Ahorn anwandern

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    Hallo zusammen,

    wie im Titel des Thread angegeben bin ich am Überlegen, Ahorn anzuwandern.


    Dazu folgende Rahmenbedingungen:

    1.) Ich habe hinter dem Haus ein Rapsfeld. Gemäß meines Wissens blühen Raps und Ahorn in etwa zur gleichen Zeit. Folglich würde ich den Raps verpassen, wenn ich den Ahorn anwandere. Ist das richtig?

    2.) An dem von mir ausgewählten Stand stehen ca. 20 bis 30 Ahornbäume. Reichen diese aus, um vier Völkern genug Nahrung zu bieten?

    3.) Der Stand ist ca. 1,5km entfernt. Wiederum gemäß meinem Wissen sollte man mindest zwei, besser drei Kilometer vom alten Standort wegwandern. Also müsste ich mir Gedanken machen, dass die Bienen wieder zum alten Standort fliegen, Richtig?

    4.) Ich habe gehört, dass Ahornhonig sehr gut schmeckt und sich super verkaufen lässt. Wie sind eure Erfahrungen damit?

    5.) Würdet ihr Ahorn grundsätzlich anwandern oder auch nicht. Wo sind die Vorteile, wo die Nachteile?


    Wenn ihr weitere Tipps und Anregungen habt bin ich darüber wie immer sehr dankbar.


    Vielen Dank im Voraus und viele Grüße

    Manuel

  • Ich bevorzuge Ahorn gegenüber Raps, weil ich beim Ahorn im Gegensatz zum Raps kaum Angst vor PSM-Rückständen haben muss. Leider befinden sich bei 2 meiner Stände einschl. Wohnhaus dieses Jahr in etwa 1,5 km Rapsfelder, so dass ich erwäge, für 4 bis 6 Wochen abzuwandern möglichst Richtung Ahorn. An einem Stand hatte ich 2015 und 2016 rapsfreien Honig mit leckerem mildem Aroma, das ich dem Ahorn zuschreibe. Erwartete Menge allerdings niedriger als bei Raps. Bei nur 1,5 km Entfernung vom Rapsfeld werden Bienen dieses vermutlich zumindest zeitweise dem Ahorn vorziehen.

    Karl

    Etwa 12 Völker auf Dadant an etwa 4 Standorten. "Bienenrasse":roll:: Bunte Mischung aus Carnica und Buckfast.

  • Hallo Manuel,


    ich hätte jetzt gedacht, dass Ahorn etwas vor dem Raps blüht. Dürfte sowieso aufs Wetter ankommen: verschiedene Trachten werden vom Witterungsverlauf teilweise unterschiedlich beeinflusst, so dass in einem Jahr vielleicht beide gleichzeitig blühen und im anderen Jahr nacheinander. Keine Ahnung, wie das bei Raps und Ahorn ist. Welche Ahornart eigentlich?


    Ich weiß nicht, wieviel Honig ein Ahornbaum bringt (selbst wenn man einen 'durchschnittlichen' definieren könnte). Bei anderen Bäumen habe ich einerseits mal etwas von Werten zwischen 1 und 10 kg pro Baum gelesen (Robinie? Linde?). Andererseits etwas von 200-1000kg pro Hektar.

    Hier hat jemand aus dem Buch G. Pritsch: Bienenweide für Ahorn den Wert 200-550kg/ha zitiert.


    Bei 1,5km Abstand wage ich zu behaupten: der Ahorn hätte keine Chance gegen ein honigendes Rapsfeld. Die Bienen fliegen notfalls auch mal 5km, wenn sie ein Rapsfeld attraktiv finden. Bei 1,5 km gäbe es da vermutlich keine Frage.

    Wobei ich nach wie vor bezweifle, dass Ahorn und Raps tatsächlich gleichzeitig blühen.


    Mir hat mal ein Imker, dessen Meinung ich sehr hoch schätzte, gesagt: Ahorn ist zumindest bei ihnen (Jagsttal) eine Aufbautracht, die die Bienen normalerweise selber verbrüten. Nur in manchen Jahren kann man nennenswerte Mengen davon ernten, und selbst dann nicht rein, weil noch anderes gleichzeitig blüht. Geschmack soll gut sein, irgendwie malzig.


    Meine eigene Erfahrung: die Honiganalyse findet regelmäßig Ahornpollen in meinem Frühlingshonig. Weiß nicht wie hoch der Nektaranteil ist, aber mit reinem Ahornhonig kann ich definitiv nicht rechnen.


    Grüße,

    Robert

  • Hallo Manuel


    Wenn der Raps blüht, werden die Bienen hauptsächlich dahin fliegen, vor allem bei 1,5km Fluglinie. Die etwa 30 Ahornbäume sind eine gute Nektarquelle, wenn das Wetter stimmt. Bei uns fällt die Ahornblüte oft in die Zeit der Eisheiligen15-25 Mai, dann ist da nicht viel zu holen. Ein Standortwechsel lohnt sich meiner Meinung nach nicht. Das Anwandern einer größere Fläche Ahornwald lohnt sich bei entsprechendem Wetter bestimmt, wenn es so gut wie nur Ahorn gibt. Der Ahorn blüht auch nicht jedes Jahr reichlich.

    In deinem Fall würde ich mal ein Volk zum Test umsetzen.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • Moin, moin,


    würde ich, aber nicht 30 Bäume. Das 10 bis 30 fache wäre für mich Untergrenze für den Versuch, je nach Größe der Bäume.


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Bei mir gibt's im Umkreis aller Stände ausgedehnte Laubmischwälder mit grösseren Beständen sowohl von Spitz- wie auch von Bergahorn. Spitzahorn blüht früher und ergibt keine gute Tracht, spendiert aber prima Pollen. Bergahorn blüht später und honigt hervorragend. Daher ist das mein Frühjahrshonig, von Kunden sehr geliebt. Wenn diese Blüte langsam zu Ende geht, sind die hängenden Blütenträubchen -und nur die- häufig sehr belaust, was wahrscheinlich noch einen zusätzlichen Kick gibt. Grade zu diesem Zeitpunkt geht auch die Robinie auf. Meine Bienen gucken aber die Robinienblüten nicht an, solange der Bergahorn noch was hergibt. Deswegen gibt's meist mehr Ahornhonig als Robinie, auch in guten Robinienjahren.


    30 Bäume würde ich nicht anwandern, Spitzahorn überhaupt nicht.


    Cheers

    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Lt. Pritsch:

    Spitzahorn: April/Mai; Pollenwert: 3 (von 4 möglichen); Nektarwert: 3

    Bergahorn: Mai; 4 + 4

    Robinie: Mai/Juni; 4 + 4

    Hier blüht der Spitzahorn i.d.R. in die späte Obstblüte hinein. Die konkrete Reihenfolge ist - gerade im Frühjahr - stark von Standort- und Lagefaktoren abhängig. Ein Förster bestätigte mir aber auch individuelle Unterschiede von Exemplar zu Exemplar. Bspw. kenne ich einen Bergahorn, der rd. 1 Monat später als alle seine Artgenossen hier blüht: zusammen mit den Linden daneben.

  • Moin Re-Mark,

    Spitzahorn eigentlich zusammen mit bis Ende Weide und Mirabelle, (HR geben, wenn der blüht!) würde ich hier sagen, Bergahorn danach bis in den Raps...


    Gruß Clas

    "Ach, das Risiko...!" sagte der Bundesbeamte für Risikoabschätzung abschätzig...

  • Baudus : und, wie ist die Blütezeit deiner beiden Ahornarten im Vergleich zu den nächsten Rapsfeldern?

    Dazu habe ich zum ersten Mal in 2017 Erfahrung machen müssen. Vorher habe ich in dieser Umgebung 10 Jahre lang rapsfrei geimkert. Zwei meiner 4 Stände waren in diesem Jahr von Raps "betroffen". Beim ersten waren's vielleicht 50-60 ha in 2,8 km Entfernung (Wald dazwischen), beim andern 2,5 km. Frühtracht war daher von diesen beiden Ständen ein Raps-Bergahorn-Gemisch. Blöd, weil Bergahornhonig, wenn ziemlich sortenrein, bis ins nächste Frühjahr flüssig bleibt und daher wenig Arbeit macht, ausserdem viel besser schmeckt. Sieht dieses Jahr wieder besser aus, weil dort Getreide ausgesät. Bin kein Rapsfan ...


    Danke fürs Interesse

    Baudus

    Und wieder ist Frühling / auf alte Torheiten / folgen neue Torheiten (Issa)

  • Hm, ich glaube unter den Straßen- und Parkbäumen hier in Berlin ist relativ viel Spitzahorn. Und da in der Stadt die Straßenbäume eh früher blühen als auf dem Land, ich Rapsfelder aber wiederum nur auf dem Land sehe, läßt sich damit wohl erklären, dass ich Ahorn immer als deutlich früher wahrgenommen habe als den Raps.

  • Der Spitzahorn ist auch mehr in besiedeltem Gebiet zu finden. Er ist um einiges früher als der Raps und neben der Weide eine exelente Trachtpflanze für die Bienen. Ernten kann man da aber nichts, weil so früh im Jahr alles verbrütet wird, wie bei der Weide auch. Der Bergahorn wird gegen den Raps wohl verlieren, insbesondere bei so wenig Pflanzen und dem geringen Abstand. Entweder einen größeren weiter entfernten Bestand suchen, oder die Völker dort stehen lassen, wo sie sind. Raps ist eine wahrscheinlichere Tracht als Ahorn.

  • In deinem Fall würde ich mal ein Volk zum Test umsetzen.

    Das wird wahrscheinlich das Klügste sein. Das werde ich tun und im Lauf des Jahres berichten. Vielen Dank für den Tipp

    Hallo,


    denke aber daran, dass bei einer Entfernung von 1,5 km viele der Bienen zurückfliegen werden.

    Entweder zwischenwandern oder Umsetzen auf kurze Distanz.

    Zwischenwandern: 3 km, besser 3,5 km vom alten Standort aufstellen, 6 Wochen warten, zum neuen (Ahorn)Standort wandern, dieser sollte vom Zwischenstandort wieder 3; 3,5 km entfernt sein.

    Umsetzen auf kurze Distanz: Fluglöcher mit Zweigen fast dicht verschließen, so dass sich die Bienen einzeln durchzwängen müssen. (Schubkarren über holprigen Feldweg soll auch funktionieren, habe ich aber keine Erfahrung)


    Gruß

    Werner