Schlechtes Zeugnis für 60%ige Ameisensäure

  • ... so überschreibt das neue Bienenjournal einen Beitrag über eine Studie im "Research in Veterinary Science".

    Kernaussage im Abstract: "No evidence for a beneficial effect of 60% formic acid could be found.".


    Die Vermutung, dass AS-Behandlung und hohe Winterverluste zusammenhängen, habe ich ja schon länger.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Interessant, würde mich ja noch interessieren, aber dafür bezahlen...


    Denn irgendwie kann ich die Zusammenstellung der Daten nicht recht glauben. Respektive die Daten widersprechen halt anderen Erhebungen, welche ich bisher gesehen habe.

    Gerade bei uns haben Thymovar-Behandler statistisch weitaus die meisten Verluste gehabt, welchen diese Studie nun ja eine gute Wirkung bescheinigt...

    Dann kommts auf noch darauf an:

    Langzeitbehandler oder Stossbehandlung und natürlich Zeitpunkt.

    Und eine genau so grosse Stellgrösse wie die Sommerbehandlung macht am Ende die Winterbehandlung aus. Auch da wäre eine gesonderte Differenzierung hilfreich.


    Aber solange man die Daten nicht einsehen kann, kann man ja nur spekulieren.

  • Den Artikel würde ich gerne komplett lesen. Leider funktioniert der Sciencedirekt-Zugang der Unibibliothek nicht mehr, laut Unibibliothek liegt das an der noch immer laufenden Auseinandersetzung zwischen den Universitäten und den Verlagen über die Kosten für den Zugang zu wissenschaftlichen Artikeln.


    Die Vermutung, dass AS-Behandlung und hohe Winterverluste zusammenhängen, habe ich ja schon länger.


    Meine bisherige Erfahrung ist: wenn ich 60% Ameisensäure konsequent genug und früh genug anwende (spätestens Anfang August), dann überleben meine Völker. Wenn ich sie später oder gar nicht anwende, dann sterben sie. Ganz einfach.


    2016 habe ich die Ameisensäure viel zu spät angewendet und daraufhin bis Frühjahr 2017 80% meiner Völker verloren.

    2017 habe ich Anfang August behandelt (Ende Juli wäre besser gewesen) und bei den meisten Völkern später nochmal, und bisher leben 95% der Völker noch.

    Ähnliche Erfahrungen hatte ich auch in früheren Jahren gemacht.


    Ja, die Ameisensäure ist eine Quälerei für die Bienen und auch für den Imker unangenehm.

    Aber Fakt ist (bei mir): wenn ich mit der Ameisensäurekeule früh und gründlich zuschlage, dann gibt es wenig Winterverluste.


    Ich möchte daher wissen, wie die oben genannte Studie durchgeführt wurde.

  • Hallo zusammen,

    Ich habe auch die Erfahrung gemacht, wenn ich die AS zu spät anwendet habe und vor allem nicht überprüfte habe ob die Königin überlebt hat, hatte ich die meisten Verluste.

    Jetzt wird zeitig behandelt und alle Völker werden umgeweiselt. (Stehe dicht an einer Belegstelle)

    Die jungen Königinnen legen dann noch ein mal richtig los. In den letzten beiden Jahren bin ich ohne Verluste durchgekommen.

    Gruß Franz

  • Ja, ich habe mit AS auch schon diverse Königinnen gekillt.
    (Nassenheider mod. nach Anleitung und die Verdunstungsrate war so, wie erwartet...)
    Ich tu mir und meinen Bienen das nicht mehr an.

    ... und ja, es mag sein, dass ich was falsch gemacht habe, aber ich wüsste nicht, was.

    Hans

    Die Glücklichen sind neugierig. (F. W. Nietzsche)

  • So, ich habe jetzt den kompletten Artikel. Vielen Dank an die Autoren!


    Es wurden über 5 Jahre hinweg Fragebögen ausgegeben und nach Varroabehandlungen und Völkerverlusten gefragt. Nach dem Aussortieren von unvollständigen oder widersprüchlichen Antworten wurden die Fragebögen betreffend gut 700 Bienenständen von ca. 320 Imkern ausgewertet.

    Durchschnittliche Imkererfahrung: 15 Jahre. Durchschnittliche Kolonien pro Stand: 8

    Die durchschnittlichen Verlustraten aller einbezogenen Stände pro Winter schwankten von Jahr zu Jahr (zwischen 12% und 33%), entsprachen aber weitgehend dem Landesdurchschnitt der jeweiligen Jahre.

    Für die Temperatur- und Niederschlagsdaten wurden verschiedene Quellen verwendet, u.a. 26 Wetterstationen, jeder Bienenstand wurde der nächstliegenden Wetterstation zugeordnet.


    Die Behandlungen:

    Ameisensäure 60%, Ameisensäure 85%, Thymovar, Oxalsäure träufeln, Drohnenbrut schneiden, Apilife, Apivar (=Amitraz)


    Zur Art der Ameisensäureapplikation habe ich nichts gefunden, was für mich einen großen Mangel darstellt. Oxalsäureverdampfung, Milch- oder Oxalsäure sprühen, Totale Brutentnahme scheinen nicht abgefragt worden zu sein.



    Bin noch am lesen. Ist leider nicht ganz einfach zu verstehen. Offenbar wurden für die Auswertung alle Bienenstände einer von zehn Gruppen zugeteilt, die irgendwie ähnliche Behandlungskombinationen zusammenfassen.

    Die Gruppe mit den geringsten Völkerverlusten (median colony losses 0%, standard error 2,6%) ist z.B. "Gruppe 3". In dieser Gruppe gab es keine Anwendungen von 60%iger Ameisensäure, fast kein Thymovar, fast kein Amitraz. Dafür 85%iger Ameisensäure, viel Drohnenbrutschnitt, Oxalsäureträufelung im Dezember.

    Dem gegenübergestellt wird beispielhaft "Gruppe 5" (median colony losses 23,6%, standard error 3,8). Hier ist die Hauptbehandlung 60% Ameisensäure, es wird weniger Drohnenbrut geschnitten, die Oxalsäureträufelung wird auch weniger durchgeführt und eher im Januar als im Dezember.

    Interessant auch Gruppe 10 (median colony losses 5%, standard error 1,2). Die haben gar nicht auf Ameisensäure gesetzt und gar keine Drohnenbrut geschnitten, sondern im wesentlichen auf Amitraz, Apilife und Oxalsäureträufelung gesetzt.


    Ein wesentlicher Teil der Arbeit besteht in der Betrachtung der Korrelation zwischen den monatlichen Durchschnittstemperaturen und den Winterverlusten. Da bin ich noch gar nicht durchgestiegen. Es ist eine rein statistische Auswertung.


    Wenn ich Tabelle 2 richtig verstehe, dann korelliert z.B. ein gegenüber dem Durchschnitt erhöhter Niederschlag im Januar mit höheren Winterverlusten, im Februar dagegen mit niedrigeren Winterverlusten, im März mit niedrigeren, im April wieder mit höheren, Mai mit niedrigeren, Juni mit höheren, Juli mit höheren, August weder noch, September mit niedrigeren, Oktober weder noch, November mit niedrigeren und Dezember mit höhren Winterverlusten.

    Gegenüber dem Durchschnitt höhere Temperaturen scheinen im Winter (Nov, Dez, Jan) schlecht zu sein, im Rest des Jahres abwechselnd egal oder schlecht, außer im Juli, da sind höhere Temperaturen gut (weniger Winterverluste).

    Ehrlich gesagt habe ich Zweifel, ob diese Analysen irgendeinen Wert haben.


    Auch die Aussagen zur Varroabehandlung sehe ich mit einer gewissen Skepsis. Immerhin einzelne Trends lassen sich vielleicht schon draus ableiten. Vor allem der, dass 85%ige Ameisensäure eben doch besser wirkt als 60%ige. Jedenfalls in Luxemburg.


    Um die Arbeit wirklich beurteilen zu können reicht es meiner Meinung nach nicht, die zweisemestrige Statistik-Grundveranstaltung besucht zu haben. Ich kann es daher nicht gut begründen, aber mein Eindruck ist, dass die Autoren sich etwas zu sehr auf ihre Statistik-Softwaretools verlassen und zu wenig klären und erklären.



    Viele Grüße,

    Robert

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  • Hallo

    Die Ergebnisse verwundern mich nicht!Das Geld für 60 % AS kann man sich sparen.Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen das bei richtigem Zeitpunkt der Einsatz von 85%AS der Erfolg durchschlagend ist ! Im Frühjahr hatte ich keine Verluste und habe mehrere Imker mit Ablegern versorgt.Man sollte die 85%AS nicht bei zu hohen Außentemperaturen einsetzen,am besten etwas kühleren Temperaturen so wie heute +16°C. Ich benutze die normalen Nassenheider Verdunster schon einige Jahre und bin sehr zufrieden.


    Grüße aus Thüringen