Oxalsäure sprühen, verdampfen, träufeln

  • Hallo Profis,


    was ich bei der ganzen Oxalsäurebehandlung noch nicht verstehe ist:


    1) Warum im Winter träufeln und nicht sprühen ?

    2) Warum im Winter MIT Zucker und im Sommer (brutfrei) OHNE Zucker ?

    3) Kann man auch das ganze Jahr über Sprühen ?

    4) Warum vertragen die Bienen das Sprühen angeblich besser als das Träufeln ?

    5) Könnte man auch das ganze Jahr über Verdampfen ? (interessiert mich jetzt nur theoretisch, ist ja nicht zugelassen)


    Bräuchte da ein wenig Erhellung!


    DANKE

  • Warum im Winter träufeln und nicht sprühen ?

    Weil man zum Sprühen das ganze Volk zerpflücken muss.

    Warum im Winter MIT Zucker und im Sommer (brutfrei) OHNE Zucker ?

    Weil die geträufelte OS mit Zucker besser an den Bienen haftet und sich besser verteilt (dass sie die Lösung aufschlecken ist lt. G. Eich nicht erforderlich).

    Kann man auch das ganze Jahr über Sprühen ?

    Wenn es nicht zu kalt ist. Kälte und Nässe (vom Sprühen) sind für die Bienen nicht gut.


    Warum vertragen die Bienen das Sprühen angeblich besser als das Träufeln

    Weil die geträufelte Lösung auch aufgeschleckt wird und die Bienen deswegen stärker schädigt als bei bloßer äußerlicher Anwendung (so die gängige Theorie).


    Könnte man auch das ganze Jahr über Verdampfen

    Das kann man und zwar sehr gut.

    Wir praktizieren das natürlich auch nur ganz theoretisch.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von WFLP ()

  • Hallo Soapp,


    ich versuche mich mal.

    zu 1) Das ist eher Geschmackssache. Meist geht es um die Arbeitszeit, im Winter wahrscheinlich noch um das Auseinandernehmen der Völker.

    zu 2) Das ist auch Geschmackssache. Es gibt verschiedene Rezepte und Empfehlungen. Der Zucker soll einerseits die Lösung besser kleben lassen, fördert aber andererseits auch die Aufnahme. In letzter Zeit hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass das Aufschlecken der Lösung wohl Darmprobleme erzeugen kann bzw. die Lebensdauer der Bienen stärker verkürzt.

    zu 3) Ja. Ich halte das OS-Sprühen (3,5%), abgesehen vom größeren Arbeitsaufwand für eine der besten Behandlungsmethoden.

    zu 4) Glaube das ist auch nur so eine "Meinung", ansonsen siehe 2).

    zu 5) Ja, logo. Wobei evtl. die OS im Winter wegen der engen Wintertraube nicht so gut auf alle Bienen verteilt wird.


    Gruß Jörg

  • Hmmm, es fehlen aus meiner Sicht hier ein paar Hintergrundshinweisen...


    1) In Deutschland ist (war) in den letzten Jahren das Träufeln die vorgesehene Methode für die Winterbehandlung eines Volks im brutfreien Zustand. Wie schon notiert, darf die Behandlung wegen Unverträglichkeit nur einmal im Jahr durchgeführt werden.


    2) Das OS-Sprühverfahren, das Jörg erwähnt, ist meiner Meinung nach ganz neu (in Deutschland?). Es gibt aber schon ein paar Beiträge darüber hier im Forum.


    3) Verdampfen soll auch sehr wirksam sein, und man spurt, denke ich, dass es auch in Deutschland (wo nicht zugelassen) von Imkern gerne eingesetzt wird.

    Kevin Pfeiffer - Übersetzer, Betreiber der Kleinimkerei zu Gunsten Familie und Freunden

  • Hallo Profis,


    was ich bei der ganzen Oxalsäurebehandlung noch nicht verstehe ist:


    1) Warum im Winter träufeln und nicht sprühen ?

    Gegenfrage: Wo steht, das das Sprühen verboten ist?

    Bevor die Oxalsäure aufkam, war die Winterbehandlung mit Milchsäure propagiertes Verfahren und da hat man tatsächlich die Völker auseinander genommen...mit bangem Herzen und sicherlich bei noch Plusgraden aber es war möglich und ich habe es gemacht. Und 2017/18 habe ich zur Winterbehandlung wieder gesprüht. Es gibt inzwischen besser wirkende Alternativen als Milchsäure und wenn das Sprühen zu einem richtigen Zeitpunkt gemacht wird, halte ich es für besser bienenverträglich und womöglich auch wirksamer gegen Varroa als die Träufelung...allerdings würde ich das nur Leuten raten, die im großen Brutraum mit Schied und Polsternägeln arbeiten, so dass das erschütterungsarme und zügige Arbeiten im Dezember möglich ist.


    2) Warum im Winter MIT Zucker und im Sommer (brutfrei) OHNE Zucker ?

    Siehe erste Antwort - habe aber auch im Winter ohne Zucker geträufelt und nehme lieber 5% schlechtere Wirkung die das lt. Studien haben soll, hin als die Bienen zur Aufnahme der Lösung zu bewegen. Letzteres scheint für die schlechtere Verträglichkeit verantwortlich zu sein (Frage 4), die Oxalsäure schädigt nachweislich den Mitteldarum und wirkt lebenszeitverkürzend...gerade im Winter problematisch.


    3) Kann man auch das ganze Jahr über Sprühen ?

    Naja, können tut man natürlich aber zugelassen/sinnvoll ist davon nicht alles - nach der Ernte könnte man munter und regelmäßig sprühen aber der Arbeitsaufwand ist schon enorm. Zudem fliegen dann viele Bienen und ein Großteil der Milben sitzt in der Brut....sinnvoll als nur wenn man das Volk vorher brutfrei macht z.B. durch Käfigen der Queen, totale Brutentnahme o.ä.


    Mit dem Verdampfen ist das vom Arbeitsaufwand natürlich viel einfacher aber man muß sich klar machen, dass man damit munter Oxalsäure in der ganzen Kiste verteilt und mit der wiederholten Anwendung (man hört ja von Wochen- bis 4-Tage-Rhythmen aus manchen Ecken) nicht zu knapp...und dann munter in die Kisten langt und den Kram womöglich samt Rähmchen an den Fingern hat.

    Ich finde das keine tolle Vorstellung und einen ähnlichen Ansatz wie die Viehzüchter, die ihren Tieren prophylaktisch massiv Antibiotika geben...schlechtes Konzept!

    Daher auch hier nur dann denkbar, wenn man das Volk vorher brutfrei gemacht hätte...aber rein theoretische Gedankenspiele...

    M.


  • Ich finde das keine tolle Vorstellung und einen ähnlichen Ansatz wie die Viehzüchter, die ihren Tieren prophylaktisch massiv Antibiotika geben...schlechtes Konzept!

    Der Vergleich hinkt aber ganz schön.

    Antibiotika wird vom Körper aufgenommen und die Oxalsäure beim Verdampfen nicht.

    Antibiotika landet unter Umständen dann noch im Fleisch und die Oxalsäure wo?

    Und für die Bienen ist es wohl die verträglichste Variante, und das ist auch nicht so unwichtig in meinen Augen.

    Mit dem Verdampfen ist das vom Arbeitsaufwand natürlich viel einfacher aber man muß sich klar machen, dass man damit munter Oxalsäure in der ganzen Kiste verteilt und mit der wiederholten Anwendung (man hört ja von Wochen- bis 4-Tage-Rhythmen aus manchen Ecken) nicht zu knapp...und dann munter in die Kisten langt und den Kram womöglich samt Rähmchen an den Fingern hat.

    ok, wie lange ist das an den Rähmchen etc. nachweisbar. Da hatte die Fischermühle??? schon Untersuchungen dazu gemacht.

    Und bei der Anwendung sind genauso Schutzausrüstungen für den Anwender angesagt, wie bei den anderen Anwendungen. Oder was passiert mit der gesprühten Oxalsäure, die auch auf den Rähmchen landet?

  • Vielleicht wollte Hymenoptera damit auch nur sagen, dass es die denkbar schlechteste Vorgehensweise sei, einfach mal irgendwelche Mittel ins Volk zu schütten, und dass es sinnvoller sei, bei der Populationsdynamik anzusetzen, die Völker zum Beispiel «künstlich» brutfrei zu machen und dann – nur noch unterstützend – Säure reinzuschütten, um es mal salopp zu sagen. Falls sie so verstanden werden wollte, bin ich ganz ihrer Meinung.

    «Wer heute die Dunkle Biene, die Carnica oder die Buckfast will, findet dieselbe Ausgangslange vor: Allein intensives Züchten und gepflegte Belegstationen entscheiden darüber, ob sich die gewünschte Rasse halten, bzw. erhalten lässt. Der Unterlassungsfall nennt sich Swissmix, hat alle erdenklichen Eigenschaften und ist vor dem Anspruch der Biodiversität wertlos» (aus: mellifera.ch-Magazin, April 2018, S. 10).

  • Oxalsäure wird zumindest von den Milben aufgenommen und sicherlich auch teilweise von den Bienen, die ja beständig fleissig putzen. Oxalsäure ist auch über längere Zeit auf dem Beutenmaterial nachweisbar (Fischermühle ist nicht die einzige Untersuchung dazu...) und in wie weit das dann auch mit den Händen Verbreitung finden kann, ist m.E. überhaupt noch nicht untersucht worden - das heisst nicht, dass das nun zwangsweise schlecht, ungesund oder gefährlich ist aber es ist halt einfach nicht bekannt.


    Natürlich kommt auch beim Sprühen oder Träufeln etwas auf das Rähmchen - gar keine Frage. Aber es ist halt dennoch gezielter in der Anwendung und der Mehraufwand verleitet eben auch nicht zum "Bedampfen alle paar Tage" wie es offenbar manche praktizieren.


    Das ist eben das Tückische - je einfach die Anwendung, desto eher ist man versucht, nicht darüber nachzudenken und es automatisch und "prophylaktisch" zu machen. Irgendwann heisst es, das man das eben "schon immer so machte" und dann ist es "gute landwirtschaftliche Praxis" und man läuft Sturm wenn es weggenommen oder begrenzt werden soll weil sich dann eben doch irgendwelche Probleme ergeben haben an die man nie gedacht hatte...


    Ein Beispiel für diese Entwicklung sind die Avermectine, über Jahrzehnte in praktischer und beständiger Anwendung bei vielen Viehhaltern, die Rind, Pferd und Co auf der Weide beständig entwurmen...und damit dungzersetzende Käfer und davon lebende Vögel gleich mit eliminieren oder zumindest schädigen.


    swissmix : Hast Du wichtig verstanden - so ein Ansatz bedeutet zwar mehr imkerlichen Aufwand aber minimiert die Belastung selbst durch "natürliche" organische Säuren oder welchen Mitteln auch immer.


    M-

  • Zum Thema Oxalsäure,

    Mein alter Schulfreund und Imker in Südbrandenburg bekam letztens Besuch von der Lebensmittelüberwachung, ist ja eigentlich nichts besonderes, nebem dem Behandlungsbuch, wo auch die Oxalsäurebehandlung vermerkt war, musste er auch nachweisen dass er diese in der Apotheke gekauft hat.

    Worauf man nicht alles achten muss, also Belege schön aufheben.


    Grüße aus Werder wo es heute hoffentlich das letzte mal geschneit hat.

  • Es haben alle schon das Wichtigste gesagt.

    Grundsätzlich finde ich, dass OS verdampft die geringsten Nebenwirkungen hat und erlebe meine Bienen dabei auch sehr entspannt ( wenn ich es theoretisch verabreiche;) )

    Gibt übrigens auch eine Untersuchung darüber IM Volk mit einer Endoskopkamera, eine Arbeit von "Jugend forscht" in der Schweiz.

    Meist sind die Winter hier auch so warm, dass man auch die Winterbehandlung theoretisch durch Verdampfen gestalten kann

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Zum Thema Oxalsäure,

    Mein alter Schulfreund und Imker in Südbrandenburg bekam letztens Besuch von der Lebensmittelüberwachung, ist ja eigentlich nichts besonderes, nebem dem Behandlungsbuch, wo auch die Oxalsäurebehandlung vermerkt war, musste er auch nachweisen dass er diese in der Apotheke gekauft hat.

    Worauf man nicht alles achten muss, also Belege schön aufheben.


    Grüße aus Werder wo es heute hoffentlich das letzte mal geschneit hat.

    Wird in Sachsen wahrscheinlich nicht vorkommen. Da kommt es von der TSK.

    So ist es halt mit den unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern.

  • Grüße aus Werder wo es heute hoffentlich das letzte mal geschneit hat.

    Es wird noch drei Mal schneien, das heißt noch drei Mal geschlossene Schneedecke, wenn auch nur einen Tag. Denk an meine Worte.:)

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)