Asiatische Hornisse

  • Wow, das sind ja dolle Bauten. Danke für die Zusammenfassung!


    Wurde also im Vortrag bestätigt, dass Völker im Raum Karlsruhe durch die velutina eingegangen sind? Oder stammen diese Bienenschaden-Schilderungen aus anderen Ländern?


    M.

    Hi M,


    Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.


    Viele Grüße,

    Patrick



  • Hallo Melanie, und alle Anderen


    in Gaggenau Oberweier war ein Bienenstand massiv betroffen.

    Es fing wohl bei einem Ableger an, danach wurden auch die großen und starken Völker angegriffen. Die eine Hälfte der Völker war dem Ansturm schon im Herbst nicht gewachsen, die Anderen sind jetzt über Winter eingegangen. Es wurde massive Räuberei im Spätsommer beobachtet, bis in November rein. Die Hornissen sind noch bei 5°C sehr aktiv. Das sind Temperaturen bei den die Bienen sich schon langsam zusammenkuscheln. Die Hornissen sind dann durchs Flugloch in die Beute und haben die Bienen aus der Wintertraube geholt. Denn durch die gut isolierten Nester brüten die Hornissen wirklich bis Frostbeginn, und so lange sie brüten brauchen sie Eiweiß als Nahrung für die Larven.

    Herr Dr. Verhaag berichtete, dass bei der Untersuchung des Nests von 2017, welches Anfang November entfernt wurde, noch ca.1500 Tiere incl. Brut gezählt wurden.


    Durch die Angriffe der Hornisse fliegen die Bienen im Spätsommer nicht mehr aus, da sie die ganze Zeit in heller Aufregung sind und das Flugloch verteidigen. Das ist für die Futterversorgung nicht gut, vor Allem holen sie auch keinen Pollen um Winterbienen zu erbrüten. Dadurch kommt es dann zu erhöhten Völkerverlusten im Winter.

    Eine Schutzmaßnahme ist eine Einengung des Flugloches auf 5,5mm, so dass die Hornissen nicht in die Beute eindringen können. In Frankreich bei ICKO gibt es schon entsprechende Fluglochschieber für Nicot-Böden zu kaufen. Auch gibt es verschiedene Vorbauten für die Flugbretter, meist Draht oder Plattenkonstruktionen, die die Hornissen auf Abstand halten.

    Ansonsten hilft bei massivem Angriff wohl nur Abwandern.


    In 2018 wurden bereits 12 Nester gefunden. Das nördlichste in Waghäusel, das südlichste in Gernsbach Lautenbach, also mitnichten nur im warmen Rheintal sondern auch im Schwarzwald.

    Flugnachweise gibt es von Neulingen Nussbaum bis Baden-Baden.


    In Post #1 habe ich noch viele Links


    Viele Grüße

    Meike

  • Hatten die denn was darüber erzählt, dass die Bestände im "Kernland" um Bordeaux wieder zurück gehen sollen? Die info wurde mir mal zugesteckt aber ich weiss nicht, ob das stimmt.


    Nach einer recht aktuellen Untersuchung (https://onlinelibrary.wiley.co…l/10.1111/1744-7917.12331) sieht das ja nicht so aus und 153 m Abstand im Schnitt ist auch nicht viel.


    Da aber auch danach der Einsatz von Fallen im Frühjahr gar nichts gebracht hat, ist das mit einem "Plan" etwas schwierig. Wie sollte der denn aussehen? Bis auf veränderte Zuchtziele bei unseren Honigbienen (aggressivere Fluglochverteidigung wurde vorgeschlagen) fällt mir nichts geschicktes ein. Das ist wie bei Waschbär, Nutria und Co. - einfach zu kriegen, schwer wieder los zu werden. Wobei die Nutria sich bei uns (Berliner Nordwesten) wieder zurück gezogen hat und es offenbar nicht geschafft hat, hier dauerhaft Fuss zu fassen.


    Unter https://www.researchgate.net/p…ituation_and_perspectives kann man übrigens ein scönes Poster über die Art runterladen - recht aktueller Kenntnisstand!


    M.

  • Hallo Melanie,


    das mit dem Rückgang un Frankreich hat Dr. Verhaag erwähnt. Wobei es hierzu wohl noch keine wirklichen Untersuchungen gibt eher "gefühlte" Einschätzungen. Es wurde auch nicht gesagt auf welchem Niveau sich dort die Bestände einpendeln oder ob der Rückgang der Hornisse vielleicht auch mit dem Rückgang von Bienenvölkern zusammenhängt.


    Das traurige das ich gestern Abend mitgenommen habe ist die Tatsache, dass die Behörden noch keinerlei Konzepte haben wie mit der Hornisse umgegangen werden soll. In Karlsruhe selber gibt es eine Berufsfeuerwehr die helfen kann. Wie es in kleineren Gemeinden dann aussieht oft noch nicht einmal ein Umweltamt etc. haben bin ich mal gespannt.

    Die Naturschutzbehörden sind komplett unterbesetzt, der LUBW hatte ich mal wenigstens eine Monitoring vorgeschlagen, kam auch keine Resonanz. Der badische Imkerbund oder DIB ist auch nicht sehr aktiv auf die Behörden Druck auszuüben, um wenigstens ein Interesse der Imker an der ganzen Problematik aufzuzeigen.

    Aussitzen und dann feststellen dass jetzt eh Alles zu spät ist.


    Viele Grüße

    Meike

  • Hallo Melanie!


    Nach dem Vortrag erzählte Dr. Verhaag noch, dass eine Abnahme der asiatischen Hornissen-Völker in Frankreich durchaus auch mit den "normalen" Reaktionen von Insekten auf Witterungsschwankungen erklärbar sei (Brutverhalten). Sorry, dass ich nichts Hoffnungsvolleres berichten kann.

    Viele Grüße

    Andreas

  • Mir macht vor allem die Zusammensetzung der aufgenommenen Nahrung Angst. 80% Bienen!


    Heißt, wo es viele Bienenvölker gibt, ist mit einem hohen vorkommen der Asiatischen Hornisse zu rechnen, in nicht all zu ferner Zukunft?


    Varroa, kleiner Beutenkäfer und asiatische Hornisse im Anmarsch. Was kommt als nächstes?

  • Kurze Info dazu ehe die Gerüchteküche weiter brodelt: Die Rücksprache hat ergeben, dass es sich bei diesem geschilderten Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit *nicht* um einen Verlust durch velutina handelt. Ich hatte den Fall Ende 2018 zugeschoben bekommen nachdem die Jungimkerin sehr viele Leute angeschrieben und alarmiert hatte (und leider offenbar keiner in der Nähe sich das mal anschaute). Ich hatte mit ihr telefoniert und mir das schildern lassen. Es wurde weder hawking beobachtet (also das Belagern eines Volkes durch davor patroullierende Velutinas) noch das Einschränken des Flugverkehrs oder Fluglochkämpfe. Tatsächlich beruhte die Annahme darauf, dass die beim letzten Besuch angeblich starken Völker beim Besuch im Spätherbst Besuch durch Hornissen bekam...und zwar geschätzt 5 bis 7 Tiere in der Stunde. Die Tiere trugen auch nicht etwa Bienen raus. Das entspricht eher dem typischen Räubern wie es auch unsere Kurzkopfwespen zeigen wenn sich die Bienen zur Wintertraube zusmmenziehen und sich die Wespen noch an den Vorräten bedienen...


    Grüsse

    M.

  • Mir macht vor allem die Zusammensetzung der aufgenommenen Nahrung Angst. 80% Bienen!


    Heißt, wo es viele Bienenvölker gibt, ist mit einem hohen vorkommen der Asiatischen Hornisse zu rechnen, in nicht all zu ferner Zukunft?


    Varroa, kleiner Beutenkäfer und asiatische Hornisse im Anmarsch. Was kommt als nächstes?

    Hallo Max Droni,


    Da bis zu zwei Drittel der Nahrungsgrundlage für die asiatische Hornisse Bienen sind, findet man die Sekundärnestern häufig in der Nähe von Bienenvölker.


    Grüße,

    Patrick

  • Danke für all die Infos!!


    Wie weit auseinander sind die Primär- und Sekundärnester?


    Gruß, Jörg

    Eine Fischsuppe aus einem Aquarium zu machen, ist leichter als ein Aquarium aus einer Fischsuppe.

  • Besten Dank für die Info...habe hier zu spät reingeschaut, ansonsten wäre ich auch zu dem Vortrag. Wohne ja quasi "um's Eck", mit der Hornisse vor der Haustüre. Hatte die zwar auf dem Schirm, wegen dem Nest im letzten Jahr, dass es aber so massiv ist, hätte ich im Leben nie gedacht.

  • Hallo liebe Imkerkolleginnen- und Kollegen,

    Zuerst möchte ich Euch sagen, wie richtig Ihr alle mit Euren Beiträgen zu diesem Thema liegt. Kommt selten vor, aber in diesem Thread habe ich bisher nichts zu beanstanden. Leider ist es so.

    Leider habt Ihr recht.

    Auf die Gefahr hin, dass dem geschädigten auch noch der Spott sicher ist, hier Tatsachen aus Frankreich:

    Von Oktober 2018 bis Januar 2019, habe ich drei Viertel meiner Völker durch VV-Terrorismus verloren.

    Klartext: von 40 runter auf 10.

    VV hat sich auch in meiner Ecke exponentiell vermehrt und in im Flugkreis meiner Bienen gab es wenigstens 4 Nester. Wohlwissend dass das kein gutes Ende haben könnte, habe Ich sofort die Préfecture aus Toulouse angeschrieben und um Hilfe, sprich Beseitigung des nächsten Nestes gebeten. (40 Meter von der Haustuer entfernt!)

    Dieser Rat kam vom nationalen Imkerverband SNA.

    VV ist in Frankreich ganz klar als Schädling eingestuft, seit letztem Jahr noch klarer als vorher.

    Die diesbezügliche Verordnung erlaubt es den préfectures gegen VV vorzugehen, verpflichtet sie aber nicht dazu, d.h. sie werden nur aktiv wenn Gefahr für Personen besteht.

    Sicher gibt es Fälle, in denen den betroffenen Imkern je nach Département oder Gemeinde geholfen wurde.

    In den allermeisten Fällen, so auch bei mir, geschah glatt gar nichts.

    Beim SNA und dessen sehr sympathischen Vorsitzenden hat das schon einigen Protest hervorgerufen. Frank hat mir noch seine Hilfe angeboten und nachhaken wollen, aber es war sowieso schon fast alles verloren.

    Es liegt also weiterhin am Imker doch gefälligst selbst in die Tasche zu greifen und einen Spezialisten mit der Beseitigung zu beauftragen.

    (Tarif steigt in der Regel mit der Höhe in welcher sich das Nest befindet).

    Die ganze Thematik ist

    traurig:

    nach wie vor keine direkte oder indirekte Hilfe für Imker in der Bekämpfung der Plage V.velutina.


    beschämend für die franz. Regierung (alt oder neu)

    und das zuständige Ministerium, die ein gefährliches, ernstes Problem nicht von Anfang an angegangen sind, als noch Zeit gewesen wäre. Das Dossier VV wurde regelrecht v e r b o c k t, die angrenzenden Länder mit V.velutina "beglückt", eine grenzüberschreitende SAUEREI.


    ärgerlich, weil klar ist dass VV, nachdem sie die Bienen verdrängt haben wird, sich andere Insektenopfer aussuchen wird und die Verarmung der Arten in dieser Hinsicht (noch) weiter zunehmen wird


    widersprüchlich, da offiziell nichts geschieht um unsere Bienen, ein Nutzinsekt von inzwischen unbestrittenen Wert, vor einem gesetzlich DEKLARIERTEN Schädling zu schützen

    und das Massaker einfallslos/tatenlos zur gelangweilten Kenntnis genommen wird.


    infolgedessen gesetzlich gesehen mehr als fragwürdig, aus Imkersicht eine "farce"


    hypokritisch wie auch in anderen Bereichen der Agrarwirtschaft.

    Auf der einen Seite sind Bienen und ihre Leistung stark erwünscht, (so versichern es uns doch Politiker, speziell in Vor-Wahlzeiten), auf der anderen Seite schutzlos dem Verenden ausgeliefert

    finanziell unzumutbar: Fangvorrichtungen, Hornissenlockstoff, elektrische Harfen, fuer VV nicht passierbare Vorhängekörbe an jeder Beute, Sonarvergrämung...


    He Leute, sonst geht's noch(?), und das alles weil Ihr in Frankreich Monstersch.... gebaut habt und noch weiter baut ?

    "Unmöglich", sagte der Stolz. "Riskant", sagte die Erfahrung. "Sinnlos", sagte die Vernunft. "Probier's doch aus", flüsterte das Herz.

  • Hallo!

    Hier nun das dritte Bild mit der Wanddicke eines der Karlsruher Nester.

    Stabile, dicke und sehr gute Isolierung gegen heiß und kalt (4-5cm dick "Wärmedämmung"). 6.11. bei 5 °c sind die geflogen.


    Nest am 17.11 kontrolliert:

    928 Larven

    695 Puppen

    137 Arbeiterin

    30 Jungkönigenen

    13 Drohnen


    Grüße,

    Patrick

  • Danke,


    Einige weitere Punkte aus der Präsentation.


    1. Eine Königinnen Vv kann bis zu 30 km fliegen, um einen Winterstandort zu finden.


    2. Die ersten Angriffe beginnen im Mai und dauern bis zu einem harten Frost.


    3. Vv Larve sind ca. 5x größer als Bienenlarve.


    4. Stöcke verteilen, nicht nebeneinander.


    5. In Frühjahr baut die Königen ihr eigenes Nest, oft an einer geschützten Stelle


    6. Maximaler Eingang von 5,5 cm. Nur wenn es keine Drohnen mehr gibt.


    Sind bislang keine Verfahren bekannt geworden, die die Ausbreitung in Europa hätten stoppen bzw. effektiv eindämmen können. "M. Verhaagh"


    Grüße,

    Patrick