Wachsrückstandsanalysen - Rückstände - Ungereimtheiten

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    Hallo zusammen,

    nachdem ich nun mir mal bei verschiedenen Herstellern von Mittelwänden die offiziellen Analyseberichte für Ihr Wachs angesehen habe,

    musste ich feststellen, dass hier anscheinend mit "zweierlei Maß" gemessen wird.

    Untenstehend ein Analysebericht von unserem aktuell zum Verkauf stehenden Mittelwänden.


    Dazu ein Vergleich bei einem Hersteller auf dessen Website gezeigten Berichten zeigt:

    Anderes Prüfverfahren (Nr. 310) statt Nr. 312 und Nr. 505 und schon fehlen z.B. die Werte für 1.4-Dichlorbenzol und Thymol.

    Ebenso sind die Unterschiede in der Bestimmungsgröße gewaltig: 0,01mg/kg statt 0,5mg/kg


    Ergo hätt ich eigentlich "mit dem richtigen" Prüfverfahren rückstandsarmes Wachs.

    hm, sehr suspekt.

  • Ergo hätt ich eigentlich "mit dem richtigen" Prüfverfahren rückstandsarmes Wachs.

    Ja, das ist so. Mach das Prüfverfahren blind genug und alles ist rückstandsarm.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • eigentlich sogar "rückstandsfrei"


    In jedem Fall nochmal :thumbup: für deinen Einsatz, die Wachsproblematik für deinen Laden vorbildlich zu lösen. Ich wünsche dir genug Imker, die dann auch bereit sind, das Wachs zu kaufen. Ich bin den Weg der eigenen Wachspresse gegangen und scheide wohl als Abnehmer in Zukunft aus - außer meine Analysen ergeben irgendwann was komisches.

    In der Natur gibt es weder Belohnungen noch Strafen. Es gibt Folgen.
    (Robert Green Ingersoll)

  • Ich habe heute einen Werbeflyer per Post bekommen, auf dem ein großer Händler unter Anderem für sein Wachs wirbt.

    Zitat aus dem Flyer: " Die Streckung von Bienenwachs, mit Paraffin oder Stearin, wurde aus Kostengründen schon immer betrieben." Zitat ende.....


    Eigentlich ein Schuldeingeständnis, oder habe ich was übersehen??


    Jäger

  • Eigentlich ein Schuldeingeständnis, oder habe ich was übersehen??

    Falls wir den gleichen Flyer in Händen halten : JA !

    Nichts für ungut , aber aus dem Zusammenhang gerissene Zitate sind immer so eine Sache .....

    Da steht AUCH :

    Zitat z.B. " Wachsverfälschungen lassen sich verlässlich ausschliesslich durch die Laboranalyse ( Gaschromatographie gekoppelt mit der quantitativen Ermittlung des Gesamtkohlenwasserstoff -gehaltes) nachweisen.

    Pestizide lassen sich ebenfalls durch die Gaschromatographie nachweisen. Alle anderen Methoden,

    wie z. B. Mittelwände über Nacht in Wasser legen, usw. geben kein aussagekräftiges Ergebnis.

    Deshalb sollten Sie beim Kauf von Mittelwänden immer auf eine komplette Analyse bestehen. "


    Hervorhebungen durch mich.

    Bitte korrekt und fair bleiben - alles andere schadet nur m. E.

  • Ach was, stimmt doch, es wird und wurde schon immer gestreckt, seit es MW gibt. Ist doch alles gut dokumentiert. Es ist doch die Ausnahme, das es auffällt.


    Wenn ich jetzt aber die Entwicklung der letzten Monate sehe, frag ich mich allerdings schon, wer an der Kampagne verdient. Hier schlagen grade verschiedene Inserate auf, wo für das Kilo 'Öko-Mittelwände' 40€ und mehr aufgerufen werden. Wenn der Imkermeister nicht so virtuos und unermüdlich auf den Social Media-Knöpfen spielen würde, wären solche Phantasiepreise unmöglich. 40€/kg für den guten Zweck, nur die Panscher wollen sich bereichern. Is klar. Ich glaub die Nummer stinkt. Da hatte jemand Pech und witterte plötzlich die ganz große Chance.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Immer weiter im Ungewissen, Spekulation beliebig. Solange es keine klaren Regeln gibt, kannst Du Dir jede Analyse schönen. Und Bio ist per se gut, also teuer.


    Was darf drin sein, was ist keinesfalls drin ?

    Grenzwerte für bestimmte PSM, insbesondere für die, welche jetzt wieder eingesetzt werden dürfen..., sauber validierte Messverfahren ?!

    Fehlanzeige!


    Es gibt ja nicht mal einen Abgleich / Ringversuch zwischen den analysierenden Laboren.


    "Hier kann jeder machen was er will - im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung, versteht sich" ( ich glaube, das kam von H.D. Hüsch).

  • Danke Rainer für Dein Statement,

    ich glaub so langsam kapierts auch die Masse, dass ohne genaue Regeln/Gesetze jedem Hersteller Tür und Tor offenstehen. Jedoch bezweifle ich, dass von den nun geweckten Behörden was stimmiges rauskommt. Bei unserer Registrationszulassung machen Sie nun zur Auflage, dass sogenannte Handelspapiere für den Kauf/Verkauf lt. Gesetz verpflichtend wären. In dreifacher Ausfertigung: Käufer/Verkäufer und Transporteur. Natürlich nur mit Angaben der Betriebsnummern. Dagegen keinerlei gesetzliche Regelungen für Inhaltsstoffe/Rückstände (außer der allgemeinen Orientierung vom Wachspapst)!

    Gruß Butsche

    Es gibt viel zu tun; packen Wir`s an!

  • So läuft es vielfach: Aktivität zeigen bei der "Verpackung", den "Inhalt" aber unberücksichtigt lassen.


    Das macht erst einmal Eindruck, schafft jedoch keine Änderung des "Systems".


    Auch wenn es nicht mehr so heftig diskutiert wird, das Wachs vergisst keine materiellen Einflüsse...

  • Ach was, stimmt doch, es wird und wurde schon immer gestreckt,.. Es ist doch die Ausnahme, das es auffällt.

    Das ist unzutreffend. Und auffallen tun die Verfälschungen auch schon lange. Bereits bei den Importeuren. Jeder Umarbeiter weiß, was er verarbeitet. Manche teilen das ihren (Händler-)Kunden mehr oder weniger offen auch mit. Moderne Meßtechnik erlaubt es, die Mischungen ganz knapp an die Grenzwerte heranzufahren, die jedoch in anderen Branchen festgelegt wurden.


    Nur die Imker haben für ihren Bedarf nix festgelegt. Deshalb kann man ihnen - bisher sogar ungestraft - andrehen, was man will - sogar das, was nicht einmal die anderen Branchen nehmen würden. Und die alten Verteidigungstaktiken funktionieren nach wie vor wunderbar: Tricksen, Täuschen, Schuld abschieben (kürzlich sogar einen ehemaligen langjährigen Angestellten - inzwischen Leiter eines der renommiertesten Wachsanalyselabors - der Falschmessung bezichtigen) und auf Andere verweisen ("Haltet den Dieb!") und - nicht zuletzt: die Imkerschaft spalten, Uneinigkeit säen, damit die Kundschaft im Ergebnis nichts am kranken System ändert. Wir sollten endlich aufwachen und alles dafür tun, daß dieser Mechanismus durchbrochen wird.


    rase : Und selbst, wenn ich zu unerfahren bin als Imker, Auswirkungen unsauberen Wachses an meinen Bienen zu erkennen: Ich will nix anderes als sauberes und unverfälschtes Bienenwachs in meinen Völkern haben! Ist dieser Anspruch so unnatürlich, nicht selbstverständlich oder abartig, daß man ihm unlautere Motive unterstellen muß (ganz abgesehen von der Torpedowirkung dieser Unterstellung)?

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  • Bevor da Fehlinterpretationen auftauchen: Es hat schon immer Leute gegeben, die betrogen. Auch Imker, die bspw. Schrauben, Nägel, Steine in ihre Wachsblöcke eingossen, um mehr dafür zu erlösen. Die hatten aber zumindest ein schlechtes Gewissen und es waren Ausnahmen, nicht die Regel.


    Etwas (qualitativ wie quantitativ) ganz Anderes aber ist die systematische und in industriellem Ausmaß betriebene Abmischung von echtem Bienenwachs mit Industrieprodukten, um den Spielraum von Definitionen bis zum Letzten auszuschöpfen. Bei afrikanischem Bienenwachs mit Gesamt-KW-zahl von 11,5% läßt sich einiges dazukippen, bis man die Grenze für "Echtes Bienenwachs" 14,5% Gesamt-KW erreicht hat. Der eine mischt das ganz exakt und laborgestützt, der andere nach langjähriger Erfahrung und seinem Augenmaß. Wenn der Letztere sich verkuckt, ist er eben auch mal über 14,5%. Macht ja nix, schreibt man eben 18% nach RAL. Stimmt ja auch irgendwie...

    Deshalb entwickelt sich da auch kein schlechtes Gewissen, eher ein gewisser Hochmut: "Wenn die Imker so blöd oder geizig sind, so etwas zu kaufen -> dann gibt es offenbar einen Markt dafür! Der gehört erschlossen. Wer da zu spät kommt, den bestraft das Leben." Diese Kette gilt es im Interesse der Bienen und nicht zuletzt auch der Imker zu durchbrechen, nichts weniger.


    Die Seriosität von Definitionen echten Bienenwachses wird man daran erkennen, ob sie Echtes Bienenwachs als solches unzweifelhaft im wörtlichen Sinne festschreiben (analog der Definition von Honig) und scharf unterscheiden zu den (immer an den Stand der Wissenschaft anzupassenden) Nachweismethoden oder ob sie nur von den Nachweismethoden ausgehen. Letzteres würde die bisherige Mischmethodik nicht in Frage stellen.

  • Ach was, stimmt doch, es wird und wurde schon immer gestreckt,.. Es ist doch die Ausnahme, das es auffällt.

    Das ist unzutreffend.

    Nein, ist es nicht. Das kannst Du auch nachlesen, in der allerältesten Imkerliteratur. Schon vor dem Krieg. Gewisse Mengen an Paraffin galten sogar mal als etwas Positives.


    Ich find das auch nicht gut. Nur zu schreiben, wer postuliert das Wachs immer schon verfälscht in den Handel gelangte, der würde damit 'quasi' ein Schuldeingeständnis ablegen, das ist Quatsch. Derjenige war einfach ehrlich.


    Die zweite Frage ist die nach den Auswirkungen. Auch da muß man sagen, außer bis um die drei, vier Betroffen ist es wieder sehr ruhig geworden, 99% der Imker imkern wieder/noch so wie vorher. Ohne Massensterben. Der einzige, der weiter penetrant das Thema hochhält, ist jemand der es auch sonst nicht so genau mit Moral und der Wahrheit nimmt, wenn es ihm nutzt.


    Was uns direkt zur Frage drei bringt, wem nutzt es? Wenn ich jetzt Umarbeiter wäre, würde ich mir so'n Maskottchen halten welches durch FB/Internet irrlichtert, die Öffentlichsarbeit für mich übernimmt und mir unter den Anfängern die armen Seelen zutreibt, denen ich für horrende Summen meine 08/15 MW vertickern kann, wo ich vorher kurzerhand und beherzt 'öko' draufgeklebt hab. Mir die Kohle, dem Maskottchen die Aufmerksamkeit. Dazu noch herzige Stories vom Varroafasttotalverlust und ab jetzt nur noch Wachs aus Australien oder sonst was exotisches. Je nach Umarbeiter. Und das Maskottchen nickt zustimmend und alle Kritiker sind 'Verleumder', wobei da einige von in der Woche mehr Völker sehen als andere in ihrem ganzen Leben. Umfragen werden gemacht und wenn sie's nicht belegen, kassiert.


    Was für ein widerlicher Budezauber, dieses Geschäft mit der Angst! Bißchen faszinierend aber auch.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife