Anfängerfragen

  • Hallo Imkergemeinde,

    Zunächst möchte ich mich einmal vorstellen:

    Ich bin Peter, gehe auf den 40er zu, Berufsschullehrer und bin im Begriff Imker zu werden.

    Der Gedanke Imker zu werden entstand schon vor vielen Jahren. Mein Urgroßvater hat Erzählungen meines Vaters zu Folge bereits geimkert und ich habe diese Erzählungen immer gerne gehört. Lustigerweise hieß mein Urgroßvater auch Peter. Aber dies nur als Anekdote am Rande.

    Zielgerichtet beschäftige ich mich nun seit einem guten dreiviertel Jahr mit der Imkerei, sowohl theoretisch durch Bücher und das Netz als auch praktisch:

    Ein Vater der Kindergartenfreundin meiner Tochter ist Imker und als ich ihn kennengelernt habe, habe ich beschlossen, die Sache anzugehen. Er hat mich zu seinem Bienenstand eingeladen und ich habe ihn mittlerweile schon oft begleitet: Unter anderem zur Honigernte, zur Fütterung, zur Einwinterung und kürzlich zum Auswintern. In ein paar Wochen werde ich von ihm einen Ableger bekommen.

    Mein Pate imkert mit der Erlanger Magazinbeute. Deshalb habe ich auch den „Wochenendimker“ von Herrn Weiß gelesen, darüber hinaus aber auch „Imkern mit Dadant“ von Herrn Schwarz. Im Netz habe ich viele Videos der Reihe „Imkern von Anfang an“ gesehen, aber auch den (für mich) sehr lehrreichen Online-Kurs „honigmacher.de“ gemacht.

    Einige von euch werden es nun vielleicht schon ahnen und die Augen verdrehen, welche Frage(n) ich an Euch habe, ich will es aber auch begründen:

    Eigentlich war mein Plan, seine Betriebsweise zu übernehmen. Grundsätzlich hat mir die Beute und sein Umgang mit den Bienen vor dem Auswintern sehr zugesagt. Durch die Beschläge verrutscht gar nichts, die Zargen sind durch die 9 Waben nicht ganz so brutal schwer, die Beute scheint mir insgesamt sehr flexibel und es gibt nur ein Rähmchenmaß.

    Bei der Auswinterung ergaben sich bei einigen Völkern ein für mein bescheidenes Dafürhalten sehr harte Eingriffe. Es wurden bspw. einzelne Brutwaben in die obere Brutzarge gesetzt um die Mädels dazu zu bringen auch oben zu brütenn (?) (ganz hab ich die Maßnahme aber ehrlich gesagt nicht verstanden), empfand aber diesen Eingriff als recht brutal und aufwändig.

    Mein Pate hat seine Völker zweizargig überwintert. Ich kann es nicht so ganz nachvollziehen, worin die Problematik genau lag aber es scheint so zu sein, dass die Völker, die die Wintertraube in der unteren Zarge gebildet haben, die Königin verloren haben. Das ist bei 5 seiner 11 Völker passiert.

    Ich bin mir recht sicher, dass das auch mit der späten Frostperiode Ende März zusammenhängt, mein Gefühl sagt mir, dass die Bienen die zwei Zargen nicht (mehr) so gut beheizen konnten.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Ich glaube, dass das alles mit Dadantbeuten so nicht notwendig gewesen wäre bzw. nicht passiert wäre.

    Nun stehe ich aber vor der Entscheidung, wohin meine eigene Reise hingehen soll. Die Vernunft sagt natürlich, dass ich die Betriebsweise meines Paten zunächst übernehmen sollte. Er könnte mir schlicht mehr zur Seite stehen, sei es mit Material (Brutwabe bei Königinnenverlust o.ä.) oder schlicht mit Know-How.

    Mein Gefühl sagt mir aber (und das hört sich jetzt vielleicht sentimental an), dass ich keinen Bock auf derartig harte Eingriffe machen will bzw. müssen will. Klar – ich habe noch keinem Dadantimker zugesehen….

    Mein Plan stand jetzt ist, meinen zukünftigen Ableger auf erlanger Zander zu übernehmen und zu versuchen, ihn durch den kommenden Winter zu bringen. Dann glaube ich aber, dass ich auf Dadant (oder Zadant?) wechseln möchte. Diese Betriebsweise erscheint mir aus oben genannten Gründen „dem Bien gerechter“.

    Nun schlicht meine Frage(n):

    Bin ich mit meinem Plan auf dem Holzweg?

    Sollte ich gleich versuchen (keine Ahnung wie) den Brutableger in eine Dadantkiste zu bekommen oder vielleicht doch lieber beim Erlanger bleiben weil mein Pate so arbeitet?

    Wie würdet Ihr Profis an meiner Stelle weiter verfahren?

    Was habe ich übersehen bzw. worauf sollte ich mein Augenmerk richten?



    Ich wünsche euch einen schönen und erfolgreichen Frühling und freue mich auf Euere Antworten und Rückfragen!


    Peter

  • Hallo Peter,

    als erstes mal herzlich Willkommen hier im Forum.

    Als zweites hört sich das nach gar keinem schlechten Plan an, den selben Werdegang habe ich nämlich auch hinter mir. Habe für das erste Jahr mit Bienen die Betriebsweise meines Paten(2BR DNM) übernommen und werde dieses Jahr auf Dadant umsteigen. Hatte mir zwar überlegt ob ich nicht besser gleich in Dadant hätte imkern sollen, aber für den Anfang war es gar nicht so schlecht. Ich empfand auch die relativ "harten Eingriffe" als ziemlich unangenehm, sowohl für mich(viele viele Stiche) als auch für die Bienen. Im Verlauf meines ersten Jahres hatte ich noch das Glück einem sehr erfahrenem Dadantimker über die Schulter zu schauen, dies hat mich dann endgültig in meiner Entscheidung bestärkt zu wechseln.

    Also viel Spaß und viel Glück mit deinen Bienen und der Suche nach der passenden Betriebsweise für dich.

  • Hallo Peter,

    Mein Pate imkert mit der Erlanger Magazinbeute. Deshalb habe ich auch den „Wochenendimker“von Herrn Weiß gelesen, darüber hinaus aber auch „Imkern mit Dadant“ von HerrnSchwarz.

    Dann kennst Du ja beide Varianten, "Magazin mit mehrzargigem BR" und "Magazin mit einzargigem BR" - zumindest aus Büchern...

    ...empfand aber diesenEingriff als recht brutal und aufwändig.

    Ja vielleicht, aber es gibt auch bei Dadantimkern welche, die intensiv imkern mit vielen Eingriffen und welche die extensiv arbeiten mit wenigen Eingriffen. Eingriffe können mehr oder weniger "brutal" aussehen - das sollte also nicht das einzige Kriterium sein, man kann auch in der Erlanger einzargig überwintern (habe ich gehört :-) - ich verwende die nicht) und dann sind solche Eingriffe die Du gesehen hast auch nicht notwendig. Selbst Herr Weis hat, sofern ich mich nicht irre, in einem seiner Bücher erklärt das bei mehrzargigem Magazin BR, nur ganze Zargen gewechselt oder angefasst werden sollten...

    Mein Gefühl sagt mir aber (und das hört sich jetzt vielleicht sentimental an),dass ich keinen Bock auf derartig harte Eingriffe machen will bzw. müssen will.Klar – ich habe noch keinem Dadantimker zugesehen….

    Ja, dann versuche extensiv zu imkern ohne so "brutale Eingriffe" - soweit das geht, evtl. musst Du dann auf ein paar Gramm Honig verzichten - aber was soll's... ;-)

    Mein Plan stand jetzt ist, meinen zukünftigen Ableger auf erlangerZander zu übernehmen und zu versuchen, ihn durch den kommenden Winter zubringen.

    Das ist durchaus ein guter Plan für das erste Jahr... - ich sage ja immer man soll mit 3 beginnen. Ein Volk zum Totgucken und wenn dann eines im Winter ausfallen sollte hat man immer noch eins für die Vermehrung im Folgejahr...

    Bin ich mit meinem Plan auf dem Holzweg?

    Nö, kling nicht so schlecht...

    Sollte ich gleich versuchen (keine Ahnung wie) den Brutableger in eineDadantkiste zu bekommen oder vielleicht doch lieber beim Erlanger bleiben weilmein Pate so arbeitet?

    Du kannst Dir einen Kunstschwarm mit Königin geben lassen und den In Dadant einlogieren... - Nur weil Dein Pate mit Erlanger arbeitet musst Du ihm das nicht nachmachen, aber es würde viel erleichtern von der Patenseite, dann könnte er Dir aus erster Hand raten, aber evtl. kennt er auch die "Einraum-BR Betriebsweise"


    Die Entscheidung kann Dir aber keiner abnehmen, die musst Du schon selber fällen.


    Was sagt denn Dein Pate zu der Idee evtl. mit Dadant zu beginnen?



    Gruß

    Franz

  • Moin Peter und willkommen hier.


    Die Frage ein- oder zweiräumig ist in diesem Forum x-fach diskutiert. Such mal unter Betriebsweisen ...


    Mein Weg über Start mit Deutsch Normalmaß zweiräumig war holprig und nach einem Jahr wechselte ich auf DN 1,5 und mit der Einraumbeute ist man m. E. deutlich einfacher unterwegs - bis auf die zwei Rähmchenmaße DN1,5 Brutraum und DN2/3 in den Honigräumen.


    Es lohnt sich, einmal das Arbeiten bei einem Imker mit Dadant anzusehen. Damit hast Du beide Seiten und kannst es für Dich einordnen.


    Dennoch lernt man auch oder gerade mit der zweiräumig Betriebsweise viele Eigenheiten der Bienen kennen. Es schadet nicht und man wechselt mit Überzeugung auf einen Brutraum, weiß warum!


    Und die Nutzung von Waben bzw. andere Materialien vom Paten wird oft überschätzt - meine Erfahrung.


    Viel Spaß mit den Bienen


    Rainer

  • Hier kann man wieder das Thema 10er Universalbeute für alle Unschlüssige anbringen.

    Beginnst mit Zander und kannst dann auf Dadant, LS oder DNM umsteigen, mixen usw.

    Vom Beutenmaterial ist dann nichts weggeworfen.

    Liebe Grüße Bernd

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • Jaja Franz, dazu müsste man wissen, was man will, was man ja nur wissen kann, wenn man weiß, wie was geht. Selbst das kann sich im Laufe der Zeit und weiterem Zugewinn an Erkenntnissen/Arbeitsweisen oder Anzahl von Völkern auch noch ändern.


    Liebe Grüße Bernd

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • wenige, wirkungsvolle Eingriffe zwischen denen sich der Bien aufwärts entwickeln kann, ohne den Höhepunkt zur Abreise zu erreichen, stören weniger als wöchentliches Wabenmonopoly. Die Gefahr für die Königin ist auch geringer.


    Auf der anderen Seite ist es gut, wenn man Beobachtungen von außen durch Wabenschau bestätigt bekommt. So ist der Beginn mit Ableger und mit einem Kunstschwarm(varroafrei!) als 2. egal welches Maß nicht verkehrt, angepasster Brutraum geht auch mit einer Zarge Zander. Der Platz hinterm Schied geht nur gegen Null.

    PS: ich nutze auch neben alten Beuten und Segeberger das Unimagazin mit 425x510(mit wenigen Abweichungen), um neben DNM auch mit LS und Dadant Erfahrungen zu sammeln.

  • Hallo Peter!


    Dein Gefühl ist gut, höre auf Deinen Bauch.

    Aber: Wenn Du auf Zander imkerst, hast Du oben genannte "harte Eingriffe" genau so. In der Regel wird in Zander mit zweizargigem Brutraum geimkert.

    Es geht natürlich auch anders, aber gerade für einen Anfänger halte ich dies für eventuell schwierig
    Bei Dadant hast Du einen Brutraum und musst nicht so viel "auseinanderpflücken"
    "Harte Eingriffe" wirst aber auch Du in manchen Fällen vornehmen müssen.
    Es stellt doch kein Problem dar, dass Dein Pate Dir gleich einen Kunstschwarm zur Verfügung stellt, den Du in eine beute Deiner Wahl einschlagen kannst.
    Nimm kein Maß, bei dem Dein Bauchgefühl grummelt. Ich habe seinerzeit den Fehler gemacht......
    Und nun: Viel Spaß bei der Imkerei!

    Man muß keinen Wind machen, aber man muß segeln können.

  • Hallo Peter!


    Ich schliesse mich den Vorrednern an: Willkommen im Forum; höre auf Dein Gefühl; starte mit Dadant; lass Dir einen Kunstschwarm abtreten. :)


    Du kannst auch mit der Erlanger Beute mit nur einem Brutraum imkern, aber als jemand, der mit einem Brutraum Zander (zehn Waben) imkert, kann ich Dir nur sagen: Das ist schon ziemlich eng. Wenn man dann noch einen leichten Hang zur Flapsigkeit hat (wie ich), ärgert man die Bienen unnötig. Da Dadant viel grösser ist, hast Du viel mehr freien Platz für Eingriffe zur Verfügung. Ist einfach komfortabler. Und: Du brauchst eh zwei Rähmchenmasse! Ich finde ganzzargige Honigräume unhandlich, obwohl ich noch jung und nicht ganz unsportlich bin. Halb- oder Flachzargen haben diverse Vorteile. Damit fällt dann der Hauptvorteil für die Erlanger Beute wohl schon wieder dahin …


    Den Start mit einem (Kunst-) Schwarm halte ich gerade für einen Anfänger als schöner als jenen mit einem Ableger. Man kann die anfängliche Entwicklung viel schöner beobachten. So kannst Du beispielsweise den Schwarm (statt einzuschlagen) einlaufen lassen – ein phantastisches Spektakel! Und in den ersten zwei Wochen kannst Du (wenn Du nur Anfangsstreifen statt Mittelwände) verwendest, zusehen, wie die Bienen rasch schöne Naturwaben bauen. Das hat schon was. :)


    Und zuletzt: Ich würde mir auch gleich drei Völker besorgen. Aus den bereits genannten Gründen.


    Viel Spass!

    Tobias

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Hallo Peter,

    ein Bauchgefühl ist oft hilfreich.

    Es lohnt sich, einmal das Arbeiten bei einem Imker mit Dadant anzusehen. Damit hast Du beide Seiten und kannst es für Dich einordnen.

    Das finde ich ebenfalls recht wichtig, denn hier im Forum kannst Du oft an Fragen oder Beiträgen erkennen, wie unterschiedlich die Betriebsweisen sind. Oft sind Ratschläge schwer umsetzbar, weil andere Betriebsweisen vorausgesetzt werden.

    dazu müsste man wissen, was man will, was man ja nur wissen kann, wenn man weiß, wie was geht. Selbst das kann sich im Laufe der Zeit und weiterem Zugewinn an Erkenntnissen/Arbeitsweisen oder Anzahl von Völkern auch noch ändern.

    ... und das braucht eben seine Zeit. Was ich vor mehr als 20 Jahren mit der in meiner Region üblichen DN zweiräumigen Betriebsweise begonnen habe, ist heute nur noch rudimentär in meiner Betriebsweise zu finden.

    Willkommen im Forum. Führe am besten zu Beginn schon ein Notitzbuch, fange mit 3 Völkern an und dies mit Ableger und Kunstschwarm, dann bist Du gleich mitten drin und kannst Unterschiede bei den Völkern erkennen.

    Hilfreich wäre auch ein Kalender mit von Dir eingetragenen Vorausplanungen wie: Erweitern, Behandeln, Vermehren, Schleudern, Einfüttern (Gibt es auch schon als Imkerkalender vorgefertigt).

    Viel Spaß

    Jelle

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Hilfreich wäre auch ein Kalender mit von Dir eingetragenen Vorausplanungen wie: Erweitern, Behandeln, Vermehren, Schleudern, Einfüttern (Gibt es auch schon als Imkerkalender vorgefertigt).

    Gerade einen Kalender würde ich mittlerweile zur Planung hintenanstellen. Der kalendarische Jahresverlauf bestimmt doch nur Sonnenauf- und -untergang. Viel wichtiger sind doch Meteorologie (Temperaturen) und Phänologie (Pflanzenverhalten).

  • Na, mit gesundem Menschenverstand kann man doch Monatsanweisungen, Wochenplanungen mit Wetter, Sommerzeit, klimatischen Voraussetzungen vor Ort abgleichen, oder?

    Vorausplanung ist für einen Beginner, egal mit was begonnen wird, nie die schlechteste Idee.

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...