Amerikanische Faulbrut durch Import-Honig

  • Hallo zusammen,


    ich bin ein Neuimker und habe letztes Jahr mit zwei Ablegern angefangen.


    Nun habe ich einen Riesenfehler gemacht, der mir gestern schon ein schlaflose Nacht bereitet hat. Und zwar war das eine der beiden Völker bei der Kontrolle am vergangenen Wochenende sehr leicht und hatte nur noch wenig Futter, so dass ich überlegt habe, das Volk mit Futterteig notzufüttern. In einem Anfall geistiger Umnachtung habe ich dazu einen Futterteig aus Puderzucker und Honig gemischt, wobei ich für den Honig einen Import-Honig (wo auch evtl. nicht EU-Honig drin!) verwendet habe. Nachdem ich das Paket mit knapp 700gr vorgestern auf die Bienenwaben gelegt habe, ist mir abends aufgefallen, was für einen Riesenfehler ich da gemacht habe. Entsprechend habe ich gestern Morgen sofort den Futterteig wieder rausgenommen, allerdings war dieser schon knapp 60gr leichter (davon ~30gr Import-Honig).


    Ich weiß, eine unglaubliche dämliche Aktion, aber für mich stellt sich jetzt die Frage, was ich nun machen soll. Die Wahrscheinlichkeit für AFB in dem Honig ist ja sehr hoch und ich möchte insb. ausschließen, dass irgendein Imker in der Nähe (sollten allerdings sehr wenige sein, da ländliche/dünnbesiedelte Gegend) wegen meiner Dämlichkeit auch die AFB bekommt.


    Soll ich das Volk jetzt sofort (mit Schwefeldioxid?) vernichten? Reicht es, wenn ich das Futter zur Kontrolle einschicke und erstmal abwarte?


    Vielen Dank

  • Du hast jetzt einen Fehler gemacht, den du aus Aktionismus mit einem zweiten Fehler korrigieren willst?

    Bleib erst mal ruhig und warte ab. Faulbrut heißt FaulBRUT, weil die Brut betroffen ist. Zur Zeit wird noch nicht überall gebrütet und nicht jeder Honig enthält AFB-Sporen in direkt schädigender Dosis. Im Grunde gibt es diese Sporen in jedem Bienenvolk und trotzden geht nicht jedes Volk daran ein. Nach einigen Tage ist das Futter verbraucht und auch die möglicherweise vorhandenen Sporen sind "verbraucht".


    Die möglicherweise vorhandenen Sporen im Futter werden aufgenommen und dann auf natürlichem Wege wieder entsorgt. Moment dürfte das kein Problem sein, also behalte die Nerven und beobachte weiter. Wenn da nicht gerade einige Kilo dieses Honigs drin sind, sollte die Mischung deine Bienen auch nicht umbringen. Also mach du da auch nicht. Jemanden aus der Nähe um Rat fragen, ist sicher nicht verkehrt, aber dann musst du auch die Antworten ertragen können.


    Gruß Andreas

  • Erstmal - nicht gleich in Panik geraten ...


    Futter bzw. gleich den Honigrest einschicken reicht allemal. Du solltest darauf achten, dass keine Räuberei am Stand entsteht, oder wenn du hast, das betroffene Volk auf einen separaten Stand stellen, damit sich evtl. vorhandene Sporen nicht weiterverbreiten.


    Eleganter ist es aber unter Umständen, wenn du gleich beim Veterinäramt um Rat fragst, wenn die die Probe wegschicken, hast du damit im Normalfall keine Laborkosten.

    Sollte das Veterinäramt das ignorieren und du aber auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst du dann immer noch ein paar Wochen abwarten, eine Sammelprobe vom BSV ziehen lassen und gleich ein Gesundheitszeugnis für alle Völker beantragen.


    Wie hoch das Risiko wirklich ist, kann ich nicht abschätzen, halte es aber eher für gering.

    Gruß
    Ludger

  • Im Grunde gibt es diese Sporen in jedem Bienenvolk und trotzden geht nicht jedes Volk daran ein.

    Das hört man oft, aber dafür hätte ich gerne mal Belege. Denn soweit ich das mitbekommen habe sieht das die Faulbrutspezialistin Frau Genersch an unserem Bieneninstitut anders. Deshalb gibt es ja Futterkranzproben, da wird auf Faulbrutsporen untersucht, und bei hunderten Proben jedes Jahr wird keine Spore gefunden. Nun ist natürlich ein Esslöffel voll Honig nur ein winziger Ausschnitt des ganzen Futtervorrates. Aber manche Imker nehmen jedes Jahr Proben und es wird über Jahre hinweg nie eine Faulbrutspore gefunden. Das entspricht nicht meiner Vorstellung von "Sporen in jedem Bienenvolk vorhanden".

    Ich finde, man sollte diese Legende von den immer vorhandenen Sporen endlich aussterben lassen, sie hilft eh nicht weiter.


    neuimker2017 : da würde ich mich Andeas anschließen: keine Panik.

    Faulbrutsporen in Importhonig sind zwar wohl relativ häufig, also keinesfalls die große Ausnahme.

    Laut Faulbrutspezialist aus Celle (glaube, es war Werner von der Ohe) erkrankt ein Bienenvolk normalerweise nicht gleich von geringen Mengen verseuchten Honigs. Irgendwo war sogar mal davon die Rede, dass dafür "ein Glas voll" nötig sei.

    Wenn ein Volk jetzt Futterteig aufnimmt, und dann auch nur 60g, werden sie das mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Heizen verbrennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Larven erkranken und dadurch ein klinischer Ausbruch resultiert ist eher gering.


    Andere Völker in der Umgebung würden eh erst dann infiziert, wenn dein Volk klinische Symptome zeigt und andere Völker Honig aus diesem Volk plündern.


    Du solltest halt ein Auge auf das Volk haben und auf jeden Fall später (ein paar Brutzyklen würde ich schon abwarten) eine Futterkranzprobe untersuchen lassen.


    Grüße,

    Robert

  • neuimker2017 , die Eselei hatte ich in meiner Anfangszeit auch mal begangen. Glücklicherweise ist nix passiert - die nachträgliche Futterkranzprobe zeigte keine Auffälligkeiten. Diese solltest Du m. E. jedes Jahr entnehmen und ins Labor senden, unabhängig von solchen Aktionen.


    Das bin ich meinen Bienen schuldig und denen der Nachbarimker auch. Es kostet ein paar Gläser Honig....


    Beste Grüße


    Rainer

  • neuimker 2017: Gut, daß Du bereit bist, Fehler einzugestehen und die Konsequenzen selbst zu tragen/von Deinem Bienen möglichst abzuwenden! Diese Grundhaltung solltest Du Dir immer bewahren.


    Da Du Dein Profil nicht ausgefüllt hast, wissen wir nicht, wo Deine Bienen stehen. Hier kostet die Futterkranzprobe (FKP) 9,60 EU (Sammelprobe aus 6 Völkern) gem. Kostenbescheid des Vet.Amtes. Diesen Weg über das VetA würde ich Dir ebenfalls empfehlen:

    a) Es ist für Dich u.U. preiswerter als der Eigenauftrag an ein Labor.

    b) Das VetA lernt Dich und Deine verantwortungsvolle Grundhaltung kennen.

    c) Deine Daten/Laborergebnisse stehen nicht nur Dir, sondern auch dem VetA zur Verfügung und können so in deren AFB-Vorsorgekonzept eingearbeitet werden.

    Es gibt ernstzunehmende Imker, die lassen in jedem Jahr eine FKP ihres Bienenstandes machen aus v.g. Gründen und obwohl bei ihnen kein erhöhtes AFB-Risiko besteht.

  • Im Zweifelsfall war im Honig außerdem weniger Honig drin, als Du befürchtest. Beobachten ja, Panik nein.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich werde weiter beobachten und diese Woche den verwendeten Honig (falls möglich) zu einem Labor zur Untersuchung zu schicken.

    Ich bin nicht sicher, was das bringen soll. Wenn die Probe positiv ist, was dann?


    Weiß ja nicht, was auf dem gekauften Honigglas draufsteht, aber im Zweifelsfall gehe ich sowieso davon aus, dass der Importhonig Faulbrutsporen enthält. Alles oben geschriebene, mit dem eher geringen Risiko einer Infektion des Volkes, trifft dann trotzdem zu. Es ändert sich also nichts grundlegend, wenn du den Honig untersuchen lässt.


    Ok, wenn die Probe negativ ist, dann kannst du dich etwas beruhigter fühlen. Aber nicht zu beruhigt. Eine Futterkranzprobe der eigenen Völker ist trotzdem jedes Jahr empfehlenswert, denn deine Völker könnten sich ja auch von anderswo Sporen reinholen. Eine negative Probe des verfütterten Honigs macht also in meinen Augen eine Futterkranzprobe später im Jahr nicht überflüssig.


    Eine positives Ergebnis (also Faulbrutsporen im Honig gefunden) wiederum erzeugt möglicherweise Unruhe auf Seiten des Veterinäramtes, die Maßnahmen bleiben aber die gleichen, als wenn man einfach nur auf Verdacht davon ausgeht, dass im Honig Sporen waren, von diesem Honig aber nur wenig verzehrt wurde: abwarten, beobachten, später im Jahr Futterkranzprobe.


    Grüße,

    Robert

  • Hier kostet die Futterkranzprobe (FKP) 9,60 EU (Sammelprobe aus 6 Völkern) gem. Kostenbescheid des Vet.Amtes. Diesen Weg über das VetA würde ich Dir ebenfalls empfehlen:

    a) Es ist für Dich u.U. preiswerter als der Eigenauftrag an ein Labor.

    Hier in Berlin hatte ich bisher mit vier verschiedenen Veterinämtern zu tun und mindestens sechs verschiedenen Veterinären. Da war alles dabei von erfahren Veterinär der selber Imker ist, über erfahrene Veterinärin, die immerhin ihren eigenen Schutzanzug mitbringt über Veterinär der lieber ein paar Meter Abstand hält, während ich die Futterkranzproben rauslöffele, bis hin zum Neuveterinär, der von mir das erste Mal Bienenvolk und Futterkranzprobe gezeigt bekommen hat.


    Preiswerter sind die Beprobungen durch den Amtsveterinär hier nie. Jedes Amt scheint seine eigenen Preise zu haben, aber im wesentlichen lief es meist auf etwas in der Art hinhaus: ca. 30-50 Euro für den Besuch des Veterinärs und das Ausstellen der Papiere plus nochmal 40 Euro für die Untersuchung durch das Landeslabor.

    Das ganze kostete mich also meist etwas in der Größenordnung von 80 Euro, falls ich mich richtig erinnere.


    Wenn ich selber eine Probe an unser Bieneninstitut in Hohen Neuendorf schicke kostet mich die Untersuchung 18 Euro. (Damit bekomme ich aber kein offizielles, zur Wanderung berechtigendes Gesundheitszeugnis.)

    Preisliste Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen Neuendorf

  • Ganz vielen Dank für die vielen hilfreichen Antworten. Die Einwände zum Honig testen sind berechtigt. Ich werde in den kommenden 2-3 WOchen eine Futterkranzprobe einschicken und das Ganze weiter beobachten. Richtung Herbst würde ich dann ggf. nochmal eine Probe einschicken.


    Nochmals vielen Dank.

  • Hallo,


    Ich schließe mich den Ratschlägen "Ruhe bewahren und zu gegebener Zeit eine Futterkranzprobe ziehen" an.


    Für die Infektion eines gesunden Volkes sind 100 Mrd. Sporen erforderlich. Eine solche Menge befindet sich in etwa 500 g Honig eines an AFB bereits eingegangenen oder in 1,5 kg Honig eines erkrankten, aber noch lebenden Volkes. So gelernt im BSV -Kurs bei Guido Eich. Dein Risiko ist also äußerst gering.


    Sanierung erfolgt im AFB Fall ausschließlich nach Anweisung der Veterinärbehörde und nie im Alleingang!

    LG Doro

  • Kunstschwarmsanierung auf eigene Faust, oder durch den Amts.-Vet. wenn Sporen-Belastung. Alles besser als in einen klinischen Ausbruch mit Abschwefeln zu enden. Ich finde es sehr verantwortungsvoll vom neuimker2017 .

    Lies nochmal nach, was geschrieben wurde. Es war nicht von Futterkranzprobe die Rede, sondern Neuimker2017 wollte lt. Posting #5 eine Probe des verfütterten Honigs einschicken. Das wäre in meinen Augen sinnlos, und wegen 30g verfütterten Honigs gleich von Kunstschwarmsanierung zu sprechen schießt etwas über das Ziel hinaus.


    Jetzt, in #11 ist von einer Futterkranzprobe die Rede... :

    Ich werde in den kommenden 2-3 WOchen eine Futterkranzprobe einschicken und das Ganze weiter beobachten.

    ... was mir aber immernoch zu früh erscheint. Nach 2-3 Wochen, das wäre kaum ein Brutzyklus. Nach meinem Verständnis (nachdem ich ein paar Vorträge über AFB gehört habe) wäre es in diesem Fall hier sinnvoller, eine Futterkranzprobe erst nach ein paar Brutzyklen einzuschicken, eventuell erst vor dem Einfüttern, zumindest wenn er nicht wandern will/muss.

    Und natürlich die ganze Saison über nach klinischen Anzeichen Ausschau halten, also eingesunkene Zelldeckel mit schleimiger fadenziehender Masse darunter, ausgeräumte Brut, die sich nicht anders erklären lässt (ok, das ist extrem schwammig, ich kann jedenfalls bisher meistens nicht erkennen, warum ein Brutbild im Einzelfall lückig ist).


    Aber vielleicht kann jemand mit BSV-Qualifikation etwas dazu schreiben.


    Grüße,

    Robert