Warum ist mein gekaufter Honig oben ganz weiß

  • Hallo liebe Experten :)


    ich habe ein Glas Frühtracht-Honig im Supermarkt gekauft, welches von einem Imker hier aus dem Ort stammt.

    Oben ist eine weiße Schicht auf dem Honig. Was ist das?

    Das kenne ich von "Massenmarkthonig" so nicht.

    Bin dann bei meiner Recherche auf dieses Forum hier gestoßen und dachte mir, wenn es einer weiß, dann ihr :)


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    Vielen Dank schon mal für die Aufklärung.

    Gruß

  • Winzige Lufteinschlüsse und Wachspartikel.

    Keinerlei Qualitätseinschränkungen.

    Die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. (Papst Gregor I.)

  • Das ist Schaum. Beim Schleudern ist der Honig noch klar und flüssig, durch das Schleudern kommen kleine Luftbläschen in den Honig. Wenn man den im großen Kübel einige Tage lang stehen lässt, dann steigen die Luftbläschen auf und bilden oben eine Schaumschicht, die man abschöpfen kann. Wird der Honig dann abgefüllt, zeigt sich im Glas keine Schaumschicht. Wenn man aber mit dem Abfüllen nicht so lange wartet, dann steigen die Bläschen erst im Glas auf und bilden dort eine Schaumschicht.


    So weit, so einfach. Leider ist es meist noch etwas komplizierter: wenn der klarflüssige Honig im Glas kristallisiert (und das tut Frühlingshonig eigentlich immer ziemlich bald), dann wird er oft ziemlich hart. Oder bei anderen Honigen bilden sich je nach Ausgangsbedingungen recht grobe Kristalle, die manche Leute mögen, die meisten aber mögen das nicht.

    Deshalb wird der Honig noch vor dem Abfüllen gerührt. Also mit einer Art Quirl jeden Tag durchgerührt. Dadurch werden die Kristalle feiner und der Honig weicher, cremiger. Auch beim Rühren können feine Luftblasen in den Honig gelangen, die später wieder als Schaum aufsteigen.


    Dieser Schaum ist an sich nichts schlechtes. Ein alter Imker bei uns im Verein meinte immer augenzwinkernd: das beste am Honig behält der Imker für sich - den Schaum.

    Da ist auch was dran, in meiner Familie essen wir den Schaum auch gerne (durch das 'Abschäumen', also das Abschöpfen des Schaums vor dem Abfüllen, habe ich ganze Gläser voll davon).

    Aber optisch ist es natürlich nicht so schön. Eigentlich will ich nicht, dass in den Gläsern, die ich verkaufe, eine Schaumschicht sichtbar ist. Gelingt mir aber noch nicht immer, besonders wenn ich Honig rühre kann ich oft nicht warten, bis der ganze Schaum sich oben abgesetzt hat, weil der Honig dann wieder zu fest zum Abfüllen wäre.


    Grüße,

    Robert

  • Für mich ist es eine Kindehits-Erinnerung, dass ein Honig eine kleine weiße Schicht drauf hat. Deswegen finde es nicht negativ.


    Die Massenhonig-Hersteller kippen Tonnen verschiedener Honige zusammen und machen ihn "gleich" - jedes Glas in jedem Markt soll ja gleich sein, damit der Kunde immer das Gleiche kriegt (nix mit "Naturprodukt). Dabei wird aus den Eigenheiten eines einzelnen Honigs (Pollen, Konsistenz etc.) eine beseitigte "Störung".

  • So eine ähnliche Schicht hatte ich jetzt auch bei einigen Gläsern. Nicht ganz so dick, aber doch deutlich sichtbar.


    Meine Erklärung: ich habe den Honig cremig gerührt und sofort nach dem letzten Rühren abgefüllt.

    Dadurch war - vom Rühren - ein wenig Luft in den Honig gekommen und dieser ist im Glas aufgestiegen und hat sich dann oben abgesetzt. Danach wurde der Honig mit der Zeit etwas fester.


    Besser wäre gewesen, den Honig nach dem letzten Rühren noch einen Tag stehen zu lassen, damit Lufteinschlüsse aufsteigen können. Dann hätte ich diesen Schaum abschöpfen können und der Honig wäre ohne Schaumschicht im Glas gelandet.


    Ich persönlich finde diese Schaumschicht sogar apetitanregend und schön. Allerdings habe ich deshalb auch schon mal ein Glas Honig als Reklamation zurückbekommen. Seither versuche ich den Schaum zu vermeiden, aber mei, wenns halt mal pressiert mit dem Abfüllen...


    Wie macht ihr das? Bemüht ihr Euch solche Schaumschichten zu vermeiden oder ist Euch bzw. Euren Kunden das auch egal?


    Merci,


    Alex

  • Nun, eine kleine Schaumschicht nutze ich ggf. als Anlass zur Erklärung, dass dies eine mögliche Erscheinung bei einem Naturprodukt ist, eine Individualität - die im industriell abgefüllten Honig nicht vorkommt.

    Ähnlich erkläre ich übrigens, wenn sich bei einem besonders trockenen Honig "Blüten bilden". Ein sichtbarer Qualitätshinweis!

  • ein 'Qualitätsbeweis' der Dir für ein Glas verkaufen zwanzig Minuten blutige Ohren beschert. Klasse. Oder der Wiederverkäufer gibt Dir ein zu zwei Drittel leeres Glas zurück. Ich sachs mal ganz vorsichtig, Langnese weiß, warum sie machen, wie sie's machen. Immer schön gleich. Keine Fragen, kein Gequatsche, keine Fragen. Und zufriedene Kunden. Wir alle wollen zufriedene Kunden.


    Kein Schaum, keine grobe Kristalle, nicht überrührt, keine Blüte.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Ich hab ja keine Durchschnittware. Im Gegenteil. Und es soll doch jeder halten, wie er will. Ich mag diese Gespräche nicht. Ich will niemanden belehren, wie geil irgendwas ist, was ich nicht besser hinbekommen habe.

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von rase ()

  • rase : ja, da sind wir uns doch einig. Klang eben nur etwas befremdlich aus Deiner Feder.


    Den Schaum obendrauf behalte ich als Kleinimker auch für mich selbst. Und wenn mal was im Glas

    weiß ist, lässt sich das doch immer gut besprechen. Beim nächsten Einkauf kommt dann immer die

    positive Bestätigung von den Kunden.

  • Besser wäre gewesen, den Honig nach dem letzten Rühren noch einen Tag stehen zu lassen, damit Lufteinschlüsse aufsteigen können. Dann hätte ich diesen Schaum abschöpfen können und der Honig wäre ohne Schaumschicht im Glas gelandet.

    Also bei mir reicht dafür ein Tag nicht, das ist ja das Problem.


    Wobei rühren bei mir heißt: ein Eimer völlig durchkristallisierter Honig wird leicht erwärmt und irgendwie mit Rapido-Rührer umfüllbar gemacht, in den Abfüllkübel gebracht (meist 30-35kg), homogenisiert, stehen gelassen, abgeschäumt.

    Aber selbst wenn er zwei Tage stand und dann abgeschäumt wurde gab es später in den Gläsern noch eine Schaumschicht.

    Ich gebe zu: ich habe diesen Prozess noch nicht im Griff. Ist blöd, so als Autodidakt. Im Verein scheint irgendwie niemand die gleichen Schwierigkeiten zu haben. Die einen, besonders die kleinen und neuen Imker, denken meist gar nicht ans Rühren, füllen halt gleich nach dem Schleudern ab. Die anderen rühren ganz klassisch begleitend während der Kristallisation, bzw. der Ehepartner tut es. Oder es wird mit Rapshonig geimpft, doch den habe ich halt nicht.