Woran starb dieses Volk?

  • Über die Todesursache sind wir uns einig. Aber das dieses Volk sterben musste, hat meiner Meinung nach die Ursache in der Brutentnahme. Das Volk ist stark mit Altbienen in den Winter gegangen, die Nachzucht von Jungbienen ist auf der Strecke geblieben, deshalb ist das Volk tot.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • "OS-Verdampfung"

    <Klugscheissmodus an>

    Wie schön, dass es in Anführungszeichen steht. Für den Imker ist es egal, weißer Qualm, Dampf, Rauch, ... wabert durch die Beute. Korrekt bezeichnet Sublimation den direkten Übergang von der festen in die dampfförmige Phase, also kein Schmelzen & Verdampfen.

    <Klugscheissmodus off>

    Tatsächlich :/

  • Mal wieder zum Thema - gibt es dazu noch Infos ?


    Die Brutentnahme ist i.d.R. eine sehr gute Maßnahme, wenn sie zur rechten Zeit und vollständig vollzogen wird.

    Honey Bee: Wie hast Du es gemacht?

    Ohne die Antwort auf die Fragen nach konkreter Methode und Zeitraum der TBE sind sinnvolle Analysen oder gar Ratschläge nicht möglich.

    ...das dieses Volk sterben musste, hat meiner Meinung nach die Ursache in der Brutentnahme. Das Volk ist stark mit Altbienen in den Winter gegangen, die Nachzucht von Jungbienen ist auf der Strecke geblieben, deshalb ist das Volk tot.

    Das ist reine Spekulation und v.a. unlogisch. TBE kann m.E. bei unseren gemäßigten klimatischen Verhältnissen durchaus noch im August funktionieren, Kleingartendrohn meinte sogar noch Ende August/Anfang Sept. - wenn in Segebergern mit guter Wärmedämmung.

    a) Bis dahin hätte ein halbwegs gesunder Bien durchaus die Möglichkeit gehabt, genügend gesunde Winterbienen aufzuziehen.

    b) Nach Entnahme der Brut legt der Bien noch einmal richtig los mit dem Brutgeschäft - hätte also auch nach der TBE durchaus noch genügend Zeit und auch das Potential, eine ordentliche Wintermannschaft aufzuziehen.


    Beispiel: Ich selbst habe hier

    - am 23.7.17 dem Sammler vom Sammler (gebildet ab 8.7.17 aus 4 überdurchschnittlich vermilbten Fangwaben des Brutsammlers aus TBE + ca. 4 - 6 verdeckelten BrW-flächen aus noch nicht geschlüpften Restbrutbeständen des Brutsammlers) eine BrW mit verdeckelter Weiselzelle zugehängt, danach restentmilbt und bereits (nach Schlupf der Prinzessin, Eintritt der Brünftigkeit und Begattung)

    - am 22.8.17 auf 6 ZanderW Brut gesehen, obwohl die Volksstärke zu diesem Zeitpunkt eher unterdurchschnittlich war.

    Die können also enorm zulegen, wenn es pressiert. Brutfreiheit trat ein bereits

    - am 11.11.17/behandlungsbedingter Milbenfall bei Restentmilbung: 19 Milben.

    Dieses Volk ist relativ stark eingewintert und auch gestern in normaler Auswinterungsstärke beim Pollensammeln gewesen. Man kann für dieses Volk also nicht sagen, daß die TBE die Aufzucht zahlreicher und gesunder Winterbienen verhindert hätte - im Gegenteil.

  • Welches TBE-Verfahren wurde angewendet, resp. wie wurden die Rest-Milben auf den erwachsenen Bienen entfernt?

    Mal wieder zum Thema - gibt es dazu noch Infos ?


    Die Brutentnahme ist i.d.R. eine sehr gute Maßnahme, wenn sie zur rechten Zeit und vollständig vollzogen wird. Noch besser ist eine im Anschluss (nach 1 bis 2 Wochen) durchgeführte OXS-Behandlung.

    Ich habe mit der Honigernte Ende Juni alle Brut entnommen, bis auf eine Fangwabe mit jüngster Brut. Die kam eine Woche später raus. Die Bienen kamen auf komplett neue MW, bis auf FW am Rand.

    Die entnomme Brut wurde in einem Brutsammler an einem zweiten Standort mehrmals mit MS behandelt (insgesamt drei Mal im Abstand von 4-7 Tagen) und anschließend auf alle Völker am Stand aufgeteilt.

  • Entschuldigung, ich bemerke gerade eine logische Lücke in meinem Beitrag #17:


    Der von mir beschriebene Sammler vom Sammler hat innerhalb von 1 Monat (bis 22.8.17) aus einer gegebenen Weiselzelle nicht nur eine vollwertige Kö. herangezogen, sondern sogar noch auf 6 Waben Brut angelegt. Das schafft ein Bienenvolk durchaus, auch in Zander-Holzbeuten. Dieses Volk war aber nur in dem Sinne in TBE einbezogen, als daß es aus dem "Abfall vom Abfall", also den milbenverseuchtesten BrW gebildet wurde. Ihm wurde also KEINE Brut entnommen. Es sollte nur als Beispiel für die enorme Leistungsfähigkeit des Bien dienen.


    Die Brutentnahme selbst erfolgte dagegen (nach dem Konzept von Kleingartendrohn) aus den Brutspendern und aus dem Brutsammler. Diese Völker sind ebenfalls gut ein- und ebenso ausgewintert. Die Winterbienenmannschaft war immer gut aufgestellt. Seit ich dieses Konzept verfolge (2015) -> keine Völkerverluste wegen TBE, keine negativen Auffälligkeiten bei der Volksstärke in Herbst, Winter und Frühjahr - bei "normalen" standbegatteten Kö.

  • Honey Bee: Wie hoch war der natürliche Milbenfall vor der TBE?

    Kleingartendrohn´s Konzept sieht noch eine dritte Fangwabenentnahme am Tag 17 zur vollständigen Sanierung der Brutspender vor (PDF #1):

    TBE mit weiselrichtigem Brutsammler

    Unter der Annahme, daß jeweils mindestens 90% aller Varroen in der verdeckelten Brut sitzen, erreicht man mit der 3x ligen Brutentnahme rein rechnerisch eine Milbenreduktion von 99,9%, bei 2x ig nur 99%.

    Ist die Zahl der Restmilben zu hoch, kann sich im Zuge des überdurchschnittlichen Brutgeschäftes die Anzahl der Milben wieder expotentiell überdurchschnittlich vermehren und die Winterbienenbrut übermäßig schädigen.


    Entsprechendes würde gelten, wenn die Restentmilbung der aufgeteilten Bienenmasse des Brutsammlers nicht ausreichend funktioniert hat und daraus eine Reinfektion mit Varroen stattfand oder eine solche bspw. durch Räuberei zustande kam.


    Ein Varroaschaden ließe sich mglw. mit dem "Soldatenfriedhof" nach Guido Eich jetzt noch diagnostizieren.


    Meine These ist jedoch: Todesursache ist letztlich Überdosierung bei der OX-Träufelung. Indiz dafür wären mglw. die Kotspuren, da man bei dieser Behandlungsart die Bienen gegen ihre natürliche Abneigung dazu zwingt, OX-befrachteten Zuckersirup in ihr Verdauungssystem aufzunehmen. Anders werden sie die klebrige Masse ja nicht wieder los als durch Abschlecken. Zuviel ist dann eben zuviel. Außerdem sinkt ihre körperliche Leistungsfähigkeit durch OX-Aufnahme ab, selbst wenn sie überleben. Das zeigt die Dissertation von Saskia Schneider:

    http://www.diss.fu-berlin.de/d…chneider_Saskia.diss..pdf

    Die Gefahr der Überdosierung ist bei der Sublimation viel geringer, da die Bienen nicht gezwungen werden, die OX aufzunehmen.

  • Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde der BS verstellt und 3-fach mit MS behandelt (gesprüht); Abstand 4 bis 7 Tge.


    Meine Erwartungen an die Wirksamkeit von MS sind gering - viel Aufwand, wenig Wirkung (meine Erfahrung !). Insofern mal die Vermutung einer zu geringen Wirksamkeit der BS Behandlung. Und mit der Rückverteilung der BS-Bienen könnten sich etliche Milben wieder "eingeschlichen" haben.


    Hast Du die BS vor der Rückverteilung beprobt ?


    Möglicherweise liegt da die Ursache. ... !?


    Beste Grüße


    Rainer

  • Ich habe mit der Honigernte Ende Juni alle Brut entnommen, bis auf eine Fangwabe mit jüngster Brut. Die kam eine Woche später raus. Die Bienen kamen auf komplett neue MW, bis auf FW am Rand.

    Das Altvolk wurde wie behandelt? Nur Fangwabe ist zuwenig. Im brutfreien Zustand bieten sich organische Säuren an, am besten gesprüht (MS, OS) oder verdampft (OS), (MS halt ich persönlich auch für deutlich weniger potent). Danach steht einem gesunden Neustart eigentlich nichts mehr im Wege.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Wenn ich es richtig verstanden habe, wurde der BS verstellt und 3-fach mit MS behandelt (gesprüht); Abstand 4 bis 7 Tge.


    Meine Erwartungen an die Wirksamkeit von MS sind gering - viel Aufwand, wenig Wirkung (meine Erfahrung !). Insofern mal die Vermutung einer zu geringen Wirksamkeit der BS Behandlung. Und mit der Rückverteilung der BS-Bienen könnten sich etliche Milben wieder "eingeschlichen" haben.


    Ja, das kann ein Problem gewesen sein. Ich würde bei einer erneuten TBA auch nicht mehr mit MS behandeln.

    Deshalb habe ich die Völker nach der TBA auch noch mal mit Schwammtuch und 60% AS behandelt, weil der Milbenfall noch leicht erhöht war. Das scheint nicht ausgereicht zu haben.

  • Honey Bee: Wir können hier noch länger spekulieren, bspw. über die mglw. erhöhte Varroa-Startlast im Frühjahr 2017 wegen unzureichender Restentmilbung im Spätherbst 2016 usw. Es hilft nichts: Du solltest die Reste des toten Volkes genauer untersuchen: Varroakotreste in Brutzellen, Varroaleichen in den Zellen bzw. auf den toten Bienen (Auswaschprobe - m.E. sehr unzuverlässig) und "Soldatenfriedhof" nach Guido Eich:

    https://www.imkerverein-greven…s-habe-ich-falsch-gemacht


    rase: Ein Mißverständnis: Honey Bee hatte die gesamte (verdeckelte) Brut entnommen und 1 Woche später nochmals eine Fangwabe, also 2 x Fangwaben entnommen, nicht nur 1x.

    Fehler dabei:

    a) Fangwabe wurde nicht mittig platziert und auch nicht eine LeerW daneben gehängt, um die Kö. beim Stiften, in deren Gefolge junge, milbentragende Pflegebienen in unmittelbarer Nähe der Fangwabe zu binden und so die Fängigkeit der Fangwabe zu optimieren.

    b) Die 3. Fangwabenentnahme unterblieb.

    Folge: weiter zu hohe Varroalast (#23) -> Schwammtuch mit AS (Zeitpunkt nicht genannt, Wirkung auf Milben und Brut/Brutgeschehen unklar).


    beemax: Die MS-behandelten Bienen des BS wurden offenbar allen Brutspendern zurückgegeben, nicht nur dem verstorbenen Volk. Deinen Hinweis auf die unzuverlässige Wirkung von MS möchte ich aber nicht abschwächen und ergänzend fragen: Was geschah mit der Brut des BS - während der MS-Behandlung und danach? Hintergrund dieser Frage: Im BS sind Fangwaben konzentriert -> erhöhte Varroalast. Wenn gleichzeitig Brut gepflegt wird, können viele Milben dorthin flüchten, in Futtersaftseen

    abtauchen und sich so vor MS schützen und sich in der dann später verdeckelten Brut vermehren. Die dadurch erhöhte Milbenlast kann man erst später als in 3 Wochen danach beobachten - hier mglw. nicht, da die Bienen ja den Brutspendern zurückgegeben wurden.


    Unabhängig davon: Mglw. trafen bei dem verstorbenen Volk mehrere Faktoren zusammen, die letztlich zu seinem Niedergang beitrugen, ohne daß man einen davon als Alleinursache zuordnen kann.

  • Kein Mißverständnis. Nachdem die offene Brut raus ist, wird 1x behandelt. Hier zumindest.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • rase: Das verstehe nun ich wiederum nicht: Nur die offene Brut wird entnommen, nicht die verdeckelte?


    Unabhängig davon verspielt man mit dem Einsatz von TAM einen systemischen Vorteil der TBE: Ohne TAM, mit bloßer TBE werden die Milben zur Weitervermehrung ausgelesen, die nicht fit genug waren, in die Brut zu flüchten (Jüngsten- und Schlechtestenauslese), mit TAM die Milben, die diese TAM-behandlung aushalten bzw. sich rechtzeitig vor ihr schützen können (Bestenauslese).

    (TAM = TierArzneiMittel).