Diagnosehilfe - tote Völker

  • Hallo zusammen,


    Bei mir haben es zwei von sieben Völkern dieses Jahr nicht über den Winter geschafft - es hätte schlimmer kommen können, aber gut ist es trotzdem nicht. Ich versuche ja immer zu ergründen, woran es lag, um meine Fehler nicht zu wiederholen. Früher waren bei mir tote Völker immer recht eindeutig auf die Varroa zurückzuführen, diesmal bin ich mir nicht ganz sicher. Vielleicht könntet ihr eure Meinung dazu abgeben?


    Beide Völker haben ungefähr das selbe Schadbild. Eines war ein Ableger vom letzten Jahr (einzargig überwintert), das andere ein Zweizarger.

    Bei beiden waren noch Bienen vorhanden: Bei dem kleinen etwa 2 Honiggläser voll, bei dem großen etwa 4 - zum Teil auf den Waben, zum Teil auf dem Boden. Bei beiden habe ich die Königin gesehen. Brut war keine mehr da, Kotflecken habe ich nicht gefunden. Deformierte Bienen habe ich nicht gesehen, Varroamilben auch nicht in auffälliger Anzahl. Bei beiden Völkern steckten viele Bienen in den Waben...

    Beide waren im Dezember bei der OS-Behandlung noch am Leben. Das zweizargige Volk hatte allerdings im November einen Milbenfall von etwa 20/Tag (keine Ahnung, warum da die Behandlung so schlecht angeschlagen hatte). Der Einzarger hatte durchgängig sehr wenig Milben, war aber bei der OS-Behandlung schon recht mickrig - 3 Wabengassen besetzt.

    Futter war bei beiden noch reichlich vorhanden, bei beiden eigentlich auch recht nah an den Bienensitz heran. Allerdings weiß ich nicht recht, was "nah" in dem Fall heißt. Wahrscheinlich kann es im Ernstfall für die Bienen schon zu weit sein, wenn sie auf die nächste Wabe wandern müssen, oder?


    Jetzt wäre meine Hypothese, dass beide verhungert sind, weil der Kontakt zum Futter abgerissen ist - bei beiden dadurch bedingt, dass sie geschwächt waren. Darauf deuten die in den Waben steckenden Bienen ja hin, oder?? Also bei dem großen eine Kombination aus Varroa und Hunger, bei dem kleinen einfach nur Hunger.


    Unsicher war ich deswegen, weil eben das typische Kahlfliegen nicht vorhanden war (doch keine Varroa?) und weil Futter ja eigentlich recht nah da war (doch nicht verhungert?). Ist es normal, dass bei einem Varroaschaden noch Bienen übrig sind? Und wie nah muss das Futter sein, damit der Futterstrom nicht abreißt?


    Ich danke euch für eure Hilfe!

    Gruß,

    Angelika

    Wohnort: Regensburg, Oberpfalz, Bayern
    Betriebsweise: Carnica in Magazinbeuten mit Zandermaß

  • Durch die Schrumpfung der Bienenmasse, war am Ende die Versorgung der kleinen Traube nicht mehr möglich. Weil beim Versuch Futter in die Traube zu schaffen, immer wieder eine Biene erstarrt ist, bis die gesamte Traube erstarrt ist.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Es kann bei knackiger Kälte schon der Weg von einem Wabenende zum Anderen zu weit sein. Wenn Bienen in den Zellen stecken sind die verhungert (meine Ferndiagnose)

    Sehe ich auch so.

    Schick doch den Totenfall mal zur Analyse, das ist einfach und bringt die beste Aussage.

    Von Varroa, Nosema und DWV ist alles möglich und meist ist es eine Kombination davon.

    Jelle

    Ich wurde gut erzogen. Keine Ahnung, was dann passiert ist...

  • Hallo Chily!

    Dass die letzten Bienen verhungert sind, ist als erwiesen anzunehmen. Die Bienentraube wird immer kleiner, muss für die Aufrechterhaltung der nötigen Temperatur immer mehr Futter aufwenden und der Abstand zum Futter wird immer größer. Der Teufelskreis schließt sich.


    Die Frage ist nur, warum ist die Bienentraube immer mehr geschrumpft und da ist mit Sicherheit die Varroa daran schuld. Bei dem Volk mit 20 Milben täglichen Abfall stellt sich die Frage nicht wirklich. 2 oder 4 Honiggläser voll toter Bienen ist nicht viel. Da wurde das Volk vorher schon stark dezimiert. Offensichtlich sind diese letzten Bienen dem Hungertod gestorben und konnten daher nicht mehr ausfliegen.


    Bei der Beurteilung eines Varroaschadens muss man immer weit in die Vergangenheit schauen.


    Grundsätzlich kann man sagen, eine kranke, durch die Varroa geschwächte, Bienen wird auch durch eine Behandlung nicht gesund. Das heißt, dass durch eine Restentmilbung nichts mehr gerettet werden kann. Eine Restentmilbung hat nur den Zweck einen guten Start ins nächste Jahr zu ermöglichen.


    Eine durch die Varroa geschädigte Bienen verbraucht genau so viel Pflege wie eine gesunde Biene, kann aber selbst keine ausreichende Brutpflege betreiben und ist kurzlebig. Die Abwärtsspirale nimmt seinen Lauf. Daraus ergibt sich, dass eine totale Brutentnahme ev. sogar günstiger ist, als wenn stark befallene Brut gepflegt wird, obwohl in diesem Fall auch gesunde Bienen schlüpfen würden.


    Dazu gibt es eine interessante schweizer Arbeit über die Lebensdauer von Arbeitsbienen:

    https://www.google.at/url?sa=t…Vaw1Sj-6Qh5LU_z93OraJYo2-


    Konnten sich durch die Varroa die diversen bienenschädigenden Viren bereits stark vermehren, dann sind auch gesunde Bienen betroffen. Es kann daher passieren, dass stark befallene Völker nach einer Behandlung einen geringen täglichen Milbenfall aufweisen und doch indirekt an der Varroa zugrunde gehen.



    MfG

    Honigmaul

  • Hallo!


    Danke euch für eure Antworten, das war hilfreich! Den Tipp mit dem Einschicken der Bienen werde ich befolgen, ich habe eh jeweils ein Honigglas voll Bienen aufgehoben. Den Rest habe ich leider schon "entsorgt" und die Beuten saubergemacht und ich bin mir nicht sicher, wie aussagekräftig die Bilder sind, die ich gemacht habe, aber ich zeige sie euch trotzdem mal.... Auf dem einen Bild sieht man die Bienen auf der Wabe sitzen, auf dem anderen habe ich die Bienen auf der Wabe abgekehrt und man sieht dann die, die darunter in den Zellen stecken.

    https://www.dropbox.com/sh/oqf…BIYJULyJJb8ViRfe3a2a?dl=0


    Viele Grüße!

    Wohnort: Regensburg, Oberpfalz, Bayern
    Betriebsweise: Carnica in Magazinbeuten mit Zandermaß

  • Hallo Chily

    das 2. Bild wo die Bienen in den Waben stecken sieht recht ungewöhnlich aus, als ob die Bienen einzementiert sind. Oder auch eingeschimmelt, würde fast sagen das da zu viel OS geträufelt wurde, aber normaler Weise sieht das auch anders aus. Auch ich gehe von einem Varroaschaden aus.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Zum einen sind die nicht letzte Woche gestorben, zum anderen da war denen vermutlich auch Ende August schon klar, was kommt. Brauchst nichts einzuschicken, Dein Varroamanagement war nicht gut. Kopf hoch, das passiert. Dieses Jahr besser machen! Ende Juli tickt die Uhr, egal was Du denkst oder hörst. Brauchst nicht zu zählen, mußt aber was machen. Ein bewährtes Konzept (fast egal welches) und das 1:1 umsetzen! Wenn das sitzt und klappt, kannst Du probieren. Wird schon!


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • rase Und wie soll sie etwas tun, besser machen und wissen, dass sie diesmal besser behandelt, als letztes Jahr?

    Wenn alle Methoden immer bei jedem funktionieren würden, unabhängig vom Wetter etc, dann hättest du recht! Aber dann sind alle Imker mit Verlusten Idioten, deiner Ansicht nach, denn sie müssen doch nur die "richtige" Behandlung machen.

    Aber die Realität sieht doch anders aus, oder? Glaubst du wirklich, dass die Leute absichtlich Völker verlieren und sich vorher nicht an Tipps von anderen Imkern, Büchern etc gehalten haben?


    Du gibst hier den Rat zu experimentieren, und das von dir☺ Man soll es besser machen, also Methode wechseln? Höhere Konzentrationen nutzen? Länger Behandeln? Häufiger Behandeln? Was soll getan werden? Oder soll man einfach deine Behandlung machen?

    Die einzige Kontrolle lehnst du ab, die eine ungefähre Einschätzung der Varroalast erlaubt. Aber nur weil du gut überwintert hast. Stell dir einmal vor, wie es für dich wäre, ein grossteil deiner Völker zuverlieren. ( auch gute Imkereien haben 2016 viele Völker verloren ) Da würdest du auch mehr Sicherheit haben wollen? Oder bist du hier unfehlbar?


    Den Bienen wäre vielleicht geholfen, wenigstens etwas Kontrolle einzuführen? Wie das Varroazählen? Nicht jedes Volk, aber 1-2 Völker als Referenz. Oder sind die Bienen nicht wichtig genug, um diese Arbeit zu rechtfertigen?


    Wie bei anderen Krankheiten..... Werte bei der Einstellung der Behandlung helfen können. Blutdruckwerte, Zuckerwerte..... Bis man gut eingestellt ist.

    Warum also im Blindflug weitermachen und nächstes Jahr wieder zittern, und wenn die Experimente leider nicht funktioniert haben, sich dann dem Spott von andern aussetzen.


    Rase, der Experimente an Bienen befürwortet.... Was für ein Morgen, vielleicht dankt heute auch noch Donald Trump ab.

  • Rase, der Experimente an Bienen befürwortet.... Was für ein Morgen, vielleicht dankt heute auch noch Donald Trump ab.

    Ein bewährtes Konzept (fast egal welches) und das 1:1 umsetzen! Wenn das sitzt und klappt, kannst Du probieren. Wird schon!


    Beste Grüße,

    Ralf

    Bist wohl heute früh auf Krawall gebürstet?

    Viele Grüße aus der Westlausitz


    "Was tausend Wichte sagen, bekommt Gewicht" - Johann Nepomuk Nestroy