Zukünftig kostenpflichtige Lizenz für Imker die im Neutralglas abfüllen & in Verkehr bringen? Wer weiss etwas?

  • Moin,

    am Einfachsten wäre es, würde der Hersteller einen Entsorgungsbeitrag abführen und diesen dem Käufer mit draufschlagen, wie die Mehrwertsteuer.

    Diese Variante hat die Verpackungsindustrie ja in das VerpackG hineinschreiben lassen. Im realen Wirtschaftsleben aber scheut der Imkerbedarfshandel den bürokratischen Mehraufwand ebenso und bietet deshalb keine lizenzierten Gläser an. Die Ernte von 2018 müßte aber bereits in solche Gläser abgefüllt werden, um ab 1.1.19 nicht dem Vertriebsverbot zu unterliegen. Der Zug ist also bereits ohne die Hobbyimker abgefahren...


    Doch das führt am eigentlichen Problem vorbei: Die Bemühungen gerade der Hobbyimker zur echten Wiederverwendung von Honiggläsern (ohne Umweg über den Altglasbruchcontainer) - seit vielen Jahren bereits praktiziert - werden durch das VerpackG nicht nur ignoriert, sondern ins Gegenteil verkehrt: Hobbyimker werden gegen ihren Willen in den Einweg-Wegwerfsektor abgedrängt.

    Derartige Fehlsteuerungen künden entweder davon, daß das Gesetz schlecht erarbeitet oder(/und?) aber bei dessen Erarbeitung und jetzt der praktischen Umsetzung der Bock zum Gärtner gemacht wurde. Im Ergebnis sichert das VerpG der Entsorgungs- und Verpackungsindustrie besser als zuvor gesichtere Einkünfte unter ökologischem Deckmantel.


    Der DIB könnte dieses Problem abmildern helfen, indem er bspw. einerseits das Einheitsglas zum bundeseinheitlichen Pfand ausschreiben und sich auch zur Rücknahme = Pfanderstattung verpflichten und andererseits dem Trend zur Regionalisierung/Individualisierung nachgeben und endlich die Verwendung von individuellen Etiketten auf dem Einheitsglas gestatten und so sein Markenzeichen fortentwickeln würde.

  • @ribes:ok. Ich registriere mich mal nicht. Schauen wir einfach mal, wie weit ich mit meinem "Hobby-Mehrwegsystem" kommen werde. Ich bin da ganz zuversichtlich.


    Und ich finde es ausdrücklich gut, dass Du hier das Thema auf den Tisch bringst, bevor es zu spät ist. Meist wachen die Betroffenen erst auf, wenn es zu spät ist, hast ja recht. Im Idealfall wird jetzt schon alles in die richtige - praktikable - Richtung gebogen. Aber das ist halt leider sehr mühsam und aufwändig. Ich würde es mir wünschen und das unterstützen, glaube aber hier nicht an ein Happy End.

    (Siehe Wachs-Zertifizierung...)


    ganz herzliche Grüße

    Roland

  • Das Thür. Umweltministerium hat eine bundesweit einheitliche Handhabung angeregt und votiert für die 70-Völker-Grenze. Hintergrund: Selbst die immer so akribischen Finanzämter wissen:

    Bei 31 bis 70 Völkern wird ein Gewinn von psch. 1000,- EU/Jahr gemacht, der etwa dem Lebensbedarf von einem Monat im Existenzminimum entspricht. Dies ist also vernachlässigbar klein, um immer noch Hobby anzunehmen. Leider hat man dieses wichtige Argument vom DIB bisher nicht vernommen.


    Andere Umweltministerien bzw. die Registerbehörde sehen das offenbar anders, manche votieren für die 30-Völker-Grenze, bei der ja sogar die Finanzämter unzweifelhaft annehmen, daß die Imkerei ein Verlustgeschäft -> also Hobby ist.


    Es geht mir nicht um meine Imkerei oder um Einzelfälle, sondern gerade um die nicht unerhebliche Zahl von Hobbyimkern - vorwiegend älteren Semesters. Zu oft geraten gerade die mit modernen Kommunikationsmitteln nicht vertrauten Imker in Vergessenheit: Rd. 1/4 der deutschen Imker ist über 70 Jahre alt und verfügt meist nicht über die Kenntnisse/Ausstattung, um sich überhaupt nach VerpackG zu registrieren. Von denen können wir aber - v.a. zur Frage nachhaltigen Wirtschaftens - noch sehr viel lernen, viel mehr, als uns ein VerpackG je aufgeben könnte. Die kennen die Imkerei bspw. noch aus Zeiten, in denen ihr Hobby staatlich zwangsbewirtschaftet wurde mit Ablieferungs-Soll und Zucker-Bezugsmarken. Deren Lebenserfahrung sollte nicht zuletzt auch uns aufwecken und aus der bequem abwartenden Haltung des bloßen Beobachters führen...

  • Hier wollen doch alle immer alles schriftlich.

    ribes hat anscheinend Bezugsquellen wie kein zweiter, aber eine Quellenangabe hab ich noch nicht gefunden.

    Google spuckt dazu nicht wirklich was aus. Eigentlich landet man nur hier im Forum :huh:

    Also ribes , du machst alle verrückt, schick doch mal bitte deine Quellen.

  • Im realen Wirtschaftsleben aber scheut der Imkerbedarfshandel den bürokratischen Mehraufwand ebenso und bietet deshalb keine lizenzierten Gläser an.

    Damit gräbt sich der Imkerbedarfshandel selber sein Grab!

    Ich wollte eigentlich einige größere (Ersatz)investitionen tätigen. Aber solange ich noch nicht weiß, wie es real ab dem 01.01.19 mit dem Honigglasverkauf weiter geht, warte ich. Und wenn man sich registrieren und bezahlen muß, so werde ich mir überlegen, die Imkerei ganz aufzugeben (oder nur 1 bis 2 Völker zur eigenen Honigversorgung zu halten). Und wenn viele Hobbyimker solche Gedanken haben, dann kann der Imkerbedarfshandel zumachen.

    Ich jedenfalls will beim Hobby nicht der Knecht und Zahlmeister für Bürokratie und Geschäftlhuber sein.


    Selbst unter Honecker ging es freiheitlicher zu, da bekam man beim Altstoffhändler noch Geld für's Glas.

    "Moral ohne Sachverstand ist naiv und manchmal gefährlich."

  • N'Abend


    Ist es eigentlich so schwer, dem hier so geschmähten Imkerbedarfshandel das Geschäft mit lizensierten Gläsern nahe zu bringen? Angebot und Nachfrage regeln deren Geschäft. Wenn alle, die hier so jammern, das keine lizensierten gläser angeboten werden (und dazu noch ein paar internetfreie Imker mitnehmen), mal schriftlich oder per Email bei den Händlern nachfragen würden, würde sicher der eine oder andere Händler sein Sortiment entsprechend erweitern. Es muss halt genug Nachfrage da sein.


    Grüsse, Robert

  • Ich kann auch keinen „erhöhten bürokratischen Aufwand“ erkennen, wenn der Hersteller den Beitrag zum Recycling abführen soll.

    Immerhin ist der Hersteller des Glases auch der „Inverkehrbringer“.

    Da beißt meiner Ansicht die Maus keinen Faden ab.


    Aber wie schon befürchtet: Einfache Lösungen gelten als primitiv.


    Der DIB möchte offenbar nur eine Lösung für sein eigenes Glas. Die Neutralglasverwender sind denen sowieso verdächtig. Da wird keine Hilfe kommen.

    Stichwort Interessenkonflikt.


    Grüße Ralf

  • Den "Bedarf" an Honiggläsern mit Wegwerflizenz sollten gerade wir Hobbyimker nicht künstlich herbeireden.

    Er wäre gar nicht da, gäbe es nicht diese absurde Interpretation, auch den kleinsten Imker als Hersteller von Verpackungsmüll zu behandeln. Es geht imVollzug des VerpackG auch nicht darum, Müll zu vermeiden, sondern Gewinnmöglichkeiten in dem offenbar recht einträglichen Geschäft mit dem Müll auf eine langfristige und verläßliche - hier sogar gesetzliche - Geschäftsgrundlage zu stellen und auf möglichst viele Schultern zu verteilen. Da liegt des Pudels Kern. Insider lassen sich da verständlicherweise ungern öffentlich zitieren, aber man kann von ihnen so einiges erfahren und diese Informationen auch vergleichen, wenn man mehrere Quellen unabhängig voneinander kennt. Fragt doch bspw. mal Euren Lebensmittelkontrolleur, welche Aktualisierungen er für seine Chelisten ab 1.1.19 i.V.m. VerpackG erwartet...


    Selbst unter Honecker ging es freiheitlicher zu, da bekam man beim Altstoffhändler noch Geld für's Glas.

    Man mag das DDR-Recycling-System effektiver oder gar besser finden. Aber freiheitlicher war es auf keinen Fall. Es war einerseits Frucht zwingender staatlicher Vorgaben und andererseits Ergebnis von mangelndem Überfluß. Da gab es einfach nicht soviele Gläser- und Verpackungsvarianten wie anderswo. Und der Glas- und Flaschenpfand war einheitlich gesetzlich geregelt. Heute können nicht einmal wir Imker uns auf einen einheitlichen Pfandtarif einigen:
    Pfand für Neutralglas einheitlich?


    Den Pfandgedanken hat das VerpackG ja aufgenommen. Daß er in der Praxis - zumindest hier - real nicht funktioniert, liegt gerade an der Freiheit bspw. von Wiederverkäufern, entweder Einmalverpackungen mit Wegwerflizenz zum Abheften/Vorzeigen bei Kontrollen oder eben

    Mehrwegsysteme zu listen und den damit verbundenen Mehraufwand mit Rücknahmesystemen und Preiserhöhungen durch Bepfandung zu tragen.

  • Das Thür. Umweltministerium hat eine bundesweit einheitliche Handhabung angeregt und votiert für die 70-Völker-Grenze. Hintergrund: Selbst die immer so akribischen Finanzämter wissen:

    Bei 31 bis 70 Völkern wird ein Gewinn von psch. 1000,- EU/Jahr gemacht, der etwa dem Lebensbedarf von einem Monat im Existenzminimum entspricht. Dies ist also vernachlässigbar klein, um immer noch Hobby anzunehmen. Leider hat man dieses wichtige Argument vom DIB bisher nicht vernommen.


    Andere Umweltministerien bzw. die Registerbehörde sehen das offenbar anders, manche votieren.................


    ....man sollte auf dem Teppich bleiben. Es gib viel bedeutendere ind relevantere Inverkehrbringer von Gläsern .....

    Danke für Deinen Beitrag.

  • Es gib viel bedeutendere und relevantere Inverkehrbringer von Gläsern .....

    Eben. V.a. die in Not- und Mangelwirtschaft erfahrenen Menschen verstehen es nicht, wieso ausgerechnet Gläser als Einmal-Wegwerf-Verpackungen angesehen werden können. Sie sind von Natur aus stabil genug und vergleichsweise einfach zu reinigen (Selbstklebeetiketten mit resistentem Kleber ausgenommen), um mehrfach genutzt zu werden. Keineswegs müßten sie gleich nach dem ersten Gebrauch "typischerweise beim Endverbraucher als Abfall anfallen" (§ 3 Abs. 8).

    Das VerpackG jedoch stuft sie grundsätzlich als Einmal-Wegwerf-Verpackung ein und errichtet für Mehrweggläser neue Hürden. Hätte sich der Gesetzgeber anders entschieden und Gläser entsprechend ihrer Natur als Mehrwegverpackungen definiert und flankierend eine Pfand- und Rücknahmepflicht über alle Vertriebsstufen bis zurück zum Glasproduzenten festgelegt, hätte das letztlich die Verpackungsindustrie getroffen und auch die Umsätze der Entsorgungsindustrie geschmälert - aber den Glas-Müllberg deutlich reduziert. Das aber war offenbar nicht gewollt.


    Den aufmerksamen Gesetzesleser verwundert es schon, wenn einerseits vom VerpackG sogar beschädigte oder anderweitig unverkäufliche Gläser von der errechneten Entsorgungslizenzgebühr abgesetzt werden können (§ 7 Abs. 3), die unentgeltliche Entsorgungsleistung bspw. von Imkern bei der Rettung von Einmal-Wegwerfgläsern vor dem Altglascontainer und Wiederbefüllung mit eigenem nichtindustriellen Honig dagegen völlig außen vor bleibt...

  • p.s.: Heute wieder schilderte mir ein Hobbyimker seine persönliche Erfahrung mit einem Glaspfand (wörtlich zitiert):


    "Ich hatte es vor Jahren mal mit Glaspfand versucht.

    Ergebnis: Ich erhielt fast doppelt so viele Gläser zurück, als ich verkauft hatte -> "Dickes Minus". Jetzt gebe ich kein Pfandgeld mehr zurück, sage den Leuten aber, daß ich die Gläser gern zurück hätte. Rücklaufquote zwischen 110 und 115%. Ich habe seit ca. 5 Jahren nicht ein Glas zukaufen müssen."


    Solche Imker fragen sich jetzt mit einiger Berechtigung, warum der Gesetzgeber nicht ihre höherwertige, weil nachhaltigere Wiederverwertungsleistung honoriert, statt dessen aber die Entsorgungsgebühren für beschädigte = unverkäufliche Gläser per Gesetz zurückerstattet. Sie vergleichen dann auch: Ein Händler, der 10 ... 15% Beschädigungsquote bei Gläsern hat (vergleichbar mit der über-100%-Rücklaufquote obigen Hobbyimkers), würde wohl bald pleite gehen. Ein Schelm fragt sich dann übrigens auch, wo wohl die beschädigten unverkäuflichen Gläser landen - bestenfalls im Altglascontainer (warum dann Entsorgungsgebührenrückerstattung???) oder gar im allgemeinen Müll. So öko und kostengerecht ist das VerpackG, denkt er dann.

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  • Hier wollen doch alle immer alles schriftlich.

    ribes hat anscheinend Bezugsquellen wie kein zweiter, aber eine Quellenangabe hab ich noch nicht gefunden.

    Google spuckt dazu nicht wirklich was aus. Eigentlich landet man nur hier im Forum :huh:

    Also ribes , du machst alle verrückt, schick doch mal bitte deine Quellen.

    ribes :

    Ist das Deine Antwort:


    "Insider lassen sich da verständlicherweise ungern öffentlich zitieren, aber man kann von ihnen so einiges erfahren und diese Informationen auch vergleichen, wenn man mehrere Quellen unabhängig voneinander kennt. Fragt doch bspw. mal Euren Lebensmittelkontrolleur, welche Aktualisierungen er für seine Chelisten ab 1.1.19 i.V.m. VerpackG erwartet..."?


    Du kolportierst, das Thüringische Umweltministerium setze sich bundesweit für eine bestimmte Auslegung ein.

    Wie weit entfernt von der ministeriellen Ebene ist Deine Insider-Quelle denn? Du musst ja nicht gleich Ross und Reiter beim Namen nennen, aber vielleicht kannst Du ja einfach sagen, aus welchem Stall sie sind, ob die Information also aus dem Thüringischen Umweltministerium stammt und Du sie selbst unmittelbar von dort erhalten hast. Es wäre schon interessant zu wissen, wie viele Fehlerquellen zwischen einem angeblichen Handeln des Ministeriums und der Information hier im Forum zwischengeschaltet sind.

    Und nimm es bitte nicht persönlich, aber bei der Art und Weise, wie Du das Thema hier behandelst und die Diskussion mit (das unterstelle ich Dir) bewussten Fehlinformationen zum bspw. Gesetzesinhalt befeuerst, würde mich nicht wunder, wenn diese Information zum angeblichen Bemühen des Thüringischen Umweltministeriums von Dir stark eingefärbt wäre.

  • Guten Morgen!

    Jetzt wird es mal höchste Zeit, eine Lanze für ribes zu brechen!

    Wird hier gerade mal eben so der Überbringer einer schlechten Nachricht vom Pöbel gelyncht ?

    Ich bin ribes sehr dankbar, daß er die Probleme rund um das Gesetz aufgezeigt hat, die möglichen Interpretationen gegeben hat und hier auch Ursachen erklärt hat. Auch wenn ich öfter nicht der Meinung von ribes bin, das Gehirnschmalz aufzubringen bin ich auch zeitlich nicht in der Lage.

    Die Ausführungen von ribes hier, sind dem was z.B. der DIB angeboten hat, um Längen voraus.

    Schlimm für mich ist, daß die letzten Postings bestens dazu geeignet sind, ribes zum Rückzug aus dem Forum zu bewegen. Aber mir scheint, daß dieses beabsichtigt ist.

    Daß hierbei Imker federführend sind, die ihre intellektuellen Fähigkeiten entweder noch gar nicht unter Beweis gestellt haben oder schon Berhard Heuvel gemeuchelt und weitere User aus dem Forum geekelt haben, sei nur am Rande erwähnt.

    Macht weiter so!

    Gruß aus dem Norden ...Klaus

    "Gebt mir einen Grund für Euren Optimismus!"

    Max Czollek, 2019