Aggressives Volk

  • Hallo Profis,


    wie würdet ihr mit einem aggressiven Volk umgehen? Umweiseln geht ja momentan noch nicht. Sobald das Volk geöffnet wird hängen mir gleich 10 Bienen aggressiv im Schleier in Stichhaltung, also ohne Vollschutz kein Arbeiten möglich. Einzelne Bienen nehmen hartnäckig die Verfolgung auf wenn man den Stand verlässt und als ich dann 10 Meter vom Volk die Imkerjacke ausgezogen habe habe ich gleich einen Stich in den Kopf kassiert. Als Anfänger ist das etwas gewöhnungsbedürftig.

    Das Volk ist sehr stark, vital und laut Vorbesitzer sehr sammelwütig.


    Wie sind denn eure Völker so ?

    Lammfromm oder nur mit Vollschutz bearbeitbar ? Ich wunder mich über manche Videos bei Youtube, bei denen die Imker in kurzer Hose und T-Shirt vor den Bienen stehen.

    Besteht Handlungsbedarf ? Was könnte man machen ?

    Nachschau werde ich bei diesem Volk jetzt erst machen wenn meine Lederhandschuhe einetroffen sind ;)


    DANKE

  • Es gibt natürlich Fälle, wo die Agressivität akut und nicht chronisch ist (z.B. Weisellosigkeit). Aber ich habe selbst bei weisellosen Völkern kein so agressives Verhalten, wie Du es beschreibst. Sind denn Deine anderen Völker auch relativ stichig?

    Ich halte die Badehosenimkerei bei heutigen Bienen für den Normalfall. Das genannte Youtube-Video trügt also nicht und ich kann bei meinen Bienen auch das T-Shirt weglassen (meinetwegen auch die Hose, aber dazu sehe ich keinen Anlass).

    Es hört sich also so an, als hättest Du am Stand eine ungünstigte Genetik.


    Wenn das Volk weiselrichtig ist, kann Du mit dem Umweiseln ja warten, bis es begattete Königinnen gibt. Bis dahin (und bis sich die Bienenmasse dann erneuert hat) geht als halt so weiter wie bisher.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Das eigene Verhalten, Gerüche (z.B. Schweiss oder starkes Deo) und andere Faktoren können ebenfalls eine Aggressivität der Bienen begünstigen. Hunger, Weisellosigkeit oder «irgendwas» in der Luft können ebenfalls zu einer vorübergehend erhöhten Aggressivität führen. Bei mir war z.B. ein Volk nach der langen Kältewelle im Februar wegen einer Futterknappheit aggressiv. Ein anderes Volk war letzten Sommer aggressiv, während ich Ameisensäure langzeitverdunstet habe. Wenn ich schwitze oder verschwitzte Kleider trage, werde ich eher gestochen. Es muss also nicht zwingend die Genetik sein, obwohl ich so lange Verfolgungsjagden auch etwas extrem finde.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Ich hab gestern bei vollem Trachtflug mit dem Rasentraktor rings um die Beuten gemäht. Wurde selbst da nicht attackiert. Badehosenimkerei ist kein Märchen.


    Aber ich hatte auch schon andere Kandidaten. Umweiseln sobald die Möglichkeit besteht. Oder wenn sie tatsächlich so Sammelfreudig sind an nen unkritischen Stand verbringen und den Ertrag als Entschädigung sehen. Aber dann unbedingt Drohnenbrut schneiden.

  • meinetwegen auch die Hose, aber dazu sehe ich keinen Anlass

    :D:thumbup:


    Um auf die Frage zu antworten, wie unsere Völker so sind: Meine 3 sind auch MEIST "Streichelbienen". Wenn ich alleine dran bin, arbeite ich auch ohne Schutz. Habe den Schleier zwar im Nacken zu hängen, falls mal spontan Bedarf ist ihn aufzusetzen, kommt aber fast nie dazu. Man sieht ohne einfach besser. Wenn ich mit meiner Tochter dran bin, tragen wir beide Schleier - Stiche ins Gesicht möchte ich ihr dann doch ersparen und ich trage ihn dann auch selbst wegen der Vorbildfunktion...

    Ansonsten ist es aber so, wie meine Vorredner schon sagen: Genetik kann eine Rolle spielen (ein Imker aus dem Nachbardorf lies seine Völker bei der Vermehrung immer Königinnen selbst nachschaffen und meinte, die wurden mit den Jahren immer aggressiver) und die äußeren Einflüsse natürlich auch (Futter, Wetter, Schweiß- oder andere Gerüche usw. usf.).

    Wenn die aber IMMER so aggressiv sind, wie du beschreibst, würde ich auch eher auf die Genetik tippen.

  • Ich hatte solche "hässlichen" Völker, zwei an der Zahl.

    Trotz Rauch sind sie direkt mit Deckelabnahme auf den Schleier geflogen. Wenn Deckel zu war, war auch alles vorbei.

    Letztes Jahr jedoch wurde ich verfolgt und das lag am mangelnden Futter. Ich hatte den HR aufgesetzt und alles Futter hinterm Schied raus genommen.

    Danach Futter wieder eingehängt und sie hatten wieder ihre normale Aggression inne!!;)


  • Dazusagen sollte ich noch folgendes:

    Die Völker wurden am Dienstag gekauft, ca. 50 km mit dem Auto transportiert.

    Ein Volk ist nett, das andere giftig.

    Weisellosigkeit wäre denkbar, wenn die Königinn beim Transport Schaden genommen hat. Am Flugloch sieht aber alles "normal" aus, keine Hektik, normal anfliegende Bienen...

  • Wenn es ein Transportschaden war, wäre die Weisellosigkeit ja mittlerweise zu erkennen (keine Stifte, Nachschaffung).

    Am Flugloch erkennt man das i.d.R. nicht.


    Sanftmütige Bienen sollten sich aber auch im Sonderfall nicht so verhalten wie beschrieben.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Ich hatte im vorigen Jahr auch ein so aggressives Volk, dass ich dachte die benehmen sich wie Killerbienen. 6Stiche im Gesicht, 4 an den Armen.

    Du musst durchhalten, bis Du umweiseln kannst. Die Alternative wäre abschwefeln und das macht man nur äußerst ungern. Stichwuetige Voelker toleriere ich nicht.

  • Ich hatte vor kurzem ähnliches erlebt. Wurde richtig massiv umschwirrt und selbst als ich von den Beuten weg bin wurde ich die Bienen nicht los. Musste mich dann quasi ins Auto flüchten. Eine Woche später war es schon besser, ich wurde zwar an der Kiste immer noch umschwirrt aber nicht mehr verfolgt. Da das mein erster Frühling mit Bienen ist vermute ich aber das bei mir das Problem hinter der Beute stand. Im Nachhinein und dank Gesprächen mit erfahrenen Imkern sind mir Fehler aufgefallen.


    Am Tag X hatte ich die Beuten auf einen neuen Bick gestellt, war bei der Durchsicht recht schnell unterwegs, es war etwas windig, ich hatte zwei drei Bienen beim Rähmchen ziehen gequetscht und ich habe nach dem ersten Rauchstoß nicht gewartet bis die Bienen sich die Mägen auch füllen konnten.


    Evtl. war es ja was ähnliches beim Threadersteller.

  • Ich hatte letztes Jahr ein relativ aggressives Volk, bei dem für mich fest stand, dass ich dieses Jahr nicht mehr mit dem imkern möchte.

    Als Bienen- und Brutlieferant habe ich es aber über den Winter genommen.

    Schied setzen und Futterkranzprobe ging dieses Jahr ohne Probleme und ich dachte schon, die hätten sich geändert, aber beim Aufsetzen der Honigräume wurde ich wieder Stachel voraus begrüßt.


    Ich habe daraufhin den Standort des Volks mit dem eines Schwächlings getauscht und einen Tag später war Ruhe in der Kiste. Zwei Brutwaben konnte ich jetzt ohne Schleier entnehmen und damit andere Völker verstärken. Erstaunt hat mich, wie wenig Bienenmasse übrig war. Die entnommenen Brutwaben hätten die gar nicht mehr ordentlich wärmen können, wenn jetzt kühle Tage kommen.


    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Ich durfte so etwas auch schon erleben. Ich imkere ohnehin mit Vollschutz und mir ist die Friedlichkeit nur begrenzt wichtig. Bei unseren standbegatteten Völkern würde ich nicht in Badehose arbeiten wollen. Was jetzt aber nicht heisst, dass man permanent gestochen wird. Allerdings sehe ich einen Unterschied zu den neu gekauften Völkern die nahezu überhaupt nicht auffliegen wenn man entsprechend vorsichtig arbeitet.


    Letztes Jahr hatte ich Besuch am Stand und wählte für den Blick hinein mein friedlichstes Volk. Und was ich dann erlebte bleibt mir bis heute in Erinnerung. Die Beute war kaum auf da quollen sie wirklich aus den Wabengassen hoch. Innerhalb von grob einer halben Minute waren meine Hände fast bedeckt mit stechenden Bienen. Überall am Schleier hörte man die daraufploppenden Bienen die gerne ans Gesicht gelangt wären.

    Ich habe dann die Beute wieder verschlossen und wir retteten uns in den Schleuderraum. Ich habe über zwanzig Stiche durch die Handschuhe an den Händen gezählt. Bis heute habe ich keine Ahnung was da los war. Am nächsten Tag öffnete ich das Volk und es war nett wie eh und je. Ich kann nur spekulieren ob der Besuch irgendetwas an sich hatte das seltsam roch oder ob gerade vorher irgendetwas am Volk war etc. Einfach ein seltsames Verhalten.