Modifiziertes Nass-Schmelzen mit Siebeinsatz

  • Liebe Wachs-Aufarbeiter,


    Ich habe heuer meine Wachsküche durchgezogen und 13 Stunden am Stück das ganze Entdeckelungswachs und die bebrüteten Waben aus der totalen Brutentnahme des Vorjahres (aus 10 Völkern) ausgeschmolzen. Dieses Mal habe ich das Nass-Schmelzen probiert, das ja Bernhard schon mal im Video zeigte: im Waschkessel mit kochendem Regenwasser.


    Allerdings habe ich das etwas modifiziert und einen Siebeinsatz gebastelt: Drahtgaze zum Zylinder geformt und mit Rähmchendraht vernäht, an einer Holzleiste befestigt und so in eine Halbrunde Form gezwängt. Dann einen Wäschesack darüber und das in den Kessel gestellt und darin dann die Waben geschmolzen. Der Vorteil ist, dass der Trester dann eng zusammen bleibt und man vor diesem Einsatz [IMG:https://www.hymenoptera.de/sites/hymenoptera.de/files/2017-04/IMG_20180425_113406.jpg]einen Bereich hat, der tresterfrei bleibt. Da kann man das Wachs gut abschöpfen und die Rähmchen "nachspülen". Das abgeschöpfte Wachs wurde kurz durch ein Sieb gegeben und in einem vorgehaltenen Edelstahleimer im heissen Wasserbad flüssig gehalten bis ausreichend zusammen kam um dann erneut in einen Eimer gesiebt und zum langsamen Abkühlen in Decken und alten Segebergern gelagert zu werden.

    [IMG:https://www.hymenoptera.de/sites/hymenoptera.de/files/2017-04/IMG_20180425_114105.jpg]


    Den Trester habe ich dann immer wieder mit einem Küchensieb abgeschöpft, ausgedrückt und mit kochendem Wasser aus dem Kessel ausgespült so dass der Trester recht trocken und wachsfrei auf dem Konpost landete.

    Diesen Part könnte man noch beschleunigen (größeres Sieb, flotte Lotte o.ä.) aber der Rest funktionierte schon sehr gut.


    Zudem kann man am Ende den Einsatz einfach herausheben und der restliche Trester bleibt im Wäschesack hängen - das im Kessel verbleibende Wachs kann dann in den nächsten 24-36 Stunden abkühlen und bildet einen kompakten Wachsblock ohne größere Trestermengen - den werde ich noch mal aufschmelzen und sieben aber dann ist das auch gut verarbeitet.


    Insgesamt ein schnelles und effizientes Verfahren - Regenwasser und Altholz genügten; dennoch tierischer Muskelkater am nächsten Tag...aber endlich wieder freie Wachseimer!


    Grüße

    Melanie

  • Hallo Hymenoptera , wenn ich mal den Wachs zum säubern aufkoche, filter ich auch durch ein Gartenflies. Ist ok. Bessere Ergebnisse habe ich aber, wenn ich die rohen Blöcke nochmal im Dampfwachsschmelzer durch lasse. Dabei lege ich eine Lage Jute vom Sack auf das Lochblech.
    Was da dann durch kommt ist gut sauber.


    Grüße Thomas

    Morgen ist die Summe aus gestern und heute :daumen:

  • Was spricht gegen die legendären Damenstrümpfe als Filterbezug der Lochblech- oder Drahsiebfilter? Ich benutze die seit jeher im Wabenschmelzturm (mit Edelstahltrichter + Plastikhobbock als Wachsauffangeimer und Tapetenablöser als Dampferzeuger). Tresterreste drücke ich ab und zu mit einer Maurerkelle am Trichterblech aus, bevor ich sie entferne. Getrocknet geben die noch einmal schnelle Hitze im Kamin wegen der darin enthaltenen Wachsreste. Den Wachshobbock entnehme ich, wenn er voll ist und lasse ihn wärmeisoliert langsam über Nacht auskühlen. Ein nochmaliges Aufschmelzen zur Nachfilterung war noch nie nötig. Allerdings stört mich ein Bienenbein o.a. Chitinrest in jeder 10.en MW auch nicht.

    Für Kerzenwachs mag das Nachschmelzen erforderlich sein.

    Ich erziele eine Ausbeute von rd. 70 ... 80g Wachs/Zanderwabe (vorwiegend Naturbau) und schätze daher den Wachsverlust auf reichlich 10% - berechnet nach Faustformel: Schmelzwachsgesamtmenge dividiert durch Anzahl der ausgeschmolzenen Rä. Das Za-Rä enthält bei mir im Naturbau ca. 90g Wachs (repräsentatives Abwiegen unbebrüteten Wabenwerks - allerdings mit großen Speicher- bzw. Drohnenzellen). Entdeckelungswachs wiege ich vor dem Ausschmelzen und ziehe das von der Schmelzwachsmenge vorweg ab, weil ich bei Entdeckelungswachs eine Ausbeute von annähernd 100% unterstelle und dieses Wachs ohnehin separat eingeschmolzen/gesammelt wird (= 1. Schmelzgang, bevor die BrW drankommen).

    @Melanie: Kannst Du etwas zur Wachsausbeute im Kesselschmelzverfahren sagen?

  • Es geht mir ja nur um grobe Vergleichszahlen. Mglw. ist meine Schätzung von 10% Wachsverlust auch zu hoch angesetzt. Mein Trester wirkt ebenfalls sehr trocken. Beim Verheizen merke ich aber, daß da noch gewisse Wachsreste enthalten sind. Manchmal sieht man die sogar (Tröpchenform in einem zellenförmigen Häutchenrest),

    Hymenoptera : Läßt sich der Entdeckelungswachsanteil nicht grob überschlagen/in Rä.größen umrechnen/wenigstens anteilig im Verhältnis zum bebrüteten Wachs abschätzen und die Menge der ausgeschmolzenen BrRä. zählen?

    @all: Oder hat ein anderer Kesselausschmelzer mal den Wachsertrag einer Brutwabenschmelzcharge durch die Anzahl der ausgeschmolzenen Rä. dividiert und so den Durchschnittsertrag ausgerechnet? Bernhard schrieb ja einmal, daß er die BrW vor dem Einschmelzen mehrere Tage lang wässert und einen spürbaren Mehrertrag verzeichnet. Konkrete Zahlen gab aber auch er sr. Zt. nicht an.

  • ribes Bienenwachsverarbeitung bei Erich Hödl


    Erich Hödl betreibt mit seiner Familie einen Bienenwachsverarbeitungsbetrieb in der Südoststeiermark, Wachs Hödl. Es wird über seine “Wachsküche” und die Kunst und das Handwerk der Bienenwachsverarbeitung. Dabei spricht er auch über die Ausbeute von Wachs aus Brutwaben durch Pressen des "Brei" mit viel Wasser und vorherigem Aufkochen.


    LG Andreas