Zander einzargig - Humbug oder wirklich sinnvoll ?

  • Wie sichert ihr den Futterstand bei Einzargern, wenn es zu Trachtpausen kommt?

    Insbesondere, wenn alles voll Brut ist und ihr die vollen Honigräume bereits gegen Leere ausgetauscht habt.

    Na ganz einfach: einen Teil des Honig belassen.

    Es gibt immer Waben, die nicht ganz gefüllt oder wenig verdeckelt sind. Die bleiben drin. Ist doch nicht weiter schwierig abzuschätzen, wieviel Futter die Bienen haben! Wenn das Wetter gut bleibt und die Tracht anhält, ist das eh kein Problem. Wir imkern doch nicht im Blindflug!

    Ich entnehme auch nie ganze Honigräume, sondern ernte Wabe für Wabe ab.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • 2016 habe ich ein- und zweizargig verglichen und bin dann 2017 auf durchgehend einzargig umgestiegen (bis auf ein oder zwei Völker, die ich noch zweizargig überwintert hatte und deren Brutnest nach dem Winter auf beide Zargen verteilt war). Mit der einzargigen Betriebsweise hatte ich 2018 keinerlei ernsthafte Probleme (unter einzargig verstehe ich, dass der Brutraum einzargig gehalten wird, den Völkern werden eine oder zwei Honigzargen aufgesetzt). Die Schwarmkontrolle geht viel schneller und sicherer. Der Honigertrag ist höher. Ggf. müssen Pollenüberschüsse entnommen werden. Brutentnahme (Ablegerbildung) im späten Frühjahr entspannt die Schwarmneigung. Trotz des am Ende doch recht kalten Winters ist keines der Völker an Futtermangel eingegangen (allerdings imkere ich im Weinbauklima, da reichen 9 kg gut für einen Einzarger, in kälteren Regionen ist wahrscheinlich Futterkontrolle angesagt).

    Überdies garantieren überwinterte Einzarger, dass man nach dem Winter keine auf zwei Zargen verteilte Brutnester hat. D.h., man kann unmittelbar vor der Obstblüte jeweils zwei Einzarger vereinigen, um starke Völker für die immer frühere Obstblüte zur Verfügung zu haben (ein starkes Volk kann mehr Bienen fürs Nektarsammeln losschicken als zwei schwache).

    Gruß Steffen

  • Hallo zusammen,


    wollte auch mal meinen Senf zu diesem oft diskutierten Thema abgeben.

    Zunächst vorweg, ich gehöre auch zu den Liebig/Aumeier geschädigten. Also imkere ich mit Zander und natürlich auch mit nur mit einem Rähmchen Maß. Ich weiß, dass für viele von euch ½ Rähmchen aus Gewichtsgründen einfach Sinn machen. Und auch ich mit 33 muss mich mit vollen Honigräumen schon sehr abmühen aber im Moment überwiegt bei mir noch der Vorteil von einem einheitlichen Maß und der damit geringeren Materialschlacht.

    Die Betriebsweise “Einfach Imkern“ habe ich von Anfang an kritisch hinterfragt und nicht für gesetzt angenommen. Daher war und bin ich immer auf der Suche nach guten Alternativen um meine Imkerei zu optimieren. Nach unzähligen Lesestunden im Netz und einem Vortrag von Hans Beer tendierte ich auch zur einräumigen Betriebsweise. Nun zu meinem Vorgehen: Ich führe die Völker ab Mitte/Ende März je nach Wetter konsequent auf einem Brutraum. Da Zander weniger Platz bietet als Dadant nach Hans Beer verzichte ich auf das Schieden. Ist mir zu viel Arbeit da man immer kontrollieren muss ob der Platz reicht. Daher meine Denkweise ganzer Zander Zarge als Brutraum und die Damen nutzen den Raum den Sie benötigen. Noch vor der Kirschblüte (bei Liebig zur Kirschblüte) gebe ich über dem ASG den Honigraum und den Drohnenrahmen auf Pos.2. Ganz nach Liebig nutze ich über den Frühsommer hinweg 2-3 Brutwaben um Ableger zu bilden und den Schwarmtrieb zu senken. Ganz nach Beer entnehmen ich konsequent Pollenwaben. Dieses können leider bei starkem Pollenangebot auch schon mal kaum ausgebaute Mittelwände sein, welche bereits voll mit Pollen sind und kaum weiter ausgebaut werden. Drohenrahmen schneide ich aus. Die Frühtracht schleudere ich nie zu 100% leer. Somit erhalten die Bienen am selben Abend einen Honigraum mit Honig zurück. Dieses reicht um keinen Futterabriss zu bekommen. Auch Randwaben bleiben zum Teil im Volk. Bei der einzargigen Betriebsweise kommt es durchaus vor, dass etwas Pollen im Honigraum eingelagert wird. Nach dem abschleudern der Sommertracht sortiere ich alle Waben mit auch nur einer Pollenzelle aus und setze diese als zweiten Brutraum den Wirtschaftsvölkern und den starken Ablegern als zweiten Brutraum auf. Über einer Leerzarge kommen die sauberen Honigwaben zum ausputzen. Meist auch nur 7 oder 8 Waben pro Zarge, damit der Raum unattraktiv ist. Nach einer Woche kommen die sauberen Waben runter, werden eingelagert und es wird etwas aufgefüttert. Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Ableger oder WV. Wieder eine Woche später jäh nach Wetter kommt die AS Behandlung. Dann Futter – 2AS Behandlung – Futter. Später prüfe ich ob Völker vereinigt werden müssen. Zu Weihnachten kommt dann die OS Behandlung. Bei den Ablegern behandele ich die früh gebildeten nicht mit MS da diese teilweise zur Sommertracht noch Honig bringen. Die späten Ableger werden mit MS behandelt. Mit AS behandele ich alle Völker. Egal ob Ableger oder WV. Ich weiß, dass die AS Behandlung Stress für die Bienen ist, aber sehr geringe Verluste geben mir meiner Meinung nach Recht. Vielleicht geht es auch mit etwas weniger. Somit überwintern bei mir WV und starke Ableger zweizargig. Schwächere Ableger einzargig. Anfang März bei gutem Wetter (also demnächst) kontrolliere ich alle Völker und entscheide was mit diesen Vökern passiert. (Entnahme des alten unteren Brutraum, Verkauf, oder auch mal eine Vereinigung bzw. aufsetzen über ASG auf ein stärkeres Volk) Sollte im unteren Raum noch Brut vorhanden sein, kommt die natürlich nach oben und werden dann über den Sommer aussotiert.

    Bei diesem Vorgehen sehe ich folgende Vorteile:

    - einfache Wabenhygiene im Frühjahr.

    - Völkerführung mit nur einem Brutraum

    - nur ein Rähmchenmaß

    - einfache Schwarmkontrolle

    - gute Honigerträge



    Freue mich auf Kommentare, Anregungen und Kritik!!!

  • Mal wieder sehr spannende Beiträge hier. Wieder dazu gelernt. Ihr scheint bei Zander 1zargig alle nicht zu schieden, du aber doch, Susanna, oder?

    Und genau@bienenhummel, der vertikal geteilte HR ist DIE Alternative für dich.

    Ich liege hier mit einer fetten Grippe und kann nicht an die Völker, um den unteren. BR zu entfernen:(

    Schnurrdiburr--da geht er hin.....

  • Hallo zusammen,


    ich imkere auch mit einem "kleinen" Brutraum (Segeberger). Obwohl ich das erst in der letzten Saison so praktiziert habe (davor "klassisch" mit zwei Bruträumen) bin ich sehr angetan davon, wiewohl es etwas mehr Aufmerksamkeit und Einsatz benötigt.


    Der Honigraum wird dabei etwas zeitiger gegeben als bei der zweiräumigen Führung. Da bei einem "kleinen" Brutraum der Pollenkranz bei gutem Polleneintrag nach oben, also in die Honigräume, wandert, werde ich dieses Jahr als ersten Honigraum eine Halbzarge geben. Diese verbleibt dann während der gesamten Trachtzeit auf dem Volk, geschleudert werden nur die Waben der folgenden Ganzzargen. Dies hat den Vorteil, dass die meisten Honigwaben pollenfrei bleiben, und neben dem Pollen auch immer etwas Honig im Volk verbleibt.


    Was ich dann mit den Halbzargen nach dem Abschleudern mache ist mir noch nicht ganz klar. Entweder werden sie geschleudert und eingeschmolzen, oder untergesetzt. Letzteres beseitigt eine Schwäche der einräumigen Führung : Ein kleinerer Wintervorrat. Die Halbzarge wird dann erst im Frühjahr entfernt und die Waben eingeschmolzen. Hat hierzu vielleicht jemand eine Meinung, bzw. praktiziert dies so ?


    Beste Grüße


    Peter

  • Hallo,

    Letzteres beseitigt eine Schwäche der einräumigen Führung : Ein kleinerer Wintervorrat. Die Halbzarge wird dann erst im Frühjahr entfernt und die Waben eingeschmolzen. Hat hierzu vielleicht jemand eine Meinung

    der Plan klingt gut... - ich würde untersetzen im Herbst, den Futtervorrat kannst Du zum Winterfutter dazurechnen. Aber beachte, das Zielgewicht der Beute für die Wintereinfütterung musst Du entsprechend anpassen!


    Dein Kommentar bzgl. "...eine Schwäche der einräumigen Führung : Ein kleinerer Wintervorrat..." - na das hängt ja wohl von der Größe des "einen Raumes" ab und von den Anforderungen der verwendeten Bienenrasse ab - ;-) :-) ... - ja bei Seeberger ist das wohl nicht alzu groß...



    Gruß

    Franz

  • Dein Kommentar bzgl. "...eine Schwäche der einräumigen Führung : Ein kleinerer Wintervorrat..." - na das hängt ja wohl von der Größe des "einen Raumes" ab und von den Anforderungen der verwendeten Bienenrasse ab - ;-) :-) ... - ja bei Seeberger ist das wohl nicht alzu groß...



    Gruß

    Franz

    Servus aus Hamburg !


    Du hast Recht, meine Aussage ist Segebergerzentrisch, mea culpa ;)

  • Der Honigraum wird dabei etwas zeitiger gegeben als bei der zweiräumigen Führung. Da bei einem "kleinen" Brutraum der Pollenkranz bei gutem Polleneintrag nach oben, also in die Honigräume, wandert, werde ich dieses Jahr als ersten Honigraum eine Halbzarge geben. Diese verbleibt dann während der gesamten Trachtzeit auf dem Volk, geschleudert werden nur die Waben der folgenden Ganzzargen. Dies hat den Vorteil, dass die meisten Honigwaben pollenfrei bleiben, und neben dem Pollen auch immer etwas Honig im Volk verbleibt.

    Also dieser Gedanke gefällt mir sehr gut, kann mir gut vorstellen, das damit der Brutraum auf einer Normalzarge noch attraktiver wird. Wäre dann 1,5 DNM mit ASG und würde auch das virituelle Brutnest im HR entschärfen, die HR-Waben blieben unbehelligt.

    Im Herbst könnte man die Königin sogar oben stiften lassen, bevor die Zarge untergesetzt wird. Ich wünsche dir viel Erfolg.

    Habe so ähnliche Gedanken auch für Meine 1,5 DNM gehabt, aber nur versuchsweise bei 1 oder 2 Völkern.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Die Frage des Brutraumes muß man von der Frage der Winterbevorratung unterscheiden.


    Im BrR kann eine Kö./Volk nur eine bestimmte Anzahl von Zellen bestiften. Rein zahlenmäßig reicht dafür selbst in der Hochsaison eine 1,0 ZaZarge bzw. DNM locker aus. Großwabenimker begrenzen deshalb das Brutnest entsprechend mit dem Schied.


    Die Winterbevorratung muß man dem Platzbedarf des Brutnestes anpassen. Dafür ist in unserer Region ein Za/DNM-BrRaum zu klein und es muß deshalb ein zweiter Raum zur Futtereinlagerung gegeben werden, sonst besteht die Gefahr, daß die Bienen aus Platzmangel (Futterlagerplatzbedarf) ihr Brutgeschäft vorzeitig einschränken und nicht genügend Winterbienen aufziehen können. Der Drohn schilderte sogar eine Betriebsweise, den Bien durch Überfütterung zu einer Brutpause zu zwingen, um dann besser gegen Varroa behandeln zu können - sprach sich aber ernsthaft gegen eine Nachahmung aus.


    => Deshalb imkern zumindest hier die meisten von März bis ca. Juli/August mit nur 1 BrR (Za/DNM) und setzen zur Auffütterung/Winterbevorratung eine zweite Zarge auf ohne ASG dazwischen, die sie dann im Frühjahr (ca. März) wieder entfernen - so wie es Canaus in #45 schildert. In diesem weiteren Sinne: saisonal angepaßter BrR oder besser: angepaßter Futterraum.

  • Die Halbzarge wird dann erst im Frühjahr entfernt und die Waben eingeschmolzen. Hat hierzu vielleicht jemand eine Meinung, bzw. praktiziert dies so ?

    Hallo Peter,

    ich habe früher mal 1,5 Zargig überwintert und da die mit Honig tlw. gefüllten Halbzargen untergesetzt. Die Bienen lagern das Futter dann um nach oben.

    Im Frühling konnte ich die Halbzarge dann leer entnehmen, das hat gut geklappt.

    Aber: sowohl Zarge als auch Rähmchen leider schon arg in der Winterzeit...

    Und das "unten weg" nehmen ist auch ein wenig kitzelig, je nach Wetterlage.


    Die Winterbevorratung muß man dem Platzbedarf des Brutnestes anpassen. Dafür ist in unserer Region ein Za/DNM-BrRaum zu klein und es muß deshalb ein zweiter Raum zur Futtereinlagerung gegeben werden,

    Wie ist denn bei Euch das Klima?

    Hier in Oberbayern werden Zander-Völker meist einräumig überwintert.

    Klar, ab März muß man mal wiegen und evtl. auch mal eine Futterwabe oder -teig zugeben.


    Servus,


    Alex

  • Einräumige Überwinterung in Za/DNM geht hier allenfalls bei schwächeren Völkern. Überwinterung heißt dabei: ab Ende Juli bis März. Nach der Linde ist hier Trachtschluß, der Rest bleibt den Bienen, auch wenn es manchmal Efeu ist -> zum Auskristallisieren neigt.

    Ich führe den vergleichsweise höheren Futterbedarf auf den milderen Klimaverlauf zurück (rd. 350 ... 400m Meereshöhe), der den Bienen entsprechend lange Brutperioden erlaubt und natürlich auf das magere Nahrungsangebot in der zwar kleinteiligen, aber durch Mischwald und LW geprägten Landschaft. Da ist ab Juli nicht mehr viel zu holen für die Bienen, Springkraut nur an wenigen Ausnahmestandorten. Typisches Frühtrachtgebiet eben...

  • Hallo Bettina,


    im ersten Jahr habe ich die 1-Zarger geschiedet, aber das war mir dann doch zu aufwändig.

    Ich mache das jetzt nicht mehr!


    Gute Besserung!


    Susanna

    Ein freundliches Wort ist wie Honig: angenehm im Geschmack und gesund für den Körper (Sprüche 16,24)