Steuernummer auf Rechnung ja/nein?

  • Met müsste (wie Wein) unter die erste Verarbeitungsstufe fallen. Hier gilt nach nach § 24 Abs. 1 Nr. 2 UStG zwar die Durchschnittssatzbesteuerung aber mit einem Steuersatz von 19% (alkoholische Flüssigkeit).

    Propolistinktur ist nicht begünstigt, weil sie zu mehr als 25% aus nicht selbst erzeugten Zutaten besteht.

    Bei Kerzen ist die Sache unklar, d,h. ob hier noch eine erste Verarbeitungsstufe vorliegt


    Umsatzsteuerlich gilt aber nach Abschnitt 24.6 UStAE eine Vereinfachungsregelung:

    Wenn der Umsatz mit diesen Produkten im laufenden Kalenderjahr

    voraussichtlich nicht mehr als 4.000 € (brutto) beträgt, greift auch hier die Durchschnittssatzbesteuerung.


    Bei der Einkommensteuer muss der Gewinn aus diesen Produkten getrennt ermittel werden werden. Wenn sie aber nicht mehr als 1/3 des Gesamtumsatzes ausmachen und der Umsatz damit nachhaltig nicht über 51.500 Euro pro Jahr liegt, gilt das steuerlich noch als Einkunft aus LuF.

    Die Gewinnermittlung erfolgt hier auch pauschal und zwar werden pauschale Betriebskosten von 60% angesetzt (EStR 15.5 Abs. 11).


    Die Kleinunternehmerregelung greift zwar für die Erzeugnisse, die nicht unter die Durchschnittssatzbesteuerung fallen, in die 17.500-Euro-Grenze müssen aber die Umsätze mit Durchschnittssatzbesteuerung eingerechnet werden (UStAE, Abschnitt 24.7, Abs. 4).


    Tut mir leid, wenn das etwas kompliziert ist, ich habe das nicht erfunden.


    (Je mehr ich mich in die Besteuerung der Landwirtschaft einarbeite, um so mehr Spaß macht das. Und ich dachte immer, Gemeinnützigkeit wäre kompliziert!)


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Das heißt Met verkaufe ich mit 19 % aber führe trotzdem nichts ab? Genauso wie im Zweifelsfall bei Kerzen?

    Wenn ich unter 4000 Brutto bei Propolistinktur bleibe, kann ich auch Durchschnittsatzbesteuern? Dann mit 19%?

    Und über 4000 € Propolistinktur kann ich über den Weg der Kleinunternehmerregelung gehen oder Gewerbe mit Vorsteuerabzugsberechtigung und 19 % ausweisen?

    Muss ich dann ein Gewerbe anmelden, denn eigentlich habe ich mit der landwirtschaftlichen Steuernummer ja schon ein Gewerbe.


    Zur Einkommenssteuer: Wenn ich also nicht mehr als 1/3 meines Gewinnes mit zugekauftem Honig, Propolistinktur, Honiglöffel etc mache, kann ich pauschal immer noch 1000 € Gewinn angeben?


    Entschuldige die vielen neuen Fragen aber ich blicke bei diesem Thema einfach nicht ganz durch...

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Das heißt Met verkaufe ich mit 19 % aber führe trotzdem nichts ab? Genauso wie im Zweifelsfall bei Kerzen?

    Genau, wie bei Honig, nur der Steuersatz ist anders.

    Wenn ich unter 4000 Brutto bei Propolistinktur bleibe, kann ich auch Durchschnittsatzbesteuern? Dann mit 19%?

    Ja, ist ja eine alkoholische Flüssigkeit.

    Und über 4000 € Propolistinktur kann ich über den Weg der Kleinunternehmerregelung gehen oder Gewerbe mit Vorsteuerabzugsberechtigung und 19 % ausweisen?

    Kleinunternehmerregelung nur, wenn der Gesamtumsatz (also mit Honig und anderen Urerzeugnissen) unter 17.500 Euro liegt.

    Muss ich dann ein Gewerbe anmelden, denn eigentlich habe ich mit der landwirtschaftlichen Steuernummer ja schon ein Gewerbe.

    Ich denke schon, weil die steuerlichen Regelungen nicht für die Gewerbeordnung gelten.


    Zur Einkommenssteuer: Wenn ich also nicht mehr als 1/3 meines Gewinnes mit zugekauftem Honig, Propolistinktur, Honiglöffel etc mache, kann ich pauschal immer noch 1000 € Gewinn angeben?

    Nein, hier wird der Gewinn mit pauschal 40% dem Umsatzes angesetzt (60% pauschale Betriebsausgaben). Es kommt also zu den 1.000 Euro Pauschalgewinn bis 70 Völker noch der Gewinn aus dem Verkauf der zusätzlichen Produkte dazu. Das sind aber auch LuF-Einkünfte, keine gewerblichen.

    Entschuldige die vielen neuen Fragen aber ich blicke bei diesem Thema einfach nicht ganz durch...

    Das kann ich gut verstehen.


    Wolfgang

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  • Top, herzlichen Dank.


    Noch letzte Frage zum Met: Pauschalen Vorsteuerabzug hab ich aber nur 10,7% was ist also mit der Differenz auf 19%?

    "In der Natur ist die Bedeutung des unendlich Kleinen unendlich groß." (Louis Pasteur)

  • Top, herzlichen Dank.


    Noch letzte Frage zum Met: Pauschalen Vorsteuerabzug hab ich aber nur 10,7% was ist also mit der Differenz auf 19%

    Das ist nun wieder so eine Absonderheit:

    "Der Land- und Forstwirt darf in diesem Fall seinem Abnehmer die Umsatzsteuer mit 19% in Rechnung stellen und den pauschalen Vorsteuerabzug des § 24 Abs. 1 Satz 3 UStG i.H. von 10,7% beanspruchen. Der sich ergebende Differenzbetrag von 8,3% wird nicht erhoben." (OFD Karlsruhe, 29.2.2016, S 7414 - Karte 1)


    Wolfgang

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  • Diese Steuernummer (Format 000/000/00000) muss bei Finanzamt beantragt werden.

    Da war das dann schnell erledigt und ich hatte kein Probleme die neue Steuernummer zu erhalten.

    Jetzt bin ich etwas verwirrt. Bisher dachte ich immer, dass die Steuernummer, die ich in diesem Format bereits seit Anbeginn meiner Arbeitnehmer-Laufbahn habe, ausreichend ist. Muss ich tatsächlich eine zweite beantragen?

    Hast Du eine Antwort auf Deine -ich finde- berechtigte Frage gefunden? Ich komme damit irgendwie auch nicht klar

  • Ne. Eigentlich noch nicht.

    Wenn ich der bisher nicht widersprochenen Aussage vom Baar-Imker folge, müsste ich mir eine neue Steuernummer beantragen.

    Bisher war ich im Glauben und meine das immer so gelesen zu haben, dass ich mit meiner gültigen Steuernummer im erwähnten Format die Rechnungsköpfe zieren dürfe.

    Falls ich in Celle Näheres in Erfahrung bringen kann, werde ich berichten.

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Ja. Genau den Beitrag hatte ich auch mal gelesen, hätte den jetzt aber nicht auf die Schnelle wiedergefunden.

    Danke

    Demnach hätte David nicht Recht, andererseits wird er ja wohl wissen, dass er seine dritte Steuernummer hat.

    Ich kann mich allerdings auch nicht daran erinnern, nach der Hochzeit eine neue bekommen zu haben.

    :/

    Gruß Michi ☮ ------------- Spezialisierung ist was für Insekten! :-D

    🖖🏿Dif-tor heh smusma🖖🏿

  • Ich hatte das Thema erst vor kurzem und habe mich bei meinem Steuerberater informiert


    Er meinte am besten Kleinbetragsrechnungen schreiben ohne Steuernummer und ohne Steuer Ausweisung.Ich hänge mal ein Bild an (Musterrechnung) wäre das so richtig oder macht er einen Fehler?



  • Bei der Einkommensteuer muss der Gewinn aus diesen Produkten getrennt ermittel werden werden. Wenn sie aber nicht mehr als 1/3 des Gesamtumsatzes ausmachen und der Umsatz damit nachhaltig nicht über 51.500 Euro pro Jahr liegt, gilt das steuerlich noch als Einkunft aus LuF.

    Die Gewinnermittlung erfolgt hier auch pauschal und zwar werden pauschale Betriebskosten von 60% angesetzt (EStR 15.5 Abs. 11).

    Bezieht sich '51.500€/der Umsatz damit' nur auf die zugekauften Produkte/nicht Urproduktion, oder ist das der max. mögliche Gesamtumsatz in diesem Modell?


    Beste Grüße,

    Ralf

    Imkern im Spannungsfeld zwischen Hoffnung und resignativer Reife

  • Er meinte am besten Kleinbetragsrechnungen schreiben ohne Steuernummer und ohne Steuer Ausweisung.Ich hänge mal ein Bild an (Musterrechnung) wäre das so richtig oder macht er einen Fehler?

    Der Steuerberater hat offensichtlich die Regelungen zur Durchschnittssatzbesteuerung nicht auf dem Schirm. Die Kleinunternehmerregelung gilt nämlich hier nicht.

    Dem Finanzamt wird es zwar egal sein, wenn Du die Umsatzsteuer nicht ausweist (weil das ja mangels Vorsteuerabzugsmöglichkeit das Steueraufkommen erhöht), aber Du berechnest damit aber dem Kunden, wenn er vorsteuerabzugsfähig ist, 9,67 % mehr als nötig.


    Wolfgang

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