Maßnahmen gegen Räuberei

  • Wenn diese Tage abends bei mir noch ein, zwei Völker stark fliegen,.....

    weiß ich Bescheid, weil nicht das erste Mal.

    Das Problem ist, das mein Nachbar es nicht übers Herz bringt schwache Völker aufzulösen.

    Ein Volk war völlig vermilbt und futsch. Das Andere hatte noch Brut,aber kaum Bienen.

    Heute Morgen war es kalt zum Räubern; also habe ich erstmal nur dicht gemacht.

    Er soll selbst schauen, ob da noch was zu retten ist.

    Die anderen Völker sind ok, nur etwas zu leicht für mein Gefühl.

    Ich mische mich nicht gerne ein, aber in diesem Falle muß ich das in Zukunft wohl tun.

    Gruss, Elk

  • hallöle,

    bei mir begann gestern eine Räuberei. Meine Mädels konnten sich recht gut verteidigen - aber es wurden immer mehr und mehr Räuber. Ich habe dann in der Nacht das Miniflugloch geschlossen und habe sie heute zur Sicherheit weggefahren. An die Stelle des Volkes habe ich eine leere Beute gestellt. Heute war an der leeren Beute riesig was los! Interessant war auch, dass die Räuberbienen sich gegenseitig bekämpft haben. Mehrere Völker auf Räubertour??? Ein bekannter Imker meinte, dass bei mir in der Nähe vielleicht ein Bienenhalter wohnt, der seine Bienen nicht richtig aufgefüttert hat. Das wäre perspektivisch echt doof. Nach einiger Zeit haben die fremden Mädels aber doch gemerkt, dass nebenan ein weiteres Volk steht und wollten dort Beute machen. Ich habe dann einen Dauerregen vor der Beute installiert - das hat für heute geklappt. Hast du denn Erfahrung mit dem Umstellen der Bienen? Wann kann ich mein Volk wieder an den alten Standort stellen? (Sobald keine Räuber mehr da sind?)

  • noscha: Du hast Dein Profil leider nicht ausgefüllt, so daß jeder Versuch einer Antwort zwangsläufig mit Spekulationen über Deine Vorkenntnisse, Standortbedingungen, Betriebsweise verbunden ist. Unter diesem Vorbehalt:

    Überleg mal selbst: Nektar aus der Natur hat Wassergahalt von 60 ... 80%. Wenn Spurbienen schlecht verteidigte Honigvorräte mit weniger als 20% Wassergehalt entdecken -> wie begeistert werden sie zu Hause vortanzen und wieviele ihrer Schwestern mit ihrer Begeisterung anstecken und diese wiederum bei erfolgreicher Heimkehr den Rest der Sammlerinnen dieses Volkes? Innerhalb von 15 ... 30 min. kann ein ganzes Volk so auf die zu räubernde Quelle eingeflogen sein.

    Bienen verfügen über ein ausgeprägtes Gedächtnis, auch Langzeit-. Sie prüfen lebenslang immer wieder nach, ob am bereits versiegten sagenhaften Nahrungsquell nicht doch wieder ein Stückchen vom sagenhaften Goldenen Vlies zu holen ist. Zu den Gedächtnisleistungen gibt es eindrucksvolle verhaltensbiologische Fütterungsexperimente. Mglw. geben Bienen erlerntes Wissen sogar an nachfolgende Schwestern weiter.

    M.E. ist der Stellplatz bis zum Winter tunlichst nicht mehr mit einem Volk oder gar noch mit einer schlecht verteidigten Einheit besetzbar. Sogar die Nachbarvölker wurden ja bereits ebenfalls auf ihre Verteidigungsfähigkeit getestet. Einflugloch max. 0,5 cm = eine Bienenbreite lassen und genau bei Flugwetter beobachten. Bei Räuberei sofort Aufstellplatz durch leere Beute ersetzen. Und stets für starke, gesunde - also verteidigungsfähige Völker sorgen insbesondere in Trachtlücken oder gar im Herbst.

  • Vielen Dank für die guten Infos.

    Ich habe nach deinem Hinweis auch ein wenig in mein Profil geschrieben :)

    Ich habe erst seit 4 Jahren Bienen und mein Imkerpate ist gerade nicht zu erreichen gewesen.

    Tja, so ist das dann mit Dr. Google. Ich habe in einem Forum gelesen, dass 2-3 Tage ausreichen würden und man dann die Bienen besser wieder auf den alten Standort stellt. Ich hatte mich inzwischen aber eh entschieden, dass ich die Mädels bis Ende Februar / Anfang März an dem anderen Ort stehen lasse, da ich ihnen (bei Nachttemperaturen teilweise schon um 0 Grad) nicht einen zweiten Transport zumuten will - so können sie sich wahrscheinlich besser auf den Winter einstellen.

    Verteidigungsbereit sind sie eigentlich schon (sind ja dunkle Bienen :-)) - aber ab einem gewissen Punkt macht es dann wohl auch die Masse der Räuber. Die Fluglöcher habe ich schon seit ca. 3 Wochen auf weniger als einen cm eingeengt, da seit dem Zeitpunkt die Wespen begannen, sich für die Beuten zu interessieren. Das hat sehr gut geklappt und die Wespen hatten fast immer das Nachsehen. Im letzten Jahr hatte ich einen Heidschwarm (Carnica) bekommen und dieser wurde an einem Tag von den Wespen niedergemacht. Es war eben auch ein später Heidschwarm und recht klein ... und wir hatten eine richtige Wespenplage. Aber die Carnica-Mädels haben sich noch nicht einmal ansatzweise gewehrt. Die dunklen Bienen dagegen haben fast immer 1 bis 2 Türsteher vor dem Flugloch stehen. Diese wehren sich nicht nur, sie "verfolgen" die Wespen regelrecht.

    Nachdem ich das Flugloch wegen der Räuberei geschlossen hatte, haben die Räuberbienchen am nächsten Tag systematisch die ganze Beute abgesucht. An einigen Stellen, an den die Holzbretter aufeinanderliegen und um das Flugloch herum, haben sich einige gesammelt. War wirklich interessant zu beobachten. Da wir seit einigen Tage kaum Flugwetter haben, sind sie jetzt aber verschwunden. Jetzt kann ich für das kommende Jahr nur hoffen, dass die Räuberinnen unter Demenz leiden :) und ihr Wissen nicht weitergeben.

    Leider wurde in Worms nun schon im 2 Jahr die asiatische Hornisse gesichtet, vielleicht wird das dann die neue Herausforderung...

  • Verteidigungsbereit sind sie eigentlich schon (sind ja dunkle Bienen)

    Das hat mit der Bienenrasse nichts zu tun.

    Aber die Carnica-Mädels haben sich noch nicht einmal ansatzweise gewehrt.

    Wenn schon im letzten Jahr Räuberei bei Dir ein Thema war, analysiere Deine Betriebsweise. Es kann verschiedene Ursachen haben.

    Z.B.:

    ein später Heidschwarm und recht klein

    Eventuell war der Schwarm auch hoch Varroa belastet, dann tut er sich schwer in die Gänge zu kommen. Wie ist die aktuelle Varroasituation bei dem beraubten Volk?

    Die Position des Flugloches ist bei vielen Imkern ebenfalls ein Thema, weil an falscher Position.

    Womit wurde eingefüttert? Wie stark ist das beräuberte Volk?

    Das der neue Standort aus dem Flugradius liegt ist gut. Bedenke aber, auch dort gibt es Nachbarimker mit potentiellen Räubern.

    Und klecker nicht beim Einfüttern ;)

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Starke Wespenattacken auf eine Beute haben nach meiner Erfahrung etwas mit einem schlechten Volkszustand zu tun.

    Die Wespen scheinen vorher schon riechen zu können, das da was nicht stimmt.

    Das hatte ich über die Jahre schon mehrfach und das auch berechtigt.

    Das adaptiere ich daraus, das an den betroffenen Ständen auch viele andere Völker in jeder Größenordung und Stärke anzutreffen waren, vom 1 bis 6 zargigen Mini, in 12er DD und DNM.


    Liebe Grüße Bernd

    Pushen wir uns nicht an den Stöckchen dieser Welt, bewegen wir Baumstämme, auf denen wir stehen.

  • irgendwie kämpfe ich noch mit diesem System hier. Antworten kann ich wohl nur allgemein - und nicht individuell :)

    Zitat

    Das hat mit der Bienenrasse nichts zu tun.


    M.E. hat das schon etwas mit der Bienenrasse zu tun, da man z.B. bei der Carnica Jahrzehnte u.a. in Richtung imkerfreundliche Bienen selektiert hat: hoher Ertrag und Sanftmut waren einfach wichtige Kriterien. Die dunklen Bienen sind bei vielen Imker(vereinen) als aggressive Stecher verschriene. In meinem ortsansässigen Verein z.B. versuchte man in einem Telefonat an mein "Verantwortungsbewusstsein" zu appellieren und mich davon zu überzeugen, diese Bienen nicht zu halten, da man im (dort unerwünschten) Fall eines Schwarmes und eventuellem Hochzeitsflug u.a. befürchtet, dass die dunklen Drohnen ihre Königinnen begatten könnten. Fast alle Stiche, die ich kassiert habe, waren von den Dunklen. Im August und September sind meine dunklen Völker wirklich mit Vorsicht zu genießen. Im letzten Jahr hatte ich Dunkle und Carnica - und über das gesamte Bienenjahr war ein deutlicher Unterschied (mit Autsch-Faktor) zu spüren. (http://www.imkerpate.de/dunkle-bienen-halten/. "Die dunkle Biene (hier auch Nordbiene genannt) ist die Bienenrasse, welche eigentlich in Nordeuropa heimisch ist. Sie wurde von der Carnica-Rasse verdrängt. Da diese als ertragreicher und friedlicher gilt.")


    Zitat

    Wenn schon im letzten Jahr Räuberei bei Dir ein Thema war, analysiere Deine Betriebsweise.

    Im letzten Jahr waren es Wespen. Dieses Jahr sind es Bienen. Wir hatten wirklich eine brutale Wespenplage bei uns. Ich konnte gewisse Bereich in meinem Garten gar nicht mehr betreten. Ich hatte 4 große Wespennester (3 unterirdisch). Und in Richtung Herbst waren sie extrem aggressiv (auch gegen uns). Mein Imkerpate (Demeter-Erwerbs-Imker) hatte auch 17 Völker durch Wespen verloren. In meinem (konventionellen) Imkerverein (der Nachbarstadt :-)) waren die Wespen ebenso ein massives Problem und es gab gehörige Verluste. Und da gibt es ganz viele verschiedene Betriebsweisen. Ich denke, dass auch natürliche äußere Einflüsse mit entscheidend sein können. Ich halte Bienen - nicht weil ich viel Honig ernten möchte - sondern aus ökologischen Gründen. Deswegen mache ich das nach dem wesensgemäßen Ansatz (Stabilbau, Schwärme, Überwintern - wenn möglich - auf eigenem Honig, keine Absperrgitter, ... ). Auf eine andere Betriebsweise umzustellen, kommt für mich nicht in Frage. (Mir ist schon klar, dass ich in diesem Forum da nicht ganz richtig aufgehoben bin :-))


    Zitat


    Eventuell war der Schwarm auch hoch Varroa belastet, dann tut er sich schwer in die Gänge zu kommen.

    Hier habe ich wohl einen Fehler gemacht. Bevor ich mit der Varroabehandlung (Oxalsäure-Blockbehandlung) angefangen habe, habe ich zuerst aufgefüttert (so hatte ich es im Netz gelesen). Bei meinem diesjährigen Schwarm habe ich zuerst behandelt und dann aufgefüttert. Der Heidschwarm im letzten Jahr hat sehr lang Futter abgenommen, so dass ich erst am 23.8. mit der ersten Blockbehandlung begonnen habe. Das war wohl - in Kombination mit der Wespenmasse - zu spät.


    Zitat

    Wie ist die aktuelle Varroasituation bei dem beraubten Volk?

    Im Moment sieht es gut aus - ca. 4 Varroen pro Woche auf dem Schieber. Allerdings war die Belastung Mitte September recht hoch. Das war sicher ein Grund für die Räuberei. Die Oxalsäure-Blockbehandlung brauch eben immer eine gewisse Zeit, bis sie Wirkung zeigt.


    Zitat


    Die Position des Flugloches ist bei vielen Imkern ebenfalls ein Thema, weil an falscher Position.

    Das ist mir ganz neu. Aber da ich meinen Mädels nur eine leere Kiste mit einem recht kleinen Einflugloch beim Einlauf-lassen "biete" und sie dann alles andere selbst einrichten dürfen / müssen, gehe ich einfach mal davon aus, dass sie das richtig machen. Interessant ist, dass dies immer im gleichen Muster geschieht (wenn man das Flugloch als Zentrum sieht, bauen sie immer in leichter Kreisform um diesen Mittelpunkt herum ihre Waben - also eine Kombi aus Warm- und Kaltbau).


    Zitat
    Womit wurde eingefüttert? Wie stark ist das beräuberte Volk?

    Ich habe Bio-Invertbee (Sirup) mit Bienentee gefüttert.


    Meines Erachtens ist es ein mittelstarkes Volk. Das "Nachbarvolk" ist etwas stärker. Aber das ist im Stabilbau echt schwer abzuschätzen. Vielleicht ist auch das "gesetztere" Alter der Königin eine Ursache. Es ist der Vorschwarm aus dem anderen Volk.


    Zitat


    Das der neue Standort aus dem Flugradius liegt ist gut. Bedenke aber, auch dort gibt es Nachbarimker mit potentiellen Räubern.

    Ja, da habe ich etwas Sorgen gehabt, denn an dem neuen Standort stehen 6 weitere Völker. An den ersten 2 Tagen konnte ich nichts beobachten - und dann habe ich zur Sicherheit ein "Räubergitter" gebaut, das ich im Internet gefunden habe. Allerdings kann ich das nur bedingt empfehlen, denn diese Umstellung haben nicht alle Mädels begriffen / akzeptiert. Inzwischen sind bei uns die Temperaturen so, dass eine Räuberei nicht mehr zu befürchten ist, deswegen habe ich das Gitter auch wieder entfernt.

    Zitat
    Und klecker nicht beim Einfüttern ;)

    Ja, hier gebe ich mein Bestes - und das hat bisher auch gut geklappt (bei einem Schussel wie mir ist das nicht selbstverständlich :-))


    Ich möchte mich hier auch noch ausdrücklich für deine ausführliche + konstruktive Antwort bedanken. Leider ist das nicht in allen Foren so - 5 Imker = mindestens 6 Meinungen - und oft werden die in einer sehr "pampigen" Art geschrieben. Also ein dickes DANKE!


    Zitat

    Starke Wespenattacken auf eine Beute haben nach meiner Erfahrung etwas mit einem schlechten Volkszustand zu tun.

    Die Wespen scheinen vorher schon riechen zu können, das da was nicht stimmt.

    Das hatte ich über die Jahre schon mehrfach und das auch berechtigt.

    Ja, es war ein sehr schwaches Volk - und das in Kombination mit einer falschen Reihenfolge von Varroa - Behandlung und Auffüttern + einem äußerst starken Wespenjahr .......

    Unsere Vorsitzende meinte dazu lapidar "dann waren sie es nicht wert". Da hat sie wohl leider recht gehabt :(


    Auch dir lieben Dank für deine Antwort. Solche Antworten / Aussagen kann man gut annehmen und davon profitieren / lernen.

  • Auf eine andere Betriebsweise umzustellen, kommt für mich nicht in Frage.

    Hier liegt das Grundproblem.

    Die Räuberei soll gefälligst aufhören, ohne dass etwas geändert wird.

    Glaubst du, das könnte funktionieren?

    Außerdem war zunächst mal von analysieren die Rede.

    Räuberei ist nur ein Zeichen, kein Grund für einen Volkszusammenbruch. Egal ob durch Wespen oder Bienen ausgeführt.


    Es gibt sicher noch einige bessere Fäden zur Räuberei in diesem Forum, aber selbst hier ist eigentlich schon alles Wesentliche aufgeschrieben.

    Lesen müsstest du es allerdings selber.



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