Zu viele Bienenvölker in den Städten - Imkerboom !

  • Werbung

    Wie ich gerade erschreckt lese, gibt es in den Großstadten zu viele Bienenvölker:


    https://www.bienenjournal.de/a…ker-in-den-grossstaedten/


    Das deckt sich jetzt mit meinem Telefonat heute mit meinem zuständigen Forstamt:


    Nein, wir haben keinen Platz für Bienen, sonst wäre die Bienendichte zu hoch :huh:

    Komisch ist nur, dass mir bisher im Wald kein Bienenstand aufgefallen wäre, aber wenn die das sagen ..... :)


    Ständig wird rumgejammert, dass die Bienen aussterben und nun finde ich keinen Platz mehr :/


    Was sagen die Profis dazu ?

  • Das glaube ich sofort und ist gefühlt in meiner Gegend schon länger der Fall. Und zwar nicht nur in Großstädten, sondern erst recht auch in deren Randbereichen und im Umfeld kleinerer Städte auf dem Land.


    Die Imkervereine handeln immer noch so, wie sie es sich aufgrund ihrer Nachwuchsängste in den Jahrzehnten davor angewöhnt haben und werben Neuimker auf Teufel komm raus, obwohl es regional schon längst ein wenig zu viel des Guten geworden ist.

    Das ist zumindest mein persönlicher Eindruck seit geraumer Zeit.


    Ein wenig bremsen und konsolidieren wäre keine schlechte Idee, doch da Verbände, Imkerbedarfshandel und Zeitschriften von möglichst vielen Imkern leben, dürfte das ein frommer Wunsch bleiben.


    edit: Dass viele Bienen anderen Insekten was wegnehmen, halte ich allerdings auch für ein Gerücht, da die Sammelstrategien völlig anders sind.

  • Unser Imkerverein liegt am Stadtrand von München, das Interesse an den Grundkursen ist enorm, obwohl wir keine Werbung betreiben. Allerdings stellt sich für uns auch folgendes heraus:


    1. Es fangen nur ca. 30% der Grundkursteilnehmer wirklich zu imkern an. Vielleicht auch etwas mehr, man hat ja nicht mehr zu allen Kontakt.

    2. Die Anzahl der Völker ist sicher geringer als früher in der Imkerei. Ein Großteil imkert hier mit 2-5 Völkern.

    3. Es hören nach ein paar Jahren oder sogar nach nur einem Jahr ein nicht zu unterschätzender Teil der Jungimker wieder auf. Ist halt "Trendy" geworden zu imkern, aber halt nicht nachhaltig.


    Insofern gehe ich zwar schon von steigenden Völkerzahlen aus, aber ich glaube es fühlt sich nach mehr an, da es einfach mehr Imker gibt, die aber nur wenige Völker halten.

  • Die Dummheit stirbt nie aus

    Im Gegenteil - auch das soll Einstein gesagt haben:


    Ob das Universum unendlich ist, vermochte er nicht mit Sicherheit zu sagen. Dass die menschliche Dummheit aber unendlich ist, da war er sich sicher.


    Zum Thema hier mal eine fachliche Betrachtung:


    http://www.ifab-mannheim.de/Ta…ter%20-%20Bestaeubung.pdf


    Es möge sich jeder ein eigenes Urteil bilden.


    Rainer

  • Für uns Imker und die Wissenschaft ist die Aussage/Frage sicher sehr interessant, und ja irgendwo wird es auch ein Grenze für die Bienendichte geben.


    Im öffentlichen Bewusstsein haben die Bienen und Insekten in unserer Umwelt ein Problem. Auch darum gibt es so viele neue Stadtimker. Wenn es das Thema "Es gibt zu viele Imker" in die öffentliche Wahrnehmung schafft, wird die Anzahl der Neuimker abnehmen.

    Aber auch die öffentliche Wahrnehmung für das Insektenproblem wird sich verändern. Für viele wird das Problem der Bienen gelöst sein. Damit wird auch der Druck geringer die wirklichen Probleme des Bienen- und Insektensterbens anzugehen.

    4 Völker, Langstroth Flachzarge / 8 Frame, Honigraum FlowHive

  • Es mag einen Imkerboom geben und es mögen auch zeitweise zu viele Bienen an einem Orte sein, aber das klärt sich von ganz allein, wie oben schon angeführt wurde. Ich kenne spontan 4 Jungimker die mit Feuer und Flamme begonnen haben, aber diese Flamme ist erloschen. Da gab es Ärger mit Familie, Nachbarn und man hatte sich das zu einfach vorgestellt. Wenn das Umfeld die Bienen nicht mehr ernähren kann, werden viele Völker eingehen oder keine Honigerträge mehr bringen, dann hören wieder einige auf. Es wird nur der harte Kern an Imkern übrig bleiben, die ihren Völkern gute Bedingungen schaffen oder suchen.

    Die Wildbienen werden meiner Meinung nach nicht in Mitleidenschaft, durch zu viele Bienenvölker, gezogen, da sie zum großen Teil andere Trachtquellen haben.

    Wenn ich von unserem Dorf ausgehe, so gab es 1973 5 Imker und ich als Anfänger, die Völkerzahl war zwischen 25 -30 Völkern und der Honigertrag lag bei 10 -15kg pro Volk. Heute bin ich als einziger übrig, mit 15 Völkern und der Ertrag ist bedeutend höher und mit 20-30 kg pro Volk, wäre ich nicht zufrieden.

    Gruß Reinhard / Lehre mich die wunderbare Weisheit,daß ich mich irren kann.(Teresa v. Avila)

  • "Soviel Honig hatte ich bisher nicht!" das sagen einige der letzten Imker in den Ortschaften, vergessen aber oft, das es von Landstrich zu Landstrich sehr stark unterschiedliche Regenfälle als auch landwirtschaftliche Tracht gibt, und die Trachtbäume 30-40 Jahre älter sind bzw die selbst gepflanzten Bäume zum Tragen kommen. Bienen und Imker sind Landschaftsgestalter.

  • Die Imkervereine handeln immer noch so, wie sie es sich aufgrund ihrer Nachwuchsängste in den Jahrzehnten davor angewöhnt haben und werben Neuimker auf Teufel komm raus, obwohl es regional schon längst ein wenig zu viel des Guten geworden ist.

    Ob es regional zu viele Imker gibt, kann ich nicht beurteilen. Der Trend ist aber weiterhin spürbar und ich finde die Vereine tuen zu wenig, bräuchten mehr Unterstüzung bzw. werben zu wenig.

    Mir machen weniger die Anfänger in den Vereinen Sorgen, die natürlich Arbeit und Nerven kosten, als die Anfänger, die unbetreut einfach mal starten.

    Ich kenne mittlerweile einige die unbetreut starteten, weil die Kurse voll waren oder die Vereine ein verstaubtes Image haben.

    Leider melden diese sich erst irgendwo, wenn es schon zu spät ist.


    Wer sich Bienen in den Garten stellen will, der macht das aktuell - ob betreut und begleitet oder solo mit YouTube und esoterischen Konzepten.

    Ersteres wäre mir lieber; zumindest im Flugkreis.

  • Sicher wird es so manche geben, die anfangen, ins Schlingern geraten wie so einig von uns zu Beginn der Imkerkarriere. Wenn es dann an Hilfe mangelt, wenn praktische, sinnvolle Empfehlungen ignoriert werden und das Dilemma seinen Lauf nimmt, ist eben bald wieder Schluss - jedoch auf Kosten der Bienen 😣; die tun mir leid.


    Es wird sich "ausmendeln", so wie überall und das ist gut so.


    Die wirklich Interessierten werden das durchstehen, wenn sie gestochen werden, die Schwärme in den Bäumen hängen, der Honig tropft statt zu fließen, der plötzliche Materialmangel sich einstellt und leider Wochenende ist, ja - wenn die ganze Planerei sich als völliger Humbug herausstellt und die Perspektive im Nebel erscheint.


    Macht nichts - Du musst schon ziemlich einen an der Waffel haben, um all' diese Hürden zu nehmen. Zwischenzeitlich werden die Wildbienen aushelfen - so wie immer.


    Mir ist nicht bange vor Neuimkern....Habe diese Saison wieder einen Lehrling 🤗


    Rainer

  • Es ist faszinierend...

    ... die Bienendichte korreliert unter anderem mit der Bevölkerungsdichte.

    In einigen Regionen ist man hier in der Schweiz schon länger am warnen.


    Um dem mal ein paar Zahlen zur Vorstellung und Diskussionsgrundlage zu geben:

    Bei uns ist aktueller Spitzenreiter die Stadt Basel. Dort kommen sage und schreibe 25,4 Völker auf einen Quadratkilometer. Dies war zumindest 2003 so, heute dürften es dank Imkerboom noch mehr sein. Wenn da noch ne Hand voll "Schwarzimker" mit drin sind, wirds schnell mal unkontrollierbar im Seuchenfall.


    Andererseits: So dürfte sich das System auch ein wenig selbst regulieren...

    Und spätestens, wenn die Bienen mehr räubern, als sammeln, wird sich dies ebenfalls wieder einpendeln. Faszinierend ist aber trotzdem, dass dieser Kanton als einer der ergiebigsten gilt... :/