Rechtliche Situation bzgl. Varoabehandlung

  • Hallo Profis,


    wo steht denn genau dass bei Bienenvölkern eine Varoabehandlung durchzuführen ist und welche Mittel zulässig sind.

    Wenn ein Imker eine Bienensauna benutzt ist es doch eigentlich rechtlich nicht zulässig, oder ?

    Mich wundert, dass hier einfach jeder macht , wie er denkt, dass es am besten ist :)


    Hintergrund: Ein Grundbesitzer, bei dem ich Bienen aufstellen will, möchte, um Ärger mit Nachbarimker zu vermeiden, dass ich mich mit diesem Imker zusammenschließe

    und mit diesem das Varoa-Konzept abstimme. DIESER Imker behandelt seine Völker aber mit Bienensauna und ist auch der Imker, der der Meinung ist, dass bestimmte

    Bienen besser gegen Varoa resistent sind!


    Jetzt würde ich gerne dem Grundbesitzer einen Zettel hinlegen auf dem steht, dass Bienensauna gar nicht zugelassen ist und es nur eine handvoll an zugelassenen Methoden gibt.

    Irgendwo muss es doch eine amtliche Zusammenfassung aller zugelassenen Methoden für BAYERN geben, oder ?


    Wer ist denn hier zuständig oder wo steht sowas ? Veterinäramt ? Bienenseuchenverordnung ? Bieneninstitute Bayern (LWG), Landesverband Bayerischer Imker ? :rolleyes::/


    DANKE

  • Es gibt wohl Bundesländer, die eine Behandlungspflicht verankert haben. Ob Bayern dazugehört weiß ich nicht. Was ist denn aus deiner Sicht mit den Nicht-behandelnden?


    Wenn der Nachbar und seine Bienen damit über den Winter kommen, ist doch alles gut. Die Bienensauna benötigt keine Zulassung, da kein TAM. Ebenso die Brutentnahme, Röhrenboden, Antivarroa-Kratzstein,...


    Also entweder du öffnest dich alternativen Sichtweisen, redest mit dem Grundbesitzer, oder stellst die einfach woanders hin.

  • Die offizielle Liste der zugelassenen TAM solltest du bei Bundeamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit finden. www.bvl.bund.de/

    Denkst du nicht auch, die Welt - und ich meine - natürlich die eine - dreht sich längst von alleine....


    "Das Wort gleicht der Biene: Es hat Honig und Stachel."

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  • Es gibt wohl Bundesländer, die eine Behandlungspflicht verankert haben.

    Es gib in einigen Ländern Gesetze und Verordnungen zur Umsetzung und Ausführung des Tierseuchenrechts.

    Nach § 24 Abs. 3 Nr. 10 TierGesG (das ist Bundesrecht) kann die zuständige Behörde aber die Behandung anordnen. Es ist also keine spezielle landesrechtliche Grundlage erforderlich.


    Wenn ein Imker eine Bienensauna benutzt ist es doch eigentlich rechtlich nicht zulässig, oder ?

    Die Bienensauna fällt nicht unter das Arzneimittelgesetz, deswegen ist dafür keine Zulassung erforderlich.

    Es dürfte aber (und m.E. zu Recht) fraglich sein, ob die Behörde das als Behandung anerkennt. Dann ist der Nachbar seiner Behandungspflicht nicht nachgekommen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Wir alle (in DE) haben eine Behandlungspflicht! Das ist Bundesrecht.


  • Interessant wären jetzt noch die Konsequenzen bei Nichtbeachtung. Zumindest als Ordnungswidrigkeit ist es unter Paragraph 26 nicht aufgeführt. Wenn die Länder keine strengeren Regelungen dazu konkretisieren, wäre das ein sehr stumpfes Schwert.

  • Welche Mittel zugelassen sind (derzeit), steht z.B. hier beim LWG-Bayern:


    https://www.lwg.bayern.de/mam/…smittel_mit_zulassung.pdf


    Das Ganze ist nicht ganz einfach, denn es nicht nur das Mittel sondern auch die Art der Anwendung, die über "zugelassen" oder "nicht zugelassen" entscheidet.

    Oxalsäure darf geträufelt werden. Eine Verdampfung jedoch ist nicht zugelassen.

    Oxuvar darfst du nur träufeln, aber Oxuvar 5,7% darfst du träufeln UND sprühen.

    Und ob AS mit Schwammtuch zugelassen ist, da habe ich auch meine Zweifel - ist mir aber wurscht weil ich die eh nicht verwende ;)


    Ein ziemlicher Dschungel, darum macht irgendwie doch wieder jeder was er will....


    Noch ein Link:

    https://bienenkunde.uni-hohenh…mpfungsmittel_02-2017.pdf

  • Ich will ja Euren interessanten juristischen Diskurs nicht unterbrechen, aber wäre Soapp nicht am besten mit dem Rat geholfen, sich einfach mal in einer lockeren Runde mit dem Grundstückeigentümer und dem anderen Imker zusammen zu setzen und sich zu einigen, dass Soapp sich verpflichtet, eine konsequente Varroabehandlung nach einem etablierten Konzept durchzuführen (ganz ohne dem anderen Imker ans Bein zu pinkeln, natürlich)? Damit hätten doch alle Beteiligten, was sie wollen. Wenn man einmal den juristischen Weg einschlägt, ist die Möglichkeit eines konstruktiven Gesprächs erfahrungsgemäss dahin …

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • interessant ist dass nur mit Oxuvar 5,7% gesprüht werden darf, obwohl dies ja durch Zugabe von Wasser auf 3,x % verdünnt werden muss.:/

  • Ich will ja Euren interessanten juristischen Diskurs nicht unterbrechen, aber wäre Soapp nicht am besten mit dem Rat geholfen, sich einfach mal in einer lockeren Runde mit dem Grundstückeigentümer und dem anderen Imker zusammen zu setzen und sich zu einigen, dass Soapp sich verpflichtet, eine konsequente Varroabehandlung nach einem etablierten Konzept durchzuführen (ganz ohne dem anderen Imker ans Bein zu pinkeln, natürlich)? Damit hätten doch alle Beteiligten, was sie wollen. Wenn man einmal den juristischen Weg einschlägt, ist die Möglichkeit eines konstruktiven Gesprächs erfahrungsgemäss dahin …

    So ähnlich wollte ich es auch machen.

    1. Imker anrufen und sagen dass er Herrn xx mal anrufen soll, dass wir keine Probleme miteinander haben.....

    Mich hat jetzt einfach mal grundsätzlich die rechtliche Situation interessiert.

    Wenn man es genau nimmt dürfen also, so wie ich es verstanden habe, nur amtlich zugelassene Verfahren (!) angewendet werden. Bei den TAM's ist das eh klar ;)

    Danke!

  • Wenn man es genau nimmt dürfen also, so wie ich es verstanden habe, nur amtlich zugelassene Verfahren (!) angewendet werden.

    Das kann ich so nicht rauslesen aus den zitierten Gesetzen. Da steht etwas von einer Pflicht gegen Varroatose zu behandeln, aber nicht, dass das mit chemischen Mitteln geschehen muss. Das ganze Brimborium um die Zulassung von Behandlungsmitteln bezieht sich aber quasi nur auf chemische Mittel, einfach weil andere bisher keine nennenswerte Rolle spielen, vermute ich.


    Biologische Mittel wie Metarhizium oder Bacillus thuringiensis (falls es da mal einen passenden Stamm geben sollte) oder ähnliches würden wahrscheinlich auch als 'Behandlungsmittel' zählen, sind aber bei Bienen gegen Varroa nicht zugelassen, weshalb man sowas besser nicht erwähnen sollte.


    So wie ich es bisher verstehe, hat das letzte Wort erstmal der Amtsveterinär. Wenn der feststellen würde (aus welchem Anlass auch immer): "diese Völker sind vermilbt und stellen für andere Völker eine Gefahr dar", dann wird er den Imker wohl zur Behandlung mit einem zugelassenen chemischen Mittel (dazu gehören auch Ameisensäure oder Thymol) verdonnern können.


    Wenn der Imker dagegen mit biotechnischen/physikalischen Methoden die Varroa unter Kontrolle hält, sei es mit Brutentnahme oder Bienensauna oder Varroasound (falls sie denn dort funktionieren sollten), dann müsste das durchaus als "der Behandlungspflicht nachgekommen" gelten.


    Ob die Varroa "unter Kontrolle" ist, das müsste wohl ggf mit Auswaschprobe o.ä. nachgeprüft werden. Bzw. wenn schon beim Betrachten einer Wabe Bienen mit Krüppelflügeln und/oder Bienen mit aufsitzenden Varroamilben sichtbar sind, dann könnte das dem Amtsvet vielleicht reichen, um zu einer sofortigen Behandlung mit chemischen Mitteln zu verpflichten.


    Schwierig wird es werden, wenn Amtsschimmel ohne großes Hintergrundwissen ihre Autorität spielen lassen sollten.

    Oder evtl. bei Nichtbehandlern (irgendwann wird hoffentlich Nichtbehandlung die Norm sein. Fragt sich, ob die Gesetze vorher oder erst hinterher angepasst werden). Oder bei Leuten, die glauben, dass sie behandeln, das aber entweder falsch oder mit wirkungslosen Methoden tun...

    Liebig zufolge wäre jemand, der ausschließlich mit der Bienensauna 'behandelt' ja quasi mit einem Nichtbehandler gleichzusetzen, weil keine Wirkung nachweisbar. Aber ob das das letzte Wort ist, ob also die Bienensauna wirklich so schlecht ist, weiß ich auch nicht.

    Ich wäre neugierig auf die Erfahrungen und Beobachtungen des Bienensauna-Imkers.

  • Hintergrund: Ein Grundbesitzer, bei dem ich Bienen aufstellen will, möchte, um Ärger mit Nachbarimker zu vermeiden, dass ich mich mit diesem Imker zusammenschließe

    und mit diesem das Varoa-Konzept abstimme. DIESER Imker behandelt seine Völker aber mit Bienensauna und ist auch der Imker, der der Meinung ist, dass bestimmte

    Bienen besser gegen Varoa resistent sind!


    Zusammen setzen ist immer gut, reden ist immer gut, mach das!


    So nun aber doch was, ich kann mich nicht zurück halten: Lass mich raten, der Herr Sauna-Imker will sein Konzept mit dir abstimmen? Wie? Du darfst dir auch so ein Teil zulegen? Und natürlich seine Varoa Bienen. Ich hör Ralf schon in die Tasten hauen.....

    "Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen." (Karl Valentin)

  • Es wäre wohl idiotisch, nachweisbar milbenarme Völker, unterhalb der Behandlungsschwelle, wegen einer Verordnung zu behandeln,

    Nur mal so zum Nachdenken.


    Gruss

    Ulrich

  • Sorry, wo ist das Problem? Ich arbeite auch mit Hyperthermie und spreche mich einfach soweit mit den umliegenden Imkern ab, dass wir alle mehr oder weniger gleichzeitig behandeln. Womit, ist jedem seine eigene Sache.