Honigraumköniginnen nach Rainer abgewandelt

  • Hallo zusammen,


    mal wieder ein Gedankenspiel mit eurer Bitte um Einschätzung und der Bitte um Aufzeigen der möglichen Nachteile und Klippen. :)


    Man nehme: ein starkes Volk auf zwei Bruträumen DNM, darüber zwei Honigräume, auch DNM 1.0 Die Honigräume verbleiben nach Rainer am Platz, die Bruträume werden am Stand verstellt. Die Zuchtlatte wird nach zwei Stunden gegeben, alles nach Plan. Jetzt die Abweichung: Man lasse alles für 5 Tage so stehen, das Brutvolk bekommt zur Sicherheit einen Honigraum. Das lässt sogar Luft, um noch nichtangepflegte Zellen am Honigraumstandort zu ersetzen. Danach erfolgt die Teilung des Brutvolkes in einen Königinnenableger am Standort, auf den es verstellt wurde - die Königin behält alle in den 5 Tagen eingeflogenen Flugbienen, das Volk wird rückvereinigt und behält später eine veredelte Zelle, wenn die gekäfigten Zellen aufgeteilt werden.


    Die Königin, die dieses echt starke Volk gebaut hat, hat am neuen Standort bestimmt die Kraft, einen ordentlichen Ableger aufzubauen. Das Brutvolk bekommt eine ausgesuchte Jungkönigin, die im Volk schlüpft und genug Vorsprung vor Nachschaffung haben sollte, die jedoch als Backup (wahrscheinlich?) doch angelegt wird. Die Zellen wiederum sind durchgängig weisellos gepflegt worden bis zur Verdeckelung.


    Kling das nach nem Plan? :)


    Grüße

    Holger

  • Hallo Holger,


    leider kann ich nicht beurteilen ob es so hervorragend klappt. Die Variante von Reiner hat bei mir im letzten Jahr nicht so gut funktioniert, es war aber auch relativ kalt und regnerisch. Ausserdem war der Brutraum so stark, dass Schwarmstimmung aufkam. Fehler meinerseits, weil ich über 3h gebraucht habe.


    Dieses Jahr werde ich die Methode nach Guth anwenden, bzw. Starter nach Werner Gerdes. Auch hierbei verbleibt der Honigraum am Platz, die Bruträume werden verstellt. Die Abweichung liegt darin, dass man etwa die Hälfte der Bienenmasse aus den Bruträumen in den Honigraum fegt (Natürlich ohne Königin). Bevorzugt Bienen von offenen Brutwaben. Dies sollte auch jegliche Schwarmgedanken in diesem Volksteil beenden. Ein Honigrähmchen entfernen und sofort (keine bis 2h Wartezeit) die Zuchtlatte mittig einzetzen.


    Nach Werner Gerdes verringert man die Anzahl der Honigräume mit einer Bienenflucht auf einen und zwar einen Tag vor dem Umlarven. Die anderen (jetzt leeren) Honigräume auf andere Völker verteilen.


    Rechts und links der Zuchtlatte kann man direkt zusätzliche Zellen einhängen, als Ersatz falls nicht alle Larven angenommen werden.


    Nach 24h (36-48h sollen wohl auch gehen, dazu fehlen mir aber gute Quellen) würde ich alles rückvereinigen, weil die Aufzucht in einem weißelrichtigen Volk besser sein soll. Man sollte die Zellen jedoch gegen Verbau schützen.


    Vielleicht hat ja jemand anderes Erfahrung, ob es mit einem gleichzeitigen Königinnenableger und der Pflege in einem weißellosen Volk klappt. Aber was die schlüpfende Jungkönigin soll, leuchtet mir nicht ein. Willst du vorab schonmal nachziehen? Nachschaffung kann man notfalls noch brechen, falls diese überhaupt angelegt werden sollte, bei sovielen angepflegten Zellen sehe ich da nur kleine Risiken (hat da jemand Erfahrung?).


    Grüße Andreas

  • Hallo, Holger! Ich kenne mich zwar nur mit der Theorie der Königinnenvermehrung aus und habe deshalb zuerst davon abgesehen, Dir zu antworten. Da aber nicht viele Antworten kommen, will ich trotzdem auch noch meinen Senf dazu geben: Das Starter-Finisher-Prinzip scheint schon lange Jahrzehnte angewandt zu werden. Sogar bei Gerstung ist es erwähnt (ausser, ich habe das völlig falsch verstanden). Die Pflege der angezogenen Zellen im weiselrichtigen Finisher ist ein zentrales Element; offenbar pflegen weiselrichtige Völker besser als weisellose. Wenn es bei mir dann mal soweit sein wird, werde ich mich deshalb genau an das von Reiner beschriebene Vorgehen halten: Start im weisellosen Starter, Pflege im weiselrichtigen Finisher.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Wie viele Völker hast du? (steht nicht im Profil)

    Wie viele Königinnen willst du nachziehen?

    Wann brauchst du diese, und was genau soll mit denen passieren?

    Es gibt ja soo viele Möglichkeiten...

    Dein "Plan" wird schon funktionieren, aber irgendwie habe ich das Gefühl, du könntest einen besseren gebrauchen, denn genau solche Varianten habe ich vor 2-3 Jahren auch noch durchprobiert. War aber nie wirklich befriedigend, was dabei rauskam.

  • Kruppi


    aktuell 6 Völker, davon 4 mit Honigräumen, zwei Schwächlinge päppele ich für Bienenmasse, scheint zu funktionieren. Dazu noch zwei besiedelte MiniPlus, zusätzlich noch leer und vorbereitet Material in DN-Format und einige MiniPlus, die als Begattungseinheiten dienen sollen. Ziel ist so 8 bis 10 Wirtschaftsvölker pro Jahr zu führen und nebenbei Reserve (MP). Außerdem möchte ich das mit der Zuchtlatte einfach können, es interessiert mich :) Der Verein wächst und Verluste gibt es immer, also möchte ich da auch meinen Teil beitragen und Neueinsteigern ihr erstes Volk vorhalten, da möchte ich aber nicht mit "Notablegern" aus einer Brutwabe hantieren.


    Das Volk, was ich oben beschrieben habe, habe ich letztes Jahr als Brutling eines Volkes mit einer F1-Carnica erstellt. Die Mutter gibt es noch, also möchte ich gerne von der umlarven. Die beiden Königinnen haben mir im Vergleich zu den vorher an dem Stand (von einem Freund, der mich 3 Jahre eingewiesen hat) lebenden Völkern gezeigt, dass eine gute Königin einen sehr deutlichen Unterschied machen kann.


    Die grundlegende Frage ist also: Warum vereinigt man die Einheit so schnell wieder? Sind es für eine richtige Pflege dann doch nicht genug Bienen, die im Honigraum verbleiben? Die Ablegerbildung mit der Königin wäre mir in dem Fall halt ein schöner Nebeneffekt, ich kann die aber auch anders umsetzen, klar.


    Entschuldigt das "a" im threadtitel, es war schon spät :sleeping:


    Grüße

    Holger

  • Wie du aus 6 Völkern ohne den geringsten Verlust an Honig ganz einfach mindestens 16-22 machen kannst:


    1. bis Juli nur auf Honig konzentrieren, noch nicht auf Vermehrung!


    2. nach der Linde bei allen 6 Völkern totale Brutentnahme mit wenig Bienen, bis auf eine Wabe mit Stiften, auffüllen mit Mittelwänden.


    3. Mit den Brutwaben 2 3`er Ablegerkästen jeweils mit einer Altkönigin beiseite stellen und mit dem Rest einen 4-Zargigen Sammelbrutableger bilden. Da kann sofort eine Zuchtlatte mit den Larven deiner Wahl rein. Am nächsten Tag werden weniger als 12 Zellen angezogen sein, also nachlarven. Hast du 5 Tage später mehr als 16 verdeckelte Zellen kannst du auf den Waben im Sammelbruableger alle Zellen brechen und mindestens 4 Einheiten daraus machen mit jeweils einer Weiselzelle.


    3.2 Wenn du richtig dolle vermehren Willst kannst du an dieser Stelle sogar 12 daus machen!


    4. Auch die 6 Königinnen in den 2 3`er Abteilen können jetzt gegen eine Weiselzelle ausgetauscht werden. Weiterhin sind da noch die 6 TBE-Völker mit jeweils einer Wabe, auf der die Zellen gebrochen werden müssen und eine auserkorene Zelle aus dem Zuchtrahmen rein kommt.


    4.2 das Verwerfen einiger Zellen aus der ersten+zweiten Serie, die nur zur Beruhigung in die Völker gehangen werden, die Verwendung von Gelee Royale aus gebrochenen Weiselzellen erst nach 5 Tagen beim dritten Umlarven und das Umsetzen nach weiteren 5 Tagen in eine Brutbox, das nochmalige wilde-Zellen-brechen auf allen Waben, und letzten Endes der Zucht-Zellenaustausch erst als Krabbelzelle wäre natürlich das "i"-Tüpfelchen für echte Turbo-Queens, wenn du es perfekt machen willst...


    5. Brutfrei effektiv + schonend behandeln !


    6. nach ca. 3 Wochen alle neuen Königinnen zeichnen und die Völker zum einwintern aufteilen, ggf. ausgleichen, nochmal behandeln und einfüttern, schön lange, bis Anfang Oktober immer wieder die Futtertaschen füllen... alles auf einer Zarge, auch überwintern. Mit mindestens 11 Kg Zucker bzw. 16 Kg Futtersirup pro Volk mußt du etwa rechnen.


    7. Wenn mehr Weiselzellen bzw. Königinnen entstanden sind, als gebraucht wurden, kannst du natürlich auch mit Hilfe von Begattungskästchen die übrigen Königinnen nutzen und später noch zusätzliche Kunstschwärme bilden, dann gehst du halt mit 25 Völkern in den Winter, so ging es mir letztes Jahr jedenfalls (Start auch mit nur 6 Völkern), weil man ja nichts umkommen lassen will...:)


    Fazit: Königinnen- Nachzucht und Völkervermehrung läuft nach der letzten Ernte im Juli wesentlich einfacher und kostet kein bisschen Honig. Schon früher damit anzufangen macht nur Sinn, wenn du jetzt schon Königinnen für Kunstschwärme zum Verkauf brauchst und weniger Arbeit mit der Honigernte haben möchtest. Für den Eigenbedarf kannst du nach der Ernte qualitativ viel besser und mehr als genug vermehren.

  • Hallo Holger

    Mein Imkernachbar hat letztes Jahr, während einer Umlarvaktion, spontan Zuchtlatten in ein Weisel,- und Brutloses Volk gegeben. Die Annahme war sehr gut und es wurden auch die meisten verdeckelt.

    Geschlüpft sind aber nur 4 von weit mehr als 30 verdeckelten. Viele der nicht geschlüpften waren schwarz, einige noch am leben aber unterentwickelt.

    Ich denke es lag an der fehlenden Brut und damit der fehlenden Wärme. Ich kann mir gut vorstellen das die Vernachlässigung der meisten schon vor dem verdeckeln begann.


    denn genau solche Varianten habe ich vor 2-3 Jahren auch noch durchprobiert. War aber nie wirklich befriedigend, was dabei rauskam.

    Was meinst Du damit?

    Die Qualität oder Quantität der Königinen?


    Gruß Jakob

  • Die Qualität der Königinnen, aber auch schon die schlechte Annahmequote der Weiselnäpfchen .

    Die ist nicht besser, als bei einem Sammelbrutableger, bei dem man ohne warten sofort bei der Erstellung die Zuchtlatte mit reinhängt. Zum Teil war ich extra nach Hohen Neuendorf gefahren um Larven zu holen. Da ist es schon sehr enttäuschend, wenn von 24 Näpfchen nur ein paar wenige angezogen werden... und ohne Brutbox sind letzten Endes auch nie vernünftige Königinnen dabei herausgekommen, weil die Wärme im Honigraum einfach fehlt, da ist ein Sammelbrutableger viel besser. Wenn der richtig voll ist reicht die Wärme immerhin für brauchbare Königinnen.

  • Danke!

    Dabei klingt die Variante so gut für Imker mit nur ein paar Völkern, bis dann die ernüchternden Erfahrungen geschildert werden. ;(

    Einen Starter zu füllen braucht schon ein paar Bienen.


    Gruß Jakob

  • Kruppi


    Danke für deine sehr ausführlichen Erläuterungen, für mich eine sehr nachvollziehbare Vorgehensweise, die auch für mich handhabbar erscheint.


    Eine Nachfrage habe ich aber noch: Ist die Maden-Phase im Brutraum schon zu kühl? Also mal angenommen, ich würde so wie oben beschrieben 5 Tage lang "starten lassen" und dann die Zellen im Brutkasten "finishen", wie wäre die Einschätzung?


    Grüße

    Holger

  • Du brauchst doch nur 9 Brutwaben mit Bienen und einen Zuchtrahmen. Der Sammelbrutableger ist dann Starter und Finnischer zugleich. Das geht auch, wenn man nur ein paar Völker hat. Und aus den 9 Brutwaben macht man ja auch wieder neue Völker bis kein Platz mehr ist... :wink:

  • Das geht schon!

    Nur sehr streng an Rainers Vorgaben halten!

    Kruppi,

    Jos Guth etc machen Tausende Queens im HR!, allerdings mit Brutschrank ab Tag 6.

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • Moinsen,

    mit den Zuchtlatten sofort ohne Wartezeit reinhängen klappt nicht wirklich gut. Natürlich werden Zellen angepflegt, aber die Masse macht es! Ich habe das mal probiert: Ich habe den Starter erstellt und sofort die Zuchtlatte reingehangen. Dann habe ich weiter umgelarvt und etwas später die zweite gegeben. Einen Tag später dann nachgeschaut, wie es aussieht. Ergebnis:


    1. Latte: 2 von 15

    2. Latte 7 von 15


    Dann habe ich, also 24 Stunden später, nochmals nachgelarvt.


    Nachgelarvt: 15 von 15!


    Mein Fazit: Das Volk braucht eine Zeit, bis es in Pflegestimmung kommt. Dieses Jahr muss ich mal wieder Zuchtstoff von einem anderen Züchter holen. Daher werde ich einen Tag vorher mit einem Volk von mir Umlarven und dann die Zuchtrahmen am nächsten Tag mit dem "guten" Zuchtstoff vom anderen Züchter umlarven. Dann habe ich garantiert hohe Annahmen!


    Gruß

    Frank