Steuernummer auf Rechnung ja/nein?

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    Hallo,

    verkaufe seit etlichen Jahren an einen Hofladen meinen Honig. Ich schreibe dem Laden immer Rechnungen, auf denen ich 10,7 % Ust. für selbst produzierten Honig ausweise , die einer pauschalen Vorsteuer von ebenfalls 10,7 % gegenübergestellt werden. Da ich unter der Grenze von 31 Wirtschaftsvölkern liege bin ich nicht steuerpflichtig. Jetzt hat mir der Besitzer vor kurzem einen Auszug aus dem UStG-Buch vorgelegt mit dem Kapitel "Rechnungsanforderungen", wo unter Punkt 3 etwas von Steuernummer (oder Umst-ID) steht, die man auf der Rechnung angeben müßte. Die Frage ist jetzt, muß ich die Steuernummer wirklich angeben, obwohl ich weder EK-Steuer- noch Umst-pflichtig bin? Die zweite Frage wäre, um welche Steuernummer es sich handelt? Ist das die gleiche Steuernummer, die man bei der Steuererklärung immer angibt oder ist das eigene, die man sich extra für diesen Zweck beim Finanzamt holen muß?

  • Die Frage ist jetzt, muß ich die Steuernummer wirklich angeben, obwohl ich weder EK-Steuer- noch Umst-pflichtig bin?

    Das ist ein Irrtum, Du bist umsatzsteuerpflichtig. § 25 UStG legt lediglich einen pauschalen Vorsteuerabzug in Höhe der erhobenen Umsatzsteuer fest. D.h. Du musst die berechnete Umsatzsteuer nicht abführen, weil die fiktive Vorsteuer, die Du abziehen kannst, genauso hoch ist wie die Umsatzsteuer.

    Deswegen steht auch im Umsatzsteuer-Anwendungserlass Abschn. 24.9:

    "Die Regelungen der §§ 14 und 14a UStG zur Rechnungserteilung gelten auch für die im Rahmen des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs ausgeführten Lieferungen und sonstigen Leistungen."

    Alle Angaben auf der Rechnung und die Pflicht eine Rechnung auszustellen, gelten also hier auch.

    Die anzugebende Steuernummer ist nicht die persönliche Indentifikationsnummer. Diese Steuernummer (Format 000/000/00000) muss bei Finanzamt beantragt werden.


    Wolfgang



    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Na gut, wie es aussieht komme ich um die Steuernummer nicht herum. :(

    Also wie funktioniert das jetzt im weiteren Verlauf, ich rufe beim Finanzamt an und melde, daß ich eine kleine Hobbyimkerei mit 10-15 Wirtschaftsvölkern betreibeibe. Die geben mir dann eine Steuernummer und gehen davon aus, daß ich keinen Gewinn mache, fertig? Hab halt Bedenken daß die mir dann in Zukunft mächtig auf den Keks gehen und immer denken, ich würde doch irgendiwie den großen Reibach mit den Bienen machen.......

  • Ja, genau so habe ich es auch gemacht.

    Dann fragt das Finanzamt bei meinem Lohnsteuerjahresausgleich nach der Anlage L. Da kreuze ich irgendwie pauschalisieren und 20 Völker an und alles ist gut.


    Gruß Jörg

  • Ja, genau so habe ich es auch gemacht.

    Dann fragt das Finanzamt bei meinem Lohnsteuerjahresausgleich nach der Anlage L. Da kreuze ich irgendwie pauschalisieren und 20 Völker an und alles ist gut.

    WFLP : Geht das auch so einfach, wenn man sein Einkommen als Selbstständiger verdient, also kein Lohnempfänger ist/Lohnsteuerausgleich macht, sondern eine ESt-Erklärung mit allen sonstigen Einkunftsarten? Hier meint man: Nein, bei Selbständigen nicht, da muß alles haargenau abgerechnet werden. Also doch keine Pauschalisierung bei der USt/Unterstellung negativer Einkünfte bei ESt?


    Mit meiner o.g. Frage wird die USt-Frage wieder mit der ESt vermischt. Aber letztlich führen ja nur Umsätze zu Einkommen und die Informationen aus Rechnungen/Ust-Abteilung werden doch bestimmt in der ESt-Abteilung auch verwertet?

  • Hallo ribes,

    Ich bin zwar nicht der Wolfgang, aber wenn ich das richtig verstanden habe, dann gilt dieses Steuermodell (Pauschalierung unter 25 Völker = Steuern zahlen) für diese spezielle Landwirtschaftssteuernummer. Für bist dann im Nebenerwerb Landwirt.

    Gruß Jörg, hoffe der Wolfgang klinkt sich auch noch ein

  • Geht das auch so einfach, wenn man sein Einkommen als Selbstständiger verdient, also kein Lohnempfänger ist/Lohnsteuerausgleich macht, sondern eine ESt-Erklärung mit allen sonstigen Einkunftsarten?

    Was Einkünbfte aus Land- und Forstwirtschaft anbelangt,ja.

    Eigentlich muss Du das gar nicht deklarieren, weil steuerfrei. Wenn das Finanzamt eine Meldung haben will, gibt Du eben die Anlage L ab. Ob Lohnsteuerjahresausglecih oder Einkommensteuererklärung macht praktisch keinen Unterschied. Wie gesagt bis 70 Völker wird pauschaliert, also keine Gewinnermittlung/Buchführung.


    Hallo ribes,

    ..., dann gilt dieses Steuermodell (Pauschalierung unter 25 Völker = Steuern zahlen) für diese spezielle Landwirtschaftssteuernummer. Für bist dann im Nebenerwerb Landwirt.

    Ja, nur dass die Grenze bei 30 bzw. 70 Völkern liegt. Bis 30 Völker steuerfrei, bis 70 Völker wird 1.000 Euro Gewinn.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

  • Eigentlich muss Du das gar nicht deklarieren, weil steuerfrei. Wenn das Finanzamt eine Meldung haben will, gibt Du eben die Anlage L ab. Ob Lohnsteuerjahresausgleich oder Einkommensteuererklärung macht praktisch keinen Unterschied. Wie gesagt bis 70 Völker wird pauschaliert, also keine Gewinnermittlung/Buchführung.

    Lieber Wolfgang, kannst Du mir Ungebildetem Quellen nennen, damit ich die Fachleute hier überzeugen kann? Die sagen: Wer selbständig ist, muß alle Einkommensarten vollständig erklären, auch wenn er sonst in einer ganz anderen Branche selbständig arbeitet.

  • Es müssen natürlich alle Einkunftsarten getrennt deklariert werden. Davon kennt das deutsche Steuerrecht sieben (§ 2 Abs. 1 EStG). Das bedeutet:

    • für alle Gewinneinkünfte eine Anlage EÜR (dazu gehören auch die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (LuF), nicht aber z.B. die aus nichtselbständiger Arbeit).
    • die entsprechenden Anlagen für die Einkunftsart (hier Anlage L und Anlage 13a)

    Nun wird aber der Gewinn bis 70 Völker pauschal ermittelt. Die Buchführung entfällt also.


    Ein Beispiel: Der alleinstehende Freizeitimker Theodor Immentreu arbeitet in Teilzeit als angestellter Bilanzbuchhalter (Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit). Daneben schreibt er regelmäßig Artikel für die Lokalzeitung (Einkünfte aus selbständiger Arbeit). Er hat 35 Bienenvölker.


    Seine Einkommensteuererklärung sieht dann folgendermaßen aus:

    1. Hauptvordruck (dort kreuzt er Einkommensteuererklärung an (einen Lohnsteuerjahresausgleich in diesem Sinne gibt es nicht mehr, der Begriff bezieht sich heute auf die Korrektur des Lohnsteuerabzugs durch den Arbeitgeber).
    2. die Anlage N für sein Gehalt
    3. die Anlage S (für seine journalistische Tätigkeit); dazu eine Gewinnermittlung Anlage EÜR
    4. die Anlage L für die Imkerei. Dort kreuzt er oben bei "Art der Gewinnermittlung" das Feld "§ 13a Abs 3 bis 7" (=Durchschnittssatzbesteuerung) an. In Zeile 8 trägt er den Pauschalgewinn von 1.000 Euro ein). Hier gibt es eine kleine Komplikation, weil das Wirtschaftjahr bei LuF-Einkünften vom 1.7. bis 30.6 geht. Eingetragen wird deswegen der Durchschnitt aus dem Vorjahr und dem laufenden Jahr. War die Völkerzahl im Vorjahr die gleiche, sind das 1.000 Euro. Das war's
    5. die Anlage 13a, weil Durchschnittssatzbesteuerung: In Zeile 37 bei "Imkerei" trägt er die Zahl der Völker ein. Dahinter bei "Gewinn der Sondernutzung" 1.000 Euro.

    Eine eigene Anlage EÜR für die Gewinnermittlung aus der Imkerei entfällt wegen der Durchschnittssatzbesteuerung.

    Die weiteren Anlagen (wie z.B, die für Kinder) lasse ich hier einfachheitshalber weg; auch das Thema Zusammenveranlagung mit Ehegatten.


    Wenn die Zahl der Völker nicht höher als 30 ist, wird statt 1.000 Euro 0 Euro eingetragen. Dann wären aber die Anlagen L und 13a gar nicht erforderlich. Außer das FA will sie sehen, weil man dort als Imkerei geführt wird.


    Wenn ich hier von Vordrucken spreche, meine ich natürlich die Formulare in ELSTER.


    Das ist soweit nicht kompliziert. Unübersichtlich wird es, wenn landwirtschaftliche Flächen, andere Sondernutzungen usf. dazu kommen.


    Wolfgang

    I never loose - either I win or I learn (Nelson Mandela)

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