Alter der Zuchtköniginnen

  • «Better Queens» (Jay Smith, 1949) – warum machen es alle anders?


    Die Aussagen im o.g. "link" lautet zusammengefasst, "je älter die Königinnen, die Larven für eine Nachzucht liefern, desto schlechter stehen die Chancen" (wenn ich es richtig interpretiere).


    Die Zuchtsaison ist ja in Vorbereitung und es interessiert mich, ob man Zuchtstoff von älteren Königinnen - gemeint sind hier 2 Wirtschaftsjahre (, d.h., 3 Lebensjahre) oder älter nutzen sollte. Es ist mir völlig klar, dass hier von Wahrscheinlichkeiten gesprochen wird, will heißen, es kann auch in den ungünstigeren Konstellationen gut funktionieren - es ist aber weniger wahrscheinlich...


    Herzlichen Dank für entsprechende Erfahrungen


    Rainer

  • Hallo Rainer,


    laut Vortrag von Prof. Dr. Bienefeld wirkt sich das Alter der Königinnen tatsächlich auf die Vitalität der Nachzuchten aus. Je älter die Königin, umso schlechter entwickelt sind deren Eier, desto älter ist auch das beim Begattungsflug eingelagerte Sperma.

    Demnach sind die Töchter alter Königinnen (alle Töchter, aber insbesondere auch Königinnen) signifikant leistungsschwächer als die Töchter junger Königinnen. Teilweise lässt sich dieser Effekt durch Enghalten der Zuchtmütter (stark reduzierte Volksgröße, geringerer Legeumfang) kompensieren.


    In Hinsicht auf die Zucht hast du deshalb zwei einander entgegenlaufende Effekte.

    1) siehe oben: die Eierqualität lässt nach.

    2) Du hattest eine längere Beobachtungszeit der Königin und kannst sie deshalb sicherer beurteilen, als eine Königin z.B. im ersten Wirtschaftsjahr.


    Meine Schlussfolgerung daraus: Handelt es sich um eine wertvolle Zuchtmutter (die bereits 2 volle Wirtschaftsjahre hinter sich hatte), deren Linie ich (als Züchter) aber aufrechterhalten möchte, ziehe ich davon nach um die Genetik zu sichern; muss aber damit leben, dass ihre Töchter möglicherweise nicht ihr tatsächliches Potential entfalten. (Und dies entsprechend, bei der Beurteilung berücksichtigen) Erst deren Töchter können wieder normal beurteilt werden. Auf jeden Fall halte ich eine solche Zuchtmutter auf stark reduziertem Brutnestumfang.


    Brauche ich Wirtschaftskönignnen, so schaue ich, dass ich (wenn ich die Wahl habe) von jüngeren Müttern nachziehe.


    Gruß
    Ludger

  • Ich würd "go" sagen, wenn die Bienen nicht still Umweiseln wollen und die Zuchtkönigin nicht ein paar Jahre im Wirtschaftsvolk verschlißen wurde.

    Denn!

    Da ist was drann, die Quallität des Eis ist nicht ganz unwichtig:)

    Wenn man so ein Mütterchen hat, schadet schonen sicher nicht.

    Wenn ich Genetik retten/behalten will bleibt allerdings nix anderes, da hast du immerhin die Genetik, ob dann die Queen körperlich der Brüller wird, scheint mir fraglich.

    LG

    12er DD, und Buckies, gaanz sicher!

    Der Pessimist sieht die Schwierigkeit in jeder Möglichkeit!

    Der Optimist sieht die Möglichkeiten in jeder Schwierigkeit!

    W. Churchill

  • 2) Du hattest eine längere Beobachtungszeit der Königin und kannst sie deshalb sicherer beurteilen, als eine Königin z.B. im ersten Wirtschaftsjahr.

    Du kannst die Königin vor allem schon hinsichtlich der Qualität ihrer Töchter beurteilen. Ist doch viel spannender als die Mutter.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Also was ich von Zuchtmüttern weis, ist das sie bis 4 Jahre als Stammmutter nutzen werden können. Ganz wichtig, das sie nicht wie oben erwähnt, als Wirtschaftskönigin genutzt wurde. Wichtig ist für mich auch das Pflegevolk, da spielt meines Erachtens die Größe des Ei"s eine untergeordnete Rolle, sondern die Gene die vererbt werden.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Besten Dank für die aufschlussreiche Antwort. Das mit der Beurteilung ist genau die crux: ein Jahr ist wenig, wenn die äußeren Umstände nicht passen und zwei Jahre wären schon zuviel, da die Kö' dann schon im 3. LJ ist.


    Der Kompromiss wäre ein Jahr beobachten und im 2. vollen Jahr davon nachziehen.


    Wobei man im 1. vollen Jahr beurteilt, dass davon nachgezogen werden könnte, im 2. vollen Jahr dies tut usw.


    Oder wie macht Ihr das gewöhnlich ?


    Rainer

  • Wenn ich Genetik retten/behalten will bleibt allerdings nix anderes, da hast du immerhin die Genetik, ob dann die Queen körperlich der Brüller wird, scheint mir fraglich.

    Laut Dirk Ahrens-Lagast: "70 Prozent des Zuchterfolgs basiert auf der richtigen Auswahl der Vatervölker."

    Und: "Die Eigröße der Königinnen nimmt mit zunehmenden Alter ab; dadurch wird die Ovargröße der Töchter ebenfalls kleiner."

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • "70 Prozent des Zuchterfolgs basiert auf der richtigen Auswahl der Vatervölker."

    Und: "Die Eigröße der Königinnen nimmt mit zunehmenden Alter ab; dadurch wird die Ovargröße der Töchter ebenfalls kleiner."

    Der genetische Einfluss der Drohnen ist unabänderlich - völlig klar.


    Die Vitalität als Eigenschaft wird m.w. über die mütterlichen Mitochondrien bestimmt, deren Anzahl und genetisches Potenzial. Damit leuchtet auch ein, dass die Eimasse und damit die Mitochondrienzahl wesentlich für dieses Merkmal sein dürfte.

    Im Jahr Null schnell noch eine Testserie ziehen.

    Guter Vorschlag - da muss aber vom "timing" alles exakt klappen, kommt man in den Hochsommer mit der 2. Serie.

  • Einen wunderschönen guten Morgen an diesem wunderschönen guten Morgen :-)


    Da scheiden sich die Geister.

    Wie will ich eine Königin prüfen wenn ich Sie nicht länger wie 1 o. 2 J. benutzen,sprich nach ziehen darf/soll?????

    Dann müssten meine Königinnen allesamt schlechter sein wie die von jungen Königinnen nachgezogenen Königinnen.

    Wie soll ich die Langlbigkeit austesen.

    Überlegt doch mal, die ganze Zucht währe ja hinfällig.

    Meine besten Königinnen wurden 5 J. alt und ich habe bis jetzt nichts nachteiliges bei den nachgezogen Königinnen bemerkt.

    Schlechte Königinnen gibt es überall ,auch von Jungen.

    Die Eigenschaften lassen sich nicht mehr austesten, wenn alle Jahr was Neues genommen werden.

    Meine angehenden Zuchtköniginnen müssen sich erstmal 1 J. im Vollvolk beweisen und in dieser Zeit werden die ersten Probezuchten gemacht.

    Sind diese gut und zu meiner Zufriedenheit und hat die Zuchtmutter auch bewießen das Sie winterhart mit schneller Frühjahrsentwicklung ist, erst dann wird Sie in den Kreis der Auserwählten eingefügt.

    Wer Br. Adam liest oder gelesen hat, weiß wovon ich rede.

    Wie weit man mit ungeprüften Königinnen kommt, nur weil Ihr Cup-index, Flügellänge oder Filzbinden kommt ist doch überall zu sehen.

    WEr von einer Königin nachzieht,ohne zu Wissen ob Sie und die Nachzuchten z.B. schwarmträge sind, der wird bald wieder die Bäume hoch klettern.

    Natürlich sind die Eier von einer 2 o. 3 jährigen Königinnen evtl. kleiner, aber ich weiß nicht ob ich deswegen das weit aus größere Risiko eingehen mächte von einer schwarmfreudigen oder faulen oder nicht winterharten Königin nachziehe und mir meine Arbeit erschwere oder schlecht auswintere.

    Ich nehme das nicht nach zu weißende kleinere Übel.


    P.s. Erzähl das mal einer Frau/Mann die mit 35-40 J. noch Eltern werden möchten, das Ihr Nachwuchs schlechter ist wie Kinder von jüngeren Eltern .

    Wer hinfällt und nicht wieder aufsteht , der hat schon verloren.

    ( von mir ;-) )


    Gruß

    Heike

  • Wer hinfällt und nicht wieder aufsteht , der hat schon verloren.

    ( von mir ;-) )


    Gruß

    Heike

  • Danke aumeier für diese Erklärungen !


    Im Kö-Zuchtkurs kam die Diskussion dazu auf und der Kursleiter empfahl aus seiner eigenen Erfahrung "von älteren sehr leistungsfähigen Exemplaren nachzuziehen".


    Da haben wir die Diskrepanz - Hr. Bienenfeld empfiehlt "möglichst jung", andere erfahrene Züchter beurteilen erst mal ein Jahr oder auch zwei.


    Ich bin kein Züchter, will mir nur ein paar Exemplare vernünftig aufziehen und begatten lassen.


    Es gilt offensichtlich, ein Kompromiss zu finden bzw. vom entsprechenden Züchter/in zu erwerben...


    Im natürlichen Ablauf, wenn man unsere Bienenhaltung mit und ohne Schwarmlenkung so nennen darf, kommt für mäßig schwarmträge Stämme die Schwarmneigung im zweiten Jahr der Kö's vermehrt auf. Daraus abgeleitet wären also diese Zyklen akzeptabel - ein Versuch den Kompromiss zu begründen...



    Rainer

    Anerkennen, was ist ! (Hellinger)

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  • Rase, dann fang mal an.Möchte wissen wie Du das schaffen willst. Die ZUchtmütter kommen unter umständen erst Mitte Juli zurück auf den Stand. Und dann blind davon nach ziehen ???

    Klar blind. Zur ersten Einschätzung. Weil mich die Mutter eigentlich ja nicht interessiert. Drohnen hab ich durch die TBE und die weisellosen Brutscheunen um diese Zeit noch reichlich. Wenn die Mutter und ihre Töchter (in der Standbegattung) sich im Jahr 1 in den WV bewähren, kann/könnte man im übernächsten u. dem darauffolgenden Jahr(en) (2+3) mit der mütterlichen Genetik in großer Anzahl und mit kleinem Risiko auf die Belegstelle. Aber grau ist alle Theorie. Ich bin echt kein Züchter und erfreue mich an dem gutem Material von Leuten, die es in der Praxis drauf haben. Für mich ist das mit dem Honig schon schwer genug :)


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife