Wie klaren Honig ernten ?

  • Hallo,

    ich bin ganz neu hier im Forum, zwar schon etwas mitgelesen, und bin angehender Jungimker (mit 54) :) und werde mit Zander-Magazinen beginnen.

    Was mich immer wieder interessiert ist wie bekommt man den Honig klar in das Glas. OK, jetzt kommt "schleudern" aber da gibt es doch sicher auch andere Vorgehensweisen.

    Wie macht ihr das so ?

    Habe auch schon gesehen das die ausgelöste Wabe komplett vermanscht wird und der Honig dann durch ein Tuch in einen Eimer tropft, aber schmeckt der dann nicht nach Wachs?


    Gruß

    Christian

  • Hallo Christian,


    ich hoffe das ist jetzt nicht zu hart von mir, aber der Vorgang der Honigernte wird in jedem Grundlagenbuch zur Imkerei erläutert, bzw. ist wichtiger Bestandteil eines jeden Imkerkurses. Youtube und Konsorten beantworten dir die Frage schnell und oft sehr gut.


    In einem Satz: Der geschleuderte/gepresste/getropfte (wie man ihn halt aus der Wabe holt) Honig läuft durch mehr oder weniger viele Siebe , darf danach 24-48h ruhen, im Anschluss wird der Schaum der sich auf dem Honig bildet abgeschäumt.


    Anfangs ist Honig immer klar, im Laufe der Kristallisation trübt er sich jedoch zusehends ein. Manche Honig kristallisieren nur sehr langsam, diese bleiben entsprechend länger klar.


    Jeder Honig wird auf Lebenszeit klar wenn man ihn über längere Zeit erhitzt, allerdings würde ich dann eher von durch Bienen gewonnen Sirup sprechen, aber die Bezeichnung ergibt sich ja aus der Invertaseaktivität. Es ist ein weites Feld, eine einzelne Ausführung führt zur nächsten.


    Meine Bitte an dich: Bevor Du Bienen hast einen Grundkurs machen und gute Grundlagenliteratur zur Imkerei lesen.


    Beste Grüße


    Peter

  • Honig frisch aus der Wabe ist fast immer klar. Je nach Herkunft des Nektars wird er früher oder später trübe, dh der darin enthaltene Zucker kristallisiert aus. Das kann nach wenigen Tagen eintreten oder auch erst nach mehreren Monaten, es können ganz feine oder auch sehr grobe Kristalle entstehen. Das kommt wie gesagt auf die Tracht an und auch darauf, ob Du den Honig während der Kristallisation immer wieder umrührst. Temporär kannst Du die Kristallisation durch vorsichtiges Erwärmen wieder rückgängig machen, wirklich gut tut das dem Honig nicht.


    Bzgl. Erntemethoden sind die geeigneten Suchwörter "Tropfhonig" und "Presshonig". Sehr lecker.


    Lies mal noch ein bisschen mehr hier im Fundus und beschaffe Dir vielleicht ein grundlegendes Einsteigerbuch zum Imkern, da findest Du Deine Fragen beantwortet.


    Viel Spaß

    Kikibee

  • Um alle Befürchtungen zu nehmen, ja ich mache schon einen Grundkurs in einem Imkerverein.

    War eben einfach nur neugierig. :)

    Werde es sicher in meinem Kurs auch ich erklärt und gezeigt bekommen.


    Gruß

    Christian

  • Jeder Honig wird auf Lebenszeit klar wenn man ihn über längere Zeit erhitzt,

    Wie kommst du da drauf?

    Kannst du das belegen oder hast du es schon mal ausprobiert?

    Ich halte das nämlich für Unsinn, gebe aber zu, habe das auch noch nicht ausprobiert und kann es auch nicht belegen.


    Aber die Kristallisation des Honigs bzw. der Zuckerarten darin sind ein physikalischer, KEIN enzymatischer Prozess, daher dürfte auch längeres maßvolles Erhitzen nichts an der Kristallisationsneigung eines Honigs ändern. Wasser kann man auch beliebig erhitzen und trotzdem gefriert es wieder, wenn es <0°C wird.


    Das immer wieder erzählte Märchen vom immer klar bleibendem Industriehonig durch Erhitzen kommt meines Wissens dadurch zustande, dass die Industrie den Honig so fein filtert, dass keine Kristallisationskeime mehr darin sind und die Kristallisation daher extrem schwer in Gang kommt. Genau wie sehr reines Wasser weit unter 0°C abgekühlt werden kann, OHNE zu gefrieren.


    Mag sein, dass die Enzyme die Kristallisation durch diverse chemische Umwandlungen etwas beschleunigen können, weil dabei z.B. zusätzliche Krisallisationskeime entstehen. Dass also umgekehrt nach Zerstörung der Enzyme durch überlanges Erwärmen die Kristallisation etwas langsamer stattfindet, aber ich wette, sie wird trotzdem stattfinden, maximal geringfügig später. Solange wir von einem normal sauberen Honig und nicht von einem Mikrogefilterten Honig sprechen.


    Also, hat irgendwer Belege dafür, dass meine Annahme falsch ist und kann erklären, wieso Erhitzen die Kristallisation des Honigs tatsächlich auf Dauer verhindern kann, auch wenn die Hitzeinwirkung wieder weg ist??


    Gruß

    hornet

  • Kannst du das belegen oder hast du es schon mal ausprobiert?

    Ich halte das nämlich für Unsinn, gebe aber zu, habe das auch noch nicht ausprobiert und kann es auch nicht belegen.

    Hallo Hornet,


    nein, kann ich nicht. Ich muss zugeben, dass ich mich bei meiner Antwort innerlich am fein gefilterten "Industriehonig" orientiert habe, dem sämtliche Kristallisationskeime entzogen wurden. Insofern bitte ich für die unbelegte Behauptung um Entschuldigung.


    Beste Grüße


    Peter

  • Hi,


    auf Lebenszeit habe ich natürlich auch noch keine Versuche gemacht, aber von meinem


    Robinienhobig habe ich vor 2 Jahren ein paar Gläser verschieden gelagert.


    2 Gläser waren Kälte ausgesetzt, bis zu 3° Minus. Diese sind nach 5 - 6 Monaten kristallisiert.


    2 Gläser standen im Gästezimmer, immer im Plusbereich. Die sind nach gut einem Jahr kristallisiert.


    2 Gläser stehen im Büro. Auf einem Schrank, neben meinem Holzofen.


    Diese sind immer noch flüssig und machen auch keine Anstalten zu kristallisieren.


    Von daher kann ich mir sehr gut vorstellen das mit entsprechendem Wärmeeinsatz Honig


    ewig flüssig gehalten werden kann.


    Gruss Joachim

  • 2 Gläser stehen im Büro. Auf einem Schrank, neben meinem Holzofen.


    Diese sind immer noch flüssig und machen auch keine Anstalten zu kristallisieren.


    Von daher kann ich mir sehr gut vorstellen das mit entsprechendem Wärmeeinsatz Honig ewig flüssig gehalten werden kann.

    Naaaa das ist ja klar - von dauerhaft warm halten bin ich auch nicht ausgegangen. Oder nimmst du mich gerade ein wenig auf den Arm? ;-)


    Sondern von der oft gemachten Behauptung, dass Honig nicht mehr kristallisiert, wenn man ihn entweder einmalig zu stark erhitzt hat oder ihn längere Zeit erhitzt hat und danach jeweils bei Zimmertemperatur lagert.


    Dauerhaft "köcheln" kann die Kristallisation natürlich mindestens so lange verhindern, wie das Erhitzen andauert... Wasser kann schließlich auch so lange nicht gefrieren, solange es warm gehalten wird.

  • Hi,


    auf den Arm nehmen würd ich mich ja nie trauen..... :-)


    Nein, der Ofen ist nicht dauerhaft an, halt nur im Winter gelegentlich.


    Es gibt aber durchaus mal Tage wo er nur 5 - 10° hat. Der Unterschied zum


    Gästezimmer sind, dass er 3 - 5 mal im Jahr ca. 25°C mehr hat. Er müsste also


    eigentlich kristallisieren. Hätte ich etwas mehr ausführen sollen gerade.


    Gruss Joachim

  • Nein, der Ofen ist nicht dauerhaft an, halt nur im Winter gelegentlich.

    Es gibt aber durchaus mal Tage wo er nur 5 - 10° hat. Der Unterschied zum

    Gästezimmer sind, dass er 3 - 5 mal im Jahr ca. 25°C mehr hat. Er müsste also

    eigentlich kristallisieren. Hätte ich etwas mehr ausführen sollen gerade.

    Ok, Akazie ist ja von Natur aus sehr lange flüssig und wird eigentlich auch nicht wirklich hart, sondern irgendwie so sulzig oder cremig.

    Wenn der jedesmal neben dem Ofen quasi von neuem aufgetaut wird, noch bevor er überhaupt nennenswert auskristallisiert ist, fängt diese lange Flüssig-Phase naturlich auch wieder von vorne an.

    Es wäre also mal interessant zu sehen, was macht der Honig, wenn du ihn jetzt mal vom Ofen wegstellst zu den anderen. Ich würde darauf wetten, dass er dann dort fest wird wie die anderen auch!