den Holzbeuten. Erste Honigräume erhielten die DN1,5-Völker Ende März zur Weidenblüte, die DD-Völker ebenso. Letztere mussten diese jedoch noch ausbauen, da keine DD-Honigräume mit Leerwaben verfügbar waren. Die DN1,5 Völker erhielten den 2. HR zum Bauen. Diesem Umstand muss bei der Honigleistung Rechnung getragen werden, aber darum geht's ja nicht, sondern um das Schwarmverhalten.


    Durch den kontinuierlich guten Trachtverlauf trugen die Völker gut ein und eine ausgezeichnete Frühtrachternte zeichnet sich ab. Mittlerweile haben die DN1,5 Völker 4 Flachzargen komplett gefüllt (> 45 kg!) und bei einigen musste ich auf DN-Honigräume zurückgreifen, um Wildbau hinter dem Schied zu vermeiden.

    Die DD-Völker haben derz. 2 HR komplett ausgebaut und diese zu 80 % gefüllt (fast 40 kg - es sind 13 Rähmchen im HR) - der 3. HR kommt jetzt drauf, wo die Robinie blüht.


    Erste Spielnäpfchen in den DN1,5-Völkern konnten Ende April registriert werden, bei den DD-Völkern ca. 2 Wochen später. Da die Völker letztjährig mit kontinuierlichem Entfernen der WZ über die Schwarmsaison gebracht werden konnten, ohne dass ein Schwarm abging, wurde das auch dieses Jahr so gehandhabt. Bisher sind noch alle in ihren Beuten.


    Interessant ist aber die Beobachtung, dass exakt die Völker, welche im letzten Jahr in DN1,5 Styrobeuten schwarmlustig waren, auch in diesem Jahr das gleiche Verhalten zeigen - unabhängig vom Beutenmaß und -Material. Es ist keine exakte Vergleichssituation, jedoch sollte der notwendige Ausbau von Honigraumwaben bei den "Dadantlern"(tw. MW und Anfangsstreifen) die Schwarmlust dämpfen. Das war nicht zu beobachten, sondern die Genetik hat offensichtlich hier den größeren Einfluss.


    Fazit für mich: Schwarmverhalten ist möglw. durch die Wahl der Beutengeometrie und des -Materials beeinflussbar, jedoch schlägt die Genetik der jew. Kö' stärker durch. Konsequenz - finde eine schwarmträge Linie!


    Das ist alles nicht neu und ich will auch nichts verallgemeinern, sondern nur die Beobachtungen schildern.


    Noch zwei Randbemerkungen:


    Eines der besten aktuellen Völker hat eine Ca-Kö', die versehentlich bei der TBE im Juli 2017 gezogen wurde. Die Alt-Kö' landete im Brutsammler und das Volk zog sich auf der Fangwabe eine Neue. Es hat 4 Flachzargen voll getragen und füllt gerade den DN-HR als 5. Zarge. Schwarmtendenz - ab und zu Spielnäpfchen...


    Ein anderes Volk auf DN1,0 als Brutraum konnte selbst durch Einengung mittels provozierter Honigstapelung im Brutraum nicht in Schwarmstimmung gebracht werden und das, obwohl die Kö' schon im 3. Wirtschaftsjahr ist (4. LJ). Nachdem wieder Raum im HR gegeben wurde, hat das Volk den ganzen Nektar nach oben transportiert und arbeitet ruhig weiter. Das unterstützt die unter Fazit genannte Folgerung des immensen genetischen Einflusses.


    Beste Grüße


    Rainer

  • Fazit für mich: Schwarmverhalten ist möglw. durch die Wahl der Beutengeometrie und des -Materials beeinflussbar, jedoch schlägt die Genetik der jew. Kö' stärker durch. Konsequenz - finde eine schwarmträge Linie!


    Das ist alles nicht neu und ich will auch nichts verallgemeinern, sondern nur die Beobachtungen schildern.

    Moin moin,

    dies konnte ich auch schon beobachten bzw. feststellen.

    In Kombination mit einer vermeintlich schwarmträgen Biene hat man wenig bis gar nichts mit schwärmen am Hut.

  • ... in diesem Jahr sind mir wirklich alle Queens von der Belegstelle abgeschwirrt und zwar in den identischen Beuten an zwei sehr verschiedenen Standorten (Raps ohne Robinie vs. Stadttracht mit Robinie). :cursing:

    Auf welcher Belegstelle waren sie ? Und - saßen sie in DN1,5 Styro-Beuten ?

  • Kohnert-Buche...und sassen in DN 1,5 Segeberger.

    Dialektik - was ein Vorteil ist, wird auch oft zum Nachteil. Die schnellere Entwicklung im FJ in den gut isolierenden Styro-Beuten führt mglw. zu früherer Schwarmtriebigkeit im Vgl. zu Holzbeuten. Oder anders formuliert: der genetische "Fingerabdruck" bezüglich Schwarmverhalten unterliegt in Styro-Beuten einer härteren Prüfung... - was da nicht schwärmen will ist schwarmträge.