Einzargig: Deutsch Normal DNM mit Trennschied / angepasster Brutraum

  • Hallo zusammen,


    ich möchte euch gerne meine aktuelle Betriebsweise vorstellen und freue mich auf konstruktive Kritik und Anregungen von euch.


    Da ich studiere und gerade im Sommersemester extremen Zeitmangel für die Kontrolle meiner Völker habe, die genaue Kontrolle auf Weiselzellen aber viel Zeit in Anspruch nimmt, habe ich mir überlegt, meine Völker einzargig zu führen. Ich nutze das Segeberger System, habe also 11 Rähmchen zur Verfügung - bislang nur Normalmaß, nicht halb, flach oder anderthalb - so soll es nach Möglichkeit auch bleiben.


    Meine theoretischen Überlegungen:

    - bei standard Zellenmaß: 4 Arbeiterinnen Zellen pro cm²

    - DNM Innenmaß: 34,4 cm x 19,9 cm = 684,56 cm² pro Wabenseite

    - ergibt bei vollständigem Ausbau pro Rähmchen gerundet 5476 Zellen

    - Legeleistung Königin: in Hochsaison bis zu 2.000 Eier pro Tag

    - Zeit von Eiablage bis zur schlüpfenden Arbeiterin: 21 Tage

    - Geschätzte Zeit vom Schlupf einer Biene bis zur vollendeten Reinigung der Zelle: 1 Tag

    - Benötigte Zellen eines "Brutzyklusses": 22 Tage x 2.000 Eier pro Tag = 44.000 Zellen

    - Für Arbeiterinnenbrut benötigte Rähmchen DNM: ca. 8 Rähmchen

    - Drohnen-Baurahmen: 1

    - Futter und Pollenwaben: 1 bis 2


    Ergibt 10-11 Rähmchen pro Volk - passt also in eine Zarge.


    Anmerkung: die Legeleistung der Königin hängt bekanntlich stark von ihrer Beschaffenheit und äußeren Einflüssen ab. Da ich die Imkerei als Hobby betreibe und keine "1A super plus mit Sternchen" Königinnen einsetze, gehe ich davon aus, dass die theoretische Legeleistung von 2000 Eiern pro Tag nicht erreicht wird. Die Höchstleistungsphase geht zeitlich mit dem Trachtangebot einher, was wiederrum die Folge hat, dass zu der Zeit mindestens ein Honigraum auf dem Volk steht. Die Futterreserven befinden sich also zusätzlich auch im oberen Bereich der Beute und würden bei Mangel im Brutbereich dorthin umgetragen werden.


    Ich nutze die von Dadant bekannte Vorgehensweise des "angepassten Brutraums", überwintere aber auf zwei Zargen. Nach der Varroabehandlung mit Ameisensäure im Spätsommer setze ich einen ausgeschleuderten Honigraum auf und beginne mit der Winterauffütterung. Dies sorgt erstens für mehr Platz für Winterfutter und zweitens erleichtert es mir durch das hochwandern des Volkes in die obere Zarge im laufe des Winters die Wabenhygiene: die untere Zarge mit den letztjährigen Brutwaben ist am Ende der Winterpause nahezu vollständig leergetragen, die Bienen befinden sich nur noch in der aufgesetzten Zarge. Die untere Zarge kann ich bequem entfernen und einschmelzen - eventuelle restliche Futterwaben hebe ich zunächst auf.


    Nach der Auswinterung bei der ersten Durchsicht im März (je nach Wetterlage) hänge ich ein Trennschied ins Volk. Zu dem Zeitpunkt ist das Volk bereits (wenn auch nur minimal) in Brut. Begonnen mit einer gut gefüllten Futterwabe an der Beutenwand, reihen sich die bebrüteten Waben aneinander, abgeschlossen mit einer weiteren Futterwabe. Dann kommt das Trennschied und die Zarge wird mit weiteren Futterwaben aufgefüllt, die von der Überwinterung übrig sind. Waben, die als erstes leergetragen werden sollen, hänge ich nach außen, also Richtung Beutenwand. Je nach Witterung sollte an dieser Stelle an eventuelles Nachfüttern mit Futterteig gedacht werden, bzw. übrige Futterwaben zugehängt werden.


    Durch das Trennschied, das sie üblicherweise nicht überqueren mag, ist die Königin gezwungen, mit den vorhandenen Brutwaben vorlieb zu nehmen und diese auch bis zum Rand zu bestiften. Arbeiterinnen überqueren das Trennschied jedoch bei wärmeren Temperaturen gerne. Da das Brutfeld somit nicht auf alle Waben ausgedehnt ist, konzentrieren sich die Ammenbienen auf geringerem Raum, was folglich eine bessere Wärmung des Brutnestes bedeutet. Wärmer erbrütete Bienen, so sagte man mir, sind insgesamt leistungsstärker und leben länger. Weiterer Pluspunkt: da der Platz für Brut benötigt wird, wird Pollen nur am Rand eingetragen und es entstehen keine wärmedämmenden Pollenbretter, die im Laufe des Jahres eh nie leergetragen werden.


    Mit fortschreitendem Jahr wird nun das Futter hinter dem Trennschied umgetragen bzw. verbraucht. Sobald durch eine leere Futterwabe Platz frei wird, entnehme ich diese. Direkt an das Trennschied (nicht auf Brutfeldseite der Holzplatte) hänge ich nun eine Mittelwand. Sobald die Bienen diese annehmen und beginnen auszubauen, ist dies für mich das Zeichen, dass die Legeleistung der Königin eine Erweiterung des Brutfeldes erfordert. Die Mittelwand wird folglich umgehängt und an das Brutnest eingereiht. Weiterhin befinden sich links und rechts vom Nest die beiden Futterwaben, die inzwischen auch schon Pollen enthalten und eventuell sogar auch schon Stifte. Eine neue Mittelwand wird hinter das Schied gegeben usw. usf...


    Zum Einsetzen der ersten größeren Tracht setze ich über ein Absperrgitter den ersten Honigraum auf. Ist das Wetter unbeständig, gilt sicherzustellen, dass sich im Brutraum noch genug Reservefutter befindet. Anderenfalls werden die restlichen Winterfutterwaben nun entnommen - die leere Fläche fülle ich nicht mit Mittelwänden auf, zu jeder Zeit befindet sich lediglich eine Mittelwand auf der dem Volk abgewandten Seite des Trennschiedes. Sollte ich an die Kapazitätsgrenze der Beute stoßen, kommt das Schied gänzlich raus, wodurch nun 11 Rähmchen Platz haben. Das ist bis dato aber noch nicht eingetreten.


    Nach der Annahme des Honigraumes, in den ich bei starker Tracht neben Mittelwänden auch leere Honigwaben vom Vorjahr gebe, setze ich ins Volk den Drohnenbaurahmen (waagerecht geteilt, um auch teilweise Brutentnahme zu ermöglichen) ein. Position: direkt ans Trennschied auf Volksseite. Wie bekannt wird dieser alle 8 bis 12 Tage kontrolliert und geschnitten, meist in Kombination mit Kontrolle auf Schwarmstimmung, die ebenfalls am Ausbauverhalten des Baurahmens eingeschätzt werden kann. Zur Schwarmstimmungsminderung bilde ich je nach Volksstärke zur Rapstracht einen 1-3 Waben Ableger, dem ich zusätzlich auch eine große Menge Bienen gebe, um den Schwarmdruck zu mindern, aber das ist ein anderes Thema.


    Wird Schwarmstimmung festgestellt, erfolgt die übliche Kontrolle alle 6~8 Tage. Dadurch, dass ich nur einen Brutraum habe, der (bislang) auch nicht gänzlich voll mit Rähmchen ist, geht das Wabenziehen und kontrollieren schnell und gründlich von statten.


    Ob und an welcher Stelle ich eine TBE zur Varroaminderung einschiebe, bin ich mir noch nicht sicher. Die Behandlung findet bisher mit zweimalig Ameisensäure nach dem Abschleudern und einmal Oxalsäure im Dezember statt.


    Wie oben beschrieben erfolgt die Winterauffütterung auf zwei Zargen nach der Ameisensäurebehandlung im Spätsommer.




    So ihr lieben, genug geschrieben. Vermutlich habe ich das ein oder andere vergessen... Mal sehen ob mir noch was einfällt ;) Ich freue mich auf eure Reaktionen.


    Gruß

    Matthias


  • basst scho- würde der Bayer jetzt sagen.

    Klingt soweit alles ziemlich stimmig, deshalb keine Kritik oder Anregung, fürs Feintunning sind hier im Forum aber allerdings andere zuständig!

    LG und viel Spaß beim ausprobieren

    Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert.


    Albert Einstein

  • lass das mit dem Mittelwänden im Brutraum, die Bienen sollen im Honigraum bauen, im Brutraum werden nur Baurahmen für Drohnenbau gegeben- sie brüten in die Futterwaben rein, spätestens wenn sie die äußeren Waben bebrüten, kann eine weitere Futterwabe vors Schied. Bei 8-9 BW+1DR nehme ich bei den starken das Schied raus und habe stattdessen 2 Dro Rahmen wechselseitig geschnitten oder auch eine geteilte Dickwabe als Rand gegeben. Nur bei den 12er DNM-Magazinen lasse ich sie auf 8-9+1 mit Schied.

    Nur wenn Brutwaben für Ableger entnommen werden, werden MW als 2.Wabe in den BR an den Brutnestränder gegeben. Zur Schwarmverhinderung hänge ich oft mehrere offene Brutwaben in den obersten Honigraum- werden dann eine Woche später für (Sammelbrut-)Ableger entnommen oder mache bei einigen dauerhaft einzargigen eine TBE kurz vor Rapsende. Bei Brutwaben ohne offene Brut braucht man keine Weiselzellen brechen.

    Schwarmkontrollen -bis auf wenige Wochenenden im Raps habe ich nur 14 tägigen Rhythmus zur Kontrolle, wenn die Völker gut angepasst sind. Die ersten Drohnenrahmen werde ich dies Jahr wieder schneiden.

    Mit der Weide kann- zur Kirschblüte muß der erste HR drauf sein, 2 Wochen später der 2.HR. Dann kann der Raps kommen.

    Gruß Fred

  • Hallo Matthias,


    danke für die Vorstellung Deiner Betriebsweise. Ich bin dabei, das auf ähnliche Art und Weise dieses Jahr ausszuprobieren, werde jedoch statt Ameisensäure oder TBE nach der letzten Honigernte auf TuB setzen.


    Grüße Dirk

    Ich beherrsche die deutsche Sprache, aber sie gehorcht mir nicht immer.


    Draußen rauchen ist Mord am ungeborenen Baum.

  • In DNM-Liebigbeuten arbeite ich mit dem Schied. Im Frühjahr schiede ich dort normal starke Völker auf 6 Waben. Ab Mai gebe ich Leerwaben zur Erweiterung schrittweise bis zur vollen Nutzung der Zarge.

    Im Gegensatz zur Segeberger DNM sind die Völker in den Liebigbeuten bisher nie schwarmtriebig geworden. Das liegt vor allem an der recht langsamen Frühjahrsentwicklung in der DNM-Liebigbeute.

    Ansonsten gilt: Honigraum mit der Weidenblüte, Baurahmen mit der Kirschblüte.

    Gruß Ralph

  • Moin Matthias,


    die Überlegungen sind durchdacht und es funktioniert auch praktisch, wenn das Volk nicht allzu stark wird. Das Auswintern erfordert ggf. eine Umordnung von einigen BW aus der unteren Zarge neben das oben angelegte BN, was aber kein großer Akt ist. Wichtig ist die permanente Verfügbarkeit von Futter am Rand, besonders in den kommenden Wochen.


    Ob ein Schied bei der Betriebsweise überhaupt nötig ist, stelle ich mal zur Diskussion. Ich habe - auch ohne Schied - gute Erfahrungen damit gemacht. Aufgrund der Anordnung des Volkes in einem Brutraum DN ist ein guter Wärmehaushalt gewährleistet und die Wahrnehmung der Präsenz der Königin ebenso.


    Machen und berichten....


    Viel Erfolg


    Rainer