Warum ist mein gekaufter Honig oben ganz weiß

  • Besser wäre gewesen, den Honig nach dem letzten Rühren noch einen Tag stehen zu lassen, damit Lufteinschlüsse aufsteigen können. Dann hätte ich diesen Schaum abschöpfen können und der Honig wäre ohne Schaumschicht im Glas gelandet.

    Also bei mir reicht dafür ein Tag nicht, das ist ja das Problem.


    Wobei rühren bei mir heißt: ein Eimer völlig durchkristallisierter Honig wird leicht erwärmt und irgendwie mit Rapido-Rührer umfüllbar gemacht, in den Abfüllkübel gebracht (meist 30-35kg), homogenisiert, stehen gelassen, abgeschäumt.

    Aber selbst wenn er zwei Tage stand und dann abgeschäumt wurde gab es später in den Gläsern noch eine Schaumschicht.


    Hall Re-Mark,

    genau so habe ich es die ersten Jahre auch gemacht - und wie Du immer diesen kleinen Schaumkranz gehabt. Dazu war der cremige Honig dann zum Teil sehr "beweglich", also nicht feinsteif, weil ich ihn mit dem Rapido etwas überrührt hatte. So richtig schön cremig-feinsteiff, wurde er damit nur selten.


    Also habe ich mir letztes Jahr den Rührmeister geleistet. Nach dem Schleudern wartete ich bis der Inhalt der Kübel leicht "schletzig" wurde, also zu kristallisieren anfing. Dann rührte ich täglich einmal 10 Minuten.

    Wenn ich das Gefühl hatte, daß der Honig in den nächsten 24 Std. so fest wird, daß ich ihn nicht mehr abfüllen kann, wurde nach dem letzten Rührvorgang sofort in Gläser abgefüllt. Die letzte Kristallisation erfolgte dann im Glas und der Honig wurde wunderbar! Ich bin richtig begeistert.

    Bei einigen Kübeln habe ich aber wohl zu früh abgefüllt, da bildeten sich oben später eine kleine weiße Schicht bzw. einige kleine Schaubläschen. Da fehlte mir noch die nötige Übung und das Gespür dafür.


    Leider konnte ich nicht alle Eimer so verarbeiten, so daß nun fertig gerührter Honig in Kübeln auf die Abfüllung wartet. Aber den kriege ich wohl nicht mehr ins Glas, ohne den Eimer zu erwärmen.


    Aber der Rapido liegt seither ungenutzt herum...


    Servus,

    Alex

  • Für das Imkern gibt es kein Patentrezept. Dise Aussage trifft mMn ziemlich heftig auch auf die Honigverarbeitung zu.


    Alles was man im Honigkurs lernt ist: 'Frühtracht wird nach dem Schleudern 2 mal täglich gerührt bei ca. 30 - 40 rpm. sobald er anfängt milchig zu werden, bevor er zu fest wird noch einmal rühren und dann direkt abfüllen.'

    Hört sich super einfach an, aber dann gehts los. Also der Honig fängt an Milchig zu werden und der Anfänger fängt an zu rühren.

    Aber am zweiten Tag beim Rühren fängt plötzlich die Bohrmaschine an furchtbar zu stinken und zu rauchen.

    Bis der Anfänger nun einen Kraftmischer besorgt hat ist der Honig fest. Versagt.


    Beim nächsten mal freut sich der Anfänger über seinen Kraftmischer und rührt fröhlich bei Vollgas vor sich hin. Woher soll er denn wissen wann sein Kraftmischer 30 - 40 rpm dreht?

    1% der Anfängers überlegt über einen Hall-Sensor per Arduino die Drehzahl am Rührer auszulesen und auszugeben. Der rest denkt sich: 'Was soll das überhaupt mit dieser 30 - 40 rpm Angabe, je mehr Umdrehung desto Kristall-zerschlag'.

    Der Anfänger merkt nach 3 Tagen dass der Honig langsam fest wird, und füllt ab. Honig wird im Glas steinhart. Versagt.


    Beim nächsten mal selbe Prozedur wie oben, Anfänger rührt 3 Tage länger mit Vollgas. Jetzt freut sich der Anfänger über seinen tollen Honig, den andere eher als Pampe mit Knirsch bezeichnen würden, den er jetzt aber leider alleine zum Frühstück aus den Eimer essen muss, da er ihn nicht mehr abfüllen kann, zu Zähflüssig.

    Anfänger hat weder Melitherm noch Wärmeschrank.


    Beim nächsten mal führt Anfänger die Prozedur in der Küche durch, da es dort 5 Grad wärmer ist. Plan geht auf, Anfänger kann Pampe mit Knirsch erfolgreich in Gläser abfüllen.


    Anfänger ist jetzt in Level 1 aufgestiegen.


    Jetzt muss er noch lernen:

    - Warum seine im Winter kristalisierte Sommertracht durch Rühren nur zu Pampe mit enorm viel Knirsch wird (Er hat mitterweile nen Wärmeschrank).

    - Dass seine Frühtracht eben nur Pampe mit Knirsch ist und kein 'feinsteif cremiger Honig'

    - Dass er die 30 bis 40 rpm tatsächlich braucht um keinen Schaum auf dem Honig zu haben

    - Warum seine Frühtracht nicht 'feinsteif cremiger Honig' wird und wie sie es wird


    Edit: Ich will damit nur sagen, dass es meiner Meinung nach viel zu wenig Info über die ganze Honigverarbeitung gibt.

    In mienem Fall beläuft sich diese nämlich auf ca. 30% der Imkerlichen tätigkeiten.

    Mikrowellen-Essen aus biologischem Anbau lässt uns nur so leise aufstoßen, dass sich niemand belästigt fühlt.


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  • - Dass seine Frühtracht eben nur Pampe mit Knirsch ist und kein 'feinsteif cremiger Honig'

    Meine Erntemengen sind im Vergleich zu deinen verschwindend gering, aber was du als Pampe mit Knirsch bezeichnest, war vor der ganzen Materialschlacht rund um die Honigverarbeitung, dass was die Kleinimker so erzeugten. ( ist Jahrzehnte her. ;-)) Stellt sich für mich die Frage, Klimmzüge um das Produkt dem immer einheitlicher werdenden Verbrauchergeschmack anzugleichen oder ein Naturprodukt, das auch weitestgehend naturbelassen ist.

  • Einheitlicher Verbrauchergeschmack ist feinsteif? Wo bekommt man das denn, wenn nicht beim Imker? Industrie ist überrührter Glibber. Feinsteif bekommt doch kaum wer schön hin. So wie Schmalz, daß man mit dem Messer eine Furche ziehen kann, die nicht wieder zusammenläuft. Aber keine merkbaren Kristalle und auch kein verbogenes Messer. Das ist doch toll und ganz sicher keine Massenware.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Feinsteif bekommt doch kaum wer schön hin.

    Hängt auch von der Sorte ab. Bei der Frühtracht ist das kein Problem.

    Manche Sorten neigen gern dazu, ein wenig sandig zu werden (Kornblume z.B.).

    Je schneller der Honig kristallisiert, um so einfacher bekommt man ihn feinsteif hin. Man muss nur oft genug rühren.

    Den Honig erst auskristallieren lassen und dann mit Rapido und Co wieder zu mörsern, ist nicht die optimale Lösung.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • So wie Schmalz, daß man mit dem Messer eine Furche ziehen kann.... Das ist doch toll und ganz sicher keine Massenware.

    31937492eb.jpg

    Toller Honig, aber Rühren muß der Imker noch üben. Die dunklen Krümel sind sehr wahrscheinlich Pollenkrümel. Gut gegen Heuschnupfen, aber kein schöner Anblick. Da hilft nur ein feineres Spitzsieb, gleich beim Umfüllen in den großen Hobock zum Rühren. Dieser Honig wurde wahrscheinlich mit Doppelpropeller im kleinen Eimer gerührt, da hat man Schaum ohne Ende... Ist der Rührbehälter tief genug kann man auch ohne einen Luftstrudel zu erzeugen dieses Problem vermeiden.

    Aber kennen tun es wohl fast alle hier aus der Anfangszeit, stimmts?

    Ich hatte ganz am Anfang mal einen Honig so gut gerührt, das vor lauter Luft nur 480g ins Glas gepasst haben, das mußte ich dann auch jedem erst mal erklären und auf das Etikett hab ich es auch gleich geschrieben ("An der Oberfläche ist etwas Schaum durch Luftbläschen vom Rühren") ... ^^

  • Je schneller der Honig kristallisiert, um so einfacher bekommt man ihn feinsteif hin. Man muss nur oft genug rühren.

    Und wie macht man das, wenn man von einer Ernte 200kg in Eimern rumstehen hat?


    Wenn ich das richtig sehe, dann bräuchte ich eigentlich mindestens zwei Rührautomaten zu je 100kg. Dummerweise gibt das mein Budget bei weitem nicht her.

  • Und wie macht man das, wenn man von einer Ernte 200kg in Eimern rumstehen hat?

    200 kg sind doch keine Thema. Die Mengen habe ich auch pro Ernte.

    Die kommen bei mir aus der Schleuder direkt in 50-kg-Edelstahlhobbocks mit Quetschhahn, werden gerührt (mach ich von Hand) und dann abgefüllt. Da muss man schon mal eine Spätschicht einlegen, aber dann bin ich durch. Zeitlich eng wird es auch nur bei der Frühtracht, bei der Sommertracht kommt es auf einen Tag nicht an.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Bei der Ernte alles grob gesiebt in Eimer und in.den Keller. Da hab ich keine Zeit. Dann bei Bedarf durchs Melitherm, einen Tag stehenlassen, abschäumen. Impfen u. rühren. Dabei nochmal abschäumen (geht super, weil sich beim Rühren ein Schaumklecks bildet). Sobald der Honig richtig anzieht, ins Glas damit. Tag später isser fest und wird etikettiert. Ist auch Gefühl dabei, weil jeder Honig ist anders. Geht auch regelmäßig mal schief. Seh ich aber sportlich.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Moin Ralf,


    und Du meinst, dass der Schritt mit dem Keller und dem Melitherm wesentlich zur Qualität beiträgt, im Vergleich zur direkten Bearbeitung und Abfüllung des naturflüsssigen Honigs in ansonsten gleicher Weise?

    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Keine Zeitknappheit und keine dunklen Pünktchen im Honig. Ansonsten, fest gewordenen Honig im Eimer zermörsern und abfüllen war ursprünglich die Alternative.


    Aber das ist doch die Schönheit, jeder so wie er mag. Selbst schönreden ist aus Sicht eines Mitbewerbers ganz schön schön. Nur wenn mir einer erklären will, daß das nicht geht, dann zucken kurz meine Reflexe. Das wird aber auch schon von mal zu mal besser. Alles schick. Ich lern auch dazu. Langsam.


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife